Archive for the ‘theorie’ Category

teurer wandel

13. Oktober 2018

optimist

Besuch am Innsbruck Natur Film Festival: Am Mittwoch wird u.a. gezeigt ein Kurzfilm über den Kampf um die Arktis und dann ein Kurzfilm welcher veranschaulicht, dass wir schon seit langem Bescheid wissen über den Klimawandel. (50 Jahre im Film, eigentlich 100 Jahre sagt der Professor anschliessend) Dreist meine Idee mit dem Vergleich zum Tabakrauchen geklaut, die ich mal in einem Comic verarbeitet hatte. Obwohl evtl. auch dieselbe Idee gehabt. Soll es ja geben. Die Dokufilme am Festival sind allgemein halt typische Dokfilme und darum ich leider nicht so grosser Fan vom Festival geworden, hätte mir da mehr neue Zugänge gewünscht in Form und Inhalt.

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Der Kunstkenner: Tempo-Spatiale Intervention

27. Mai 2018

Urbanismus von Zeit und Raum, finde den Fehler

„Die Libyer!“ schreit Doc MacBrown, kurz bevor es im gleichnamigen Film „Zurück in die Zukunft“ geht.
In dem aufgehängten Slogan parallelisiert sich realiter jener Bruch mit dem Raum-Zeit-Kontinuum, den Filme wie der erwähnte fiktionalisieren. Der Rückgriff in die Zeit wird hier zum Runterhängen – und die Parole, die durch ihre Zeit der 68er definiert ist, erfährt ihre Neudefinition als Hülse, als Plakat, das mit dem Wind flattert. Ähnlich dem Landart findet hier ein Eingreifen in die Umwelt statt, gleichzeitig als Verweis auf einen urbanen Aktionismus, der sich an unzähligen Demonstrationen totgelaufen hat. So verkehrt sich der „Aufstand“ ins „Abhängen“, physisch manifestiert – sans manifestation – in der stofflichen Haptik. Es flattert eben nicht nur der Stoff, sondern auch die Ideen sind flatterhaft. Der radikale Entscheid, das oberste Stockwerk als Ort des Raumeingriffes zu nehmen, führt die Hierarchie ad absurdum: Was von unten kommen sollte, kommt hier von oben. Ähnlich dem historischen Balkon (sic!), von welchem sowohl die Revolution ausgerufen werden kann, als auch autokratische Herrschaft sich zelebrieren lässt, ist der Ort für das Spruchbanner ambivalent. Die äussere Erbärmlichkeit solcher Hochbauten fügt sich in die fragmentierte Pseudo-Metropolität der vielen Botschaften, die französischsprachig sind. Bern als Stadt der Botschaft wird hier zum Kondensat in einer einzelnen mondänen Botschaft.

Nach Benjamin: das Transparent ist Erscheinung einer Nähe, so fern das sein mag, was sie hinterließ.

Das Faktische der Aussage verkehrt sich in die Faktizität der Inklusion, oder wie es Beaudrillard eben nicht gesagt hatte (um Zizek zu paraphrasieren): Ich bin hier alleine ohne dich. Dies seine berüchtigten Worte, als er in der Usine von Renault einmal auf dem Scheisshaus sass und dort sein Opus Magnum in die Toilettenwand kritzte, weil aller Literatur a.) der Geruch der Bourgeoisie anhaftet und b.) nach Kerouac sowieso alles für den Abfall geschrieben ist. Das ist das postmoderne Bekenntnis des Gerouacs (des amerikanischen Toilettendünkels), welcher zwischen Pro Letteris, Pro Latrinis und Pro Letariat pendelt. Nichts anderes als das Rollenspiel McFlys, wenn er in pinken Stiefeln sich das Insignum des Namenlosen gibt, auf die Frage, wie er heisse, und sich den Namen Clint Eastwoods aneignet (und zugleich seinem Gegenüber anbietet).
DAS ist eben das MUTIGE solcher Aktion, die vor Kunst nicht zurück schreckt. Das Öffentliche kann nunmehr nur noch aus dem Privaten geboren werden. Dies die sowohl ohnmächtig machende wie auch Hoffnung befeuernde Kernaussage des Gesamtwerks Hegels, auf den hier mittels des leichten (und eigentlich nicht mehr erkennbaren) Glitzers neben der Fabrik verwiesen wird. Wir sind nicht alle, es fehlen die Transvestiten. An diesem Punkt wird es freilich düster (man denke an Gary Glitter, dessen Name schon immer eine Travestie war, als seine öffentliche Person mit seiner privaten Sexualität verschmolz).
Wahrlich: Kunst ist noch von Bedeutung. Es reicht ein einfacher Blick, in diesem Fall nach Bern! (in der Nachbarschaft der libyschen Botschaft)

[Montagsgedanken] 1968, eine Hitparade

30. April 2018

Dilettantismus heisst: Wer es selber macht, stösst auf Widerstand.

