Spartacus

20. August 2017 by

Wie immer: In unserer Garage an der Fellenbergstrasse 239, Eintritt frei, Getränke und Verpflegung dürfen mitgebracht und konsumiert werden. Man darf auch aufstehen während der Lesung. Geraucht darf auch werden. Und dazwischen reden. (Hey, das sind eigentlich interessante Grundsätze… ich frag‘ mich, ob sich das schon mal wer überlegt hat?)

[Montagsgedanken] Boykott

14. August 2017 by

Es wird gelegentlich eingeworfen, dass Jene, die Teil der kapitalistischen Massenkultur sind, auf diese rückwirken als Konsumenten – ebenso wie der Bürger durch Abstimmungen und Parlamentswahlen rückwirkt auf den Staat. Die Konsumenten hätten es in ihrer Macht, sich über die Waren und Produkte zu informieren und würden jene Anbieter, die schlampig oder gewissenlos produzieren, abstrafen, indem sie sich von ihnen abwendeten. Die radikalere Version dieses Abwendens heisst dann Boykott.

Ohne Widerspruch: Der Boykott in seiner ursprünglichen Form ist eines der revolutionärsten Mittel – er bezeugt gerade jene Aktivität und jene Ermächtigung, welche das Bestehende revolutioniert.

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29. Juli 2017 by

‚Mundus vult decipi‘! WORTHÜLSEN GEGEN DAS LEBEN IM FALSCHEN. Zürich 2017.

15. Juli 2017 by

jesuisauto

leicht entzündbare autos

13. Juli 2017 by

 

dejavu in st. pauli

9. Juli 2017 by

Wir fuhren mit dem Zug. Ziemlich bald gesellte sich ein ziemlich verrückter Punk zu uns. Und so waren wir gut unterhalten bis zum Endbahnhof. Dort schrieb der Punk als erstes mit rosaroter Kreide „Hallo Satellit“ auf den Bahnhofsplatz um unsere Überwacher zu grüssen. Wir fuhren mit dem Bus zu einem der Protestcamps. Denn wir waren hier um gegen den Gipfel der Mächtigen zu protestieren. Wir glaubten, dass dies nötig war, denn politische Alternativen, echte Alternativen, ein grosses Umdenken, war unumgänglich angebracht, und wie der alte Benjamin schon gesagt hat, machst du keine Revolution, landest du im Faschismus schon.

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Die Verteufelung des e-books ist die fortgesetzte Verteufelung des Taschenbuchs

5. Juli 2017 by

Vor ungefähr vier Jahren schrieb der Autor eine erste abgeschlossene Fassung dieses Textes, der anschliessend mehrmals noch überarbeitet wurde. In dieser Zeit hielt sich der Autor für unglaublich gescheit, hätte gerne wie der Herr Professor Adorno geschrieben und glaubte immer Recht zu haben. Heute weiss er, dass er Recht hat. In seiner Oblomow’schen Trägheit unterliess er es, den Text nochmals zu überarbeiten und notwendige Streichungen vorzunehmen. Veröffentlicht wird der Text nur, weil zwei liebe Menschen damals sich des Textes annahmen. Der Autor hat ihre Anmerkungen berücksichtigt, soweit er in der Lage war, ihre Handschriften zu entziffern.

 

