Archive for the ‘uncategorized’ Category

Gegen das Nicht-Leben

30. November 2017

Die Zeitschrift „Anarquía y Comunismo“, erscheint seit dem Jahr 2014 in Chile und ist Online unter https://anarquiaycomunismo.noblogs.org/ als Pdf erhältlich. Die folgende Übersetzung stammt aus der Herbstausgabe dieses Jahres.

Der Wunsch unser aktuelles Leben zu verwerfen, um es gegen ein anderes umzutauschen ist heutzutage Teil unseres Alltagsverstandes. Egal ob wir uns dabei das Leben anderer Menschen wünschen oder eine vollkommen neue Lebensform anstreben, die passive Akzeptanz des Bestehenden prallt meistens gegen die verallgemeinerte Unzufriedenheit die die durch-kommerzialisierte Menschheit bedrückt. Der tägliche Verkehr innerhalb dessen unser Leben stattfindet, kann als ein Kommen und Gehen zwischen unserem Zuhause und den Zentren der Produktion und des Konsums zusammengefasst werden. Diese verschiedenen Orte innerhalb derer sich der proletarisierte Mensch bewegt, verkörpern die Zerteilung seines Lebens: Die Haushalte wurden für immer mehr Schichten innerhalb der Bevölkerung zu Nischen der Ruhe und der Gefangenschaft… wahre Haftanstalten für die Erholung des Menschen. Wenn der Mensch arbeitet, tut er dies nicht im Einklang mit seinen Bedürfnissen, sondern im Einklang mit den Bedürfnissen der Warenproduktion. Die Arbeit ist nur ein Mittel, um einen Teil der menschlichen Bedürfnisse zu decken. Letztere gehören ebenfalls zu den Sphären des Marktes. Die Zeit zur Erholung und Entspannung, in denen der Mensch endlich Zeit für sich und andere hat (von denen er aufgrund der bestehenden Verpflichtungen und Entbehrungen getrennt wird) verbringt er meist vor dem Bildschirm oder mit dem sonstigen Konsum von anderen Waren. Somit bewegt sich auch die Gestaltung der Freizeit innerhalb derselben Mechanismen wie der Rest der sozialen Verpflichtungen des Menschen: Auf die Pflicht zur Unterhaltung folgt, anhand der Pflicht zur Produktion, die Beschränkung der eigenen Zeit und Energie.

Die Zeit zwischen diesen verschiedenen Orte, sprich neben den Orte der Produktion und denen der Freizeit, verbringt der Mensch innerhalb von Transportmitteln, also innerhalb von Maschinen die der Zirkulation von Arbeitskräfte und Ware dienen. Diese Strecken der Zirkulation werden vom Kapital selbst zur Verfügung gestellt. Die physische Nähe der zusammengepferchten Menschen, steht im Gegensatz zu ihrer tatsächlichen Isolation. Die Menschen sind dazu gezwungen sich zu begegnen, aber dennoch meiden sie sich gegenseitig, was die gemeinsame Isolation nur noch augenfälliger macht. Die Bedingungen die sie zu dieser Zusammenpferchung zwingen, sind dieselben die sie isoliert halten. All dies ist das Ergebnis einer einzigen Tatsache: Der Mensch wird auf die Rolle des Trägers von Arbeitskraft reduziert. Die fehlende Selbstbestimmung im Leben zeigt sich auch auf emotionaler Ebene in zwischenmenschlichen Beziehungen z. B. in der Apathie und der fehlenden Kommunikation mit denjenigen Menschen mit denen wir einen Wohnraum teilen; in der Konkurrenz und dem Streit auf der Arbeit, wo jede/r Mitarbeiter*in als potentielle Denunziant*in im Dienste der Bosse gilt; in der Neurose und der Abhängigkeit die unsere romantischen Beziehungen durchziehen und in den endlosen und gescheiterten Versuche unsere Isolation zu durchbrechen. Versuche denen es nicht gelingt echte kameradschaftliche (im Spanischen wird das Wort „Kameradschaft“ oft von Linken und Anarchst*innen verwendet, Anm. d. Ü.) Beziehungen aufzubauen. Was die modernen Sklaven eint, ist die Trennung und diese widerspiegelt sich auch auf emotionaler Ebene, in dem anhand der Reproduktion der Trennung, die zwischenmenschlichen Beziehungen verkümmern. In unserer Epoche schmücken die Apathie, die Langeweile und die Frustration die Gefühle all derer, die in befriedeten Komfortzonen leben. Der Rest der Welt lebt im Elend, lebt unter den schlimmsten Bedingungen wo Ausbeutung, Hunger und Krieg den Alltag bestimmten.

