Berichterstattung an das Institut für Dilettantismus beim Zentralkomitee Zürich der Dilettantistischen Internationale

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Grand président ! Camarade.s !

(Merde, faut que je change de langue, c’est suisse.s allémanique.s non distingué.e.s ne savent pas parler le français)

Väterchen Al Brecht! Hohe Damen und Herren des Zentralkomitees Zürich der Dilettantistischen Internationale! Genossinnen! Genossen!

Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, dem Zentralkomitee einen Bericht über meine Reise nach Lausanne einzureichen.

Ebendiesen muss ich beginnen mit einer Irritation, die dem Zentralkomitee nicht zu verhehlen ich mich verpflichtet fühle. Im Gespräch mit der Dissidentin M. während der Zugfahrt nach Lausanne musste ich zu meinem grossen Erstaunen feststellen – dies wird dem Zentralkomitee noch unglaubwürdiger erscheinen als es mir erschien, ist jedoch wahr -, dass man in Lausanne glaubte, die ruhmvolle Dilettantistische Internationale, und damit das Zentralkomitee Zürich, existiere nicht mehr! Ich muss bedauern, dass es mir nicht möglich war, die Ursache für diesen grotesken Unglauben zu eruieren – sei es, dass das Zentralkomitee Vorgängen in den provinziellen Sektionen weitere Beachtung zu schenken nicht mehr für wichtig hält, sei es dass die naiven idealistischen Stümperinnen und Stümper aus Lausanne sich über die allmächtige Macht des Zentralkomitees keine Rechenschaft ablegen, es scheint jedenfalls beiderseits viel Unwissen vorhanden zu sein.

Die Sektion Lausanne scheint zu existieren. Diese ist sich offensichtlich ihrer Existenz sicher, was von Zürich ausgesehen ja durchaus ungewiss ist, da ihre Unsichtbarkeit dagegen spricht. Die Lausanner Dissident_Innen ihrerseits behaupten freilich, gerade ihre Unsichtbarkeit spreche für deren Existenz und übertreffe das Zentralkomitee haushoch an Dillettantismus. Dem armen B.B., Verfasser vorliegenden Berichtes, ward diese Diskussion zu existentialistisch. Möge uns die Dialektik von diesem Widerspruch erlösen!

Ich muss berichten, dass ich äusserst wohlwollend aufgenommen und entsprechend der Aufforderung des Zentralkomitees mit Wein versorgt worden bin. (Ich kann meine Sympathie für die Dissident_Innen nicht verhehlen, die den Gewürztraminer eben zu schätzen wissen, was hierzulande bedauerlicherweise nicht einfach vorausgesetzt werden kann.) Die Dissidentin M. war äusserst erfreut über die Grussbotschaft des Zentralkomitees, welche sie im Centre international de recherches sur l’Anarchisme verlas und übersetzte. Mit strahlenden Augen verkündete sie, die Sektion Lausanne nähme den Fehdehandschuh auf und werde siegesgewiss nach Zürich reisen. Sie verbat sich weitere Schritte des Zentralkomitees und erklärte, es liege nun an der Sektion Lausanne zu handeln. Der Verfasser blieb dieser Bemerkung gegenüber skeptisch, liess es jedoch nur bei der Ermahnung bleiben, man akzeptiere diese Erklärung, doch würde wiederum ein halbes Jahr verstreichen, ohne dass das Zentralkomitee von dieser überaus unsichtbaren und inexistenten Sektion hört, würden sich die Mühlen der Bürokratie wiederum unerbittlich in Bewegung setzten.

