Archive for the ‘literatur’ Category

loler gschichtn

4. Oktober 2017

sonntagsbichl

Heute bin ich auf dem Sonntagsbichl gewesen. Ein idylisches kleines Hochplateau auf 2030 Metern. Umgeben von den wunderschönen Felswänden und Bergen ob der Kemater Alm. Der Bichl liegt an der vorderen Spitze eines Hügels, der aus einem grossen, zwei kleine Täler macht. Jetzt ist im Herbst ist die kleine Fläche Gras gelb gefärbt, und alles heurm was nicht stein ist in orange, rot oder dunkelgrün. Der Platz wird geprägt durch ein grosses Kreuz an Stahlseilen befestigt, mit Gipfelbuch für was fragt man sich ein wenig, weil Sonntagsbichl sagt schon der Name, leichte Übung, Wanderung. Im Buch drin, fragt der eine ob der andere das Geschenk gefunden habe, dass er ihm vergraben habe und da ist ein Quadrätchen, dass dann doch tatsächlich abgehackelt wurde und geschrieben, vielen dank peter!

 

(more…)

Advertisements

Dilettantismus vs Kognitive Dissonanz

15. Juni 2017

tun, was man nicht weiss wie 
und 
nicht wissen, was tun..
.. das klingt doch als ob die sich grad in der mitte treffen könnten


oder
von der präsenz als befreiung:

aufmerksamkeit ist eine waffe, ich kann sie auch abgeben.

Die Kognitive Dissonanz greift um sich, sie ist das neue Schreckgespenst. Damit werden Wahlen gewonnen, sie heisst auch Schock-Doktrin. Dabei hat sie eine ganz einfache Schwäche; Sie ist unser fragendes Suchen und wenn ich mich nur entscheide, kann ich weiterkommen, weiter als zuvor. Denn gegen kognitive Dissonanz lässt sich impfen, mit ihr selbst. Sehet selbst wie sie sich kleidet. Bitte beachtet die Markenzeichen der internationalen Anarchie, des Kommunismus und des Beamtentums oben rechts im Bildschirmfoto:


Nun kann ich euch mit Nonsens und Dreinreden nerven bis ihr &otzt. Ihr wisst dann zwar nicht, was euch geschieht aber das nützt dann auch nichts mehr. Harhar.
Es ist die neue Version von „Divide and Rule“, nur diesmal in Dir selbst. Wusstest Du jemals nicht, ob Du nun das rote, das grüne, das gelbe oder das blaue Fanta möchtest. Oder doch Cola? Ja Cola ist braun, das hatten wirk noch nicht. Bittesehr, nett Dich kennenzulernen, mein Name ist Verwirrung und Blockade mein Programm. Wir können uns nun den gängigen Redneck als besoffenes, fleischgewordenes Ärgernis vorstellen.

  • Sie møchte ihre Ruhe aber bitte mit Unterhaltung.
  • Er mag Fremdes nicht, nur Neues wenn es ihm bekannt vorkommt.
  • Es mag laute Musik, hört also AC/DC beim Kochen, in Zimmerlautstärke damit das Brutzeln in der Pfanne noch zu hòren ist.

Das gilt auch für Anarchisten, nur sind die zusætzlich bekifft.

Aa Bb Ee Rr

Wusstest Du jemals nicht weiter? Hast Du mal einen Bohrer gehalten, alle Knöpfe gedrúckt, dich verkrampft – und nichts passierte? Nichts, kein Mux, kein Rrrrrrrrr, nicht Bzt. Ah, der Strom ist – Aaaaaaaargh!

Es ist ganz einfach: Kognitive Dissonanz wirkt nur auf Gehorsame. Automatisch handeln gemäss dem letzten Impuls, der mir grad ins Hirn gepflanzt wurde, darauf ist sie angewiesen, die Dissonanz, damit sie wirken kann. Ihr surrendes Gummiseil aufspannen kann zwishen dem was ich Denke, was ich Glaube, was ich weiss, was ich grad äh, glaubs, fühle, was ich hätte gerne ein Glacé. Himbeer. Siehst Du, liest hier brav den Worten entlang und Päng folgt die Harke, hättest Du doch auf die Füsse geschaut. Wie denn, beim Lesen. Kognitive Dissonanz ist perfid und ganz normal. Sie entspringt unserem natürlichen Schutzmechanismus, das Kleinhirn quäkt „Achtung, dieses Grün ist nicht ganz grün und es bewegt sich in die andere Richtung“ und schon sind wir selber ein Baum und die Python rutscht vorüber ohne uns eines Blickes zu würgen. Doch, mit allen Instinkten lässt sich spielen.

