Kellersprüche #XVIII

8. Dezember 2016 by

„Da bin ich vom Marxismus geprägt oder vom Albi, was dasselbe ist.“ — S.K. aus I.

Kellersprüche #17b

2. Dezember 2016 by

„Ich habe meinen Tabak nie als Ausdruck der Dilettantistischen Internationale Begriffen.“ — Albrecht F.

Geschichten aus den Alpen

27. November 2016 by

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Bahnhof

Ich arbeite in einem Seitental von Innsbruck in einem kleinen Dorf. Wenn ich am Abend spät zurück nach Innsbruck fahre, bin ich oft die einzige Person, welche aus dem Zug steigt am Hauptbahnhof. Der Zug hält auf Gleis 61. Dieses ist ein Teil-Gleis von Gleis 6, der Bahnsteig verbreitert sich danach, und man muss bis zur ersten Treppe gehen, sicher drei bis vierhundert Meter. Es fahren nur noch wenige Züge um diese Zeit, etwa 22 Uhr, und mein Blick schwenkt über die verlassenen Gleise und Bahnsteige des Bahnhofes. Am Gleis 1 beginnt einen Durchsage. „Attention Please, This is a Security Announcement.. .“ Und Gleis 2 steigt verzögert ein „Attention Please, This is a Security Announcement.. .“ Auf Gleis 1 heisst es nun „Don´t leave your Baggage unattended“, während Gleis 3 einspringt mit „Attention Please, this is…“ Und schon kommt Gleis 4, während Gleis 2 beim „Baggage“ ist und so weiter schwappt diese Welle über den leeren Bahnhof. Und ganz weit hinten, vielleicht Gleis 81, endet dann die Welle etwas im Rhythmus verzögert, während bei Gleis 1 beginnt „Achtung ein Sicherheitshinweis. Bitte….“ Gleis 2 „Achtung ein Sicherheitshinweis. Bitte….“ Gleis 3 „Achtung ein Sicherheitshinweis….“ Und so weiter bis schliesslich Gleis 81 als letztes und wieder ein wenig verzögert meint „….lassen sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!“ Wenn ich so alleine über den Bahnsteig 6 gehe, ist mir diese grosse Aufmerksamkeit irgendwie unangenehm. Selbst wenn mir klar ist, dass ich kaum gemeint sein dürfte, da ich nur durchgehe, keine Gepäck dabei habe, also jemand anders gemeint sein muss, der hier vielleicht früher am Tag, später geht ja kaum, auf seine Zug gewartet hat und auf sein Gepäck hätte aufpassen sollen, oder es zumindest nicht alleine lassen. Ich ertappe mich dabei, unbewusst mit den Augen den leeren Bahnsteig nach Gepäckstücken abzusuchen. Als hätte jemand etwas verloren oder vergessen.

Endstation

In Österreich wird dieses Jahr zum zweiten Mal ein Bundespräsident gewählt. Bei der ersten Wahl hatte es einen knappen Sieger von der Partei der Grünen gegeben. Allerdings focht der Verlierer der Wahl diese an und bekam vom Verfassungsgerichtshof recht. Es war dies der Kandidat einer rechtsextremen Partei, welche sich selbst nicht als rechtsextrem bezeichnen würde, was für rechtsextreme Parteien nichts ungewöhnliches, ja sogar eher normal ist. Dafür bezeichnet sich der Kandidat der Grünen als parteilos, obwohl er mal Präsident der Grünen war, die in Österreich noch wirtschaftsliberaler sind als in Deutschland, insbesondere dieser Kandidat. Es ist also alles im Arsch und die meisten Leute stimmen nicht für jemanden, sondern primär gegen jemanden.

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[Montagsgedanken] Potcheen oder Poitín? Über die Sauferei im Kapitalismus…

21. November 2016 by

„Potcheen“ heisst es auf der Flasche, angliziert vom Gälischen Poitín. Es handelt sich um – wie es auf der Flasche ja auch so schön für den amerikanischen (aber auch allgemein internationalen) Touristen in Klammer angemerkt ist – „Moonshine“. Also die irische Variante des illegal destillierten Hausschnaps in ländlicher Gegend, der für den Eigengebrauch hergestellt wurde.
Hervor stechen tun hier vor allem das grosse, quer geschriebene „now legal“ (es fehlt eigentlich nur noch ein Ausrufezeichen) und darunter der Vermerk des „illegal since 1661“.

Und da fragte sich Herr Schmulmeier, ob es denn überhaupt noch selbst gebrannt war, wenn er es nicht selbst gebrannt hatte...

Und da fragte sich Herr Schmulmeier, ob es denn überhaupt noch selbst gebrannt war, wenn er es nicht selbst gebrannt hatte…

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Die Dunkelheit dahinter

16. November 2016 by

Die nächtlichen Lichtpunkte in der Landschaft: Sie glimmen orange und fahl, sie erheben sich an Masten. Es sind Felder voller Kälte. Es sind gekreuzigte Glühwürmchen. Verstorben ist das Brummen, das nervige – nun ist es fixiert und festgenagelt. Die Dunkelheit frisst sich in das Zugabteil hinein. Vereinzelt gibt es weisse Lichtpunkte, nackt und grausam und für sich allein. Ob das weisse Licht das orangene verachtet? Das Licht bleibt ohne Antwort, es hängt nur da… klapperndes Gerippe im Wind… das Licht, das schaukelt, hin und her wiegt.

