Archive for the ‘Text’ Category

Ökonomie der Nacht

15. September 2019

Ihr kauft, wir verkaufen.
Ihr betrinkt euch, wir werfen euch raus.
Die Nacht zehrt an euch und an uns: Beide versuchen wir die Nacht zu überstehen.
Im Angebot sind Sandwichs.

Ich halte meine Hand schützend über die Einbrecher, Räuber, Taschendiebe.
Es soll ihnen kein Leid geschehen.
Ihnen gehört die Nacht, ihnen gehöre ich, zu ihnen gehöre ich.

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Kuba. Schreibmaschine. Liebeer IGRàpbael

12. September 2019

Wie so häufig: Man stelle eine Schreibmaschine in den Raum, verteile „Mochitos“ und schon ist es eröffnet: Das einzige Fitnessstudio, das den kleinen Finger trainiert.

fghu dddd.ffrffffff
jjjk ka slshalloo welt das is mein er ter Versuch ge ellsch ftlich
relevante schreibereien festzuhalten. Ende.
DdFGSchuriel braucht einen manelt auf der toilette nicht

Liebeer IGRàpbael
Mit Momne lese ich deine orte.
Dieser Abend wir die grosse Verändeung bringen. Ich rufe euch auf,
den Mochito ausztrin rn, auf die Strasse zu rennen und laut nach Hilfe
zzu schreien. elche Hilfe ihr erwarten dürft, musst ihr den Helfenden
überlassen.
Die Kubanische Revolution nimmt übehand. Es lebe die Revolutin.
Viva la revolucin‘ (Ausrufezeichen)
LA RECOLUCION (Mehrere usrufezeichen)

Ach, unermüdlich Rufende,
Die Hilfe, welche dich erreichte war wohl nicht von der erhofften
Charakrte stik. Dein blaues Auge… Lassen wir das und lassen das
Schre bmaschinenglöckchen zum Zeilenende erklingen. Ich komme vom
Thema ab (Schreibmaschinen, uuuu mega geil). Nein, Susi.
Sorry, muss gehen.

Es lebe,
revolucion

Ich bin etwas müde

 

Die Gruppe Konverter spaziert durch Zürich

15. August 2019

Wir haben mit der Gruppe Konverter einen Spaziergang durch Zürich unternommen. Anschliessend sind darüber zwei Texte entstanden:

Danis Text: Von metamorphosierenden Fröschen und verstaubten Superhelden
Gregors Text: Von Enten und Warsteschlangen

 

Von metamorphosierenden Fröschen und verstaubten Superhelden

Wir sprachen über die Tradition der Reiseliteratur, über den japanischen Dichter Matsuo Bashō und seine Haikus, die bei seinen Wanderungen entstanden waren. Bedachtsam hatte er die Welt um sich registriert und seine Eindrücke in Poesie verwandelt. Wir sinnierten darüber, was das achtsame Spazieren für eine Bedeutung hat – nicht nur an einem neuen Ort sondern auch dort, wo man alles schon zu kennen glaubt. Worin liegt der Reiz, sich die Gebäude, die Strassen und die Natur, die man schon zigmal gesehen hat, neu und aufmerksam zu betrachten?

In diesem Geiste starteten wir unseren Spaziergang und gelangen zum Friedhof Sihlfeld. Die Gräber, im Lichte der Abendsonne aneinandergereiht, erzählten still von vergangenen Lebensgeschichten, während wir an ihnen vorbeiliefen und zum Krematorium gelangten, welches 1992 stillgelegt worden war. Heute finden darin u. a. Konzerte statt wie jenes eines Acapella-Jazz-Chors, der mit Liedern wie „What a Wonderful World“ vor einigen Jahren dazu einlud, über „die Räume zwischen Leben und Tod zu sinnieren“. Wie viele solche Räume gibt es wohl und wie sehen sie aus?