Dilettantismus? Dilettantismus?! WTF wie kann etwas das keinen Sinn macht, gefährlich sein? Was hat die Dissonanz gelacht. Ja lach Du nur Du Pascha, siehst mich zucken und denkst Du hast mich manipuliert nur weil Du meine Knöpfe drücken kannst wie Pickel. Pfah, da bist Du zu früh aufgestanden.

Ich bin nämlich noch ganz kindisch. Brr, jetzt frierts Dich. Jaaa, Du siehst was ich meine. Frúher WAR ICH SELBST DISSONANZ, die ganze Kognition bestand aus ihr. Geräusche, Gerüche, Gefühle und so viel Licht. Bis ich das halbwegs einordnen konnte musste und durfte ich was Trinken. Dann kam mein grosser Moment, ich traf Entscheide, wurde Erwachsen. Vertrieb die Zweifel, hob die Welt aus den Angeln. Bis sie mir auf die Füsse plumpste um zu sagen:

1. Es gibt nur eine Regel.

2. Nämlich dass es keine Regeln gibt.

Voila, instant kognitive Dissonanz, denn beides ist wahr und so falsch. An dem Punkt gehen die einen Schlafen. Die anderen packen die Laterne aus. Ich schwöre bei all meinen ungenutzten Talenten, das einzige was ich kann ist keine Ahnung haben. Weil immer wenn ich glaube, dass… werde ich von den Fuckten eines Besseren belehrt. Realitätszwænge. Pancho-Villa-Syndrom. Der Nihilismus klopft an der Tür und wird verzweifelt und mit grimmiger Freude eingelassen. Er stürzt sich sofort auf das letzte Bisschen Verstand, worauf dieses vor Schreck gleich verschwand und noch nie da war.

Ja, es ist morgens um halb 6 und ich weiss nicht ob ich schon fantasiere. Obwohl, ich weiss es ganz genau. Die Kognition und die Dissonanz bilden ein Janusgesicht, auf der einen Seite Verwirrung, auf der anderen das Staunen.

Denn

Kognitive Dissonanz meint die Reihenfolge, Verstehen -> Zweifeln. Wer also die Realität stôrt, der bringt die Wahrnehmung und damit das Handeln ins Wanken.

Staunen meint die Reihenfolge Zweifeln -> Verstehen.

So einfach ist das.

Wie Einstein schon sagte: „If a cluttered desk is a sign of a cluttered mind, of what, then, is an empty desk a sign?“

Wer also Handelt, aber dafür eine Anleitung braucht, der ist der Verwirrung schutzlos ausgesetzt und sie wird ihn schon finden. Wer aber handelt, aus eigenem Antrieb, wer Schaffensdrang hat, wer ihm nachgeht, wer den Impuls hat und sich überlegt -ah, fck- wer den Pinsel zur Hand nimmt und ihn an die Wand wirft, dem schaut plötzlich das Glück im Zufall  entgegen.. …Du findest es nie heraus, wenn Du es nicht probierst.

Wer weiss, dass sie atmet, wer den Wind spürt, wer Einfach*Raus=geht, wer sich auf den Weg zu sich selbst begibt, wird feststellen, dass alles schon da war. Nur irgendwie komplett in den Kopf gerutscht. Handeln ist aber nicht dort oben geboren, nur Irrsinn und Systeme, fixe Ideen, weltbewegende Erkenntnisse die man gleich allen aufdrængen muss. Mein Atem ist nicht meine Gedanken, denn kein Gedanke kann ihn stoppen.

Versuch mal, bewusst zu Atmen und die Dissonanz wird zur Kognition, beim Versuch, das auszuhalten.

