Archive for the ‘gedicht’ Category

Wonderwoman / die Zeit findet

3. Dezember 2018

(Anmerkung: Dieses Gedicht ist eine Umformulierung eines Textes, der für 25Karat geschrieben wurde. Der ursprüngliche Text war politische Kritik, wie man sie kennt, ein bisschen polemisch, ein bisschen theoretisch. Ehrlich, richtig – und ohne Würze. Das Experiment war, aufzuzeigen, dass man jeden beliebigen Text nehmen kann und – durch Wiederholung und Rhythmisierung – eine andere Ebene anschlagen kann. Merci auch an St. Gregor, Schutzpatron der Comiczeichner…)

Frau tagtäglich reduziert / Wonderwoman

hat Arbeitstag

hat Muttersein

hat geputzt

die Zeit findet die Zeit findet

noch Zeit hat,

wenn sie nur will.

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Pathetisch

21. April 2018

Ein „Danke“ wäre nicht genug.

Meine Erleichterung ist nur ein Sprung davon entfernt sich ins Unbekannte zu stürzen.

Tagelang wach und nur beim verschwinden unserer inneren Finsternis erfand ich den Tag für mich neu. (more…)

Gebrochen/Gnade- Fingerzeig

7. April 2018

Ideen fallen nicht von den Bäumen.
Dieser Pathos. Ehrlich, aber unanständig. Eklig.

Der Tag zerrieselt. Wachsein, aber permanente Dämmerung. Musik als Weckruf – Töne wie Eis: klar, kalt, im Inneren zieht es sich dabei warm zusammen. Man denkt noch – und schon beginnen Träume. Der Tag ist so verwirbelt, Wachen und Träumen verkehren sich. Wach träume ich und im Traum gelange ich zur Wachheit…
Solches sind die Tage, die sich ohne Gefühl erheben.
Das Lachen ist Kläffen,
das Sehnen nur ein Hunger,
der Durst des eigenen Verstandes…
Es pflanzt sich fort,
das denkende Unkraut ohne Bewusstsein.
Die Fingernägel sind fettig und es ekelt,
zu greifen.

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frühmorgens

4. April 2018

frühmorgens sitzen wir in einem bus der uns zur arbeit fährt

mittags sitzen wir in einer kantine
hungrig wie immer

abends sitzen wir in einem bus der uns nach hause fährt

das machen wir jeden tag

nur am sonntag da sitzen wir auf der couch und sehen fern

am morgen

4. April 2018

am morgen
wenn wir noch
taufrisch sind

wie sehen wir da
die dinge anders

als am abend
wenn wir in
melancholie
versinken

Have heart, will travel

5. Mai 2017

Mein Herz schlägt laut in meiner Hand. Ich hatte es mir zuerst herausgerissen, weil darauf herumgetrampelt wurde und es zerquetscht zu werden drohte.

Dann machte ich Kinder. Nun lief mein Herz erst recht ausserhalb von mir und nackt durch die Welt. Ich rannte hinterher.

Ah, es ist gar nicht mein Herz. Es ist Das Herz und wurde mir geliehen. Ich hab es aber lieber angeschrien. Dass es immer noch schlägt, stur einen Takt vorgibt, zu dem ich nicht tanzen mag. Warum nur wurde ich geboren? Ich kann mir auch noch mehr rausreissen! Wo hört das denn auf!?

Ich höre. Mein Herz schlagen. Und bin Zuhaus.

ablauf

30. März 2017

grossmutter ist gestorben
die kindheit ist vorbei

vater ist gestorben
die jugend ist vorbei

mutter ist gestorben
jetzt fängt das alter an

meine hose (3)

1. März 2017

löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher !
hat meine hose
ist das nicht traurig
das arme ding so
alt geworden und mit dem alter
kommen die löcher
und
die
nähmaschine
—–
nun
lassen
wir
das
—–

herausragendes politisches gedicht nummer 21

25. Februar 2017

ene mene muh
verdruss bisch du

ene mene mack
verhau den sack

ene mene muff
das git puff

ene mene matt
mach alles platt

[Gastbeitrag Franco Bellettini] Es war einmal in Europa

13. Februar 2017

[Etwas Kurzes, das uns Franco Bellettini geschickt hat… Ein Rundumschlag, ein Zürnen. Damit nicht vergessen geht, was man sich vornimmt, zu erinnern… Auf die Frage, ob wir es publizieren sollen, die Antwort: „Nur wenn ihr jedem Leser eine Kalschnikow spendiert…“ – das können wir nicht, aber wir lassen das mal so stehen.]

Es war mal in Europa
in ganz Europa
normal nach
Tränengas statt nach Deo
zu riechen

und den Müll in
Barrikaden zu verwandeln
so normal
wie Konzerte zu stürmen

es war auch einmal undenkbar
dieses Europa der Konzerne
mit Internationalismus
zu verwechseln

damals, als Oekologie Teil
einer sozialen Bewegung
war und der Feminismus
hunderttausende
auf die Strassen spühlte
und nicht nur ein paar
in die Chefetagen
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