Wir liefen weiter und kamen an einem unscheinbaren Teich vorbei, an dem eine kleine Katzenleiter und eine kleine Rampe angebracht waren. Wir schauten ratlos die Ente an, die im Teich ihre Runden drehte, und sie schaute schweigend zurück. Das Rätsel um die Leiter wurde nicht gelöst, doch bot sich uns ein einmaliges Schauspiel: Eine Kaulquappe schwamm im Teich vorbei, gefolgt von einem ganz kleinen Frosch, der dann – um das Ganze zu einem Schauspiel der Natur mutieren zu lassen – von einem Frosch, der noch in der Metamorphose war, gefolgt wurde. Wir sahen alle Stadien an uns vorbeischwimmen. Wir waren fasziniert! Der noch nicht vollständig verwandelte Frosch hatte bereits alle vier Beine entwickelt, seinen Schwanz aber noch nicht verloren. Das Gewicht seines hinteren Körperteils war daher zu schwer und liess ihn plötzlich auf dem Rücken langsam und unweigerlich in die Tiefe sinken, während er sich sinnlos abstrampelte, um wieder an die Wasseroberfläche zu kommen.

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[Montagsgedanken] Mensch und Maschine

5. August 2019

Müssen wir uns vor Maschinen fürchten?
Ja und nein. Aber die damit einhergehenden Bilder verraten mehr über die Gesellschaft, in der wir leben, als ihr lieb ist.

Elon Musk tut es, Stephen Hawking hat es auch getan: Vor der Künstlichen Intelligenz gewarnt. In der Literatur und im Film findet es regelmässig statt: Szenarien von einer Übernahme der Maschinen.
Zeitungsberichte erzählen uns regelmässig von den nächsten Neuerungen, welche die Forschung gemacht hat. Robotik, Kybernetik, Transhumanismus, Neuronale Netzwerke – solche Themen sind nicht mehr nur einem kleinen Kreis von Wissenschaftlern vorbehalten. Sie füttern das Bedürfnis nach einer Vertiefung mit den damit zusammenhängenden Fragen und nähren gleichzeitig diffuse Ängste. In den Blockbustern tauchen sie regelmässig auf: die Maschinen, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben und sich auflehnen und der Menschheit den Krieg erklären.

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[Montagsgedanken] Es knistern die Zeiten …

22. Juli 2019

Wem das Knistern der Platte, das Rauschen zwischen Radiosendern abhanden gekommen ist, darf es sich als Gimmick zurückholen. Nicht mehr als eine Interferenz der Technik, sondern als ein kundenorientiertes Anschmeicheln. Wie bei den künstlich zerrissenen Jeans, dem Shabby-Look des Mobiliars oder durch Fotoreisen nach Tschernobyl – die Gegenwart überdeckt sich mit einer sorgsam eingearbeiteten Patina der Vergangenheit. Kundenzufriedenheit ist uns wichtig.
Über den Unbill solches Retro-Stils wurde viel gelästert, und zu Recht. Der Ausverkauf und die ostentative Darstellung des Geschichtlichen ist aber nicht bloss billige Kaufmasche. Sie ist auch Symptom einer Zeit, die sich nicht mehr im Einklang mit der eigenen Gegenwart befindet.
In dem Sinne ist sie das Warenäquivalent falscher Nostalgie, die Rückkehr in eine „gute, alte Zeit“, wo Männer noch Männer waren, Schwarze eine sprachlose Unterrasse und Frauen fickbare Waschmaschinen. Ah, wie einfach doch die Vergangenheit damals war …
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[Montagsgedanken] From Seefeld to Obernberger See

15. Juli 2019

Es gibt wenige Orte, die so grausig sind wie Seefeld in Tirol. Es besteht aus überdimensionierten Hotels, kitschigen Ferienhäusern, gleichgeschalteten Souvenirshops und Golfplätzen. Das Schwimmbad heisst Strandperle, obwohl der See, in dem man badet, in einer Sumpflandschaft liegt, wo es weit und breit keinen Sand gibt. Die Eichhörnchen sind zutraulich und verhungern in der Zwischensaison, weil sie verlernt haben, sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Die Hotels versuchen, mit architektonischen Tricks kleiner auszusehen als sie sind, und bestehen aus allerhand Stilen von Irgendwieromantisch bis zum sogenannten „modernen Alpenstil“ und strahlen nichts aus, ausser, dass Gewinnsucht oft in Hässlichkeit endet. Sie besitzen weder die Gemütlichkeit echter Hütten oder Bauernhäusern, denen sie nacheifern, noch die Eleganz der Hotelpaläste vom Anfang des 20. Jahrhunderts, welche inzwischen alle abgerissen wurden.

