[Montagsgedanken] Glosse: Warum ich Roger Federer hasse

11. Dezember 2017 by

„Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren“ – Tocotronic

Ich kann mit Tennis überhaupt nichts anfangen. In mir lauert dieses Vorurteil, es handle sich dabei um einen Bonzensport. Englische stiff-upper-lip Typen, Jingos, die sich im Club sportlich betätigen, nachdem sie ihre Arbeiter entlassen haben. Manager-Yuppies, die geschniegelt weiss verkleidet Jugendlichkeit und Unschuld demonstrieren möchten. Perlweisse Zähne. Schwiegersöhne, Kinder besserer Eltern, die auf dem Tennisplatz posieren, während am Rand ein Butler mit einem Silbertablett steht, auf dem eisgekühlte Limonade aus Kristallkaraffen eingeschenkt wird.

Obwohl ich mich null für Tennis interessiere, will ich hier etwas loswerden: Warum ich einen tiefen, aufrecht empfundenen Hass gegenüber Roger Federer empfinde, obwohl ich noch nie ein Tennisspiel gesehen habe.
Ja, für einmal gehen die Montagsgedanken ins glossenhafte.

Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Gegen das Nicht-Leben

30. November 2017 by

Die Zeitschrift „Anarquía y Comunismo“, erscheint seit dem Jahr 2014 in Chile und ist Online unter https://anarquiaycomunismo.noblogs.org/ als Pdf erhältlich. Die folgende Übersetzung stammt aus der Herbstausgabe dieses Jahres.

Der Wunsch unser aktuelles Leben zu verwerfen, um es gegen ein anderes umzutauschen ist heutzutage Teil unseres Alltagsverstandes. Egal ob wir uns dabei das Leben anderer Menschen wünschen oder eine vollkommen neue Lebensform anstreben, die passive Akzeptanz des Bestehenden prallt meistens gegen die verallgemeinerte Unzufriedenheit die die durch-kommerzialisierte Menschheit bedrückt. Der tägliche Verkehr innerhalb dessen unser Leben stattfindet, kann als ein Kommen und Gehen zwischen unserem Zuhause und den Zentren der Produktion und des Konsums zusammengefasst werden. Diese verschiedenen Orte innerhalb derer sich der proletarisierte Mensch bewegt, verkörpern die Zerteilung seines Lebens: Die Haushalte wurden für immer mehr Schichten innerhalb der Bevölkerung zu Nischen der Ruhe und der Gefangenschaft… wahre Haftanstalten für die Erholung des Menschen. Wenn der Mensch arbeitet, tut er dies nicht im Einklang mit seinen Bedürfnissen, sondern im Einklang mit den Bedürfnissen der Warenproduktion. Die Arbeit ist nur ein Mittel, um einen Teil der menschlichen Bedürfnisse zu decken. Letztere gehören ebenfalls zu den Sphären des Marktes. Die Zeit zur Erholung und Entspannung, in denen der Mensch endlich Zeit für sich und andere hat (von denen er aufgrund der bestehenden Verpflichtungen und Entbehrungen getrennt wird) verbringt er meist vor dem Bildschirm oder mit dem sonstigen Konsum von anderen Waren. Somit bewegt sich auch die Gestaltung der Freizeit innerhalb derselben Mechanismen wie der Rest der sozialen Verpflichtungen des Menschen: Auf die Pflicht zur Unterhaltung folgt, anhand der Pflicht zur Produktion, die Beschränkung der eigenen Zeit und Energie.