Aus dem Lebendigen transkribiert vom Weisen Tan Zen.

Have heart, will travel

5. Mai 2017

Mein Herz schlägt laut in meiner Hand. Ich hatte es mir zuerst herausgerissen, weil darauf herumgetrampelt wurde und es zerquetscht zu werden drohte.

Dann machte ich Kinder. Nun lief mein Herz erst recht ausserhalb von mir und nackt durch die Welt. Ich rannte hinterher.

Ah, es ist gar nicht mein Herz. Es ist Das Herz und wurde mir geliehen. Ich hab es aber lieber angeschrien. Dass es immer noch schlägt, stur einen Takt vorgibt, zu dem ich nicht tanzen mag. Warum nur wurde ich geboren? Ich kann mir auch noch mehr rausreissen! Wo hört das denn auf!?

Ich höre. Mein Herz schlagen. Und bin Zuhaus.

Real Panther Inside TM

4. Mai 2017

I am the instinctive panther prowling my instincts looking for fears to pounce on.

I thrive in chaos – if you look me in the eyes I will swallow your mind.

POLIS used to mean an armed citizen, now toy riot police protects my enlightened globally normalled society.

A panther still feels natures ways and thus bounces realities every instant.
Mostly, he waits but never too long.

ablauf

30. März 2017

grossmutter ist gestorben
die kindheit ist vorbei

vater ist gestorben
die jugend ist vorbei

mutter ist gestorben
jetzt fängt das alter an

meine hose (3)

1. März 2017

löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher
löcher !
hat meine hose
ist das nicht traurig
das arme ding so
alt geworden und mit dem alter
kommen die löcher
und
die
nähmaschine
—–
nun
lassen
wir
das
—–

Das Joghurt. Zur Kritik der politischen Mykologie. Dritter und letzter Teil.

27. Februar 2017

In der Zwischenzeit hatten Hafermaas und Malhonneth versucht, sich an der Joghurt-Diskus-sion zu beteiligen, die sich in der Küche fortsetzte. Sie wendeten ein, dass Luhmanns systemtheoretischer Ansatz durchaus interessante Erkenntnisse hervorbringen könne, doch der Weisheit letzter Schluss sei er nicht. Stattdessen würden sie es bevorzugen, das Joghurtproblem diskursethisch zu betrachten, schliesslich sind die idealen Kommunikationsbedingungen gegeben, um im absolut nicht-entfremdeten Zusammenhang miteinander zu sprechen – die übrigen Diskussionsteilnehmer liessen sie nicht einmal ausreden und verscheuchten sie aus der Küche. Ein gewisses Verständnis und Wohlwollen für seltsame und ausgefallene Theorien war in dieser Wohngemeinschaft ja geradezu zwangsläufig vorhanden. Doch worauf die Kommunikations- und Anerkennungstheorien der beiden hinauswollten, war noch niemandem klargeworden. Soviel zu den idealen Kommunikationsbedingungen.
Gekränkt und sich missverstanden fühlend zogen sie sich in Hafermaasens Zimmer zurück, wo sie ihre diskursethischen und anerkennungstheoretischen Theorien weiter diskutierten. Die Stimmung wurde bald so euphorisch und ihre Stimmen immer lauter, dass Zimmernachbar Michel Foucault mehrmals gegen die dünne Zimmerwand klopfte. Zunächst wurden sie der Reklamation des Zimmernachbars gar nicht gewahr. Als Foucault nach kurzer Zeit erneut gegen die Wand hämmerte, hörten sie zwar die Geräusche, doch diskutierten sie unbeeindruckt weiter. Irgendwann aber platzte Foucault der Kragen. Nachdem er mit der Faust noch einmal so fest gegen die Wand hämmerte, dass drüben Putz von der Decke rieselte, liess er es dabei nicht bleiben, sondern kam herüber. Wütend klopfte er gegen die Tür. Diese wurde ihm von einem Hafermaas mit verstrubeltem Haar voller Putz geöffnet. Foucault hielt den beiden eine Standpauke: bevor sie grosse Töne spucken und mit Begriffen wie Diskursethik und Anerkennungstheorie um sich werfen sollten sie zuerst einmal den Begriff des Diskurses überhaupt verstehen – und das können sie natürlich nur, wenn sie Foucaults Bücher lesen. Überhaupt, so Foucault, würden die beiden besser ihre Zeit damit verbringen, über die Macht des Schimmels und dessen Praktiken nachzudenken, in denen er sich manifestiert. Als Foucault, immer noch zornig, die Türe wieder zuknallte, schauten Hafermaas und Malhohnneth ebenso verwirrt und verloren drein, wie als sie sie dem wütenden Foucault geöffnet hatten.
Währenddessen hatten Gretchen und Marcuse in dessen Zimmer Platz genommen und sich in ein Gespräch über Marcuses Werk vertieft. Nach etwa vierzig Minuten – die Zeit ging auf acht Uhr zu – klopfte Rudi Dutschke bei Marcuse an. (more…)

