Archive for the ‘debatte’ Category

dejavu in st. pauli

9. Juli 2017

Wir fuhren mit dem Zug. Ziemlich bald gesellte sich ein ziemlich verrückter Punk zu uns. Und so waren wir gut unterhalten bis zum Endbahnhof. Dort schrieb der Punk als erstes mit rosaroter Kreide „Hallo Satellit“ auf den Bahnhofsplatz um unsere Überwacher zu grüssen. Wir fuhren mit dem Bus zu einem der Protestcamps. Denn wir waren hier um gegen den Gipfel der Mächtigen zu protestieren. Wir glaubten, dass dies nötig war, denn politische Alternativen, echte Alternativen, ein grosses Umdenken, war unumgänglich angebracht, und wie der alte Benjamin schon gesagt hat, machst du keine Revolution, landest du im Faschismus schon.

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No Surrender

27. Juni 2017

Ben Morea hinter der Schwarzen Maske

14. Mai 2017

Übersetzung von http://anarchistnews.org/content/ben-morea-behind-black-mask Kommentare nicht enthalten im Original, Kontext hinzugefügt.

Bild von Menschen in Sturmhauben im Schnee, ein Demonstrationsumzug. Jemand hält einen überdimensionierten Totenkopf auf einer Stange. Zuvorderst hält jemand ein Schild hoch mit der Aufschrift

Kontext: Das Wort „Die Firma“ ist die Übersetzung von engl. ‚The Company‘, die Kompanie. Die Wurzeln des Kapitalismus sind kriegerisch, Heere wurden bezahlt durch Plünderung und in deren Planung und wurde vorinvestiert. Truppen als Startups. Eine Kompanie war also immer auch ein wirtschaftliches Konstrukt mit Investoren, Renditedenken und einer den Kriegstrupp begleitenden Gesellschaft, welche den Nachschub sicherstellte und an den Erfolgen, sprich Raubzügen partizipierte.

Sehr wahrscheinlich hast Du noch nie von Ben Morea gehört. Das hat einen guten Grund. Er wollte das nicht anders. Ich habe Ben Morea und Black Mask Schwarze Maske (später Up Against the Wall Motherfucker Ab gegen die Wand, Mutterficker ) per Zufall entdeckt während des Studiums für meine Dissertation. Das Thema meiner Arbeit war, wie die Sprache der 60er Gegenkultur (sei sie gesprochen, visuell, musikalisch oder poetisch) kontrastierte mit und direkt opponierte der [Sprache] der dominanten technokratischen Kultur.

Diese überzeugende, fast literarische Beschreibung ist das erste, was ich je über Ben Morea las:

‚Er war langhaarig und bärtig wie zahllose Hippies aber statt sich mit Blumen und Perlen zu schmücken, wamste er sich in Lederjacke, trug ein Klappmesser und bot Manifestos voll kryptischer Poesie und wütendem Agitprop an.‘

Bevor ich auf die Schwarze Maske stiess, war ich komplett fokussiert auf die Opposition der Westküste, LSD-getriebene „Flower Power“ „machinetranslationerror / „Freie Liebe“.

Für mich liessen Morea und sein profund analytisches Kollektiv anarchistischer Aktivisten Typen wie Allen Ginsberg, Timothy Leary und Ken Kesey (vielleicht unfairerweise) wie kindische Comicsfiguren wirken. Der Schwarzen Maske (und Morea’s) Herausforderung der dominanten kulturellen Sprache stellte zu dieser Zeit eine direktere, aggressive aber gleichzeitig vermutlich gefühlvollere Opposition dar, als deren Westküsten-Zeitgenossen.

Sie waren sicherlich militanter als die Hippies (Morea schliesslich des Versuchten Mords angeklagt). Ihr erklärtes Ziel war „nichts weniger als die Zerstörung dieser Kultur“, behauptend „Wir haben eine Kunst welche ein Ersatz für Leben ist, [und] eine Kultur die als Ausrede der tiefen Armut des Lebens wirkt“.
Sie glaubten, die Suche der Hippies nach dem ewigen Rausch [sei] nichts mehr als „das Samtfutter des eisernen imperialistischen Handschuhs“. [Die Hippies] verbrächten zu viel Zeit damit, berauscht zu werden und nicht genug Zeit damit, die herrschende Machtstruktur zu bekämpfen. Die Schwarze Maske bezeichnete die Hippies als die „Neue Machtstruktur“.