Die Zeit zwischen diesen verschiedenen Orte, sprich neben den Orte der Produktion und denen der Freizeit, verbringt der Mensch innerhalb von Transportmitteln, also innerhalb von Maschinen die der Zirkulation von Arbeitskräfte und Ware dienen. Diese Strecken der Zirkulation werden vom Kapital selbst zur Verfügung gestellt. Die physische Nähe der zusammengepferchten Menschen, steht im Gegensatz zu ihrer tatsächlichen Isolation. Die Menschen sind dazu gezwungen sich zu begegnen, aber dennoch meiden sie sich gegenseitig, was die gemeinsame Isolation nur noch augenfälliger macht. Die Bedingungen die sie zu dieser Zusammenpferchung zwingen, sind dieselben die sie isoliert halten. All dies ist das Ergebnis einer einzigen Tatsache: Der Mensch wird auf die Rolle des Trägers von Arbeitskraft reduziert. Die fehlende Selbstbestimmung im Leben zeigt sich auch auf emotionaler Ebene in zwischenmenschlichen Beziehungen z. B. in der Apathie und der fehlenden Kommunikation mit denjenigen Menschen mit denen wir einen Wohnraum teilen; in der Konkurrenz und dem Streit auf der Arbeit, wo jede/r Mitarbeiter*in als potentielle Denunziant*in im Dienste der Bosse gilt; in der Neurose und der Abhängigkeit die unsere romantischen Beziehungen durchziehen und in den endlosen und gescheiterten Versuche unsere Isolation zu durchbrechen. Versuche denen es nicht gelingt echte kameradschaftliche (im Spanischen wird das Wort „Kameradschaft“ oft von Linken und Anarchst*innen verwendet, Anm. d. Ü.) Beziehungen aufzubauen. Was die modernen Sklaven eint, ist die Trennung und diese widerspiegelt sich auch auf emotionaler Ebene, in dem anhand der Reproduktion der Trennung, die zwischenmenschlichen Beziehungen verkümmern. In unserer Epoche schmücken die Apathie, die Langeweile und die Frustration die Gefühle all derer, die in befriedeten Komfortzonen leben. Der Rest der Welt lebt im Elend, lebt unter den schlimmsten Bedingungen wo Ausbeutung, Hunger und Krieg den Alltag bestimmten.

Trotz der verallgemeinerten Sinnlosigkeit die unsere Epoche kennzeichnet, gibt es im Alltagsverstand der Menschen ein Gespür für diese allgemeine Unzufriedenheit: jedes Mal wenn sich Menschen über die Stumpfsinnigkeit des Arbeitsalltags beschweren, jedes Mal wenn mensch sich fragt wie schnell eine weitere Woche oder sogar die gesamte Jugend vorbeizieht, die so schnell vorbeigeht, dass lediglich ein Paar wenige wirklich gelebte Momente in Erinnerung bleiben. Das Problem liegt darin, dass die Menschen ihr Elend und dass all der anderen, auf das persönliche Versagen reduzieren, oder auf eine ungerechte und zufällige Chancenverteilung. So verharrt mensch in der Logik des Erfolgs und des Komforts und interpretiert das Bestehende als unausweichliche Konstante der menschlichen Existenz.

Wir denken jedoch, dass das bestehende Elend nichts ewiges ist und dass das was uns diese Gesellschaft als „das Beste“ verkaufen will (Erfolg, Glück, „Liebe“ usw.), das existenzielle Elend lediglich zementiert. Mehr noch: Wir verstehen die Lohnarbeit, das Geld, die Polizei, die Waren, die Klassen, der Statt usw. als zentrale Ursachen des ganzen Elends. Wir denken, dass die inhaltliche Armut unseres Lebens das direkte Ergebnis der aktuellen Existenzbedingungen ist, die die Selbstbestimmung des Lebens verunmöglichen. Wenn wir folglich unser Leben zurückfordern wollen, um das Elend zu überwinden, müssen wir die materiellen Wurzeln des Bestehenden zerstören, sprich die Totalität der bestehenden Ordnung.

An diesem Punkt ist die Erwägung unseres Verständnisses über das Gegebene und über die Art und Weise wie die Revolution mit ebendiesem brechen kann essenziell. Die nicht Beachtung dieser Reflexion führte die letzte Generation der Kämpfe dazu, den zentralen Kern des Kapitals nicht zu kritisieren. Vielmehr tendierten die Kämpfe dazu, lediglich die Verwaltung der Gesellschaft verändern zu wollen. Solch eine Perspektive beherrscht bis heute die Ambitionen vieler Leute die sich für die soziale Revolution aussprechen. Wir möchten den guten Willen solch einer Perspektive nicht bestreiten, doch wir denken, dass das Verständnis des Kapitals und dessen Überwindung in vielen Kreisen beschränkt und oberflächlich ist, denn die revolutionären Ansprüche dieser Perspektiven berühren kaum die fundamentalen Säulen der kapitalistischen Zivilisation.