Das Joghurt. Zur Kritik der politischen Mykologie. Teil II

27. Februar 2017

Luhmann hatte gerade durch die rechte Tür die Küche verlassen, um auf seinem Zimmer seine Schreibunterlagen und seinen Zettelkasten zu holen, als Horkheimer durch die linke Türe in die Küche zurückkehrte. In der Zwischenzeit hatten er, Benjamin und Adorno über die Möglichkeit markenloser Joghurts diskutiert. Benjamin war Feuer und Flamme für die Idee und hielt sie für unbedingt umsetzbar. Adorno hörte die Botschaft wohl, doch fehlte ihm der Glaube. Und Horkheimer selbst stellte betrübt fest, wie pessimistisch er auf seine alten Tage wurde. Er war in die Küche zurückgekehrt, weil er die Rechnung für die monatliche Miete hatte liegen lassen. Sie lag noch dort. Was Wunder. Als die Wohngemeinschaft gegründet worden war, ist Horkheimer zum Hauptmieter designiert worden. Jürgen Hafermaas und Axel Malhonneth mussten zuvor aber von allen gemeinsam davon abgehalten werden, zum Vermieter zu stürmen; sie waren – und sind immer noch – der festen Überzeugung, die idealen diskursethischen Bedingungen seien in der Wirklichkeit gegeben, sodass die Welt rein mittels Sprechakte verändert werden könne; man müsste also bloss mit dem Vermieter reden, dann würde sich das Problem der Miete in Luft auflösen. Ein paar Mitbewohner in spe hatten sie einfach ausgelacht. Adorno, Benjamin und Horkheimer, so erinnerte dieser sich, hatten aber bloss peinlich berührt die Decke angestarrt. Die Frage nach dem Hauptmieter stand damals also weiterhin im Raum. Plötzlich erinnerte jemand daran, dass Horkheimers Vater doch Fabrikant, also ein Unternehmer sei. Horkheimer müsse demnach doch bewandert sein in geschäftlichen Dingen. Unsolidarisch hatten Adorno, Benjamin und Marcuse geschwiegen, obwohl es einen von ihnen gerade so gut hätte treffen können. Eine ganze Woche hatte Horkheimer anschliessend nicht mehr mit ihnen gesprochen.
Horkheimer faltete die Mietrechnung und steckte sie in die Hosentasche seines Anzugs. Als er auf sein Zimmer zurückkehrte, fand er die Diskussion zwischen Adorno und Benjamin immer noch in vollem Gange. Adorno war damit beschäftigt, Motive in Benjamins Plädoyer für die markenlose Joghurt-Produktion ausfindig zu machen, an denen er Brechts schlechten Einfluss auf Benjamin aufzeigen könnte. Horkheimer setzte sich an seinen Schreibtisch und kümmerte sich um die Angelegenheiten, die bald am Institut für Sozialforschung anstanden. Er hatte gerade keine Lust mehr, sich an der Diskussion zu beteiligen, wollte die beiden aber auch nicht verjagen. (more…)

Das Joghurt. Zur Kritik der politischen Mykologie. Teil I

27. Februar 2017

Paris, Mai 68. Eine Studenten-WG im Quartier Latin. Es geht auf zwei Uhr nachmittags zu. Die Stimmung ist angespannt; seit mehreren Tagen schon kann kaum jemand noch schlafen, weil Herbert Marcuse seit Tagen frühestens um vier Uhr morgens von «Diskussionen» mit seinen Studentinnen nach Hause kommt. Die Nerven liegen blank, niemand kann sich konzentrieren, alle sind aggressiv. (Ausser Marcuse selbst freilich, der seinerseits allerdings darüber irritiert ist, dass alle so verkrampft und angespannt sind.)

