Zu Gast bei Rudi

29. April 2016 by

Die Gruppe Konverter ist diesen April zu Gast bei Rudis Reflexionen. Noch ganz frisch im Netz ist der kleine Blog, aber schaut doch mal vorbei. Rudis Papierschnitt-Illustrationen sind ziemlich cool (und zu lesen gibt’s auch was).

Digitaler Rauch am Horizont

27. April 2016 by

Er verbrachte für meinen Geschmack zu viel Zeit an seinem Telefon. Er telefonierte noch nicht einmal. Er sah sich bloss Nachrichten an, von denen pro Minute mehre sich mit einem vibrierenden Geräusch meldeten. Jedes mal blickte er kurz auf das Gerät in seiner Hand, Lächeln in seinem Gesicht, dann Runzeln auf seiner Stirn. Dann blickte er wieder auf, der Mundwinkel verzog sich, als würde er sich entschuldigen. Wenn er lächelte, wirkte er nicht froh; wenn er die Stirn runzelte, wirkte er nicht nachdenklich. Und wenn er zu mir blickte, war es keine wirkliche Entschuldigung. Er blickte durch mich hindurch. Ich fühlte mich nicht, als wäre ich für ihn spürbar in seiner Gegenwart.

Früher waren wir gute Freunde gewesen. Das erschien mir lange her, wie ich jetzt hier ihm gegenüber sass. Ich rauchte, es war kalt hier in der Garage. Diese Garage war immer unser Treffort gewesen, eine Mischung aus kaltem Loch, Partygarage, Kinokeller. Warmes Dosenbier, laute Gespräche, nach kaltem Rauch stinkende Jacken.

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„Miners shot down“

23. April 2016 by

Obwohl wir normalerweise niemals Werbung für etablierte Kulturinstutionen machen (wir lächeln bei der Vorstellung, dass solche Institutionen auf Werbung durch Jemanden wie uns angewiesen wären), weisen wir hier doch für einmal auf eine Veranstaltung hin, die am Dienstag, 26. April in der Shedhalle, ab 18.30 statt findet. Das machen wir gerne, weil wir freundlich darum gebeten wurden, und wir freundlichen Anfragen immer gerne entgegen kommen:

Miners shot down

 

 

15. April 2016 by

Vergangenen Donnerstag lud das delirium zur Vernissage seiner sechsten Ausgabe. Ich war auch mit dabei, da einer der Kritikertexte von mir stammt. Was viele Leute nicht wissen: Zuvor hatte ich einen literarischen Beitrag eingesendet, der von der Redaktion jedoch abgelehnt wurde. Dafür könnt ihr den Text nun hier lesen.
[Anmerkung: Es handelt sich um eine leicht überarbeitete Fassung der originalen Einsendung]

 
 
Wankensteins Rache

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Am zweitletzten Morgen seines Lebens tappte Theo mit kalten Füssen in die Küche, wo Sandra bereits ihren Espresso in der Kanne aufgebrüht hatte. Sie trank ihn aus ihrer kleinen roten Tasse, der mit dem unsäglichen Mosaikmuster, und las dabei in der Zeitung.
Auf das Tappen der nackten Füsse hin schaute sie auf und warf einen Blick in die ungefähre Richtung von Theo. «Guten Morgen.»
«Morgen», tönte es aus seiner Richtung zurück. Theo kratzte sich den getrockneten Speichel aus den Mundwinkeln, der sich die Nacht über angelagert hatte.
So früh am Morgen mochte Sandra üblicherweise noch nichts essen, aber Theo nahm die Müslischachtel aus dem Schrank und griff nach der Milch, die ihm seine Freundin auf den Tresen gestellt hatte. Was vom Espresso übrig geblieben war, goss er sich in seine eigene Tasse, die kleine schwarze, ohne irgendwelche Muster. Lauwarm, aber schön bitter war der Kaffee. Ein richtiger Espresso schmeckt, als würde man einen Aschenbecher auslecken, fand Theo.
Er ass sein Müsli. «Ich hab vielleicht einen Scheiss zusammengeträumt», sagte Theo.
«Aha.»
«Ich hab geträumt, dass ich mir ein Bein abgesägt habe. Das rechte Bein. Weil ich mich in mein Bein verliebt habe, oder so, und ich mit ihm zusammenleben wollte. Darum habe ich es in den Kühlschrank gestellt, damit es nicht verfault. Aber du hast es aus dem Kühlschrank gestohlen und in den See geworfen!»
«Ach. Sonst klaust immer du mein Essen.»
«Also bin ich ins Wasser hinaus, um mein Bein zurückzuholen. Ich konnte sogar unter Wasser atmen, aber irgendwie nicht schwimmen, so dass ich immer tiefer gesunken bin. Am Ende bin ich auf dem Grund angekommen. Ich hab sogar den Sand unter den Füssen gespürt.»
«Unter den Füssen?»
«Ja, genau.»
«Wie kannst du den Sand unter den Füssen spüren, wenn du nur noch ein Bein hast?»
«Was? Das ist halt ein Traum, da passiert so Zeug. Darum geht’s doch gar nicht.»
«Aber das ist voll unlogisch!»
«Ach Scheisse, du immer!»
Theo warf die Müslischale in den Abwaschtrog und knallte die Tür hinter sich zu, als er ins Badezimmer stürmte. Wie war sein Traum nochmal ausgegangen? Er versuchte sich zu erinnern, aber die Nacht hatte es für sich behalten.