Die Debatte darum, ob das «Kulturgut» Buch vom Untergang bedroht sei, ist nicht neu. Zu erinnern ist an Theodor W. Adornos Essai Bibliographische Grillen (Adorno 2003: 345-357) und an jenen Hans Magnus Enzensbergers, Bildung als Konsumgut. Analyse der Taschenbuch-Produktion (Enzensberger 1964: 134-166). Während Adorno stärker das Verkommen der Bücher überhaupt zu Werbeträgern kritisiert und die damit einhergehende Degradierung der Lesenden zu Konsumierenden, trifft die Kritik Enzensbergers das Taschenbuch als solches härter. So scharfsichtig Enzensbergers Analyse des Taschenbuchs und dessen Produktion und Produktionsbedingungen ist, hat ihm die Entwicklung nach seinem Essai (1958, revidierte Fassung von 1962) nicht nur Recht gegeben, etwa in Bezug auf den «Luxus» einer programmatischen Linie, die sich Verlage nicht mehr leisten würden. Den Reclam Verlag trifft die Enzensberger’sche Kritik kaum, da er das Bildungsideal des 19. Jahrhunderts vertritt. Die Taschenbücher aus Reclams Universal-Bibliothek sind für Lesende interessant, denen es zwar an ökonomischem Kapital mangeln mag, allerdings über genügend symbolisches Kapital verfügen, um die Reclam-Taschenbücher wertschätzen zu können. Wenn Enzensberger behauptet, Philipp Reclam hätte seine Leserschaft – zunächst Schüler und Studierende, später auch Arbeitende – eben gekannt und wusste, was sie wollten, weshalb er keine marktstrategischen Finessen und Manipulationen habe anwenden müssen, so dürften fairerweise Verleger und Lesende von sogenannter Unterhaltungs- und Trivialliteratur nicht verteufelt werden. Warum sie verteufeln, wenn sie bekommen, was sie wollen? Enzensbergers Kritik mag auf das falsche Bewusstsein abzielen, das unbestritten durch viele (Taschen-)Bücher Lesenden eingeflösst wird; sein Argument verfehlt allerdings das Ziel. Insgesamt tut er dem Taschenbuch Unrecht an. Beispielsweise, wenn er die Aufbereitung von Klassikern zum Konsumgut analysiert. Seine Kritik, dass dabei die Mentalität von Massenkonsum und Ausverkauf der Kultur zu Tage tritt, ist zweifelsfrei richtig; es handelt sich allerdings um ein Problem auf der Ebene der Produktion und nicht um eines des Taschenbuchs als Medium. Dass es auch anders geht, beweisen nämlich die Vorworte und Anhänge französischer Taschenbuchausgaben von Klassikern und kanonischen Werken, deren Texte sorgfältig editiert sind. Seit der Publikation von Enzensbergers Taschenbuchanalyse erfolgten auch positive Entwicklungen. Damals musste er noch feststellen
In zwölf Jahren haben sie [die Taschenbuchverleger] keine einzige Schrift über das skandalöse Versagen unserer Städteplanung, über das zunehmende Verkehrschaos, über die Fehlleistungen unserer Schulpolitik, über die zunehmende ökonomische Konzentration hervorgebracht. Das sind Beispiele aus der deutschen Innenpolitik, von außenpolitischen Gegenständen ganz zu schweigen. Das Taschenbuch hat ein Publikum, das in die Hunderttausende geht. Worauf warten die Verleger? Warum exponieren sie sich nicht? Bereitwillig liefert der Apparat Zuckerbrot und Zirkusspiele. Kultur läßt er sich ablisten. Tabu bleibt, was im politischen Alltag nützen könnte. Auch hierin spiegelt sich eine Lage. Wer sich damit begnügt, sie zu reflektieren, statt sie zu ändern, hat schon kapituliert. (Enzensberger 1964: 160)
Mittlerweile liegen nicht nur Enzensbergers eigene Essais als Taschenbücher vor; auch Bücher des Philosophen Giorgio Agambens, des Soziologen Richard Münchs und Robert Menasses kulturtheoretische Schriften und Reden – um es bei diesen Beispielen zu belassen – liegen in der edition suhrkamp als Taschenbücher vor.
Im kürzlich erst erschienenen Buch Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990 (München 2015) bemerkt der Autor, Philipp Felsch, dass im Anschluss an die Kritiken am Taschenbuch eine ironische Wendung erfolgte. Denn ausgerechnet im Medium des Taschenbuchs verbreiteten sich die theoretischen Schriften. Der Erfolg und die Beliebtheit der Theorie und der Philosophie war der Erfolg von Theorie in Taschenbüchern, die bei Suhrkamp und Merve verlegt wurden (und es immer noch werden).

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erdbeeren und chillen

29. Juni 2017 by

erbeerenundchillen

No Surrender

27. Juni 2017 by

Pierre Clastres, anarchistischer Ethnologe.

18. Juni 2017 by

Pierre Clastres (1934-1977) war ein anarchistischer Ethnologe aus Frankreich. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit indigenen Völker aus Südamerika wie z.B den Guayaki aus Paraguay, den Chulupi aus dem Gran Chaco (eine Region die Gebiete aus Argentinien,Bolivien,Paraguay und Brasilien umfasst), den Yanomami (eine Region innerhalb Venezuela und Brasilien) und den Guarani aus Brasilien. Clastres betreibt politische Anthropologie und ist leider in vielen Kreisen (selbst viele Ethnologie Studenten haben sich kaum mit ihm befasst) relativ unbekannt. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören „Die Gesellschaft gegen den Staat“, „Archäologie der Gewalt“ und „Über französische Marxisten und ihre Anthropologie“. Letzterer Text zeigt Clastres kritische Einstellung gegenüber dem wissenschaftlichen Opportunismus vieler Marxisten (nicht gegen die Marxsche Kritik per se), er versucht aufzuzeigen wieso Begriffe wie Produktion oder Produktionsverhältnisse nicht auf primitive, indigene, nicht-gespaltene Völker anwendbar sind. Mit viel Humor und einer sehr direkten Art greift er die zentralen Thesen von marxistischen, als auch von strukturalistischen Anthropologen an. Dieser Text konnte Clastres jedoch nie überarbeiten und er ist einer seiner letzten Schriften.