Hier eine Beschreibung der Schwarzen Maske in ihren eigenen Worten, aus Schwarze Maske & Ab gegen die Wand Mutterficker:

„Gegründet in den Mitt-60ern, verschmolz die Gruppe Schwarze Maske die Ideen und Inspiration von Dada mit dem Anarchismus der Spanischen Revolution, und dieser Band zeigt, wie sie die Kunst, Politik, und Kultur der Dekade stark beeinflussten, als sie kurz das Museum der Modernen Kunst ausser Betrieb nahmen, das Banken-Börsenkonglomerat protestierten, an Konferenzen der Studenten für eine Demokratische Gesellschaft kämpften, und Schiessen auf Andy Warhol verteidigten. Diese Geschichtschreibung detailliert, wie sich die Schwarze Maske 1968 reorganisierte als Ab gegen die Wand, Mutterficker, welche das konfrontatorische Theater und Taktiken der Schwarzen Maske mit einem viel aggressiveren Ansatz im Umgang mit der Polizei und Autoritäten kombinierte.“

(The Incomplete Works of Ron Hahne, Ben Morea, and the Black Mask Group)

Es war via den Publizisten des eben genannten Buches, dass es mir gelang, mit Morea in Kontakt zu kommen. Da viele Vergleiche gemacht werden zwischen dem politischen Klima der 60er und dessen vonHeuteTM, war das Ziel dieses Interviews nicht, die Vergangenheit einzuordnen, sondern Einsichten darein zu erhalten, wie jemand, der sehr stark im 60er Aktivismus involviert war, die kontemporäre Situation sieht.

(M) Was hast Du gemacht, seit dem Ende der 60er?

(BM) Ich blieb 38 Jahre isoliert, nur in den letzten 8 Jahren oder so erreichbar. Ich hatte NYC und den Aktivismus ’69 verlassen (zuvor [war ich] in der Lower-East-Side und aktiv von ’59-’69). Zuerst ging ich ’70 in die Berge und verblieb 5 Jahre in der Wildnis, zu Pferde. Dann selbstversorgt und bauernd für die nächsten 10. Ich folgte meiner Frau ins Handwerkliche und zog in die Stadt. Fing wieder an zu Malen in den späten 80ern.

Die ganze Zeit im Westen blieb ich in der Kultur der Ureinwohner, war ein Teil von ihr. Hatte sie als meine Eigene [Kultur] adoptiert. Dies ersetzte politischen Aktivismus mit einem lebenden Modell, dies gab mir schliesslich eine zusätzliche (lebende) Aufgabe, gegenüber mechanistischer Politik. Ich bin überzeugt dass die Überwerfung von Kapitalismus und Regierung nicht genug ist, eher ist eine komplette Auslöschung von Materialismus gefordert, beide Kapitalismus und Marxismus. Leben muss Konsum ersetzen.

Warum zeigst Du nicht gern dein Gesicht? Ich habe Dich in einem anderen Interview erwähnen hören, dass Du denkst es würde deine Botschaft untergraben. Hättest Du aber eine öffentlichere Rolle gespielt, wäre deine Botschaft vielleicht weiterreichend gehört/verbreitet worden.

Erstens, offensichtlich war das Letzte was ich in meinen Aktivistenzeiten wollte, eine klare Zurodnung meines Aussehens. Zweitens, ein visuelles Ziel zu kreieren ist nie vorteilhaft. Das System braucht Symbole um sie anzugreifen. Dann gibt es noch mein Unwohlsein betreffend „Personenkult“. Einige indigene Menschen fühlten, das Einfangen des Aussehens sei analog dem Einfangen des „Geistes“, was ich teile. Dann gibt es noch die echte Gefahr, dass ein Gesicht eine Botschaft ersetzt.