Trotz der verallgemeinerten Sinnlosigkeit die unsere Epoche kennzeichnet, gibt es im Alltagsverstand der Menschen ein Gespür für diese allgemeine Unzufriedenheit: jedes Mal wenn sich Menschen über die Stumpfsinnigkeit des Arbeitsalltags beschweren, jedes Mal wenn mensch sich fragt wie schnell eine weitere Woche oder sogar die gesamte Jugend vorbeizieht, die so schnell vorbeigeht, dass lediglich ein Paar wenige wirklich gelebte Momente in Erinnerung bleiben. Das Problem liegt darin, dass die Menschen ihr Elend und dass all der anderen, auf das persönliche Versagen reduzieren, oder auf eine ungerechte und zufällige Chancenverteilung. So verharrt mensch in der Logik des Erfolgs und des Komforts und interpretiert das Bestehende als unausweichliche Konstante der menschlichen Existenz.

Wir denken jedoch, dass das bestehende Elend nichts ewiges ist und dass das was uns diese Gesellschaft als „das Beste“ verkaufen will (Erfolg, Glück, „Liebe“ usw.), das existenzielle Elend lediglich zementiert. Mehr noch: Wir verstehen die Lohnarbeit, das Geld, die Polizei, die Waren, die Klassen, der Statt usw. als zentrale Ursachen des ganzen Elends. Wir denken, dass die inhaltliche Armut unseres Lebens das direkte Ergebnis der aktuellen Existenzbedingungen ist, die die Selbstbestimmung des Lebens verunmöglichen. Wenn wir folglich unser Leben zurückfordern wollen, um das Elend zu überwinden, müssen wir die materiellen Wurzeln des Bestehenden zerstören, sprich die Totalität der bestehenden Ordnung.

An diesem Punkt ist die Erwägung unseres Verständnisses über das Gegebene und über die Art und Weise wie die Revolution mit ebendiesem brechen kann essenziell. Die nicht Beachtung dieser Reflexion führte die letzte Generation der Kämpfe dazu, den zentralen Kern des Kapitals nicht zu kritisieren. Vielmehr tendierten die Kämpfe dazu, lediglich die Verwaltung der Gesellschaft verändern zu wollen. Solch eine Perspektive beherrscht bis heute die Ambitionen vieler Leute die sich für die soziale Revolution aussprechen. Wir möchten den guten Willen solch einer Perspektive nicht bestreiten, doch wir denken, dass das Verständnis des Kapitals und dessen Überwindung in vielen Kreisen beschränkt und oberflächlich ist, denn die revolutionären Ansprüche dieser Perspektiven berühren kaum die fundamentalen Säulen der kapitalistischen Zivilisation.

Innerhalb dieses Panoramas das von Passivität und Verwirrung beherrscht wird, bestehen wir darauf, dass die Reflexion über dass was den Kapitalismus ausmacht und die Art und Weise wie eine Revolution diesen beenden kann, kein Spezialgebiet einer Gruppe Theoretiker*innen ist. Wer dies nicht so sieht, legt lediglich seine eigene Demagogie offen zu Tage und versteht die Praxis und das Denken als getrennte Momente. Wir wollen die Ausbeutung beenden die unser Leben durchdringt und denken dass zu diesem Zwecke unsere Kritiken und unsere Praxen verschärft werden müssen. Wenn wir in diesem Sinne Fensterscheiben zerstören in denen die Waren zur Schau gestellt werden und wir zugleich versuchen den Ursprung derselben zu verstehen, dann tun wir dies aus derselben Notwendigkeit heraus: Die Notwendigkeit die Diktatur der Waren und des Staates zu negieren, um die Dringlichkeit einer menschlichen Gemeinschaft zu bestärken, d. h. um einen Anfang einer echten und bewussten Geschichte der Menschheit zu bestärken.

Wenn wir uns organisieren suchen wir keine Nischen, um vor dem täglichen Elend zu flüchten. Wenn wir handeln dann, weil wir zwei Optionen sehen: entweder wir organisieren uns, um das bestehende Elend der Menschheit zu überwinden oder wir fügen uns demselben mitsamt der ganzen Misere und der Resignation die damit einhergehen.

