Archive for the ‘gedicht’ Category

Have heart, will travel

5. Mai 2017

Mein Herz schlägt laut in meiner Hand. Ich hatte es mir zuerst herausgerissen, weil darauf herumgetrampelt wurde und es zerquetscht zu werden drohte.

Dann machte ich Kinder. Nun lief mein Herz erst recht ausserhalb von mir und nackt durch die Welt. Ich rannte hinterher.

Ah, es ist gar nicht mein Herz. Es ist Das Herz und wurde mir geliehen. Ich hab es aber lieber angeschrien. Dass es immer noch schlägt, stur einen Takt vorgibt, zu dem ich nicht tanzen mag. Warum nur wurde ich geboren? Ich kann mir auch noch mehr rausreissen! Wo hört das denn auf!?

Ich höre. Mein Herz schlagen. Und bin Zuhaus.

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ablauf

30. März 2017

grossmutter ist gestorben
die kindheit ist vorbei

vater ist gestorben
die jugend ist vorbei

mutter ist gestorben
jetzt fängt das alter an

meine hose (3)

1. März 2017

löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher !
hat meine hose
ist das nicht traurig
das arme ding so
alt geworden und mit dem alter
kommen die löcher
und
die
nähmaschine
—–
nun
lassen
wir
das
—–

herausragendes politisches gedicht nummer 21

25. Februar 2017

ene mene muh
verdruss bisch du

ene mene mack
verhau den sack

ene mene muff
das git puff

ene mene matt
mach alles platt

[Gastbeitrag Franco Bellettini] Es war einmal in Europa

13. Februar 2017

[Etwas Kurzes, das uns Franco Bellettini geschickt hat… Ein Rundumschlag, ein Zürnen. Damit nicht vergessen geht, was man sich vornimmt, zu erinnern… Auf die Frage, ob wir es publizieren sollen, die Antwort: „Nur wenn ihr jedem Leser eine Kalschnikow spendiert…“ – das können wir nicht, aber wir lassen das mal so stehen.]

Es war mal in Europa
in ganz Europa
normal nach
Tränengas statt nach Deo
zu riechen

und den Müll in
Barrikaden zu verwandeln
so normal
wie Konzerte zu stürmen

es war auch einmal undenkbar
dieses Europa der Konzerne
mit Internationalismus
zu verwechseln

damals, als Oekologie Teil
einer sozialen Bewegung
war und der Feminismus
hunderttausende
auf die Strassen spühlte
und nicht nur ein paar
in die Chefetagen
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jeden morgen geh ich den strassen lang

30. Oktober 2015

jeden morgen geh ich den strassen lang vom hügel runter ins quartier
vorbei an den läden und den leuten im quartier
überquere strassen kreuz und quer

bin nur einer unter vielen die da gehn durchs quartier
bin nur einer von den vielen die da leben im quartier
(more…)

strassen

12. Oktober 2015

ich laufe durch die strassen
selbst wenn der schnee mich frieren lässt

ich laufe durch die strassen
selbst wenn der regen wild vom himmel fällt
(more…)

Limerick: Lazarus

7. Oktober 2015

Ein hungriger Priester aus den Abruzzen
trotz Abtes Mahnung tat selten sich putzen
Wenn er die Hand
für schmutzig befand
strich er sie beim Gebet an der Kapuzen.

Nebelverkrochene Rauchwurst…

24. September 2015

Das Alpenpanorama lässt zu Wünschen übrig. Übrig bleibt auch der Galerist: Mit Brille und Lederjacke.

Keiner will die Sachen kaufen, die nicht seine sind.

Die Wolken sind von grauem Orange: Trauer, die in der Abenddämmerung glüht.

Niemand kennt den Weg heraus, es ist ein Labyrinth:

Von Land und Leuten, unter Beton,

nach Fahrplan und exakt geschaltet, ausgebreitet.

Alles bereut im Herbst,

die Worte, die

ohne Bedacht an heissen Julitagen geäussert wurden:

Jetzt sind die Brunnen erkaltet und das Wasser schlägt

hart auf die Zähne. Jedoch –

der Durst: Ein Kind,

das mehrmals täglich verlangt,

in uns, aus uns: In die Welt reinsäuft.

Wenn nur die Brunnen anstatt die Krüge bersten…

Nur noch zwei Minuten, dann kommt die Strassenbahn. Ein träges Blinzeln,

ein nervöses Seufzen, die Beine –

als wäre Verwurzelung ihr Sinn –

erhalten das Gewicht. Ein Pendel liegt in uns,

mal links,

mal rechts, und bestenfalls ein Schaukeln; für die Fiebrigen: Ein Rennen

ohne Ziel, eine Runde

ohne dass sie zählte, ein Schwitzen

ohne Not.

Schweiss, so kalt wie die Tropfen an den Brunnenspitzen, und Durst:

der nie gestillt werden kann.

Weltenträume, Traumwelten

20. April 2015

Ich lege mich in meine Gedanken,

ich schlafe mich davon.

Ich träume tiefer in die Welt hinein,

ich träume ihr davon.

Meine Träume sind schwer,

aber mir wird leichter,

wenn mein Gewicht so liegt.

Lege ich den Kopf nieder, ist es,

als ob der Kopf über mich siegt.