Archive for the ‘Dilettantismus’ Category

Kakao-Kunst

5. Mai 2020

Was kommt dabei raus, wenn sich ein paar Leute am Gründonnerstag vor dem PC versammeln? Wenn sie zusammen Kakao ohne Zucker trinken? Wenn sie sich über diesen scheusslichen Geschmack wundern? Wenn sie bei Kerzenlicht zu Schreiben und zu Zeichnen beginnen?

Warum eine Kakaozeremonie?

Auf einer Rundreise in Costa Rica im Februar habe ich eine Schweizerin getroffen, die Kakao in ihrem Garten selbst anbaut und uns gezeigt hat, wie man aus der Frucht ein Schokoladengetränk macht. Das Getränk war ganz anders als unsere heisse Schokolade in Europa. Die braune Brühe schmeckte herb, würzig und nach Erde. Ich fand interessant, dass es in Mittelamerika eine andere Kakao-Tradition gibt als bei uns. Es ist eine andere Art, Schokolade zu trinken, eine, die eher unserem Kaffee-Konsum ähnelt. Es geht nicht um eine flüssige Süssspeise, stattdessen wird der Kakao als stimulierendes Getränk verwendet.

Kakaozeremonien erfreuen sich in zahlreichen Yogi-Zentren, Hippie-Dörfern und Weltenbürger-Hostels einer grossen Beliebtheit. Irgendwelche selbsternannten Schamanen kochen dann Kakao und schauen ihren Kunden ganz tief in die Augen, während sie ihnen das Geld aus den Taschen ziehen. Dies wird beispielsweise am Lago Atitlan in Guatemala schamlos ausgenutzt. Erwähnt sei ein gewisser Keith Wilson: ein Scharlatan aus Nordamerika, der glaubt, ihm sei der Kakaogott erschienen und der nun bei teuren Kakaozeremonien irgendwelche Traveler erweckt.

Ihr seht die Sache ist zwiespältig. Weniger interessant sind die Augen und das Geld, doch der Kakao selbst ist trotz allem faszinierend. Der schwarzen Bohne wird nämlich auch nachgesagt, dass sie künstlerische Inspiration fördert. Bei der an Ostern 2020 durchgeführten Kakaozeremonie haben wir das überprüfen wollen. Es ging darum, den Kakao zuerst achtsam zu trinken und das, was man dabei beobachtet in Kunst zu transformieren. Mit der Achtsamkeit ist es so eine Sache. Eigentlich ist sie ja ganz interessant, aber das ganze Klimbim, das rundherum gemacht wird, geht einem ziemlich auf den Sack. Wenn wir also Achtsamkeit einfach mit «beobachten» übersetzen verliert es etwas von seinem Schrecken.

Unser Fazit nach der Zeremonie: Es hat besser funktioniert als gedacht. Ob das nun aber wirklich am Kakao lag, oder an der Musik oder an unserer Lust mal etwas zu machen, das nichts mit dem Virus zu tun hat? Das bleibt ein Rätsel, doch eine sinnlich-schöne Erfahrung wars allemal.

Unter «mehr» kannst du in einige Produkte hineinsehen, die während der Kakaozeremonie am Eröffnungstag der «Ostern des Todes» entstanden sind und einige Fun-Facts zur Kakao-Kultur der Mayas und Inkas lesen.

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Ostern des Todes – Programm

7. April 2020

Diese Ostern nehmen wir uns den Tod vor, der zur Zeit in jedem Hinterkopf anklopft, ob reich oder arm. Wie jedes Jahr versuchen wir dieses Thema historisch, analytisch, dann wieder verspielt, bildnerisch, in Filmen oder gastronomisch auf die Spur zu gehen. Aber vor allem machen wir das gemeinsam, mit euch. Als Anlass dient uns erneut ein zweifelhaftes Jubiläum, nämlich 1520, als das Reich der Azteken seinen eigenen Untergang, die Spanier, bei sich beherbergte und bekämpfte.

Ostern des Todes Virtuell

Freut euch jetzt schon auf Vorträge, Polemiken, auf Blödelei und Analysen. Diskutiert mit, hört zu, macht mit, aber vor allem:
Schaltet ein. Das komplette Programm findet über unseren eigens dafür eingerichteten Zoom-Account statt, zu dem ihr euch jederzeit ein- und wieder ausklinken könnt. Eine virtuelle Garage also.

Bitte hier klicken bei Programmbeginn.