Wird denken, dass der Kapitalismus das Reich der Trennungen ist das uns vom Leben spaltet. Der Kommunismus und die Anarchie hingegen, müssen die Überwindung dieser Trennungen sein, sie müssen die Übernahme des eigenen Lebens sein, sie müssen die kollektive Verwirklichung der Individuen sein. Wir sehen keine andere Möglichkeiten:

Kommunisierung oder Misere!

Advertisements

Rückzugskampf der Postmoderne

21. November 2017

Auf Zeit Online erschien am 19.12.2016 ein Gastbeitrag von Michael Hampe. (http://www.zeit.de/2016/52/kulturwissenschaft-theorie-die-linke-donald-trump-postfaktisch-rechtspopulismus – leider muss man sich anmelden, um den Artikel lesen zu können.) In diesem wirft er „der“ kulturwissenschaftlichen Linken, aus der Hampe kurzerhand ein Kollektiv macht, vor, nichts anderes zu tun, als „historisch [zu] dekonstruieren und politisch [zu] korrigieren“. Dieser „KWL“ gehe es, so Hampe, im Moment schlecht. Schuld daran sei nicht ihre Theorie, welche Hampe sicherheitshalber en passant dennoch diffarmiert. (Diese Form der Polemik hat den für den Herren Philosophen angenehmen Vorteil, dass er keine Argumente zu liefern braucht.) Das Problem dieser Linken bestehe darin, dass sie – so der Vorwurf Hampes – jegliche Art von Wahrheiten und Fakten relativiere und zu diskursiven Konstruktionen reduziere. Nun stellt Hampe einen Zusammenhang her zwischen dieser Linke und dem Rechtspopulismus: Die Theorie der „KWL“ liefere den RechtspopulistInnen das Instrumentarium, um ihre „alternative facts“ zu legitimieren. Sinngemäss: „Wenn schon alles konstruiert ist, kann ich mir meine Welt zusammenkonstruieren, wie ich will, die Realität spielt dabei keine Rolle, wie Ihr ja selbst sagt.“ (more…)

überall wahlen

23. September 2017

29. Juli 2017

‚Mundus vult decipi‘! WORTHÜLSEN GEGEN DAS LEBEN IM FALSCHEN. Zürich 2017.

15. Juli 2017

jesuisauto

leicht entzündbare autos

13. Juli 2017

 

No Surrender

27. Juni 2017

Pierre Clastres, anarchistischer Ethnologe.

18. Juni 2017

Pierre Clastres (1934-1977) war ein anarchistischer Ethnologe aus Frankreich. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit indigenen Völker aus Südamerika wie z.B den Guayaki aus Paraguay, den Chulupi aus dem Gran Chaco (eine Region die Gebiete aus Argentinien,Bolivien,Paraguay und Brasilien umfasst), den Yanomami (eine Region innerhalb Venezuela und Brasilien) und den Guarani aus Brasilien. Clastres betreibt politische Anthropologie und ist leider in vielen Kreisen (selbst viele Ethnologie Studenten haben sich kaum mit ihm befasst) relativ unbekannt. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören „Die Gesellschaft gegen den Staat“, „Archäologie der Gewalt“ und „Über französische Marxisten und ihre Anthropologie“. Letzterer Text zeigt Clastres kritische Einstellung gegenüber dem wissenschaftlichen Opportunismus vieler Marxisten (nicht gegen die Marxsche Kritik per se), er versucht aufzuzeigen wieso Begriffe wie Produktion oder Produktionsverhältnisse nicht auf primitive, indigene, nicht-gespaltene Völker anwendbar sind. Mit viel Humor und einer sehr direkten Art greift er die zentralen Thesen von marxistischen, als auch von strukturalistischen Anthropologen an. Dieser Text konnte Clastres jedoch nie überarbeiten und er ist einer seiner letzten Schriften.

Der hier aufgeführte Text „Über was lachen Indianer?“, ist ein Auszug aus seinem Hauptwerk „Die Gesellschaft gegen den Staat“. In diesem Werk kritisiert er die zentrale Stellung vom Staat innerhalb der politischen Anthropologie seiner Zeit, er versucht aufzuzeigen, dass der Staat nicht eine allgegenwärtige natürliche Entwicklung innerhalb von menschlichen Gesellschaften ist, sondern dass die Geschichte vieler indigener Völker aus dem Amazonas Gebiet, die Geschichte von Völkern ist, die mit ihren Strukturen und Normen versuchten den Staat zu verhindern. „Über was lachen Indianer?“, sind Mythen der Chulupi Indianer die Clastres während seiner Feldforschungen aufgenommen hat. Wie er selbst sagt: „Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.“

Kapitel 6 Worüber lachen die Indianer?