Was hältst Du also von der „Selfie“-Kultur?

Das „Selfie“ ist die ultimative Selbstgefälligkeit. Eine klare Indikation, wie tief das Problem reicht. Fünfzehn Minuten Berühmtheit werden zur Lebenszeit der Selbsttäuschung. Wir können nur auf ihren Niedergang hinarbeiten, aber es wird ein langer und schwerer Weg. Du kannst in seiner Absurdität das extreme Wachstum dieser Faszination am Bild statt der Essenz erkennen.

Wie war dein Verhältnis zu den Schwarzen Panthern? Und was sind deine Gedanken zu den Panthern in Bezug auf die aktuellen Rassenthemen in Amerika.

Ich hatte (und die Schwarze Maske hatte) eine persönliche Beziehung mit dem Kampf der Schwarzen und speziell den Panthern. Obwohl ich ein eingeschworener Anarchist war und die Panther eine autoritäre (manche sogar eine maoistische) Neigung hatten, empfand ich den Kampf der Schwarzen als unumgänglich und wir hätten unsere Differenzen auch noch später bereinigen können. Die Morde durch die Polizei heute sind auch ein grosses Thema. Aber der Polizeistaat ist nicht nur ein Rassenthema, auch wenn er im Kontext der Rassen stärker auftritt, Autoritarismus kann alle treffen.

Was [meinst Du] zur Evolution der Frauenrechtsbewegung seit den Sechzigern?

Es scheint mir, die Frauenbewegung trägt dieselbe (potentiell) trennende Dualität in sich, wie andere politische, rassische und geschlechtliche Bewegungen, alle bestimmt durch die Ziele die sie zu erreichen sucht. Ist es „Befreiung“ oder Anpassung?

Wie würde eine wahrhaft befreite Welt aussehen aus deiner Sicht?

Und hier ist die gefährlichste aller Fragen. Zu jeder Person gibt es einen Reim, die Herausforderung ist, die gemeinsame Melodie zu finden, die dafür Platz hat. Bis jetzt sind die meisten politischen und religiösen Lösungen an diesen Felsen zu Grunde gegangen.

Wenn die Schwarze Maske heute erst anfangen würde, wie würdest Du das Anpacken? …Würdest Du Gewalt unterstützen?

Ich unterstütze alle Bemühungen, das Paradigma zu wechseln, friedlich oder anders. AANA, Auf Alle Notwendigen Arten. Es wird alles brauchen. Man kann nie einzelne Bemühungen abschreiben, sie wirken kumulativ. Der „Krieger“ ist eine Wesensart. Bedingungen, so wie sie vorgefunden werden, bestimmen die daraus folgenden Aktionen. Da gibt es keinen „Plan der für alles passt“. Vorgezogene Schlüsse können nie das Endresultat sein.

Es hat einen grossen Schub des Gebrauchs indigener Medizin gegeben unter jungen Westlern in den letzten paar Jahren. Was hältst Du von der kontemporären psychedelischen Kultur im Vergleich zu dem Umgang damit in den Sechzigern?

Ich empfinde den Gebrauch indigener Medizin hauptsächlich als positive Entwicklung, abgesehen vom gefälscht-schamanistischen Profitdenken. Aber die politische Welt hat auch ihren Anteil falscher Propheten. Darum benutze ich den Begriff „Revolutionärer Animismus“ um von den gemeinen „Unterhaltern und Profiteuren“ zu Unterscheiden. In den 60ern hattest Du auch beides, diejenigen die Psychedelisches nutzten um Veränderung voranzubringen, auf persönlicher und gesellschaftlicher [Ebene] und denen die es als Neue Unterhaltung sahen.

War Revolutionärer Animismus etwas, an das Du zu Glauben lerntest während deiner Zeit mit den Ureinwohnern? (Die Idee, dass alles Existierende mit Bewusstsein beseelt ist).