Programm:

Donnerstag, 9. April – Eröffnung der Ostern und des Themas

20:00 Eröffnung: Der Tod
20:30 Vortrag: Azteken und Spanier. Als der Tod nach Amerika kam.
22:00 Kakaozeremonie

Freitag, 10. April – Vertiefung des Themas

20:00 Virtuelle Galerie: „Karussell des Todes“
22:00 Vortrag: Die aztekische Kosmologie und das Sterben

Samstag, 11. April – Sozialer Abend

18:00 Kochsendung mit Kolonialgemüse und Kulturgeschichte
20:00 Pubquiz: Lustig. Tod. Interessant.

Sonntag, 12. April – Filmabend: Der Tod und das Kino in Mittelamerika, plus eine Polemik

19:00 Film: Apocalypto Détournement
20:00 Polemik: Der Maximonkult
21:00 Film: Coco
22:30 Film: The Robot versus the Aztec Mummy

Montag, 13. April – Dilettantismus

16:00 Dilettantistische Fragestunde
18:00 Film: Revolte der Pinguine 2
20:00 Kongress der DI

Kurzlesungen zwischendurch: Die offenen Adern Lateinamerikas.

Klickt auf „Weiter lesen“ für das ausführliche Programm

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Mnfst ds Dlttntsms

20. Februar 2020

Die Basler Sektion (die sich hochtrabend selbst das ZK nennen möchte) hat das Manifest des Dilettantismus vorgelesen. Da gerade Sparwochen sind, ohne Vokale. Die muss man selber mitbringen. Es ist wie eine dieser Parties, wo man seinen eigenen Schnaps mitbringen muss. Jawohl.

Manifesto del dilettantismo

9. Januar 2020

Manifesto del dilettantismo

del gruppo Konverter, un gruppo artistico aperto, in cui le persone presentano le loro opere e ne discutono: Nella primavera del 2016, il gruppo è arrivato al punto di definire i propri orientamenti e attività nel concetto di “dilettantismo”. Quali dilettanti autodichiarati non hanno saputo resistere e hanno proclamato l’Internazionale dilettante! Il loro quartier generale è un garage a Zurigo e chi volesse saperne di più su questo gruppo che abbiamo conosciuto al Salone del libro anarchico 2018 a Berna può visitare il loro blog: konverter.wordpress.com. Qui di seguito una traduzione dilettante del manifesto.

a cura di Rosemarie, che si permette di mischiare i generi

(aber scho sicher „mischiare i generi“, isch nötig xi!) 😉

(es handelt sich also hierbei um die Übersetzung des Manifest des Dilettantismus, mit grossem Dank an Rosemarie und die Voce Libertaria, welche diese übersetzte Version in ihrer Ausgabe 42 publizierte.)

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[Montagsgedanken] Kunst oder Kulturindustrie?

25. November 2019

Über einen Widerspruch, der keiner ist.

Die Filme von Pasolini oder von Michael Bay?

Herr der Ringe oder Ring der Nibelungen?

Das Streichquartett oder die Viererkette in der Abwehr?

Heavy Metal oder Blasorchester?

Die Kastelruther Spatzen oder Rage Against The Machine?

Kunst sei elitär, die Kulturindustrie für den Pöbel, so die gegenseitigen Vorurteile. Es gibt eine lange Tradition, Kunst und Kulturindustrie nicht nur voneinander getrennt zu sehen, sondern als oppositionelle Kräfte. Am Anfang des 21. Jahrhunderts gibt es zwar wenige, die auf der Trennung beharren, aber immer noch viele, welche die Trennung als einen Akt des Willens begreifen möchten. und nicht als eine Verteilung gesellschaftlicher Funktionen.

In der überkommenen Wahrnehmung wurde seichte Unterhaltung elitärer Kunst gegenüber gestellt. Kulturindustrie schaffe die massenhafte Verbindung, den kleinsten gemeinsamen Nenner ohnmächtigen Bewusstseins und die Träume fiktiver Welten, egal ob diese den eigenen Alltag bestätigen, verfluchen, verdrängen oder überwinden. Hier gehe es um den Affekt, den Instinkt, der nach Befriedigung giert. Auf der anderen Seite – jener der Kunst – regiere das Zeitlose, Ewige, das Bildung, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft intellektueller Stimulation erfordere, um geschätzt zu werden.
Banal runter gebrochen: Hier Gefühl der Masse und dort Intellekt des Einzelnen.

[Selbstverständlich sei hier auch nochmal auf Pepes wunderbaren –  wissenschaftlichen – Text zur Kulturindustrie hingewiesen.]

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Men-struation

23. September 2019

– Hey, lass uns einen Film machen!

– Klar, ja, sowieso! Hast du schon einen Film gemacht?

– Nee.

– Weisst du, wie man einen Film macht?

– Nee.

– Geil, ich bin dabei.

