Archive for the ‘debatte’ Category

Vollgeld? Schmommgeld! – Wenn nicht das Kapital, sondern das Sparschwein des Kleinbürgers vor Angst zittert…

23. Mai 2018

Vorweg: Die Vollgeld-Initiative geht sowieso verloren und nichts liegt hier ferner, als in das spektakuläre Abstimmungs-Tatütata einzustimmen. So verwirrend, wie die Initiative daher kommt, mit ihrem Ansinnen, eine finanzpolitische Reform durchzusetzen, die sie selber wechselhaft mal als revolutionär bewirbt, dann wieder als liberal und den Wettbewerb förderlich, zuletzt als systemstabilisierend – diese Verwirrung bereitet ihr Scheitern vor. Mit diesen verwirrenden Ansagen ködert sie aber auch einige, die meinen, hier würde es um Antikapitalismus gehen. Schliesslich handle die Initiative vom Geld und möchte die Macht der Banken einschränken, heisst es verkürzt.

Nun lag der WoZ vor fast zwei Wochen wieder einmal die antidot-inclu-Beilage bei, die sich selbst als „Format für die widerständige Linke“ bezeichnet. Diese Ausgabe wurde einzig und allein durch die „Allianz für Vollgeld und Gerechtigkeit“ bestritten und kann ohne Scham als plumpe Abstimmungspropaganda bezeichnet werden. Es ist doch relativ haarsträubend und zum Haareausraufen, wie an dieser Schnittstelle von kritischem Journalismus im Stile einer WoZ, einer Ergänzung um politische Kampagnen und aktivistischen Inhalten wie sie sich antidot einst auf die Fahne geschrieben hatte, so ein inhaltlicher Müll eine Leserschaft von mehreren zehntausend erreichen durfte.

Irgendjemand hat es hier versäumt, drauf zu schauen – und man spürt die Verlegenheit der WoZ in der letztwöchigen Ausgabe, in welcher sie sich des Themas der Initiative annimmt, sowie einen langen Artikel von Stefan Howald abdruckte, in welcher er genau jenen Standpunkt vertritt, dass es keine Kapitalismuskritik geben kann ohne Kritik der Profitrate und damit der Arbeit.

Das ajour-Magazin hat sich dem Ganzen vor wenigen Tagen gewidmet und auf viele Sachen hingewiesen, die uns auch aufgefallen sind. Einige Punkte wiederholen sich, andere ergänzen und schweifen da noch ein bisschen weiter ab. Wir sind da offenbar parallel darüber gestolpert und sie waren schneller. Lest ihren Text, er ist besser als unserer, hehe…

Mehrere Punkte sind in dieser Angelegenheit peinlich:

1. Dass jede Organisation, die sich irgendwas mit „Gerechtigkeit“ im Namen nennt, offenbar eine antidot-inclu-Ausgabe kaufen und dort ihren Müll ausbreiten darf. Die Messlatte dafür, was „widerständige Linke“ sein soll, ist tief gesunken…

2. Dass die WoZ solchen Ausgaben eine Plattform anbietet. Auch wenn sie inhaltlich nicht dafür verantwortlich ist, wird sie kaum blind sein, was in ihre eigene Zeitung als Beilage reingesteckt wird. Dies ist umso peinlicher, als die WoZ selber bei diesem Thema sich schon häufig mit kritischeren und detaillierteren Analysen hervor getan hat. Wir erinnern nur an diesen Text des kürzlich verstorbenen Elmar Altvaters, in welchem er das ideologisch verquere der Kapitalismuskritik bei den Vollgeld-Apologeten heraus streicht. Immerhin hat sich die WoZ bereits distanziert.

3. Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll über das Finanzsystem die Klappe halten. Und umgekehrt: Wenn esoterische Querfront-Grüppchen, die AfD-Sympis und Antisemiten in ihren Reihen haben oder zu ihren Unterstützern zählen, mit solchen nationalistischen Fronten gegen internationales Kapital Stimmung machen und hierzu als Wolf im Schafspelz bei linken Strukturen antanzen, dann widerspricht man ihnen in den Punkten, in denen sie falsch liegen. Oder wie es das ajour schreibt: „[…] weil aus diesem Sumpf eine Menge reaktionäre Ideologien ihren Weg in die Linke suchen und finden. Eine klare Abgrenzung wäre also dringend angezeigt.“

Dem möchten wir hier ein bisschen was zu geben…

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Über die Kulturindustrie in „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer

21. April 2018

Die Kulturindustrie kann als „eine Form der intellektuellen Produktion unter den Bedingungen von Fordismus12 bezeichnet werden und ist somit unmittelbar an die Entwicklungen des Kapitalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts gekoppelt. Jegliche Ansätze, die die Kulturindustrie auf eine bloße Medientheorie reduzieren, werden ihrem begrifflichen Inhalt nicht gerecht. Vielmehr bezieht sich der Begriff „Kulturindustrie“ auf jegliche kulturelle Äußerung innerhalb kapitalistischer Produktionsverhältnisse seit dem Fordismus. Das beinhaltet die Wissenschaft, den städtischen Raum, die Musik, die Politik, die Architektur usw.3 Auch wenn der Kultur innerhalb kapitalistischer Gesellschaften ein Hauch der Selbstbestimmung und Originalität anhaftet, die den Schein erwecken, sich der rationalisierten kapitalistischen Produktionsweise zu entziehen, identifizieren Horkheimer und Adorno die Kultur als vereinheitlichtes, uniformes System, das die wirtschaftliche Rationalität beständig reproduziert. „Film, Radio, Magazine machen ein System aus. Jede Sparte ist einstimmig in sich und alle zusammen.“4 (more…)

68 als Chiffre

4. April 2018

Dem einen Grund zum Ausspeien, dem anderen Nostalgie. Dieses Jahr gibt es kein Entrinnen vor dem Jubiläum. Eine Generation feiert sich selber, vielleicht sogar selbstkritisch.

Was aber heisst 68 genau? Darüber gibt es wenig bis keine Einigkeit. Studentenunruhen, Vietnam, Hippies, Free Love, LSD, Arbeiterkämpfe: Politische Unruhen. Bilder reihen sich aneinander. Napalm, lange Haare, Sit-Ins, nackte Körper, Demonstrationen, Barrikaden.

1968 ist Dreh- und Angelpunkt. Als Zahl bezeichnet es einen kulturhistorischen Wendepunkt und meint nie nur dieses eine Jahr. Immer geht es auch um das, was zuvor war und um das, was danach kam. Will man 68 begreifen, dann lässt sich höchstens eines mit Sicherheit sagen: Es gab ein vorher und es gab ein nachher.

Zur Zeit streitet man sich über diese Chiffre. Ihr Erbe, wenn es ein solches gibt, ist so unklar wie es umstritten ist.

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Mai 68: Pamphlet

3. April 2018

Dies ist ein Pamphlet. Geschrieben in der Garage Konverter, anlässlich des Osterfestes zum Mai 198668.
Alors. Wir Bier Tapetenbelag. Soufflieren zusammen Unheimlichkeiten.
Rot. Rot weiss blau, verkehrtes Frankreich. Kritisiert nicht die Kultur, ihr Spasten. Geht fasten.
Aber wir sind alle schon dünn.
Trotzdem.
Es ist schliesslich Ostern. Fastenfest.
Irgendwa fackelt. Oh, das ist mein Schuh.
Ist eswirklich der Schuh, der brennt? Oder die Strasse?
Oder die Uni?! j s e staat desto besserhaerter schneller. ich dacht ihr wollt e i Pamphlet schreiben. dafür muss man doch etwas wollen.wollen wir nichts oder warum können wir ke i pamphelt schreiben. wir siid z betru nken, ich ic hassen joghh D ie Jugendist eii Joghuert bei welcher dee pilz noch niit an die Obe flächegetreten ist. Der Joghrut ist dieJugendbe welche die Jugendnich n n an dieOberfläce getreten ist. Supertripper kommt noct als Kondom durcc. Is it a Crab? No its a super tripper.Immer noch ke i Pamphlet
Schnauze voll von Pornografie. Schnauze voll voll dem Zwang n ch Glück.
Ic duze men n Chef. Dom n k geht nachHause. Wollen wir de 6 8 zurück.