Wie immer zu unserem Osterprogramm machten wir uns für den Musikabend auf die Suche nach Liedern.
In der Musik wiederspiegelten sich die Zugänge und Schwierigkeiten jenes Jahres. Bei der Recherche zur Musik jener Zeit: irritierend. Was waren die Hits 1968 in Frankreich? Die Lieder aus der Hitparade sind z.T. schwülstig und bis zum Erbrechen sentimental. Das führte zur lakonischen Erkenntnis:
Bei solcher Hitparade/
stürmte auch ich die Barrikade…

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Über die Kulturindustrie in „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer

21. April 2018

Die Kulturindustrie kann als „eine Form der intellektuellen Produktion unter den Bedingungen von Fordismus12 bezeichnet werden und ist somit unmittelbar an die Entwicklungen des Kapitalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts gekoppelt. Jegliche Ansätze, die die Kulturindustrie auf eine bloße Medientheorie reduzieren, werden ihrem begrifflichen Inhalt nicht gerecht. Vielmehr bezieht sich der Begriff „Kulturindustrie“ auf jegliche kulturelle Äußerung innerhalb kapitalistischer Produktionsverhältnisse seit dem Fordismus. Das beinhaltet die Wissenschaft, den städtischen Raum, die Musik, die Politik, die Architektur usw.3 Auch wenn der Kultur innerhalb kapitalistischer Gesellschaften ein Hauch der Selbstbestimmung und Originalität anhaftet, die den Schein erwecken, sich der rationalisierten kapitalistischen Produktionsweise zu entziehen, identifizieren Horkheimer und Adorno die Kultur als vereinheitlichtes, uniformes System, das die wirtschaftliche Rationalität beständig reproduziert. „Film, Radio, Magazine machen ein System aus. Jede Sparte ist einstimmig in sich und alle zusammen.“4 (more…)

[Montagsgedanken] Kunst, Kultur und Warenform – Rote Fabrik und Reitschule.

16. April 2018

„Kultur hat einen Wert.“/“Kunst ist Arbeit.“/“Künstler sollen bezahlt werden.“

Solches sind die Töne, die gerne gespuckt werden. Auch jetzt erst wieder im Zusammenhang mit der Besetzung der Grossen Halle in der Reitschule, welche die Gruppe der „Wohlstandsverwahrlosten“ durchführte. Die Kritik lautet, dass die Kommerzialisierung der (eigenen, widerständischen) Kultur rückgängig gemacht werden sollte, dass ein Ort wie die Reitschule sich auf ihre Wurzeln besinnen sollet anstatt sich zu einem Konsumtempel mit linkem (Grafitti)-Anstrich zu entwickeln.

In Zürich lässt sich diese Entwicklung eines ehemals widerständischen und von einer Bewegung getragenen Ortes zu einem Ausgehtipp anhand der Roten Fabrik beispielhaft in Erinnerung rufen.
Die Rote Fabrik ist heute nur ein Angebot neben anderen auf einem Markt. Der Entscheid in die Rote Fabrik zu gehen, ist so revolutionär wie ins Opernhaus zu gehen. Es ist eine Wahl, wo man sein Geld liegen lassen möchte. Eine Wahl, die man vergleichen kann mit der Wahl zwischen billigen sauren Gurken und teuren sauren Gurken, also ähnlich wie die Wahl zwischen einer sozialdemokratischen und einer liberalen Partei.

In diesen Auseinandersetzungen ist immer wieder vom Ausverkauf, oder der Kommerzialisierung die Rede, gegen die man sich wehrt. Gleichzeitig verteidigen jene, die jahrelang an den Strukturen mitgeholfen haben, die Notwendigkeit von Einnahmen zur Aufrechterhaltung jener Strukturen.
Bei solchen Prozessen gerät man immer auch in einen Gewissenskonflikt. Denn schliesslich reiben sich konservative Kreise genüsslich die Hände. (Hähä, höhö, jetzt streiten sich die noch untereinander…) Und auf der anderen Seite rufen die sich selbst besonnen nennenden wie damals das ZK der KPdSU zur Einheitsfront auf (oder waren es die Sozialdemokraten?). Jeder Streit untereinander schwäche das eigene Projekt und spiele dem Gegner in die Hand, und wer das nicht einsehe, verstünde nichts von der Ernsthaftigkeit der Lage und betreibe anarchistisches Brigantentum. (Oder wie es bei Monty Python so schön heisst: „Spalter!“)