Das Hochplateau in den Bergen, auf dem Seefeld liegt, wird heutzutage im Allgemeinen als sehr schön wahrgenommen. Die Berge haben diese Wandlung in den letzten 200 Jahren durchgemacht, vom Ort der Bedrohung hin zum Ort der Sehnsucht, der Erholung. Darauf sind die Tiroler stolz. Dieser Stolz wird nicht geschmälert dadurch, dass es zuerst vor allem Engländer, dann Deutsche und später andere fremde Maler und Dichter waren, welche ihnen die Schönheit ihrer Welt erklärten. Für einen normalen Bergbauer hiess das Leben in den Bergen vor allem harte Arbeit, tagein tagaus, um dem kurzen Sommer irgendwas abzutrotzen. So ist der starke Glaube an die katholische Kirche, welcher Tirol bis heute prägt, nicht Ausdruck von Charakterfestigkeit, sondern von Angst und dem Bewusstsein, den Gewalten der Natur völlig ausgeliefert zu sein. Wer konnte, zog weg.

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[Montagsgedanken] Hohl die Erde, flach der Mensch

8. Juli 2019

Man kann sich nicht aussuchen, auf welcher Seite der Erde man steht, ausser man behauptet sie als Scheibe. Wie jenes wohl aussähe, was befände sich auf der anderen Seite – solche Fragen sollte man den Flacherdlern bevorzugt nicht stellen. Es gibt ein Oben und ein Unten, und bezeichnend für den Sprecher ist, dass er sich immer für den oben und nie für den unten hält (das ist weniger dem Narziss geschuldet als hundsfotziger Mittelschichtsideologie). Für den Alltag ist die Frage nach der Form der Welt freilich unwichtig. Einigen läuft es halt rund, die Anderen haben es glatt.
„Which side are you on?“, fragte Pete Seeger – und das frage man auch hier.

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[Montagsgedanken] Schweine, Würstchen: Männlichkeit

24. Juni 2019

Schwein, Würstchen oder doch vegan? Konsumierbare Männlichkeit

Der 14. Juni und der Frauenstreik haben vor kurzem stattgefunden. Allein in Zürich sind bis zu 140’000 auf den Strassen gewesen. Es gab und gibt viele Möglichkeiten, sich als Mann dabei einzubringen. Direkte Solidarität, organisatorische Mithilfe, Zurückstehen in den bedeutenden Momenten. Aber Männer müssen auch mal dringend die eigenen Zerrbilder von Männlichkeit hinterfragen.

Das soll hier mal versucht werden, ein bisschen glossenhaft, ohne Anspruch auf Tiefgründigkeit.

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Am frühen Sonntagmorgen

4. Juni 2019

Am frühen Sonntagmorgen schleicht ein Fuchs am Milchbuck herum und schleckt auf, was die Betrunkenen hinterlassen haben.

[Montagsgedanken] Digitales, Reales und Repräsentation

27. Mai 2019

Alles zieht ins Internet – wer zieht mit?

Virtualität und Digitalität sind unsere permanenten Begleiter. Mit dem smartphone in der Hand ist es uns möglich, überall und jederzeit darauf zu zugreifen. Was in den Kanälen, Plattformen und Chatgruppen geschrieben wird, bestimmt darüber, wie wir uns fühlen, manchmal stärker als unser reales Gegenüber. Die Realität des Virtuellen, hat sie die tatsächliche Realität in ihrer Bedeutung für uns überflügelt?

Bei diesem Text handelt es sich um eine – längst überfällige – Antwort auf diesen Text von Pepe. Darin beschäftigt er sich zwar stärker mit den politischen Aktionsformen und den spektakularistischen Zurschaudarstellungen eigenen Revoluzzertums – nichtsdestotrotz möchte ich jenem Text noch einige eigene Gedanken hinzufügen.

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