wer will die revolution. abstimmung. 3 dafür 4 entha ltungen. braucht es e s eiie Rveolutin
WENNSBING macht m esch Ent r r ge. Ein gesel schaftlicher Wandel vollzieht sich nicht ohne ge Revol tion. Sie wollen keinen gesellschaftlichen Wandel sonderneiie neue Mode. Es bra cct eine Revolutioon ohne gesellschaftliche Mode. Es ist keinVorwurf, es ist ein Label. Gibt es eine Revolution, die nicht als Mode daher kommt ?Du muusst nicht lang draufbleiben, Du musst festbleiben. Das Pamphlet ist tot. Lang lebe das Pamphlet!
LAng lebe das Pamplet wieso einfach weil es hald so ist.
Wer die Revolution nicht als Kunst versteht hat von Kunst keine Ahnung‘.
Klammere Postovjestky Klammer zu.
Hva faen den er jo ikke sa kult at alle bare starte a snakke po en mate jeg ikke forstor!
Men som du ken jeg gjöre det ogsa
Und nun muss ich nach Hause so ha be ich oder die nde ees ja auch oben verkündet. Vollgeldinitiative JA weil Systemwechsel zu wenig Beachtungfinden in u nsere Welt. Und revolutionierte Ideen kein Chancen haben.
Demokratie ist in derKrise wenn die STimme ve- undgekauft werden.
I mu eze go imfall enart ist es überhauptncith sp dass es dien andeeen nicht so gefällt wie die ll——– EGAL!Benedikt out microp
Moment ich habe noch Zeit ihrseid mich noch übe haupt nicht los.
Auf der Schribmasschine hat jeder Buchstabe ein Gewicht.
Sobald der Journalist die Tastatur hat, sagt keiner mehr was.
Der Strom fällt häufiger aus als die Schreibmaschine.
Ach, wir sind so alt. Wie die 698er.
Sovilel zur Eishocke y-Saison.
Doie Schribmas hine z n dich, weitezu hrrb n,bisd r die Finge wehtun.
ich will auch mal en jungfert werden2! ein ausrufezeichen ist echt eine herausforderung! also du hast ja sehr viel recherchiert, was fühlst du, denkst du denn, vorallem der, der das beste adorno zitat bringt‘.?
der kurze sommer der theorie…
aber da unterstellst du mir etwas!
nein.
also ich finde s sehr toll dass du meinen film trash mit Adorno vergleichst
Test Testokay ich muss einfach gewalt anwenden!
also wie war das mit adorno?
Klischees. hippies, anti vietnam, ich hab immernoch ein recht oberflächliches bild. zombies abknallen.

dejavu in st. pauli

9. Juli 2017

Wir fuhren mit dem Zug. Ziemlich bald gesellte sich ein ziemlich verrückter Punk zu uns. Und so waren wir gut unterhalten bis zum Endbahnhof. Dort schrieb der Punk als erstes mit rosaroter Kreide „Hallo Satellit“ auf den Bahnhofsplatz um unsere Überwacher zu grüssen. Wir fuhren mit dem Bus zu einem der Protestcamps. Denn wir waren hier um gegen den Gipfel der Mächtigen zu protestieren. Wir glaubten, dass dies nötig war, denn politische Alternativen, echte Alternativen, ein grosses Umdenken, war unumgänglich angebracht, und wie der alte Benjamin schon gesagt hat, machst du keine Revolution, landest du im Faschismus schon.

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No Surrender

27. Juni 2017

Ben Morea hinter der Schwarzen Maske

14. Mai 2017

Übersetzung von http://anarchistnews.org/content/ben-morea-behind-black-mask Kommentare nicht enthalten im Original, Kontext hinzugefügt.