Innerhalb dieses Panoramas das von Passivität und Verwirrung beherrscht wird, bestehen wir darauf, dass die Reflexion über dass was den Kapitalismus ausmacht und die Art und Weise wie eine Revolution diesen beenden kann, kein Spezialgebiet einer Gruppe Theoretiker*innen ist. Wer dies nicht so sieht, legt lediglich seine eigene Demagogie offen zu Tage und versteht die Praxis und das Denken als getrennte Momente. Wir wollen die Ausbeutung beenden die unser Leben durchdringt und denken dass zu diesem Zwecke unsere Kritiken und unsere Praxen verschärft werden müssen. Wenn wir in diesem Sinne Fensterscheiben zerstören in denen die Waren zur Schau gestellt werden und wir zugleich versuchen den Ursprung derselben zu verstehen, dann tun wir dies aus derselben Notwendigkeit heraus: Die Notwendigkeit die Diktatur der Waren und des Staates zu negieren, um die Dringlichkeit einer menschlichen Gemeinschaft zu bestärken, d. h. um einen Anfang einer echten und bewussten Geschichte der Menschheit zu bestärken.

Wenn wir uns organisieren suchen wir keine Nischen, um vor dem täglichen Elend zu flüchten. Wenn wir handeln dann, weil wir zwei Optionen sehen: entweder wir organisieren uns, um das bestehende Elend der Menschheit zu überwinden oder wir fügen uns demselben mitsamt der ganzen Misere und der Resignation die damit einhergehen.

Wird denken, dass der Kapitalismus das Reich der Trennungen ist das uns vom Leben spaltet. Der Kommunismus und die Anarchie hingegen, müssen die Überwindung dieser Trennungen sein, sie müssen die Übernahme des eigenen Lebens sein, sie müssen die kollektive Verwirklichung der Individuen sein. Wir sehen keine andere Möglichkeiten:

Kommunisierung oder Misere!

Tote Ösis oisgrab’n

27. November 2017 by

+++ Diese Woche Ösi-Gastbesuch in der Konverter Garage +++ Mozartkugeln zum halben Preis nach Vernunreinigungsverdacht mit Appenzeller Käse +++ Babyhitler droht der Ostschweiz +++ Falco am Paradeplatz +++ „Schweiz ist Humorentwicklungsland“ +++ Österreich droht Newsticker: „Warum sind dort immer drei Schweizer Kreuze!?“ +++

Jänu.

„Tote Ösis ausgraben“. Diese Woche. Ab Mittwoch. Täglich Programm.

18-20 Uhr – Austria Sitcom

Ab 20 Uhr – Veranstaltungen.

Mi 29.11. Geschichten und bösartige Märli aus Innsbruck, Tirol und der ganzen Welt. Gesammelt von Saile Klein in Comic und Kurzgeschichten

Do 30.11. Ein künstlerisches Abendessen mit T. Bernhard-Braten exhumiert von P. Hinüberbini plus normaler Konverterabend der offenen Werkstatt

Fr. 1.12. Brenner Nacht mit allen 4 Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas. Schnodrig kommentiert von Georg „el composantero“ Schenker

Sa.2.12 Traditioneller Liederabend des Todes mit SALZ. Analoges Karaoke zu Austria Hits.

Donnerstagsgeflüster

23. November 2017 by

Unkommentierter Brunz. Messages, die an hohle Wände klopfen, das Geräusch von trockenem Aluminium und der Gestank von beissendem Rauch. Das alles ist für Niemanden gedacht, für Niemanden formuliert, nur Bruchstücke eines Abends, an dem man seine eigene Instanz ist und man Niemandem Rechenschaft schuldet.

To be continued… every feckin‘ thursday from 6 pm at Garage Konverter…

——————

– Jour Fixe, des ist doch bloss e politische Entschuldigung zum Saufen.
– Immerhin ist es eine politische Entschuldigung, um zu saufen.
– Ich brauch keine Entschuldigung zum Saufen.

– Sag mal was ist das für ne Musik, das klingt…
– Nightwish.
– Klingt wie was, zu dem Engel masturbieren.

– Am Ende landet man immer bei Brüsten.

– Wie, krank? Hat sie den Vibrator zu lange drinnen gelassen?
– Boaaah!
– Pfui!

– Sie raucht Pfeife, er hat seinen Frieden.

– Wie lange bist du noch Zürcher?
– Wie, wird er aus der Stadt gejagt?
– Nein, er zieht um.
– Noch zwei Monate.