Wir wollen das anhand der Hybris der Kunst ein wenig vertiefen…

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Einige Gedanken zur „Repräsentierten Wirklichkeit“

25. Februar 2018

Der kurze Beitrag „Revolutionäre Repräsentation und digitale Solidarität“, der in einer Zürcher Zeitung anfangs 2017 erschien, formuliert eine spannende Kritik am unreflektierten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln, vor allem mit dem Internet, innerhalb revolutionärer Kreise und an ritualisierten Aktionsformen seitens einiger AktivistInnen. Dennoch bleibt die Gesamtaussage des Textes, vielleicht aufgrund der begrenzten Platzmöglichkeit innerhalb der erwähnten Zeitung, ein Stück weit unklar. Wer den Beitrag nicht kennt wird in diesem Text den Hauptargumenten begegnen, eine Auseinandersetzung mit dem Original ist nicht unbedingt notwendig. Dennoch wird auch die vorliegende Schrift das Phänomen der modernen Kommunikationsmittel nicht in ihrer gesamten Bandbreite erfassen können, sie soll jedoch Fragen und Argumentationen aufwerfen die im oben erwähnten Beitrag m. E. zu kurz gekommen sind oder gar nicht berücksichtigt wurden. Die repräsentierte Wirklichkeit wird hierbei nicht nur aufs Internet bezogen, sondern auf die herrschende Logik der Warengesellschaft, die alle Bereiche unseres Lebens durchdringt. (more…)

[Montagsgedanken] Funktion

5. Februar 2018


An alle Funktionen und Positionen ist die Frage zu stellen: Drängen sie zur Aufhebung ihrer selbst? Welches auch immer ihre Funktion ist, drängen sie zur Auflösung jener Not, welche ihnen den eigenen Auftrag erteilte? Diese Frage ist total und verweist dadurch auf das Umfassende der Strukturen; sie kann an jede entsprechende Instanz gerichtet werden.

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[Montagsgedanken] Glosse: Warum ich Roger Federer hasse

11. Dezember 2017

„Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren“ – Tocotronic

Ich kann mit Tennis überhaupt nichts anfangen. In mir lauert dieses Vorurteil, es handle sich dabei um einen Bonzensport. Englische stiff-upper-lip Typen, Jingos, die sich im Club sportlich betätigen, nachdem sie ihre Arbeiter entlassen haben. Manager-Yuppies, die geschniegelt weiss verkleidet Jugendlichkeit und Unschuld demonstrieren möchten. Perlweisse Zähne. Schwiegersöhne, Kinder besserer Eltern, die auf dem Tennisplatz posieren, während am Rand ein Butler mit einem Silbertablett steht, auf dem eisgekühlte Limonade aus Kristallkaraffen eingeschenkt wird.

Obwohl ich mich null für Tennis interessiere, will ich hier etwas loswerden: Warum ich einen tiefen, aufrecht empfundenen Hass gegenüber Roger Federer empfinde, obwohl ich noch nie ein Tennisspiel gesehen habe.
Ja, für einmal gehen die Montagsgedanken ins glossenhafte.

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[Oktober 8. bis 14.] Up Against!

14. September 2017

[Dies ist ein allgemeiner Veranstaltungshinweis, es werden noch weitere Infos folgen… reserviert euch die Woche. Und falls ihr Interesse habt, mitzumachen, meldet euch]

UP AGAINST!

Anarchistische und künstlerische Prozesse, Veranstaltungen im Oktober:
Vom 8. bis 14. Oktober wird die autonom organisierte Veranstaltungswoche UP AGAINST! in Zürich stattfinden. Die Idee dabei ist, dass es kein festgesetztes Programm gibt, sondern mit eigenen Beiträgen, Veranstaltungen, Aktionen oder sonstigen Experimenten das Programm ergänzt und vervielfältigt werden kann. Gerne könnt ihr euch auch unseren wöchentlichen Treffen zur Vorbereitung anschließen.

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[Montagsgedanken] Boykott

14. August 2017

Es wird gelegentlich eingeworfen, dass Jene, die Teil der kapitalistischen Massenkultur sind, auf diese rückwirken als Konsumenten – ebenso wie der Bürger durch Abstimmungen und Parlamentswahlen rückwirkt auf den Staat. Die Konsumenten hätten es in ihrer Macht, sich über die Waren und Produkte zu informieren und würden jene Anbieter, die schlampig oder gewissenlos produzieren, abstrafen, indem sie sich von ihnen abwendeten. Die radikalere Version dieses Abwendens heisst dann Boykott.

Ohne Widerspruch: Der Boykott in seiner ursprünglichen Form ist eines der revolutionärsten Mittel – er bezeugt gerade jene Aktivität und jene Ermächtigung, welche das Bestehende revolutioniert.

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