Bild von Menschen in Sturmhauben im Schnee, ein Demonstrationsumzug. Jemand hält einen überdimensionierten Totenkopf auf einer Stange. Zuvorderst hält jemand ein Schild hoch mit der Aufschrift

Kontext: Das Wort „Die Firma“ ist die Übersetzung von engl. ‚The Company‘, die Kompanie. Die Wurzeln des Kapitalismus sind kriegerisch, Heere wurden bezahlt durch Plünderung und in deren Planung und wurde vorinvestiert. Truppen als Startups. Eine Kompanie war also immer auch ein wirtschaftliches Konstrukt mit Investoren, Renditedenken und einer den Kriegstrupp begleitenden Gesellschaft, welche den Nachschub sicherstellte und an den Erfolgen, sprich Raubzügen partizipierte.

Sehr wahrscheinlich hast Du noch nie von Ben Morea gehört. Das hat einen guten Grund. Er wollte das nicht anders. Ich habe Ben Morea und Black Mask Schwarze Maske (später Up Against the Wall Motherfucker Ab gegen die Wand, Mutterficker ) per Zufall entdeckt während des Studiums für meine Dissertation. Das Thema meiner Arbeit war, wie die Sprache der 60er Gegenkultur (sei sie gesprochen, visuell, musikalisch oder poetisch) kontrastierte mit und direkt opponierte der [Sprache] der dominanten technokratischen Kultur.

Diese überzeugende, fast literarische Beschreibung ist das erste, was ich je über Ben Morea las:

‚Er war langhaarig und bärtig wie zahllose Hippies aber statt sich mit Blumen und Perlen zu schmücken, wamste er sich in Lederjacke, trug ein Klappmesser und bot Manifestos voll kryptischer Poesie und wütendem Agitprop an.‘

Bevor ich auf die Schwarze Maske stiess, war ich komplett fokussiert auf die Opposition der Westküste, LSD-getriebene „Flower Power“ „machinetranslationerror / „Freie Liebe“.

Für mich liessen Morea und sein profund analytisches Kollektiv anarchistischer Aktivisten Typen wie Allen Ginsberg, Timothy Leary und Ken Kesey (vielleicht unfairerweise) wie kindische Comicsfiguren wirken. Der Schwarzen Maske (und Morea’s) Herausforderung der dominanten kulturellen Sprache stellte zu dieser Zeit eine direktere, aggressive aber gleichzeitig vermutlich gefühlvollere Opposition dar, als deren Westküsten-Zeitgenossen.

Sie waren sicherlich militanter als die Hippies (Morea schliesslich des Versuchten Mords angeklagt). Ihr erklärtes Ziel war „nichts weniger als die Zerstörung dieser Kultur“, behauptend „Wir haben eine Kunst welche ein Ersatz für Leben ist, [und] eine Kultur die als Ausrede der tiefen Armut des Lebens wirkt“.
Sie glaubten, die Suche der Hippies nach dem ewigen Rausch [sei] nichts mehr als „das Samtfutter des eisernen imperialistischen Handschuhs“. [Die Hippies] verbrächten zu viel Zeit damit, berauscht zu werden und nicht genug Zeit damit, die herrschende Machtstruktur zu bekämpfen. Die Schwarze Maske bezeichnete die Hippies als die „Neue Machtstruktur“.

Hier eine Beschreibung der Schwarzen Maske in ihren eigenen Worten, aus Schwarze Maske & Ab gegen die Wand Mutterficker:

„Gegründet in den Mitt-60ern, verschmolz die Gruppe Schwarze Maske die Ideen und Inspiration von Dada mit dem Anarchismus der Spanischen Revolution, und dieser Band zeigt, wie sie die Kunst, Politik, und Kultur der Dekade stark beeinflussten, als sie kurz das Museum der Modernen Kunst ausser Betrieb nahmen, das Banken-Börsenkonglomerat protestierten, an Konferenzen der Studenten für eine Demokratische Gesellschaft kämpften, und Schiessen auf Andy Warhol verteidigten. Diese Geschichtschreibung detailliert, wie sich die Schwarze Maske 1968 reorganisierte als Ab gegen die Wand, Mutterficker, welche das konfrontatorische Theater und Taktiken der Schwarzen Maske mit einem viel aggressiveren Ansatz im Umgang mit der Polizei und Autoritäten kombinierte.“