– Tanzend und singend in diesen kalten Nächten…
– wollen wir keine Spatzen.

– Meine Eltern haben früher immer die alten Teebeutel getrocknet und den Missionaren in Afrika geschickt.
– Im Ernst?
– Ich weiss nicht, aber die Geschichte ist gut.
– Stell dir vor, getrocknete alte Teebeutel, Pakete voll damit.
– Der Gesichtsausdruck von Father Jeremias, wie er es öffnet.
– „Hallelujah! Der Tee ist da!“
– Priester haben es halt mit getrockneten, keksgrossen Sachen…

Rückzugskampf der Postmoderne

21. November 2017 by

Auf Zeit Online erschien am 19.12.2016 ein Gastbeitrag von Michael Hampe. (http://www.zeit.de/2016/52/kulturwissenschaft-theorie-die-linke-donald-trump-postfaktisch-rechtspopulismus – leider muss man sich anmelden, um den Artikel lesen zu können.) In diesem wirft er „der“ kulturwissenschaftlichen Linken, aus der Hampe kurzerhand ein Kollektiv macht, vor, nichts anderes zu tun, als „historisch [zu] dekonstruieren und politisch [zu] korrigieren“. Dieser „KWL“ gehe es, so Hampe, im Moment schlecht. Schuld daran sei nicht ihre Theorie, welche Hampe sicherheitshalber en passant dennoch diffarmiert. (Diese Form der Polemik hat den für den Herren Philosophen angenehmen Vorteil, dass er keine Argumente zu liefern braucht.) Das Problem dieser Linken bestehe darin, dass sie – so der Vorwurf Hampes – jegliche Art von Wahrheiten und Fakten relativiere und zu diskursiven Konstruktionen reduziere. Nun stellt Hampe einen Zusammenhang her zwischen dieser Linke und dem Rechtspopulismus: Die Theorie der „KWL“ liefere den RechtspopulistInnen das Instrumentarium, um ihre „alternative facts“ zu legitimieren. Sinngemäss: „Wenn schon alles konstruiert ist, kann ich mir meine Welt zusammenkonstruieren, wie ich will, die Realität spielt dabei keine Rolle, wie Ihr ja selbst sagt.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Up Against! Workshop-Collage

13. Oktober 2017 by

Up Against! – Veranstaltungswoche 9.-14.Oktober

9. Oktober 2017 by

Es ist so weit, Up Against! beginnt diese Woche.

Es gibt viele interessante Veranstaltungen: Diskussionen, Offene Bühnen, Theaterproben und -aufführungen, Performances, Screenings, Workshops. Das Programm ausführlich zu beschreiben, dafür fehlt uns hier die Zeit. Das komplette Programm (wird ständig aktualisiert) findet sich online hier. Am Einfachsten ist es: Einfach vorbei zu kommen.

Wir möchten hier noch die Sachen genauer auflisten, die wir in der Garage (Fellenbergstrasse 239 in Zürich, Station „Sackzelg“) durchführen werden. Wir haben Programm am Dienstagabend, Mittwochnachmittag und -abend sowie am Freitagnachmittag.

Den Rest des Beitrags lesen »

Remember, remember, the Revolutionsständer

5. Oktober 2017 by

loler gschichtn

4. Oktober 2017 by

sonntagsbichl

Heute bin ich auf dem Sonntagsbichl gewesen. Ein idylisches kleines Hochplateau auf 2030 Metern. Umgeben von den wunderschönen Felswänden und Bergen ob der Kemater Alm. Der Bichl liegt an der vorderen Spitze eines Hügels, der aus einem grossen, zwei kleine Täler macht. Jetzt ist im Herbst ist die kleine Fläche Gras gelb gefärbt, und alles heurm was nicht stein ist in orange, rot oder dunkelgrün. Der Platz wird geprägt durch ein grosses Kreuz an Stahlseilen befestigt, mit Gipfelbuch für was fragt man sich ein wenig, weil Sonntagsbichl sagt schon der Name, leichte Übung, Wanderung. Im Buch drin, fragt der eine ob der andere das Geschenk gefunden habe, dass er ihm vergraben habe und da ist ein Quadrätchen, dass dann doch tatsächlich abgehackelt wurde und geschrieben, vielen dank peter!

 

Den Rest des Beitrags lesen »

überall wahlen

23. September 2017 by