Dieses Land ist verflucht, denke ich mir in solchen Momenten, da ich den öffentlichen Verkehr benutze. Es ist untergegangen, in Dunkelheit. Die erhängten Lichter sind die schale, falsche Hoffnung. Es sind Lichtmotten, die sich täuschen liessen, deren Leiber aufgehängt wurden. Mahnmale der Täuschung, die selber wieder täuschen. Sie sind an Batterien angeschlossen um zu leuchten. Tote Lichtkörper, Blut, das glitztert; die Körper hängen schlaff, nur der Strom lässt sie zwischendurch zucken. Sie locken jene an, die noch echte Motten sind (oder es gerne wären), locken sie aus der Dunkelheit in eine nächste Dunkelheit. Eine Dunkelheit, die aus Lichtpunkten und Leuchtreklamen besteht. Die Dunkelheit verschlingt die Motten mit dem letzten Licht. Sie taumeln und werden vernichtet, ausgeleuchtet. Das Licht scheint durch sie hindurch wie durch Glas, kühl.

Ich sitze im Zug, draussen ist Dunkelheit und drinnen alles hell erleuchtet. Im Fenster ist nichts zu sehen. Das Glas ist Spiegel geworden.

Traurigkeit? Blutleer…

Durchsage: Effizient.

Die Revolte der DVDs

7. November 2016 by

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[Film] Revolte der Pinguine 2 in Basel

1. November 2016 by

pinguine2-a6Erneut zeigen wir unseren Film-Film, „Die Revolte der Pinguine 2“. Am Dienstag, 8.11. in der Off-Bar in Basel. Adresse: Offenburgstrasse 59. Für Alle aus Zürich, die gerne mitkommen möchten zur Sause, wir werden gemeinsam mit dem Zug hinfahren.

Die Ausdauer des Dilettanten

1. November 2016 by

Unlängst hatte mir genau so ein Eindringlig einreden wollen, dass mein Mann durchsetzen müsse, an Stelle von Sohlen zerschnittene Lederreste unter die Schuhe zu kleben, dadurch könne man angeblich Milliarden einsparen. Auch der hatte auf den ersten Blick gar nicht absonderlich ausgesehen, und er war pensionierter Schulleiter gewesen. Mir tun diese Leute leid. Viele von ihnen sind nicht nur ehrgeizige Narren. Sie haben sich lediglich ein unglückliches, lächerliches und nicht zu verwirklichendes Ziel gesetzt, aber ich bewundere oft ihre Ausdauer und ihren Fanatismus, Eigenschaften, die wohl jedem Menschen eigen sind, der im Leben etwas leisten will. Es ist die Ausdauer des Dilettanten, aber sie hat menschlich einen bedeutend höheren Wert als der Zynismus und der Hochmut vieler professionellen Weisen.

Josef Nesvadba, „Die absolute Maschine“
In: „Vampir Ltd.“, Suhrkamp 1998, S. 8

Nesvadbas Kurzgeschichte „Vampir Ltd.“, die dem zitierten Sammelband ihren Namen gegeben hat, ist übrigens verfilmt worden als „Der Autovampir“.

Regal-Dschungel

30. Oktober 2016 by

[Montagsgedanken] Tantalos

24. Oktober 2016 by

Jetzt hatte Tantalos das Maß seiner Frevel erfüllt und wurde von den Göttern in die Hölle gestoßen. Hier wurde er von quälenden Leiden gepeinigt. Er stand mitten in einem Teiche, und die Wasser spielten ihm um das Kinn, dennoch litt er den brennendsten Durst und konnte den Trank, der ihm so nahe war, niemals erreichen. Sooft er sich bückte und den Mund gierig ans Wasser bringen wollte, entschwand vor ihm die Flut versiegend; der dunkle Boden erschien zu seinen Füßen; ein Dämon schien den See ausgetrocknet zu haben. So litt er zugleich den peinigendsten Hunger. Hinter ihm strebten am Ufer des Teiches herrliche Fruchtbäume empor und wölbten ihre Äste über seinem Haupte. Wenn er sich emporrichtete, so lachten ihm saftige Birnen, rotwangige Äpfel, glühende Granaten, liebliche Feigen und grüne Olivenbeeren ins Auge; aber sobald er hinauflangte, sie mit seiner Hand zu fassen, so riß ein Sturmwind, der plötzlich angeflogen kam, die Zweige hoch hinauf zu den Wolken. Zu dieser Höllenpein gesellte sich beständige Todesangst; denn ein großes Felsenstück hing über seinem Haupte in der Luft und drohte unaufhörlich, auf ihn herabzustürzen.“

(Gustav Schwab, Sagen des klassischen Altertums)

Der Durst kann uns nicht aus der Wüste der Gegenwart führen, nur das Nachdenken...

Der Durst kann uns nicht aus der Wüste der Gegenwart führen, nur das Nachdenken…

Tantalos ist die fortgeschrittene Version des Sisyphos. Die nutzlos scheinende und sich sinnlos wiederholende Arbeit, zu welcher Sisyphos gezwungen ist, indem er den selben Stein mal um mal einen Hang hinauf rollt, wiederholt noch den stumpfsinnigen Arbeitstag. Der Mythos des Tantalos hingegen zeigt eine ähnliche Höllenqual, die gleichzeitig um den Konsum erweitert ist…

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