Die Schlange

17. April 2018 by

Kapstadt. Ich stehe in einer der vielen Schlangen am Flughafen. In der Hand mein Ticket und Pass. Ich schaue mich um. Eine junge Frau vor mir trägt eine Krone aus Straussenfedern, die mit Neonfarbe besprüht ist. Ihr Reisebegleiter steckt in einer violetten Filzhose und trägt ein Glitter-Berber-Gilet. Ich bemerke zwei orangerote Armbänder an ihren Handgelenken. Plötzlich fallen mir immer mehr von diesen Armbändern in meiner Schlange auf. Alle Armbänderträger sind jung, schlank, gutaussehend, sonnengebräunt. Und vor allem sind sie alle mit irgendwelchen Attributen ausgestattet. Aus einer Hemdbrusttasche hängt eine verwelkte Wüstenblume. Eine blonde Frau trägt einen künstlichen Blumenkranz, der schon bessere Tage gesehen hatte. Ein Mann mit Bart, Augenringen und Leinenhose hat eine Ukulele über seine rechte Schulter gehängt. Es ist eine Parade von Kostümierten, die sich mir hier präsentiert. Mitten drin stehe ich in meinen Jeans und blauem T-Shirt, Pickel im Gesicht und Bleich wie ein eleganter Caprice des Dieux.

Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

[Montagsgedanken] Kunst, Kultur und Warenform – Rote Fabrik und Reitschule.

16. April 2018 by

„Kultur hat einen Wert.“/“Kunst ist Arbeit.“/“Künstler sollen bezahlt werden.“

Solches sind die Töne, die gerne gespuckt werden. Auch jetzt erst wieder im Zusammenhang mit der Besetzung der Grossen Halle in der Reitschule, welche die Gruppe der „Wohlstandsverwahrlosten“ durchführte. Die Kritik lautet, dass die Kommerzialisierung der (eigenen, widerständischen) Kultur rückgängig gemacht werden sollte, dass ein Ort wie die Reitschule sich auf ihre Wurzeln besinnen sollet anstatt sich zu einem Konsumtempel mit linkem (Grafitti)-Anstrich zu entwickeln.

In Zürich lässt sich diese Entwicklung eines ehemals widerständischen und von einer Bewegung getragenen Ortes zu einem Ausgehtipp anhand der Roten Fabrik beispielhaft in Erinnerung rufen.
Die Rote Fabrik ist heute nur ein Angebot neben anderen auf einem Markt. Der Entscheid in die Rote Fabrik zu gehen, ist so revolutionär wie ins Opernhaus zu gehen. Es ist eine Wahl, wo man sein Geld liegen lassen möchte. Eine Wahl, die man vergleichen kann mit der Wahl zwischen billigen sauren Gurken und teuren sauren Gurken, also ähnlich wie die Wahl zwischen einer sozialdemokratischen und einer liberalen Partei.

In diesen Auseinandersetzungen ist immer wieder vom Ausverkauf, oder der Kommerzialisierung die Rede, gegen die man sich wehrt. Gleichzeitig verteidigen jene, die jahrelang an den Strukturen mitgeholfen haben, die Notwendigkeit von Einnahmen zur Aufrechterhaltung jener Strukturen.
Bei solchen Prozessen gerät man immer auch in einen Gewissenskonflikt. Denn schliesslich reiben sich konservative Kreise genüsslich die Hände. (Hähä, höhö, jetzt streiten sich die noch untereinander…) Und auf der anderen Seite rufen die sich selbst besonnen nennenden wie damals das ZK der KPdSU zur Einheitsfront auf (oder waren es die Sozialdemokraten?). Jeder Streit untereinander schwäche das eigene Projekt und spiele dem Gegner in die Hand, und wer das nicht einsehe, verstünde nichts von der Ernsthaftigkeit der Lage und betreibe anarchistisches Brigantentum. (Oder wie es bei Monty Python so schön heisst: „Spalter!“)

Wir wollen das anhand der Hybris der Kunst ein wenig vertiefen…

Den Rest des Beitrags lesen »

1968: Sexuelle Revolution. Ein Diskussionsprotokoll

15. April 2018 by

Das Protokoll der Diskussion zur Sexuellen Revolution, sowie zur Geschichte der Drogenprävention. Man trug zusammen, was man weiss und fragte, was man nicht weiss. Deswegen sind das Halbweisheiten, die in sich die Fragen tragen, die auch heute noch aktuell sind, jenseits einer Geschichtsverbrämung. Der Gedankenfluss folgt der Schreibmaschine. Was getippt wird, ist getippt. Was auf Papier ist, lässt sich nicht löschen.

Den Rest des Beitrags lesen »

Gebrochen/Gnade- Fingerzeig

7. April 2018 by

Ideen fallen nicht von den Bäumen.
Dieser Pathos. Ehrlich, aber unanständig. Eklig.

Der Tag zerrieselt. Wachsein, aber permanente Dämmerung. Musik als Weckruf – Töne wie Eis: klar, kalt, im Inneren zieht es sich dabei warm zusammen. Man denkt noch – und schon beginnen Träume. Der Tag ist so verwirbelt, Wachen und Träumen verkehren sich. Wach träume ich und im Traum gelange ich zur Wachheit…
Solches sind die Tage, die sich ohne Gefühl erheben.
Das Lachen ist Kläffen,
das Sehnen nur ein Hunger,
der Durst des eigenen Verstandes…
Es pflanzt sich fort,
das denkende Unkraut ohne Bewusstsein.
Die Fingernägel sind fettig und es ekelt,
zu greifen.

Den Rest des Beitrags lesen »

Mai 68: Packpapier

7. April 2018 by

Da klebte also Kamerad A. L. eine Rolle Packpapier an die Wand, legte ein paar Filzstifte daneben und sagte: „Während die französischen Ostern laufen, können hier die Leute Stichworte aus den Diskussionen notieren.“
Das hier ist dabei herausgekommen (jeweils anklicken für die volle Grösse):

Mai 68: Nachlese

5. April 2018 by

Einladung | nieder mit 68! | 68 als Chiffre | Pamphlet | ne travaillez jamais! | Packpapier | Sexuelle Revolution | 1968, eine Hitparade |Konsum und Klasse | Filmabend: La chinoise, Barbarella, Erotissimo

ne travaillez jamais!

5. April 2018 by

Höchster Dilettantismus

4. April 2018 by

„Das Leben ist eine Kunst, rief Vim aus, und Vago pflichtete ihm bei, die einen höheren, ja höchsten Dilettantismus geradezu erfordert.“

Hermann Burger: Zwei Künstler.

frühmorgens

4. April 2018 by

frühmorgens sitzen wir in einem bus der uns zur arbeit fährt

mittags sitzen wir in einer kantine
hungrig wie immer

abends sitzen wir in einem bus der uns nach hause fährt

das machen wir jeden tag

nur am sonntag da sitzen wir auf der couch und sehen fern

am morgen

4. April 2018 by

am morgen
wenn wir noch
taufrisch sind

wie sehen wir da
die dinge anders

als am abend
wenn wir in
melancholie
versinken