Archive for the ‘literatur’ Category

als ich klein war

3. April 2019

als ich klein war

stand beim bahnhof immer
ein mann

mit
einer kelle in der hand

und winkte zum abschied

heute fahren sie nur noch vorbei

Werbeanzeigen

zwischen

1. April 2019

zwischen der
morgendämmerung

ein heller tag

und der
abenddämmerung

sehnt sich nach
dem
frühling

beim anblick

31. März 2019

beim anblick

der
abgelaufenen sohlen

und
der risse im leder

legt
sich die stirn in falten

Böses Blau

12. Februar 2019

Kaltes Licht und trockne Wut
blick‘ rauf, rauf
Fahrleitungen singen.
Kalter Stein, zitternde Hand
den Jackenaufschlag im Nacken
blinzelt Steingestalt.
Das Laub raschelt böse.
Im Vorbeigehen: Augen, die glitzern.
Blick‘ rauf, rauf
erwarte, dass Schnee in die Pupille greift.
Der Fuss im Takt, er wippt auf Stein
so kauert dieser Säulenstein
und blickt rauf.
Böser Stein und böses Blau.
„Blau,“ murmelt der Verkehr
„Blau,“ singen die Fahrleitungen.
Er weiss es nicht,
doch ehe die Nacht durch ist,
wird er tot sein.

Gesicht wie Backpapier, dünn die Schichten
eine Papierhülle, ein Tosen von Blau.
Er weiss es nicht,
denkt nicht,
sieht nicht,
aber schmeckt:
Das Licht, die Wut, den Stein
schmeckt mit Augen
und antwortet sich selbst, mit „blau“.

Erkaltet und zermalt
die Augen blaue Kristalle
Noch vor dem Morgen kommt ein Tod
er kommt als Besuch
ein böses Blau.
Die Fahrleitungen singen
zwei trockne Lippen summen mit
ein Reklameschild scheppert leise
das Neonlicht hüllt ein
ein böses Blau.
Hände starr, erstarrt
der Blick: Er starrt auf seine Finger
die wie Zapfen farblos hängen
nur ein Schimmer, gläsern,
ein böses Blau.

Wonderwoman / die Zeit findet

3. Dezember 2018

(Anmerkung: Dieses Gedicht ist eine Umformulierung eines Textes, der für 25Karat geschrieben wurde. Der ursprüngliche Text war politische Kritik, wie man sie kennt, ein bisschen polemisch, ein bisschen theoretisch. Ehrlich, richtig – und ohne Würze. Das Experiment war, aufzuzeigen, dass man jeden beliebigen Text nehmen kann und – durch Wiederholung und Rhythmisierung – eine andere Ebene anschlagen kann. Merci auch an St. Gregor, Schutzpatron der Comiczeichner…)

Frau tagtäglich reduziert / Wonderwoman

hat Arbeitstag

hat Muttersein

hat geputzt

die Zeit findet die Zeit findet

noch Zeit hat,

wenn sie nur will.

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Barry der blanquistische Bernhardiner rastet aus

8. November 2018

Meine lieben Freunde der Assoziation algerischer alliterationsverliebter Allergiker, lasset mich eine wahre Begebenheit erzählen aus dem Leben Barry Benjamins, dem blanquistischen Bernhardiner und seinem Mitbewohner Gregors, dem gramscianischen Gecko.

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Es gibt kein Leben in Flaschen. Dialektik der Ausleerung

2. Juli 2018

Im Treppenhaus war ein Treiben, Kommen und Gehen, dass man davon kirre werden konnte. Besonders als emeritierter Professor der Philosophie. Überall standen Umzugkartons herum. Die Frankfurter versuchten, sich in ihrer Wohnung zu verbarrikadieren. Doch es war sinnlos. Einerseits sind die Wände zu dünn, man hörte jedes Wort der neuen WG-Nachbarn. Andererseits mussten sie, wenn die Post kam, ja doch auf dem Max-Horkheimer-Pfad einen Weg durch den Umzugkartondschungel finden, um an der Haustüre den neuesten Blauen Band der MEW in Empfang nehmen zu können, aufgeregt wie Schulkinder, die am Kiosk die neueste BRAVO kaufen.
Doch allen Widerständen des Systems, der Kulturindustrie und des totalen Verblendungszusammenhanges zum Trotz, begann sich sanft das Leben zu regen in der WG der Kritischen Theoretiker. Den Tag voller Sonnenschein und Energie begrüssend, öffnet sich vorsichtig die zarte Knospe des junggebliebenen Lebens, um sich im Genuss der Sonne, begleitet von Richard Straussens Also Sprach Zarathustra zur vollen Blüte zu entfalten. Blüten, zur Sonne, zur Freiheit!
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Es gibt kein Leben in Flaschen. Dialektik der Ausleerung I

29. Mai 2018

Im Treppenhaus war ein Treiben, Kommen und Gehen, dass man davon kirre werden konnte. Besonders als emeritierter Professor der Philosophie. Überall standen Zügelkartons herum. Die Frankfurter versuchten, sich in ihrer Wohnung zu verbarrikadieren. Doch es war sinnlos. Einerseits sind die Wände zu dünn, man hörte jedes Wort der neuen WG-Nachbarn. Andererseits mussten sie, wenn die Post kam, ja doch auf dem Max-Horkheimer-Pfad einen Weg durch den Zügelkartondschungel finden, um an der Haustüre den neuesten Blauen Band der MEW in Empfang nehmen zu können, aufgeregt wie Schulkinder, die am Kiosk die neueste BRAVO kaufen.
Doch allen Widerständen des Systems, der Kulturindustrie und des totalen Verblendungszusammenhanges zum Trotz, begann sich sanft das Leben zu regen in der WG der Kritischen Theoretiker. Den Tag voller Sonnenschein und Energie begrüssend, öffnet sich vorsichtig die zarte Knospe des junggebliebenen Lebens, um sich im Genuss der Sonne, begleitet von Richard Straussens Also Sprach Zarathustra zur vollen Blüte zu entfalten. Blüten, zur Sonne, zur Freiheit! (more…)

Pathetisch

21. April 2018

Ein „Danke“ wäre nicht genug.

Meine Erleichterung ist nur ein Sprung davon entfernt sich ins Unbekannte zu stürzen.

Tagelang wach und nur beim verschwinden unserer inneren Finsternis erfand ich den Tag für mich neu. (more…)

Gebrochen/Gnade- Fingerzeig

7. April 2018

Ideen fallen nicht von den Bäumen.
Dieser Pathos. Ehrlich, aber unanständig. Eklig.

Der Tag zerrieselt. Wachsein, aber permanente Dämmerung. Musik als Weckruf – Töne wie Eis: klar, kalt, im Inneren zieht es sich dabei warm zusammen. Man denkt noch – und schon beginnen Träume. Der Tag ist so verwirbelt, Wachen und Träumen verkehren sich. Wach träume ich und im Traum gelange ich zur Wachheit…
Solches sind die Tage, die sich ohne Gefühl erheben.
Das Lachen ist Kläffen,
das Sehnen nur ein Hunger,
der Durst des eigenen Verstandes…
Es pflanzt sich fort,
das denkende Unkraut ohne Bewusstsein.
Die Fingernägel sind fettig und es ekelt,
zu greifen.

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