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In der Unimensa gab es Gemüselasagne. Das klang eigentlich ganz appetitlich und das Menüfoto sah sogar ziemlich ansprechend aus. Aber dem Gemüse schmeckte man allzu deutlich seine Herkunft aus der Konservendose an. Die Karotten waren zu weich, während die Zucchini nicht weich genug waren, dazu hatten sie in der Küche deutlich zu wenig Béchamelsauce beigegeben. Wie es bei schlechter Lasagne öfters vorkommt, hatte auch diese eine unterschwellige Note von Erbrochenem. Theo musste die Hälfte auf dem Teller zurücklassen. Bedauerlich, denn das war sein letztes Mittagessen.

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The 17 commandments of the Dilettantismus

6. April 2016 by

1. Du sollt dir die Lampe mit Lampenöl füllen.
2. Das haben der so Furz-Ideen.
3. Falls du es tust, sollst du dich nur auf einem zweibeinigen Stuhl zum Experten schwingen.
4. Das Expertli ist nur so lange auf dem Sockel, wie das Dilettantchen auf der Bank sitzt.
5. Ich weiss nicht, warum ich Dilettant bin, aber ich Max.
6. Das Dilettant legt dem Expertli das Handwerkli, indem es es selber aufnimmt.
7. Experten klauen Ideen, Dilettanten klauen im Supermarkt.
8. Der Dilettant lässt sich nicht in ein Schema zwängen.
9. Der Dilettant macht aus Papier Feuereinlagen.
10. Der Dilettant hat ein kurzes Leben, denn er hat seine Lampe selbst verkabelt.
11. Wir sind tätlich, täglich: Dilettanten.
12. Dilettantismus ist vererbbar. Aber vorallem ist es sexuell übertragbar. Sonst würde es keinen Spass machen.
13. Der Dilettant macht jamón aus uns.
14. Der Dilettant ist kein Statist.
15. Der Dilettant hat nur einen Herrn: Die Dilettantin.
16. Wir sind keine Flaschen, wir sind Dosen.
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Protokoll Gründungskongress der DI (Dilettantistischen Internationale)

6. April 2016 by

Und hiermit – im Namen des Father Ted – erfolgt die Gründung der DI, am Abend des 28. März 2016, welcher ein Ostermontag ist, und welches 100 Jahre nach der gescheiterten und erfolglosen bewaffneten Besetzung Dublins durch Jene geschieht, die sich bewaffnet hatten um nicht schutzlos ihren Herren und Chefen und deren Staat ausgeliefert zu sein. Or in the name of the holy father jack:  „Drink! Arse! Feck!“

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Der Gründungskongress der DI an den Irischen Ostern 2016

In dem Sinne ist hier das Protokoll zum Gründungskongress nachgeliefert.

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Billette Onkel

3. April 2016 by

Eigentlich scheitert dieser Text schon am Anfang. Ich wollte behaupten, dass es aussergewöhnliche Künstler gäbe, und dann eine grosse Masse an Menschen die gerne aussergewöhnliche Künstler wären. So im Stil von „viele fühlen sich berufen nur wenig sind auserwählt“. Aber dann ist mir spontan keine aussergewöhnlicher Künstler eingefallen. Das mag daran liegen, dass ich mich des Öfteren mit den Biografien von Sogenannten auseinandergesetzt habe und dann sieht man, dass es oft eher um biografische Verdichtung geht als um ein besonderes Talent Dinge in einer bestimmen Form zu erfassen. Und wenn ein besonderes Talent vorliegt, dann darum dieses möglichst nicht zum Vorschein kommen zu lassen. Dieser Amerikaner den ich so mag zum Beispiel der immer zum Repräsentant einer Gegenkultur verklärt wird, obwohl ihn alle kennen, wollte Musiker werden. Er wurde ein dilettantischer Schriftsteller. Seis drum.

Gehen wir als These trotzdem von der nicht besonders originellen Möglichkeit aus, es gäbe so was wie ein Überkünstler. Fleissig, sehr talentiert, zum Beispiel sieht man im Picasso Museum in Barcelona Zeichnungen, welcher dieser als Kind gemacht hat und da denkt man sich schon, dass ist technisch was anderes als das übliche Gekritzel. Also wenn es diese aussergewöhnlichen Menschen gibt, dann ist doch die grosse Masse an Kreativarbeitern daran interessiert, zu einem solchen zu werden oder besser zu beweisen ein solcher zu sein. Dass es in der durchgepopten Gegenwart von Castingshows nur so wimmelt ist ein Zeichen dafür. Und war dieser Text bis hier hin eben auch nur ein einziges Scheitern, wo der Leser so innerlich Häkchen auf kleine Quadrätchen macht mit „Kenn ich schon“, „Weiss ich schon“, „Kommt nicht zum Punkt“, wird er diesen Stil jetzt auch nicht verlassen. Wie so auch, geht ja bis jetzt. Denn was nun kommt, ist auch ein Allgemeinplatz, sozusagen nichts Neues. Kultur ist ja oft die Wiederholung von immer gleichen Ritualen und weshalb soll das plötzlich anders sein mit der Moderne. Da fand ich immer schon reichlich eingebildet vom 20. Jahrhundert. Nur weil man nicht mit der Vergänglichkeit umgehen kann, muss ja nicht alles zwanghaft Neu sein. Was Neu ist, merkt man schon selbst.