Ich hatte einen inneren Glauben, vor und während der 60er wurde dieser langsam klarer und stärker, sowohl in der „Wildnis“ lebend als auch in der Nähe der Ureinwohner.

Das klingt ähnlich wie Hippie-Worte in den Sechzigern. Du hast einen gut dokumentierten Abscheu gegenüber den Hippies, hättest Du damals einen Ansatz näher bei „Frieden und Liebe“ gewählt, mit deinem heutigen Wissen?

Betreffend der „Hippies“, wir haben die Gegenkultur nie abgelehnt, oder den notwendigen „alternativen“ Lebensstil, sondern ihre „Warenform“, ihre Reduktion zu einem „sicheren“ Produkt. Ganz im Gegenteil, wir sahen uns auch als Teil dieses „neuen Bewusststeins“. Wir haben [jedoch] angestrengter den reinen (und autoritären) politischen Weg abgelehnt. Ich war gut befreundet mit Allen Ginsberg und Tim Leary, habe aber deren Flirt mit den Medien immer kritisiert.

Kontext: Siehe zum Thema Punk und Widerstand die Doku Let Fury have the Hour

Später, mit der Geburt von Punk, könnte man argumentieren, wurde der Anarchismus selbst benutzt und verramscht. Was hältst Du von Punk-Kultur? Ist sie sicher vor Kommerz?

Re-Definition und Form-Wechseln ist unsere einzige Zuflucht. Sei kein stationäres „Ziel“. Wenn sie dich ins „Visier“ bekommen, verschiebe die Parameter. Ständige Bewegung ist unsere einzige Hoffnung. Zugänglichkeit ist zugleich sich selbst der Untergang, die verführerische Falle.

Wenn Du alle in der Welt dazu bringen könntest, ein Buch zu lesen, welches würdest Du nehmen?

Lesen!?… Ich würde es vorziehen, wenn sie SEHEN könnten.

Offener Brief aus Schwamendingen

23. Februar 2017

[ein Brief aus Schwamendingen, der uns zugeschickt wurde; anlässlich der Suche gewisser linker akademischer Kreise nach einer sozialen Identität… da versuchen manche Leute auf dem Reissbrett das herzustellen, was sie an sich selber nicht wahr haben möchten und suchen danach, wie sie „die Massen“ für ihre Partei gewinnen könnten…]

Dieses Jahr werden sie vermutlich anfangen mit dem Häuser Abreissen. Dann werden wir von hier weg ziehen müssen. Wir wissen noch nicht, wohin. Wir wohnen seit zehn Jahren hier, seit beschlossen wurde, dass die Autobahn überdacht werden soll. Wir leben hier so vor uns hin, mal besser, mal schlechter, neben der Autobahn und hinter den Schallschutzwänden. Die Architekten haben tolle Pläne, von Grünflächen, Parks, Begegnungszonen. Die Politiker, die sind schon ganz scharf darauf; sie sagen, das Quartier würde dadurch endlich aufgewertet werden. Alle freuen sich wie bekiffte Käfer drauf. Nicht nur die Sozialisten, auch die Christen, die Faschisten und die Liberalen und die Evangelikalen und was weiss ich. Die einzigen, die sich nicht freuen, sind wir, die wir hier wohnen.

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[Montagsgedanken] Werbung, die propagandafreie Ideologie

26. Dezember 2016

Es ist wieder Weihnachten und das heisst, wir wollen uns an diesem Tag auf das besinnen, was Weihnachten eigentlich bedeutet: Kommerz und Werbung. Also lasst uns gemeinsam inne halten und diesem wichtigen Tag gedenken, der gefühlt einen Sechstel des Jahres bestimmt und lasst uns darüber hinaus anhand einiger Beispiele in den Mechanismus der Werbung eindringen…

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„Die Revolte der Pinguine 2“ – Thementag

21. Mai 2016

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Diskussion, Messe, Vortrag und der Filmfilm des Abends!