Die strukturale Analyse, die die Erzählungen der »Wilden« endlich ernst nimmt, lehrt uns seit einigen Jahren, dass derlei Erzählungen tatsächlich äusserst ernst sind und dass sich in ihnen ein System von Fragen artikuliert, die das mythische Denken auf die Ebene des Denkens schlechthin erheben. Da wir dank den Mythologica von Claude Lévi-Strauss nunmehr wissen, dass die Mythen nicht reden, um nichts zu sagen, erwerben sie in unseren Augen ein neues Prestige: und man erweist ihnen gewiss nicht zuviel Ehre, wenn man ihnen Gewicht beimisst. Vielleicht aber birgt das jüngst erwachte Interesse an den Mythen auch die Gefahr, dass wir sie diesmal allzu »ernst« nehmen, wenn man so sagen darf, und ihre gedankliche Dimension nicht richtig beurteilen. Kurz, wenn man ihre weniger gespannten Aspekte im Dunkel liesse, würde sich eine Art Mythomanie breit machen, die einen Zug vergässe, der vielen Mythen gemeinsam ist und ihren Ernst nicht ausschliesst: nämlich ihren Humor. Nicht weniger ernst für die, die sie erzählen (die Indianer z. B.), als für die, die sie sammeln oder lesen, können die Mythen dennoch eine ausgeprägte Vorliebe für das Komische entwickeln und zuweilen die ausdrückliche Funktion erfüllen, die Zuhörer zu vergnügen, ihr Gelächter auszulösen. Wenn man bemüht ist, die Wahrheit der Mythen vollständig zu bewahren, darf man die reale Bedeutung des Lachens, das sie verursachen, nicht unterschätzen und muss berücksichtigen, dass ein Mythos von ernsten Dingen reden und gleichzeitig diejenigen zum Lachen bringen kann, die ihm lauschen. Der Alltag der »Primitiven« steht trotz seiner Härte nicht immer im Zeichen der Mühsal und Sorge; auch sie verstehen es, sich Augenblicke der Entspannung zu verschaffen, und ihr ausgeprägter Sinn für das Lächerliche bringt sie häufig dazu, sich über ihre eigenen Ängste lustig zu machen. Und nicht selten betrauen diese Kulturen ihre Mythen mit der Aufgabe, die Menschen zu zerstreuen, indem sie ihr Dasein gewissermassen entdramatisieren. Die beiden Mythen, die wir vorstellen wollen, gehören zu dieser Kategorie. Sie wurden im letzten Jahr bei den Chulupi-Indianern gesammelt, die im Süden des paraguayschen Chaco leben. Diese teils burlesken, teils unzüchtigen Geschichten, denen es trotzdem nicht an einer gewissen Poesie mangelt, sind allen Mitgliedern des Stammes, ob jung oder alt, wohlbekannt: doch wenn sie wirklich Lust zum Lachen haben, bitten sie einen im traditionellen Wissen bewanderten Greis, sie ihnen ein weiteres Mal zu erzählen. Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.

(more…)

Auszüge aus: Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft. Theodore Kaczynski.

12. Juni 2017

Über die „Linken“

..Ein Linker ist normalerweise nicht die Art von Person, deren Unterlegenheitsgefühle sie zu einem Angeber, einem Egoisten, einem Schläger, einem Streber oder einem rücksichtslosen Ellenbogenmenschen machen. Derartige Personen haben noch nicht ganz den Glauben an sich verloren. Sie spüren ein Defizit an ihrer persönlichen Macht und an ihrem Selbstwert, doch sie können sich noch als mit der Fähigkeit ausgestattet wahrnehmen, stark zu sein, und ihre Anstrengungen, sich stark zu machen, erzeugen ihr unerfreuliches Verhalten. Doch ein Linker ist über diesen Punkt schon weit hinaus. Seine Unterlegenheitsgefühle sind so sehr Teil seiner Persönlichkeit, dass er sich selbst nicht als individuell stark und wertvoll begreifen kann. Daher der Kollektivismus der Linken. Er kann sich nur als Mitglied einer großen Organisation oder Massenbewegung, mit der er sich identifiziert, stark fühlen.