(The Incomplete Works of Ron Hahne, Ben Morea, and the Black Mask Group)

Es war via den Publizisten des eben genannten Buches, dass es mir gelang, mit Morea in Kontakt zu kommen. Da viele Vergleiche gemacht werden zwischen dem politischen Klima der 60er und dessen vonHeuteTM, war das Ziel dieses Interviews nicht, die Vergangenheit einzuordnen, sondern Einsichten darein zu erhalten, wie jemand, der sehr stark im 60er Aktivismus involviert war, die kontemporäre Situation sieht.

(M) Was hast Du gemacht, seit dem Ende der 60er?

(BM) Ich blieb 38 Jahre isoliert, nur in den letzten 8 Jahren oder so erreichbar. Ich hatte NYC und den Aktivismus ’69 verlassen (zuvor [war ich] in der Lower-East-Side und aktiv von ’59-’69). Zuerst ging ich ’70 in die Berge und verblieb 5 Jahre in der Wildnis, zu Pferde. Dann selbstversorgt und bauernd für die nächsten 10. Ich folgte meiner Frau ins Handwerkliche und zog in die Stadt. Fing wieder an zu Malen in den späten 80ern.

Die ganze Zeit im Westen blieb ich in der Kultur der Ureinwohner, war ein Teil von ihr. Hatte sie als meine Eigene [Kultur] adoptiert. Dies ersetzte politischen Aktivismus mit einem lebenden Modell, dies gab mir schliesslich eine zusätzliche (lebende) Aufgabe, gegenüber mechanistischer Politik. Ich bin überzeugt dass die Überwerfung von Kapitalismus und Regierung nicht genug ist, eher ist eine komplette Auslöschung von Materialismus gefordert, beide Kapitalismus und Marxismus. Leben muss Konsum ersetzen.

Warum zeigst Du nicht gern dein Gesicht? Ich habe Dich in einem anderen Interview erwähnen hören, dass Du denkst es würde deine Botschaft untergraben. Hättest Du aber eine öffentlichere Rolle gespielt, wäre deine Botschaft vielleicht weiterreichend gehört/verbreitet worden.

Erstens, offensichtlich war das Letzte was ich in meinen Aktivistenzeiten wollte, eine klare Zurodnung meines Aussehens. Zweitens, ein visuelles Ziel zu kreieren ist nie vorteilhaft. Das System braucht Symbole um sie anzugreifen. Dann gibt es noch mein Unwohlsein betreffend „Personenkult“. Einige indigene Menschen fühlten, das Einfangen des Aussehens sei analog dem Einfangen des „Geistes“, was ich teile. Dann gibt es noch die echte Gefahr, dass ein Gesicht eine Botschaft ersetzt.

Was hältst Du also von der „Selfie“-Kultur?

Das „Selfie“ ist die ultimative Selbstgefälligkeit. Eine klare Indikation, wie tief das Problem reicht. Fünfzehn Minuten Berühmtheit werden zur Lebenszeit der Selbsttäuschung. Wir können nur auf ihren Niedergang hinarbeiten, aber es wird ein langer und schwerer Weg. Du kannst in seiner Absurdität das extreme Wachstum dieser Faszination am Bild statt der Essenz erkennen.

Wie war dein Verhältnis zu den Schwarzen Panthern? Und was sind deine Gedanken zu den Panthern in Bezug auf die aktuellen Rassenthemen in Amerika.

