Reisebericht des Besuches des Zentralkomitees Zureich und der Sektion Bern der Dillettantistischen Internationale (DI) bei der Sektion Tourismus, ehemals Ost

25. November 2018 by

(Anmerkung des armen Barry Bernhards: Die Innsbruckreise fand statt vor Verfassers Exkursion nach Lausanne und wäre deshalb, die Chronologie respektierend, vor dem Bericht über Letztere zu lesen. Illustrationen: El Gecko.)

Donnerstag, 18.10.2018

Barry sitzt im Hörsaal, es ist Donnerstag und die Vorlesung langweilig. Barrys Problem an der Uni ist: Er weiss Bescheid. Er weiss zu viel. Noch hofft er, nicht durchzudrehen, bis auch er sein Abschlusszettelchen in Händen hält, auf das in der verwalteten Welt so viel Wert gelegt wird. Der alte Herr Professor vorne erzählt nichts, das ihm nicht schon ein anderer alter Herr Professor oder ausnahmsweise eine alte Frau Professor erzählt hat, damals, in Zureich. Aus Langeweile verfasst Barry während der Vorlesung das Manifest Praktikant_Innen aller Länder, entdeckt die Lösung der Weltformel und findet mittels vertrackter Recherchen heraus, warum Marx die Anarchist_Innen um Bakunin in Wahrheit nicht mochte: die sassen im französischsprachigen Teil der Schweiz, dort mag mensch Käse. Als Deutscher findet mensch Käse pervers. Zudem erstellt Barry den Plan für die anarchistische Weltrevolution. Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Kribbel

23. November 2018 by

Das Gebell eines verletzten Hundes

22. November 2018 by

Jochen Knoblauchs Marx vs. Stirner ist der Versuch, für Max Stirner und dessen Buch Der Einzige und sein Eigentum Partei zu ergreifen, Stirner zu rehabilitieren und Marx für seine Polemik gegen Stirner zu kritisieren. Anfangs hält Knoblauch fest, dass sein Text für das Projekt Begegnungen feindlicher Brüder Philippe Kellermanns abgelehnt worden ist, das sich mit dem Verhältnis von Marxismus und Anarchismus beschäftigt. Er zitiert aus der Projektbeschreibung, dass es darauf ankäme, nicht in billige und grundlose Polemik zu verfallen. «Aber wie soll das eigentlich funktionieren, wenn, wie im Fall Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) gegen Max Stirner (1806-1856) die Polemik überhaupt als einzige Grundlage der Kritik abfällt? Aber was soll’s? Ich werde mich bemühen.» Doch der Klappentext des Buches kündigt eine Polemik an; „Marx und Engels haben ja auch gegen Stirner u.a. polemisiert.“ Damit wird nur der Beleidungswettkampf fortgesetzt, wie er innerhalb der Linken nur allzu oft üblich war (und ist); die Begründung erinnert an die Rechtfertigung eines trotzigen Kindes: „Ich schlag Dich, weil Du mich geschlagen hast.“

Eigentlich wäre eine äusserst interessante Ausgangslage gegeben. Die Konstellation «Marx & Engels – Stirner» hätte neu aufgerollt und sachlich geklärt werden können. Es bedarf nicht immer grosser Wälzer, auch ein 90-seitiges Büchlein kann manches auf den Punkt bringen. Doch wer solche Erwartungen hegt, wird von Knoblauch masslos enttäuscht: Das Buch mäandert durch verschiedene Themen ohne etwas recht auf den Punkt zu bringen, es beginnt mit drei Einleitungen und einer Abschweifung zum «Ende der Musik», die mit Stirner gar nichts zu tun hat. Die dritte Einleitung bejammert den Umstand, dass die Karl-Marx-Strasse in Berlin viel länger ist, als die abseits gelegene Max-Stirner-Strasse. (S. 23)

