Archive for the ‘uncategorized’ Category

Corona Solifon

2. April 2020

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Solidarität gegen Corona und Kapitalismus

15. März 2020

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27. Februar 2020

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Über die Unmittelbarkeit hinaus und zurück. Skizzen zur Kritik der virtualisierten Realität.

24. Februar 2020

 

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Jegliche technologische Errungenschaft sollte nicht einzeln und fragmentiert, sondern als Ensemble eines gesamtgesellschaftlichen Verhältnisses verstanden werden

Es gibt heutzutage eine äußerst starre Gegenüberstellung zwischen Virtualität und Realität, die allzu oft verschiedenen Auseinandersetzungen mit dem Internet und moderner Technologie im Allgemeinen begleitet. Die kurzen Texte Revolutionäre Repräsentation und digitale Solidarität“ (2017) und „Digitales, Reales und Repräsentation“ (2019) sind beide Ausdruck davon. Insbesondere letzterem Text gilt diese Replik, zumal ich zum ersten Text bereits eine Kritik geschrieben habe: „Einige Gedanken zur repräsentierten Wirklichkeit“ (2017). (more…)

3 sculpturen / 2. bild

23. Februar 2020

STAATLICHER TERROR UND REBELLION

20. November 2019

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Wir dokumentieren einen Text eines Genossen aus Chile, der über die brutale Repression des Staates schreibt und uns mit unzähligen historischen Beispielen aus der chilenischen Region erinnert: Die Staatsmacht ist nie neutral, sie gehört bekämpft und abgeschafft.

Ich erinnere mich, dass während den ersten großen Massendemonstrationen des Jahres 2011(1), als die Spezialkräfte der Polizei begannen, uns mit Schlagstöcken, Wasserwerfer mit Reizstoff im Wasserstrahl und Tränengas anzugreifen, einige Bürger*innen riefen: «Das ist die faschistische Unterdrückung der Regierung Piñeras!». Ich antwortete, dass sie anscheinend während der gesamten Amtszeit der Koalition der Parteien für die Demokratie (ein linkes/mitte-links Bündnis. Anm. d. Ü.), sprich zwischen 1990 und 2010, nie auf der Straße gewesen seien, denn die Repression war dieselbe. Auch die Brutalität des Staates und das illegale Vorgehen seitens der Repressionsorgane hatte sich nicht geändert. Während der Amtszeit der Koalition der Parteien für die Demokratie wurde sogar die Ausrüstung der Repressionskräfte verstärkt – dafür gab es parteiübergreifende politische Unterstützung, von der UDI (Unión Democrática Independiente, eine rechte Partei. Anm. d. Ü.) bis zur PS (Partido Socialista. Anm. d. Ü.).

Denn der Repressionsapparat des Staates basiert auf einem latenten Terrorismus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Gewalt gegen die gesamte Bevölkerung eingesetzt wird. Selbst Marx sprach im «Kapital» davon, dass das kapitalistische System während der Phase der ursprünglichen Akkumulation offen auf privatem und dann staatlichem Terrorismus basiert. Wenn dann später die Köpfe und Körper der Bevölkerung sich an die Gewalt gewöhnt haben, sprich, wenn die Gewalt als natürlich betrachtet wird, kann sie Schritt für Schritt reduziert werden, denn die sozialen Beziehungen die mit ihr einhergehen charakterisieren sich durch eine passive Konformität. Dies wird nur solange der Fall sein, bis besondere Umstände es notwendig machen, dass die «Herrschaft durch Terror» wieder ans Tageslicht tritt.

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Territoriale Vollversammlungen: autonome Strukturen des Kampfes

20. November 2019

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Wir haben einen weiteren Text aus Chile übersetzt, in dem über die Wichtigkeit und Möglichkeiten der territorialen Vollversammlungen reflektiert wird.

 

Die territorialen Vollversammlungen prägen das Bild des sozialen Aufstands in Chile. Sie wurden landesweit von der Bevölkerung ausgerufen, um die unmittelbaren Bedürfnisse des Kampfes zu stillen und die Ausbreitung des sozialen Konflikts zu fördern. In den Vollversammlungen wird über das aktuelle Vorgehen wie auch über die Grenzen und Forderungen der Bewegung gesprochen. Oft haben sie einen starken anti-institutionellen und anti-parteilichen Charakter. Die Vollversammlungen spiegeln – in noch embryonaler Weise – das tatsächliche Bedürfnis des Proletariats wider, sich mit klassenrepräsentativen Machtorganen auszustatten, die seine Bedürfnisse bis zum letzten Atemzug verteidigen und durchsetzen. Dies ohne sich auf Kompromisse mit der politischen Klasse einzulassen.