O-Ton: „Nur Bonzen und Faschisten verleugnen die Klasse!“

Im Konvent der Pingus brodelt es: Die Mutter Oberin will bloss Profit und Gehorsam. Die Prolls organisieren sich, mit billigem Schnaps, wilder Leidenschaft und vulgärem Marxismus. Gründe gibt es, aber keine Organisation. Die Wutbürger fürchten um ihre Gartenzwerge und Renten. Schulden und Faschismus sind im Trend, Schwachsinn wird gefeiert – was heisst das für die Revolte? Können die Prolls das Ruder umschwenken, werden die Kirchen des Kapitals brennen – oder bleibt die Scheisse, die wir Alltag nennen, wie sie immer war: braun und klebrig?

15 Uhr: Diskussionszyklus „Kunst/Revolution“, Thema: Kulturindustrie
18 Uhr: Messe mit Father Ted: „Lettuce pray!“
19 Uhr: Vortrag zu détournment – Kunstkacke oder revolutionäre Aneignung?
20 Uhr: Film: „Die Revolte der Pinguine 2“, mit anschliessender Diskussion.

Wie immer: Bei uns in der Garage.

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Protokoll Gründungskongress der DI (Dilettantistischen Internationale)

6. April 2016

Und hiermit – im Namen des Father Ted – erfolgt die Gründung der DI, am Abend des 28. März 2016, welcher ein Ostermontag ist, und welches 100 Jahre nach der gescheiterten und erfolglosen bewaffneten Besetzung Dublins durch Jene geschieht, die sich bewaffnet hatten um nicht schutzlos ihren Herren und Chefen und deren Staat ausgeliefert zu sein. Or in the name of the holy father jack:  „Drink! Arse! Feck!“

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Der Gründungskongress der DI an den Irischen Ostern 2016

In dem Sinne ist hier das Protokoll zum Gründungskongress nachgeliefert.

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Billette Onkel

3. April 2016

Eigentlich scheitert dieser Text schon am Anfang. Ich wollte behaupten, dass es aussergewöhnliche Künstler gäbe, und dann eine grosse Masse an Menschen die gerne aussergewöhnliche Künstler wären. So im Stil von „viele fühlen sich berufen nur wenig sind auserwählt“. Aber dann ist mir spontan keine aussergewöhnlicher Künstler eingefallen. Das mag daran liegen, dass ich mich des Öfteren mit den Biografien von Sogenannten auseinandergesetzt habe und dann sieht man, dass es oft eher um biografische Verdichtung geht als um ein besonderes Talent Dinge in einer bestimmen Form zu erfassen. Und wenn ein besonderes Talent vorliegt, dann darum dieses möglichst nicht zum Vorschein kommen zu lassen. Dieser Amerikaner den ich so mag zum Beispiel der immer zum Repräsentant einer Gegenkultur verklärt wird, obwohl ihn alle kennen, wollte Musiker werden. Er wurde ein dilettantischer Schriftsteller. Seis drum.

Gehen wir als These trotzdem von der nicht besonders originellen Möglichkeit aus, es gäbe so was wie ein Überkünstler. Fleissig, sehr talentiert, zum Beispiel sieht man im Picasso Museum in Barcelona Zeichnungen, welcher dieser als Kind gemacht hat und da denkt man sich schon, dass ist technisch was anderes als das übliche Gekritzel. Also wenn es diese aussergewöhnlichen Menschen gibt, dann ist doch die grosse Masse an Kreativarbeitern daran interessiert, zu einem solchen zu werden oder besser zu beweisen ein solcher zu sein. Dass es in der durchgepopten Gegenwart von Castingshows nur so wimmelt ist ein Zeichen dafür. Und war dieser Text bis hier hin eben auch nur ein einziges Scheitern, wo der Leser so innerlich Häkchen auf kleine Quadrätchen macht mit „Kenn ich schon“, „Weiss ich schon“, „Kommt nicht zum Punkt“, wird er diesen Stil jetzt auch nicht verlassen. Wie so auch, geht ja bis jetzt. Denn was nun kommt, ist auch ein Allgemeinplatz, sozusagen nichts Neues. Kultur ist ja oft die Wiederholung von immer gleichen Ritualen und weshalb soll das plötzlich anders sein mit der Moderne. Da fand ich immer schon reichlich eingebildet vom 20. Jahrhundert. Nur weil man nicht mit der Vergänglichkeit umgehen kann, muss ja nicht alles zwanghaft Neu sein. Was Neu ist, merkt man schon selbst.