Der hier aufgeführte Text „Über was lachen Indianer?“, ist ein Auszug aus seinem Hauptwerk „Die Gesellschaft gegen den Staat“. In diesem Werk kritisiert er die zentrale Stellung vom Staat innerhalb der politischen Anthropologie seiner Zeit, er versucht aufzuzeigen, dass der Staat nicht eine allgegenwärtige natürliche Entwicklung innerhalb von menschlichen Gesellschaften ist, sondern dass die Geschichte vieler indigener Völker aus dem Amazonas Gebiet, die Geschichte von Völkern ist, die mit ihren Strukturen und Normen versuchten den Staat zu verhindern. „Über was lachen Indianer?“, sind Mythen der Chulupi Indianer die Clastres während seiner Feldforschungen aufgenommen hat. Wie er selbst sagt: „Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.“

Kapitel 6 Worüber lachen die Indianer?

Die strukturale Analyse, die die Erzählungen der »Wilden« endlich ernst nimmt, lehrt uns seit einigen Jahren, dass derlei Erzählungen tatsächlich äusserst ernst sind und dass sich in ihnen ein System von Fragen artikuliert, die das mythische Denken auf die Ebene des Denkens schlechthin erheben. Da wir dank den Mythologica von Claude Lévi-Strauss nunmehr wissen, dass die Mythen nicht reden, um nichts zu sagen, erwerben sie in unseren Augen ein neues Prestige: und man erweist ihnen gewiss nicht zuviel Ehre, wenn man ihnen Gewicht beimisst. Vielleicht aber birgt das jüngst erwachte Interesse an den Mythen auch die Gefahr, dass wir sie diesmal allzu »ernst« nehmen, wenn man so sagen darf, und ihre gedankliche Dimension nicht richtig beurteilen. Kurz, wenn man ihre weniger gespannten Aspekte im Dunkel liesse, würde sich eine Art Mythomanie breit machen, die einen Zug vergässe, der vielen Mythen gemeinsam ist und ihren Ernst nicht ausschliesst: nämlich ihren Humor. Nicht weniger ernst für die, die sie erzählen (die Indianer z. B.), als für die, die sie sammeln oder lesen, können die Mythen dennoch eine ausgeprägte Vorliebe für das Komische entwickeln und zuweilen die ausdrückliche Funktion erfüllen, die Zuhörer zu vergnügen, ihr Gelächter auszulösen. Wenn man bemüht ist, die Wahrheit der Mythen vollständig zu bewahren, darf man die reale Bedeutung des Lachens, das sie verursachen, nicht unterschätzen und muss berücksichtigen, dass ein Mythos von ernsten Dingen reden und gleichzeitig diejenigen zum Lachen bringen kann, die ihm lauschen. Der Alltag der »Primitiven« steht trotz seiner Härte nicht immer im Zeichen der Mühsal und Sorge; auch sie verstehen es, sich Augenblicke der Entspannung zu verschaffen, und ihr ausgeprägter Sinn für das Lächerliche bringt sie häufig dazu, sich über ihre eigenen Ängste lustig zu machen. Und nicht selten betrauen diese Kulturen ihre Mythen mit der Aufgabe, die Menschen zu zerstreuen, indem sie ihr Dasein gewissermassen entdramatisieren. Die beiden Mythen, die wir vorstellen wollen, gehören zu dieser Kategorie. Sie wurden im letzten Jahr bei den Chulupi-Indianern gesammelt, die im Süden des paraguayschen Chaco leben. Diese teils burlesken, teils unzüchtigen Geschichten, denen es trotzdem nicht an einer gewissen Poesie mangelt, sind allen Mitgliedern des Stammes, ob jung oder alt, wohlbekannt: doch wenn sie wirklich Lust zum Lachen haben, bitten sie einen im traditionellen Wissen bewanderten Greis, sie ihnen ein weiteres Mal zu erzählen. Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.

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