Ich hatte (und die Schwarze Maske hatte) eine persönliche Beziehung mit dem Kampf der Schwarzen und speziell den Panthern. Obwohl ich ein eingeschworener Anarchist war und die Panther eine autoritäre (manche sogar eine maoistische) Neigung hatten, empfand ich den Kampf der Schwarzen als unumgänglich und wir hätten unsere Differenzen auch noch später bereinigen können. Die Morde durch die Polizei heute sind auch ein grosses Thema. Aber der Polizeistaat ist nicht nur ein Rassenthema, auch wenn er im Kontext der Rassen stärker auftritt, Autoritarismus kann alle treffen.

Was [meinst Du] zur Evolution der Frauenrechtsbewegung seit den Sechzigern?

Es scheint mir, die Frauenbewegung trägt dieselbe (potentiell) trennende Dualität in sich, wie andere politische, rassische und geschlechtliche Bewegungen, alle bestimmt durch die Ziele die sie zu erreichen sucht. Ist es „Befreiung“ oder Anpassung?

Wie würde eine wahrhaft befreite Welt aussehen aus deiner Sicht?

Und hier ist die gefährlichste aller Fragen. Zu jeder Person gibt es einen Reim, die Herausforderung ist, die gemeinsame Melodie zu finden, die dafür Platz hat. Bis jetzt sind die meisten politischen und religiösen Lösungen an diesen Felsen zu Grunde gegangen.

Wenn die Schwarze Maske heute erst anfangen würde, wie würdest Du das Anpacken? …Würdest Du Gewalt unterstützen?

Ich unterstütze alle Bemühungen, das Paradigma zu wechseln, friedlich oder anders. AANA, Auf Alle Notwendigen Arten. Es wird alles brauchen. Man kann nie einzelne Bemühungen abschreiben, sie wirken kumulativ. Der „Krieger“ ist eine Wesensart. Bedingungen, so wie sie vorgefunden werden, bestimmen die daraus folgenden Aktionen. Da gibt es keinen „Plan der für alles passt“. Vorgezogene Schlüsse können nie das Endresultat sein.

Es hat einen grossen Schub des Gebrauchs indigener Medizin gegeben unter jungen Westlern in den letzten paar Jahren. Was hältst Du von der kontemporären psychedelischen Kultur im Vergleich zu dem Umgang damit in den Sechzigern?

Ich empfinde den Gebrauch indigener Medizin hauptsächlich als positive Entwicklung, abgesehen vom gefälscht-schamanistischen Profitdenken. Aber die politische Welt hat auch ihren Anteil falscher Propheten. Darum benutze ich den Begriff „Revolutionärer Animismus“ um von den gemeinen „Unterhaltern und Profiteuren“ zu Unterscheiden. In den 60ern hattest Du auch beides, diejenigen die Psychedelisches nutzten um Veränderung voranzubringen, auf persönlicher und gesellschaftlicher [Ebene] und denen die es als Neue Unterhaltung sahen.

War Revolutionärer Animismus etwas, an das Du zu Glauben lerntest während deiner Zeit mit den Ureinwohnern? (Die Idee, dass alles Existierende mit Bewusstsein beseelt ist).

Ich hatte einen inneren Glauben, vor und während der 60er wurde dieser langsam klarer und stärker, sowohl in der „Wildnis“ lebend als auch in der Nähe der Ureinwohner.

Das klingt ähnlich wie Hippie-Worte in den Sechzigern. Du hast einen gut dokumentierten Abscheu gegenüber den Hippies, hättest Du damals einen Ansatz näher bei „Frieden und Liebe“ gewählt, mit deinem heutigen Wissen?

Betreffend der „Hippies“, wir haben die Gegenkultur nie abgelehnt, oder den notwendigen „alternativen“ Lebensstil, sondern ihre „Warenform“, ihre Reduktion zu einem „sicheren“ Produkt. Ganz im Gegenteil, wir sahen uns auch als Teil dieses „neuen Bewusststeins“. Wir haben [jedoch] angestrengter den reinen (und autoritären) politischen Weg abgelehnt. Ich war gut befreundet mit Allen Ginsberg und Tim Leary, habe aber deren Flirt mit den Medien immer kritisiert.