Wie auch immer, ich komme jetzt zum Punkt: in der Mentalität des Kulturmarktes, und das weiss ich aus jahrelangen Feldstudien in diesem Bereich, geht es um nichts anderes als Verdrängung und Abgrenzung, Migrationsströme nichts dagegen, wie dieser wirklich aussergewöhnliche Schreiberling aus Wien sagen würde. Oder auch Hahnenkamm nichts dagegen. Die Kunstschulen und Orte als Hühnerhof wo die Hähne ob weiblich oder männlich ist egal um die Henne Kunst kämpfen bis auf den Tod und die Verzweiflung. Ich hingegen, versuche immer die Herausforderung dahingehend zu sehen, überhaupt etwas zu produzieren. Früher dachte ich das liegt daran, dass ich faul und ohne Ehrgeiz geboren bin. Heute weiss, nein ich möchte halt frei sein in meiner Arbeit. Kein Kirchenmaler. Und auch kein Zwingdi a la Zureich. Für mich ist der Himmel auf Erden und das Leben endlich. Und wenn man stirbt sollte man alles was man gemalt und geschrieben hat verbrennen.

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Manifest des Dilettantismus

27. Februar 2016

Ein hoch auf den Dilettanten! Denjenigen, von dem man sagt, dass er es nicht kann und lieber lassen sollte. Der Dilettant ist Widerspruch: Er macht es trotzdem. Dem Dilettanten ist es egal, dass er etwas nicht kann, im Gegenteil: Gerade weil er es nicht kann, macht er es.

Dilettantismus heisst, sich nichts einreden zu lassen.

Dilettantismus heisst: Hin zu stehen, zu machen.

Dilettant ist man nicht durch eine Art des Denkens, eine Art des Bewusstseins. Dilettant zu sein ist keine Theorie. Einen Dilettanten erkennt man nicht an seiner Meinung. Der Dilettant tritt in die Welt durch seine Tat.

Ein jeder ist Dilettant, nur lässt es sich nicht jeder anmerken. Alles ist dilettantisch, alles ist Dilettantismus. Vom Kaffeekochen bis zur Weltrevolution.

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Die Leiden des jungen S.

25. Dezember 2015

Innenansicht. Ein Fernsehstudio. Irgend ein Abendprogramm, das sich niemand ansieht, bis auf diesen komischen Typen mit den ungepflegten Haaren, der immer in unserem hippen Café rumsitzt, und uns von „Adorno“ erzählt. Dabei sind italienische Nachspeisen sowas von out.

Moderator: Bei mir hier im Studio sind Herr Schrattmann, auf dessen Leben die Kurzgeschichten Herrn Gregor Schenkers aufbauen, sowie Herr Schenker selber. Guten Abend, die Herren.

Schrattmann: Guten Abend.

Gregor Schenker: Genau.

Moderator: Unsere Runde wird vervollständigt durch ein Schaf, das wir heute Morgen draussen vor der Türe fanden.

Schaf: Mir war kalt.

Moderator: Sehr schön. Herr Schrattmann, Sie baten mich zuvor, Sie wollten gleich zu Beginn etwas klar stellen.

Schrattmann: Ja, es ist nämlich so, dass Herr Schenker mich völlig falsch darstellt.

Gregor Schenker: Ach hören Sie doch auf.

Schrattmann: Doch, doch – ich bin bei weitem nicht so kleinbürgerlich und bieder, und seit diese Geschichten im Umlauf sind, werde ich andauernd angesprochen. Wildfremde Leute möchten ein Selfie mit mir machen, schreien hell auf, wenn sie mich sehen und zeigen mit dem Finger auf mich und rufen meinen Namen.

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