Wie auch immer, ich komme jetzt zum Punkt: in der Mentalität des Kulturmarktes, und das weiss ich aus jahrelangen Feldstudien in diesem Bereich, geht es um nichts anderes als Verdrängung und Abgrenzung, Migrationsströme nichts dagegen, wie dieser wirklich aussergewöhnliche Schreiberling aus Wien sagen würde. Oder auch Hahnenkamm nichts dagegen. Die Kunstschulen und Orte als Hühnerhof wo die Hähne ob weiblich oder männlich ist egal um die Henne Kunst kämpfen bis auf den Tod und die Verzweiflung. Ich hingegen, versuche immer die Herausforderung dahingehend zu sehen, überhaupt etwas zu produzieren. Früher dachte ich das liegt daran, dass ich faul und ohne Ehrgeiz geboren bin. Heute weiss, nein ich möchte halt frei sein in meiner Arbeit. Kein Kirchenmaler. Und auch kein Zwingdi a la Zureich. Für mich ist der Himmel auf Erden und das Leben endlich. Und wenn man stirbt sollte man alles was man gemalt und geschrieben hat verbrennen.

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Irische Ostern: Programm

21. März 2016 by

Das Programm für unsere Irische Ostern, im Detail, steht endlich fest.

Zum Runterladen hier: Das Programm im Detail zu den Irischen Ostern

 

Irische Ostern: Idee und Programm

100 Jahre ist es her…

Dada? Nein, wir meinen nicht diese Tourismuskampagne zur Aufwertung der Stadt Zürich.

100 Jahre ist es her seit dem Irischen Osteraufstand, dem „Easter Rising“. Wir nehmen das als Anlass, um über Ostern ein Programm anzubieten. Ausgehend vom Easter Rising und dessen Geschichte werden wir uns im weitesten Sinne mit Irland beschäftigen. Wir setzen den Schwerpunkt hierbei auf das dilettantische Element, das im Irischen nicht nur häufig vorkommt, sondern kultiviert wird.

In Vorträgen und Referaten, sowie mit Film und Lesungen begeben wir uns auf die Spuren dieses Aufstandes und in Diskussionen, Performances, Gesprächen und in lockerer Atmosphäre mit dem Publikum selber aktiv werden.

Abgeschlossen wird das Osterwochenende mit dem Gründungskongress der Dilettantistischen Internationale.

Türöffnung täglich ab 17.30, Messe ab 18 Uhr; freier Eintritt und Kollekte.

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Diese Ostern ziehen wir dem Lümmel seinen Löffel lang…

15. März 2016 by

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(eine Veranstaltung von den Baslern parallel zu unseren Irischen Ostern. Wer zwischendurch eine Pause von uns braucht)

Und wer es an Ostern nicht zu uns schafft, dann nur, weil er bei den Genossen oder Freunden oder diesem Gesocks aus Basel ist, die sich in Zürich im Cabaret Voltaire eingenistet haben. Das würden wir knapp als Entschuldigung durchgehen lassen (werden wir aber nicht, ätsch).

Bzw unsere Nachricht an die Basler Front: Wenn die Leute im durchlauchten Jubiläums-Cabaret seiner Dadahaftigkeit (proudly sponsored by Gentrifizierung Zureich, Arbeitsgruppe Züri Tourismus „bringing the elite to Downtown Switzerland 2016“) zu versnobt sind und im Wohlgefallen der eigenen Kunst blasiert und blasierter werden: Mittelfinger raus, Sachen zusammen packen, zu uns kommen. Wir stellen das Bier für euch kühl.😉

Irische Ostern

12. März 2016 by

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Es ist wieder so weit, Veranstaltung in der Garage! (Das genaue Programm ist mittlerweile online)

Es ist hundert Jahre her seit dem Irischen Osteraufstand von 1916.
Was als stümperhafter, bewaffneter Aufstand bewaffneter Arbeiter und nationalistischer Republikaner begann und welchem innerhalb weniger Tage nicht nur der Hass der Bevölkerung Dublins, sondern auch die militärische Macht des britischen Empires entegen schlug, markierte einen Wendepunkt auf dem Weg Irlands zu seiner Unabhängigkeit.

Wir von der Gruppe Konverter nehmen uns dieses zweifelhafte Jubiläum (wie ja alle militärischen Jubliläen grundsätzlich zweifelhaft sind) selbst wieder zum Anlass.
Es geht uns weniger darum, den Aufstand von 1916 zu würdigen (und schon gar nicht: zu glorifizieren), sondern wir beschäftigen uns auf unsere Art und Weise damit.
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