Die Organisationsstrukturen befinden sich noch in einer Anfangsphase. Doch in ihnen zeigt sich das Bedürfnis und die Notwendigkeit direkten Einfluss auf die soziale Realität zu nehmen. Zugleich sind sie Orte der Kritik eines Lebens, das in jeglicher Hinsicht dem Staat und dem Kapital untergeordnet wird. Die Praxis der Vollversammlungen widersetzt sich dieser Unterordnung, denn die kollektive Organisierung – die notwendig ist, um unsere Probleme zu lösen und den Kampf zu vertiefen – fordert die Macht des Staates heraus in dem sie die Frage aufwirft, wer die Kontrolle über die Gestaltung der Gesellschaft hat. Deshalb ist es notwendig, dass die Vollversammlungen autonom bleiben. Sie sollen den Dialog unter den Ausgebeuteten fördern und nicht mit bürokratischen Institutionen in Verhandlungen treten. Nur durch die Auseinandersetzung mit den Klasseninteressen die auf dem Spiel stehen, werden wir uns das zurückholen können, was uns genommen wurde und nicht indem wir zwischen der Basis und dem Staat vermitteln.

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Heute ist alles möglich.

20. November 2019

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Wir dokumentieren ein Kommuniqué junger Leute die Teil der „Evade Chile“ Bewegung sind. Von dieser Bewegung ging der Impuls der aktuellen Massenproteste aus.

 

Siebtes Kommuniqué.
Chile fährt schwarz (Evade Chile)
06.11.2019

Angesichts der Aufstände der letzten Tage beteuerte ein linker Abgeordneter im Fernsehen, dass sich die Politiker*innen fragen müssen: „Wie können wir die Menschen an einem Wandel teilnehmen lassen“. Nur so ließe sich adäquat auf die Unruhen reagieren. Man sieht, dass diese Tyrann*innen immer noch nichts verstehen, sie haben lediglich Angst ihren Job als „Vorreiter*innen der soziale Gerechtigkeit“ zu verlieren. Doch der Wandel ist bereits da, die Massen haben ihn hervorgebracht, sie leben den Wandel auf den Straßen, auf den öffentlichen Plätzen und in den Gemeinden!

Wir wollen von euch nicht integriert werden. Ihr seid eine Plage. Wenn schon, müsst ihr euch unserem Wandel anschließen und aus eurem Elfenbeinturm der Macht heruntersteigen. Eure vampirartige Lust nach dem frischem Blut der Wirtschaft und eure Macht, um die gefrorenen Venen derselben aufzuwärmen, sind uns wohlbekannt. Aus der Erfahrung der Student*innen, die mit der Macht in Dialog getreten sind und hereingelegt wurden, haben wir gelernt, dass der Staatsapparat ein toter Mechanismus ist der nur dazu führt, dass der Impuls der Kämpfenden und Lebenden, durch unzählige Kompromisse und Programme im Nichts versandet.

Es ist nicht möglich die Probleme mit denjenigen Mitteln zu lösen, die die Probleme erst hervorgebracht haben und sie verwalten. Die viel gepriesene „Delegitimierung der Politik“ verweist nicht nur auf einzelne Politiker*innen, sondern auf etwas tieferes: Wir glauben nicht mehr an die politische Mediation als Mittel zur Organisation der Reproduktion unseres Lebens!

Wir wollen alles. Unser Kampf basiert nicht auf bestimmten Forderungen: Wir wissen, dass die ökologische Krise die andere Seite der sozialen Krise ist, dass die Verschmutzung mit der industriellen Produktion verbunden ist, dass die Industrie um jeden Preis nach Gewinn strebt, dass dieser Gewinn von unserer Sklavenarbeit kommt und dass die Arbeit einen abstrakten Reichtum erzeugt, der uns arm macht. Um die Reproduktion unseres Lebens gemeinsam zu organisieren, versuchen wir uns von Geld, Waren, Lohnarbeit, Kapital und dem Staat zu emanzipieren!

Wir brauchen keine Politiker*innen oder Expert*innen, die uns sagen, wie wir unser Leben organisieren können. Unsere Organisation existiert hier und jetzt, nur so haben wir es bis jetzt geschafft, trotz Hungerlöhnen, zu überleben.