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Der arme B.B. fühlt sich verpflichtet, folgende Beobachtung nicht zu unterschlagen, mag das Zentralkomitee zwar gross sein – aber mal ehrlich, was soll diese erbärmliche Garage, das macht gar keinen Eindruck, auf mich zumindest nicht. Bin ich da allein? Da macht sich das Zentralkomitee quasi selbst lächerlich; wieder einmal überbietet die Realität jede Möglichkeit der Satire – doch die Wahrheit ist grösser. Bei den Lausanner_Innen handelt es sich um äusserst geistreiche Menschen. Verfasser durfte nachts Zeuge werden einer höchst kuriosen Diskussion. Offenbar ist es dort nicht unüblich, dass das Sexualverhalten verschiendenster Tiere besprochen wird. Das Gespräch ward äusserst erhellend. So durfte ich erfahren, dass männliche Läuse bei der Penetration des wirklich bedauernwerten Weibchens – oder auch Männchens, da machen Lausmännchen keinen Unterschied – nicht besonders zielsicher sind und es einfach dort penetrieren, wo das Glied der männlichen Laus auf den Körper des Weibchens trifft. Andererseits konnte ich den Lausanner_Innen erzählen – mensch war beim Sexualverhalten der Delphine angelangt, deren Männchen sich nun wirklich an allem vergreifen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, auch tote Fische werden nicht verschont – dass Kurt Cobain zum Lied „Rape me“ inspiriert wurde, als er von eben diesem irritierenden Verhalten der Delphine erfuhr.

Nicht nur ist Verfasser äusserst gastfreundlich und liebenswürdig behandelt worden, nein, er durfte auch Zeuge werden des Komforts, in dem die Sektion Lausanne lebt. Es handelt sich dabei keineswegs um eine Filiale der Hotelkette „Grand Hotel Abgrund“, gegründet vom Genossen György LaGurk. Nein, bei diesem Wohlstand handelt es sich um authentischen autonomen Komfort, den der arme B.B., da er nun einmal davon kosten durfte nicht mehr würde missen wollen. Heisst es denn nicht: Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm! Ja, Da preist man mir das Leben großer Geister, das lebt mit einem roten Buch und nichts im Magen, in einer Garage, daran Ratten nagen. Mir bleibe man vom Leib mit solchem Kleister! Das simple Leben lebe, wer da mag! Ich habe, unter uns gesagt, genug von alledem! Jawoll! Angesichts des kläglichen Lebens, welches das Zentralkomitee seinen zum Schutz Anvertrauten im Elend leben lässt – aber lässt sich das noch Leben nennen? – muss man wohl noch sagen dürfen: Piuttosto che vivere, che vivere così, meglio morire per la libertà!

Ich kann diesen Rapport nur mit der Hoffnung schliessen, dass das Zentralkomitee, wie es meinem bescheidenen Wunsch entsprechen würde, aktiv wird und konstruktiv handelt. Ich empfehle, auf die Lausanner_Innen einzugehen und ihnen entgegenzukommen. Ich glaube diesen Bericht im Sinne der Dilettantistischen Internationale verfasst zu haben, ist es doch, wie Rosa Luxemburg schrieb, immer noch das Revolutionärste, zu sagen, was ist.

Zuletzt bleibt mir nur noch anzufügen: Auf dem Heimweg, nachts in Lausanne, sah ich an einer Wand eine Schrift. Diese besagte: „Ein Känguru geht um in Europa! Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen das Känguru verbündet, der Papst und der Pinguin, Jörg und Jörn Dwix, die Ausländerbehörde, das Ministerium für Produktivität und deutsche Polizisten, wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als Asozialisten verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowie ihren Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Asozialismus nicht zurückgeschleudert hätte?

Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor: Das Känguru wird bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt. Es ist hohe Zeit, dass das Känguru seine Anschauungsweise, seine Zwecke, seine Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegt und dem Märchen vom Asozialismus ein Manifest des Kängurus entgegenstellt.“

Von Bern bis nach Lausanne und weit, weit darüber hinaus ist das Känguru bekannt. Das dezentral organisierte asoziale Netzwerk erstreckt sich über die ganze Welt. Es ist dringend geraten, auch in Zürich vom Känguru und dem asozialen Netzwerk Kenntnis zu nehmen. (Ernsthaft, alle kennen es nur Ihr nicht, alle finden es lustig, nur der Mösiö Vorsitzender nicht.)

Der arme B.B.

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Eine Antwort to “Berichterstattung an das Institut für Dilettantismus beim Zentralkomitee Zürich der Dilettantistischen Internationale”

  1. Reisebericht des Besuches des Zentralkomitees Zureich und der Sektion Bern der Dillettantistischen Internationale (DI) bei der Sektion Tourismus, ehemals Ost | Gruppe Konverter Says:

    […] des armen Barry Bernhards: Die Innsbruckreise fand statt vor Verfassers Exkursion nach Lausanne und wäre deshalb, die Chronologie respektierend, vor dem Bericht über Letztere zu lesen. […]

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