Kontext: Siehe zum Thema Punk und Widerstand die Doku Let Fury have the Hour

Später, mit der Geburt von Punk, könnte man argumentieren, wurde der Anarchismus selbst benutzt und verramscht. Was hältst Du von Punk-Kultur? Ist sie sicher vor Kommerz?

Re-Definition und Form-Wechseln ist unsere einzige Zuflucht. Sei kein stationäres „Ziel“. Wenn sie dich ins „Visier“ bekommen, verschiebe die Parameter. Ständige Bewegung ist unsere einzige Hoffnung. Zugänglichkeit ist zugleich sich selbst der Untergang, die verführerische Falle.

Wenn Du alle in der Welt dazu bringen könntest, ein Buch zu lesen, welches würdest Du nehmen?

Lesen!?… Ich würde es vorziehen, wenn sie SEHEN könnten.

Offener Brief aus Schwamendingen

23. Februar 2017

[ein Brief aus Schwamendingen, der uns zugeschickt wurde; anlässlich der Suche gewisser linker akademischer Kreise nach einer sozialen Identität… da versuchen manche Leute auf dem Reissbrett das herzustellen, was sie an sich selber nicht wahr haben möchten und suchen danach, wie sie „die Massen“ für ihre Partei gewinnen könnten…]

Dieses Jahr werden sie vermutlich anfangen mit dem Häuser Abreissen. Dann werden wir von hier weg ziehen müssen. Wir wissen noch nicht, wohin. Wir wohnen seit zehn Jahren hier, seit beschlossen wurde, dass die Autobahn überdacht werden soll. Wir leben hier so vor uns hin, mal besser, mal schlechter, neben der Autobahn und hinter den Schallschutzwänden. Die Architekten haben tolle Pläne, von Grünflächen, Parks, Begegnungszonen. Die Politiker, die sind schon ganz scharf darauf; sie sagen, das Quartier würde dadurch endlich aufgewertet werden. Alle freuen sich wie bekiffte Käfer drauf. Nicht nur die Sozialisten, auch die Christen, die Faschisten und die Liberalen und die Evangelikalen und was weiss ich. Die einzigen, die sich nicht freuen, sind wir, die wir hier wohnen.

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[Montagsgedanken] Werbung, die propagandafreie Ideologie

26. Dezember 2016

Es ist wieder Weihnachten und das heisst, wir wollen uns an diesem Tag auf das besinnen, was Weihnachten eigentlich bedeutet: Kommerz und Werbung. Also lasst uns gemeinsam inne halten und diesem wichtigen Tag gedenken, der gefühlt einen Sechstel des Jahres bestimmt und lasst uns darüber hinaus anhand einiger Beispiele in den Mechanismus der Werbung eindringen…

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„Die Revolte der Pinguine 2“ – Thementag

21. Mai 2016

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Diskussion, Messe, Vortrag und der Filmfilm des Abends!

O-Ton: „Nur Bonzen und Faschisten verleugnen die Klasse!“

Im Konvent der Pingus brodelt es: Die Mutter Oberin will bloss Profit und Gehorsam. Die Prolls organisieren sich, mit billigem Schnaps, wilder Leidenschaft und vulgärem Marxismus. Gründe gibt es, aber keine Organisation. Die Wutbürger fürchten um ihre Gartenzwerge und Renten. Schulden und Faschismus sind im Trend, Schwachsinn wird gefeiert – was heisst das für die Revolte? Können die Prolls das Ruder umschwenken, werden die Kirchen des Kapitals brennen – oder bleibt die Scheisse, die wir Alltag nennen, wie sie immer war: braun und klebrig?

15 Uhr: Diskussionszyklus „Kunst/Revolution“, Thema: Kulturindustrie
18 Uhr: Messe mit Father Ted: „Lettuce pray!“
19 Uhr: Vortrag zu détournment – Kunstkacke oder revolutionäre Aneignung?
20 Uhr: Film: „Die Revolte der Pinguine 2“, mit anschliessender Diskussion.

Wie immer: Bei uns in der Garage.

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