Während alle Politiker*innen und Geschäftsleute „wieder zur Normalität zurückkehren“ oder „die Gemüter beruhigen“ wollen, sind wir der Meinung, dass wir nicht mehr wie bisher leben können.

Sie sagen uns, wir sollen ihnen „Zeit geben“, dass sich die Dinge „nicht über Nacht ändern“. Aber wir haben gesehen, wie wir zusammen tatsächlich alles verändern können. Wir können unseren isolierten und trägen Alltag verändern, wir können die nicht endend wollende Arbeitstage ändern, die uns das Gefühl geben, dass wir nach und nach für ein Leben sterben, das uns auf die Straße treibt.

Alle unsere Forderungen sind sofort realisierbar, aber nur, wenn wir sie selbst umsetzen!

Originaltext gefunden auf: https://hacialavida.noblogs.org

Aus dem Spanischen übersetzt von Eiszeit

Der Laucher

10. November 2019

Abgesehen davon, dass man sich zu Schämen braucht,
starb noch keiner, weil er Lauch geraucht.

Der Raucher, der Zigaretten haucht
und der Esser, der mit Lauch gewedelt.
Der eine schmaucht halt, was er braucht
der andre hats knackig veredelt.

Tabakgemüse mit dem scharfen Hauch
verbrannte Kalorien, wie es der Brauch
braun und welk von Anfang an
wird zum Gemüse unser Tabakmann.

Der Lauch hats knackig und lässts krachen
voll Fröhlichkeit und Lebensdurst gespritzt
Hinter der Rauchwand hört man lachen
und im Totennebel wird gewitzt.

Man rechnet Tabak, Lauch und Zicchorie
den Blütenstand von jedem Gemüse
man zählt die letzte Kalorie
beim Verlassen der Kombüse.

Abgesehen davon, dass man sich zu Schämen braucht,
starb noch keiner, weil er Lauch geraucht.

Was bleibt vom Aufstand in Ecuador?

29. Oktober 2019

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Nach zwei Wochen sozialer Unruhen und Ausnahmezustand knickte Ecuadors Regierung ein und nahm die umstrittenen Reformen vorerst zurück. Die indigene Bewegung spielte bei den Mobilisierungen eine zentrale Rolle. Sie kann auf eine lange Widerstandstradition zurückgreifen. Aber was sind ihre Perspektiven?

Von Mariana Lautréamont.

Als der ecuadorianische Präsident Lenin Moreno am 1. Oktober ein Reformpaket ankündigte, um den Forderungen des IWF für einen 4,2 Milliarden US-Dollar schweren Kredit nachzukommen, ahnte er nicht, was er damit auslösen würde. Die naive Unterschätzung der Kraft und Entschlossenheit der proletarisierten Massen haben Moreno fast sein Amt gekostet. Es ging nicht nur um die Streichung der Treibstoffsubventionen, die unmittelbar die Verteuerung der Lebenshaltungskosten nach sich zog. Auch Lohn- und Ferienkürzungen, sowie die generelle Lockerung des Arbeitsschutzes sorgten für Wut in der Bevölkerung. Bereits zwei Tage nach der Ankündigung der Sparmassnahmen kam es zu Streiks im Transportsektor und Massenmobilisierungen im ganzen Land. Wenige Tage später kündigte die CONAIE (der Dachverband der indigenen Nationalitäten Ecuadors) einen Marsch auf Quito an. Am 9. Oktober kam es schliesslich zu einem Generalstreik. Es folgten wilde Tage des Aufstands und der Unruhe im ganzen Land. Regierungs- und Polizeigebäude wurden in Brand gesteckt, Strassenblockaden errichtet, Topfschlag-Proteste und Demonstrationen organisiert, Geschäfte geplündert und Ölfelder besetzt.

In der Hauptstadt Quito waren die Auseinandersetzungen auf den Strassen am Heftigsten. Doch auch eine immense Solidarität war zu spüren. Viele Genoss*innen sprachen von der «Kommune von Quito». Das Leben fand nicht mehr atomisiert in den eigenen vier Wänden statt, die Leute nahmen sich den sozialen Raum zurück. Sie errichteten nicht nur Barrikaden, sondern auch solidarische Sammelzentren, befreite Zonen, in denen Kostenlosigkeit, Selbstorganisation und Solidarität statt Konkurrenz und Warenförmigkeit im Mittelpunkt standen. In der ganzen Stadt wurde in Volksküchen gegessen und überall gab es Vollversammlungen. Die selbstorganisierten proletarischen Massen schnupperten an der Revolution.

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