Dann schliesslich ergötzt sich Knoblauch am Bashing der Stirner-Basher. Von der sachlichen Auseinandersetzung, auf welche die ersten Seiten hoffen liessen, ist nichts auszumachen. Grundsätzlich sind alle Männer – in diesem Konflikt sind es nur Männer, die über einen anderen Mann schreiben –, böse, die sich negativ über Stirner äussern. Durchtränkt sind Knoblauchs Sätze von einer Mündlichkeit, die mehr ein Symptom der unbeholfenen Polemik ist, als dass sie etwas zur Sache beitrüge: «O.k., ob nun Engels, Marx und die anderen «beunruhigt» waren, ob des Stirner-Textes, weiss ich persönlich natürlich nicht, aber ich selbst war es.» (S. 30) Marx und Engels seien böse, weil sie das Dogma des «wissenschaftlichen» Sozialismus etablierten und das Kommunistische Manifest sei ausserdem ein Plagiat. (Kapitel «Kleiner Exkurs: Wissenschaft») Der Grund, warum Knoblauchs Buch zum Konflikt «Marx & Engels vs. Stirner» überhaupt nichts beiträgt, liegt nicht darin, dass er sich für die Polemik entschieden hat. Doch diese hat die Debatte, wie er ja selbst erwähnt, bis anhin geprägt, mensch mag sich deshalb fragen, ob in dieser Situation eine weitere Polemik wirklich fruchtbar ist. Das Problem liegt darin, dass Knoblauchs Polemik schlecht gemacht ist: statt sich in Ruhe zu sammeln und gezielt zuzuschlagen, schlägt er wild um sich und operiert mit Halbwissen – wie er selbst zugibt, wisse er auch nichts Genaueres über das Pamphlet, das Marx und Engels für ihr Manifest abgekupfert hätten. (S. 37-38) In solchen Fällen verschenkt Knoblauch ein gigantisches Potential. Denn die Punkte, für die er Marx und Engels kritisiert (autoritäres Gehabe, Dogmatik unter dem Mantel eines «wissenschaftlichen» Sozialismus, Festhalten am Staat während der «Übergangsphase» der «Diktatur des Proletariats») liessen sich eine ganze Reihe triftiger Argumente vorbringen. Auf Argumentation verzichtet er jedoch und keift und bellt stattdessen ohne Unterlass. Es scheint, als würde er von seinem Hassobjekt nicht loskommen, denn auch wenn er gelegentlich Stirner zitiert, erfährt man praktisch nichts darüber, was nun in dessen «Der Einzige und sein Eigentum» steht, stattdessen gibt es viele Anklagen gegen die Hegelianer Karl Marx und Friedrich Engels. Knoblauch bemüht sich jedoch kaum, zu argumentieren, weshalb das Gebell äusserst hilflos wirkt. Im Kapitel «(Vorläufige) Schlussbetrachtung» führt Knoblauch aus: «Wie im Konflikt mit Bakunin geht es Marx nicht um eine emanzipatorische Weiterentwicklung, sondern um das „Rechtbehalten» bei den eigenen Vorstellungen. Der Dogmatismus zwingt geradezu zu einer Rechthaberei, die der Staatsraison gleicht und bis aufs Blut verteidigt werden muss. Es kann eben nur Einen geben (frei nach dem Highlander). […] Der Marx’sche Anspruch, «wissenschaftlich» zu sein, verlangt unter den Autoritätsgläubigen eine Weihe, die zwangsläufig in eine Katastrophe führen musste. Denn Sozialwissenschaften, Philosophie oder auch Ökonomiew bestehen in erster Linie aus Spekulationen: lauter Wenn und Aber. (S. 59-60) Unabhängig vom Wahrheitsgehalt: Der Abschnitt besteht aus aneinander gereihter Behauptungen, die nicht durch Argumente gestützt werden.

Der Nachtrag, in dem Knoblauch sein anarchistisches Freiheitsverständnis erläutert, ist zwar erhellender, hat jedoch mit der vorangehenden Verteidigung Stirners nicht zu tun und setzt deren ungehemmt polemischen Stil fort.

Mit dieser Streitschrift hat Jochen Knoblauch Max Stirner leider keinen Gefallen getan.

Eine letzte Anmerkung zu diesem Buch in formaler Hinsicht: Der ansprechenden graphischen Gestaltung zum Trotz, ist es mangelhaft. Unter Lektor_innen erzählt mensch sich zwar, dass mensch bloss ein frisch gedrucktes Buch aufschlagen müsse, um auf einen Fehler zu stossen. Nobody’s perfect. Es gibt jedoch Abstufungen. Es geht auch nicht um bildungsbürgerliche Pedanterie, sondern um Sorgfalt. Und dass/das-Fehler wie sie in Knoblauchs Buch vorkommen, sind ein Skandal, in dem die inhaltliche ziellose unsachliche Berserkerwut auch in formaler Unsorgfältigkeit nochmals zum Ausdruck kommt.

 

Jochen Knoblauch: Marx vs. Stirner. Ein Versuch über Dieses & Jenes. Lich/Hessen 2014 (Verlag Edition AV).

money pool

16. November 2018 by

FB_IMG_1542374870522

Mini-Ausstellung: Mo & Kiff

16. November 2018 by


klick für die volle grösse

These dogs don’t bark at the bourgeoisie – they bite!

14. November 2018 by

Barry der blanquistische Bernhardiner rastet aus

8. November 2018 by

Meine lieben Freunde der Assoziation algerischer alliterationsverliebter Allergiker, lasset mich eine wahre Begebenheit erzählen aus dem Leben Barry Benjamins, dem blanquistischen Bernhardiner und seinem Mitbewohner Gregors, dem gramscianischen Gecko.

Den Rest des Beitrags lesen »

Michail Alexandrowitsch

7. November 2018 by

Anarchy at the Great St Bernard Pass

7. November 2018 by

What is cooler than this cat?

An anarchist-syndicalist Saint Bernard of course!

 

Portrait

5. November 2018 by