Friedell: Über den Dilettanten

7. Mai 2019

„Nur der Dilettant, der mit Recht auch Liebhaber, Amateur genannt wird, hat eine wirklich menschliche Beziehung zu seinen Gegenständen, nur beim Dilettanten decken sich Mensch und Beruf; und darum strömt bei ihm der ganze Mensch in seine Tätigkeit und sättigt sie mit seinem ganzen Wesen, während umgekehrt allen Dingen, die berufsmäßig betrieben werden, etwas im üblen Sinne Dilettantisches anhaftet: irgendeine Einseitigkeit, Beschränktheit, Subjektivität, ein zu enger Gesichtswinkel.“

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25. Dezember 2018

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Reisebericht des Besuches des Zentralkomitees Zureich und der Sektion Bern der Dillettantistischen Internationale (DI) bei der Sektion Tourismus, ehemals Ost

25. November 2018

(Anmerkung des armen Barry Bernhards: Die Innsbruckreise fand statt vor Verfassers Exkursion nach Lausanne und wäre deshalb, die Chronologie respektierend, vor dem Bericht über Letztere zu lesen. Illustrationen: El Gecko.)

Donnerstag, 18.10.2018

Barry sitzt im Hörsaal, es ist Donnerstag und die Vorlesung langweilig. Barrys Problem an der Uni ist: Er weiss Bescheid. Er weiss zu viel. Noch hofft er, nicht durchzudrehen, bis auch er sein Abschlusszettelchen in Händen hält, auf das in der verwalteten Welt so viel Wert gelegt wird. Der alte Herr Professor vorne erzählt nichts, das ihm nicht schon ein anderer alter Herr Professor oder ausnahmsweise eine alte Frau Professor erzählt hat, damals, in Zureich. Aus Langeweile verfasst Barry während der Vorlesung das Manifest Praktikant_Innen aller Länder, entdeckt die Lösung der Weltformel und findet mittels vertrackter Recherchen heraus, warum Marx die Anarchist_Innen um Bakunin in Wahrheit nicht mochte: die sassen im französischsprachigen Teil der Schweiz, dort mag mensch Käse. Als Deutscher findet mensch Käse pervers. Zudem erstellt Barry den Plan für die anarchistische Weltrevolution. (more…)

[Montagsgedanken] Kunst, Kultur und Warenform – Rote Fabrik und Reitschule.

16. April 2018

„Kultur hat einen Wert.“/“Kunst ist Arbeit.“/“Künstler sollen bezahlt werden.“

Solches sind die Töne, die gerne gespuckt werden. Auch jetzt erst wieder im Zusammenhang mit der Besetzung der Grossen Halle in der Reitschule, welche die Gruppe der „Wohlstandsverwahrlosten“ durchführte. Die Kritik lautet, dass die Kommerzialisierung der (eigenen, widerständischen) Kultur rückgängig gemacht werden sollte, dass ein Ort wie die Reitschule sich auf ihre Wurzeln besinnen sollet anstatt sich zu einem Konsumtempel mit linkem (Grafitti)-Anstrich zu entwickeln.

In Zürich lässt sich diese Entwicklung eines ehemals widerständischen und von einer Bewegung getragenen Ortes zu einem Ausgehtipp anhand der Roten Fabrik beispielhaft in Erinnerung rufen.
Die Rote Fabrik ist heute nur ein Angebot neben anderen auf einem Markt. Der Entscheid in die Rote Fabrik zu gehen, ist so revolutionär wie ins Opernhaus zu gehen. Es ist eine Wahl, wo man sein Geld liegen lassen möchte. Eine Wahl, die man vergleichen kann mit der Wahl zwischen billigen sauren Gurken und teuren sauren Gurken, also ähnlich wie die Wahl zwischen einer sozialdemokratischen und einer liberalen Partei.

In diesen Auseinandersetzungen ist immer wieder vom Ausverkauf, oder der Kommerzialisierung die Rede, gegen die man sich wehrt. Gleichzeitig verteidigen jene, die jahrelang an den Strukturen mitgeholfen haben, die Notwendigkeit von Einnahmen zur Aufrechterhaltung jener Strukturen.
Bei solchen Prozessen gerät man immer auch in einen Gewissenskonflikt. Denn schliesslich reiben sich konservative Kreise genüsslich die Hände. (Hähä, höhö, jetzt streiten sich die noch untereinander…) Und auf der anderen Seite rufen die sich selbst besonnen nennenden wie damals das ZK der KPdSU zur Einheitsfront auf (oder waren es die Sozialdemokraten?). Jeder Streit untereinander schwäche das eigene Projekt und spiele dem Gegner in die Hand, und wer das nicht einsehe, verstünde nichts von der Ernsthaftigkeit der Lage und betreibe anarchistisches Brigantentum. (Oder wie es bei Monty Python so schön heisst: „Spalter!“)

Wir wollen das anhand der Hybris der Kunst ein wenig vertiefen…

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