..Der Linke des übersozialisierten Typus versucht von seiner psychologischen Leine loszukommen, indem er rebelliert. Doch für gewöhnlich ist er nicht stark genug, um gegen die wirklich grundlegenden Werte der Gesellschaft zu rebellieren. Allgemein gesprochen stehen die Ziele der heutigen Linken nicht in Konflikt mit der geltenden Moral. Im Gegenteil: Der Linke nimmt ein geltendes moralisches Prinzip, nimmt es als eigenes an, und klagt dann den Rest der Gesellschaft an, dass sie dieses Prinzip verletzt. Beispiele wären die Gleichberechtigung der Rassen und Geschlechter, Hilfe für Arme, Friede statt Krieg, Gewaltlosigkeit allgemein, Meinungsfreiheit, freundlicher Umgang mit Tieren. Auf einer grundlegenderen Ebene die Pflicht des Individuums, der Gesellschaft zu dienen und die Pflicht der Gesellschaft, für das Individuum zu sorgen. Alles dies sind seit langem tief verwurzelte Werte unserer Gesellschaft (oder zumindest ihrer mittleren und oberen Schichten gewesen.)

…Ein Linker ist auf einen weit gehenden Kollektivismus hin orientiert. Er betont die Pflicht des Individuums, der Gesellschaft zu dienen, und die Pflicht der Gesellschaft, für das Individuum zu sorgen. Er hat eine negative Einstellung zum Individualismus. Er schlägt häufig einen moralistischen Ton an. Er ist oft für die Beschränkung des Waffenbesitzes, für Sexualerziehung und andere psychologisch „aufklärerische“ Erziehungsmethoden, für Planung, für Quotenregelungen, für Multikultur. Er neigt dazu, sich mit Opfern zu identifizieren. Er tendiert dazu, gegen Wettbewerb und gegen Gewalt zu sein, aber er findet oft Entschuldigungen für diejenigen Linken, die Gewaltakte verüben. Er benutzt gern die bekannten Schlagwörter der Linken wie „Rassismus“, „Sexismus“, „Homophobie“, „Kapitalismus“, „Imperialismus“, „Neokolonialismus“, „Völkermord“, „gesellschaftlicher Wandel“, „soziale Gerechtigkeit“, „soziale Verantwortung“. Vielleicht das beste diagnostische Merkmal eines Linken ist seine Neigung, mit den folgenden Bewegungen zu sympathisieren: Feminismus, Schwulenbewegung, Minderheitenbewegungen, Behindertenbewegungen, Tierrechtsbewegungen, „political correctness“. Jemand, der starke Sympathien für alle diese Bewegungen empfindet, ist beinahe sicher ein Linker.

 

Fick dich und deine Fahne.

12. Juni 2017

Mit gesunkenem Kopf und gelähmten Geist marschieren die, die nur im Aufgehen in einer anonymen Masse ihre eigene Stärke erkennen. Was für ein Theater, was für ein Karneval, für jeden Geschmack ist ein Diskurs dabei, für jeden gibt es einen Platz im Schatten der Fahnen. Denn genau dort wo gesellschaftliche Probleme auf Parolen reduziert werden, werden Mitläufer geboren und dressiert. Die so ersehnte Revolution braucht anscheinend neue disziplinierte Anhänger, die den vorgeschriebenen Kampf konsumieren. Der Widerstand sucht Bestätigung und keinen Widerspruch, der Widerstand ist gefangen in seinen eigenen Strukturen und ist seit langem zu einer Ware mutiert. Genau wie sonst im grauen Alltag, gilt es sich für einen Weg, für einen Handelsgut zu entscheiden. Solange wir uns mit diesen passiven Rollen begnügen, werden wir ununterbrochen die gleichen Fehler begehen und somit bleibt jegliche politische Aktivität nichts weiter als ein Propagandaritual. Je moderner die Welt wird, desto mehr wird das soziale Leben der Städte ausradiert und desto mehr suchen die Menschen diese Wiederholungsstrukturen, vielleicht um wenigstens einen kleinen Moment aus der Isolation auszubrechen? Ich weiß es nicht, doch umso beängstigender ist es, wenn überall neue professionelle Gutmenschen und Aktivisten die Straßen und besetzten Häuser belagern. Alle übernehmen die Rolle die von ihnen als Dissidenten erwartet wird. Im Schauspiel der Gesellschaft, führt die Selbstdarstellung Regie.

Heute ist freier Eintritt, viel Spaß!