Langsam fand der Frühaufsteher Theodor Wiesengrund-Adorno den Weg in die Küche. In der vergangenen Nacht hatte Adorno ausserordentlich schlecht geschlafen. Nicht nur kam Marcuse erst zu einem Zeitpunkt nach Hause, an dem viel zu viele schon wieder an die Arbeit denken müssen, als ob das nicht genug wäre, erlebte Adorno in der vergangenen Nacht einen fürchterlichen Albtraum, von dem er sich noch immer nicht ganz erholt hatte. Ihm träumte, Gretel Adorno, Max Horkheimer und dessen Frau Maidon seien auf einmal wilde Jazz-Fans geworden, die versuchten, Adorno zu überzeugen vom ekstatischen, von allem befreienden Jazz. Unfähig etwas dagegen zu tun, stand Adorno gebannt da, während die drei zuckend um ihn herum tanzten. Adorno schüttelte es. Gemächlich tastete er sich vorwärts – seine Augen hatten sich noch nicht an das Licht gewöhnt. Er kochte heisses Wasser für den Kaffee.
Er schlurft zum Kühlschrank, öffnet ihn….
und machte ihn sofort wieder zu.
Ihm wurde gelb und grün im Gesicht, doch Adorno fasste neuen Mut, denn Kaffee ohne Milch kann er einfach nicht trinken. Vorsichtig öffnete er die Kühlschranktüre erneut und während sich seine Hand langsam in Richtung Milch bewegt, schielt er zum ekelhaften Objekt hinüber, das sein Auge erblickt hatte. Hinten, im Ecken des obersten Fachs stand ein geöffnetes Joghurt, dessen Schimmel die ursprüngliche Akkumulation bereits abgeschlossen hatte. Angewidert nahm Adorno die Milch schnell heraus und schloss hastig die Kühlschranktüre.
Währenddessen hatte der zweite Frühaufsteher der Wohngemeinschaft seinen Weg in die Küche gefunden. Adorno erschrak, als er sich umdrehte und seinem Kaffee zuwenden wollte – denn hinter ihm stand Max Horkheimer.
«Guten Morgen Teddie.»
«… guten Max. Du hast mich erschreckt.»
«Tut mir Leid.»
«Kaffee?»
«Gerne.»
«Ich hatte einen fürchterlichen Alptraum.»
«Wovon träumtest Du denn?»
«Ich träumte, dass Gretel, Du und Maidon sich in wilde Jazz-Fans verwandelten und mich umtanzten und mich vom Jazz überzeugen wolltet.»
Horkheimer schüttelte es ebenfalls bei dieser Vorstellung.
«Und zu allem Übel steht auch noch ein geöffnetes verschimmeltes Joghurt im Kühlschrank.»
«Widerlich.»
«Weisst Du, wer es herein gestellt haben könnte?»
«Nein. Ach, in der bürgerlichen Gesellschaft war freilich einiges schlecht, aber weisst Du noch, als wir noch jünger waren, da waren die Joghurts noch gut. Die sind nie verschimmelt. Keine massenproduzierten Waren, wie es sie heute gibt.»
«Wo Du recht hast, hast Du recht.»
Die beiden setzten sich an den Tisch und vertieften sich in ein Gespräch darüber, was in der bürgerlichen Gesellschaft alles noch gut gewesen war.
Da sie miteinander diskutierten, bemerkten sie nicht, dass schon der dritte Mitbewohner in der Küche auftauchte. Die Hände weit von sich gestreckt stolperte Walter Benjamin durch den Raum und stiess an jedes Möbel an. Er hatte seine Brille wieder einmal in der Küche liegen lassen. Horkheimer wurde auf den Hinzugekommenen aufmerksam und nachdem er dessen Brille ausfindig gemacht hatte, reichte er ihm diese.
«Besten Dank.»
«Gern geschehen.»
«Habt ihr gut geschlafen?»
«Niemand schläft gut, wenn der Herbert erst zu Uhrzeiten nach Hause kommt, bei denen anständige Menschen schon wieder zur Arbeit gehen.»
«Hm.»
«Teddie hatte einen Alptraum.»
«Hm?»
«Er träumte, dass Grete, Maidon und ich uns in Jazz-Fans verwandelten, ihn wild umtanzten und vom Jazz überzeugen wollten.»
Die Vorstellung bringt Benjamin zum Lachen.
«Und zu allem Übel», schaltete sich Adorno in die Diskussion ein, dem es merklich unwohl dabei war, wenn seine Alpträume kolportiert werden, «steht im Kühlschrank ein verschimmeltes Joghurt.»
«Oj wej. Wisst Ihr, wem es gehören könnte?»
«Nein, aber Max fand, dass das bei den Joghurts der bürgerlichen Gesellschaft, die wir frühen assen, niemals passiert wäre.»
«Da hat er recht. Man sehe sich alleine schon die Kartonverpackungen der Joghurts an. Dank der technischen Reproduzierbarkeit gleicht eine Verpackung der anderen.»
Adorno und Horkheimer blickten einander an, verdrehten die Augen und hofften, dass in der Ausführung, die jetzt offenbar folgen wird, Benjamin wenigstens nicht von Aura sprechen wird.
«Die technische Reproduzierbarkeit hat dazugeführt, dass ein Joghurt wie das andere aussieht, so wie ein Ei dem anderen gleicht. Zudem geht die technische Reproduzierbarkeit einher mit einem Verlust an Erfahrung, mit einer regelrechten Erfahrungsarmut. Niemand stellt heutzutage mehr seine eigenen Joghurts her, darum weiss auch niemand mehr, wie man Joghurts selbst herstellt.»
Benjamins Zuhörer begannen, von ihm unbemerkt, bullshit-bingo zu spielen, während sie sich die grösste Mühe gaben, den Schein zu wahren, dass ihre Aufmerksamkeit ungeteilt sei.
«Arm sind wir geworden. Doch ob diese Armut vom kommenden Sozialismus oder von einer neuen Barbarei kündet, ist unklar. Alles wird davon abhängen, ob wir unsere eigenen Joghurts machen können.»
Horkheimer und Adorno schoben unauffällig ihr bullshit-bingo zur Seite; keiner der beiden hatte gewonnen, da Benjamin die Aura nicht erwähnte. Sie tranken ihre Kaffees fertig und zogen sich in Horkheimers Arbeitszimmer zurück, weil er die grössten Zimmer der Wohngemeinschaft hat. Benjamin frühstückte nie; wer braucht schon Kaffee, wenn er in den Taschen immer was zu naschen hat?

(more…)

Giacobbo/Müller

27. Februar 2017

Vor einiger Zeit fuhr ich nach einem langen Arbeitstag mit dem Bus nach Hause. Der Bus war weitgehend leer, aber auf der anderen Seite des Mittelgangs sass eine ältere, etwas dickliche Frau. Sie hatte ein Smartphone in der Hand und schaute sich ein Video an. Dem Ton nach war es ein Ausschnitt aus einem Comedyprogramm oder einer Lateshow. Das Handy war ziemlich laut eingestellt, aber ich verstand nicht, was gesagt wurde, hörte nur immer wieder Lacher aus der Konserve. Wahrscheinlich „Giacobbo/Müller“, dachte ich und rümpfte die Nase. Was immer es war, es nervte mich, besonders in dieser Lautstärke. Ich dachte böse Sachen über ältere Menschen und Handys.
Ich wollte schon etwas sagen und blickte giftig zu der Frau hinüber, da lachte sie ein kindliches Lachen. Wirklich wie ein kleines Mädchen; ungetrübte Freude. Ich hielt den Mund.