
Worum es bei der Minarett-Initiative wirklich geht.
(Abstimmung bis 29. November.)

Worum es bei der Minarett-Initiative wirklich geht.
(Abstimmung bis 29. November.)
er fegte die letzten
hausgeister und wetterhexen
mit einem alten besen
von der steinernen türschwelle
und murmelte dabei etwas von
„scheissplage“
und setzte sich danach
teewasser auf.
er nahm den
mokkabraunen citroen ami 8
mit viel krach aus der garage
und stotterte im nebeldunst
des flötendünnen auspuffs
lotternd blau davon.
er kämmte
das schütter gefärbte strähnenhaar
nach hinten
und den walrossschnurrbart
zum rahmen um den mund
verpackte den eiermannbauch
im beigen pullunder
und schüttelte im garten
irgendwelche bäume.
er schonte seine hüften
pantoffel schlurfend im pinguingang
und blitzte mit der hornbrille in die sonne
das letzte mal, das ich herr kühne sah
krächzte er mit einer fehlzündung knatternd
etwas von
„scheissplage“
und schloss dann die knarrende tür
zu seiner garage.
Garantiert frisches Gemüse. Sie werden es lieben. Wirst du mich lieben? Mit Garantie.
Er sass und fühlte die Sonne. Die Wärme ging durch die Kleidung und er schloss die Augen. In seinem Kopf sah er sich als ein Tier, das in der Sonne lag. Er vergass seinen Hunger: Sein Bauch war warm und lag nackt der Welt gegenüber. Ein Messerstreich eines zornigen Vorbeigehenden oder eines Jägers, der in ihm eine Trophäe erblicken mochte, wäre ausreichend gewesen, ihn glücklich alleine zu lassen. Mit geschlossenen Augen, einem warmen Gefühl und ausströmendem Blut wäre das alles ruhig zu Ende gegangen.
Das Tram hielt, er öffnete die Augen und einer der Sitze wurde frei. Er setzte sich. Geschundene Gesichter blickten an ihm vorbei, durch ihn hindurch. Er tat das selbe. In den Gesichtern meinte er die Zeichen der Fäuste zu sehen: Die Schläge von Ehrenmännern und freundlichen Nachbarn. Die eitlen Fäuste, so vermutete er, fürchteten wohl, auch ihn zu schlagen. Er trug eine Brille und die Fäuste fürchteten wohl das zersplitterte Glas, das sich dann in sie gebohrt hätte.
LUNAR PARK
Autor: Bret Easton Ellis
Übersetzung: Clara Drechsler, Harald Hellmann
Herausgegeben (im Original): 2005
Verlag: Heyne
Bret Easton Ellis dürfte den meisten dank „American Psycho“ ein Begriff sein, ein der Gewaltverherrlichung und Frauenfeindlichkeit angeklagter Skandalroman, der schon vor seinem Erscheinen einen gewaltigen Rummel auslöste, es in Deutschland zur (inzwischen auch schon länger wieder aufgehobenen) Indizierung brachte und 2000 mit einem gewissen Christian Bale in der Hauptrolle (*leicht* entschärft) verfilmt wurde. Vorher schon nicht ganz unbekannt und gefeiert als Mitglied des sogenannten literarischen Brat Pack, stieg Ellis durch den überragenden Erfolg des Buches (und die heftige Kontroverse um dasselbige) endgültig zum Kultautor auf.
Genau darum geht es dann unter anderem auch in „Lunar Park“, dem vierzehn Jahre später veröffentlichten, jüngsten Werk des Schriftstellers: Dieses handelt von einem Schreiberling namens Bret Easton Ellis, der durch den Roman „American Psycho“ zum literarischen Megastar aufsteigt. Aber schneller, als man „Autobiographie!“ schreien kann, relativiert sich das auch schon wieder: Zwar beginnt das Buch mit einem Karriereüberblick, der sich recht nahe an das Leben des echten Ellis hält, doch schleichen sich von Beginn weg Irritationen ein, wenn zum Beispiel der Ich-Erzähler behauptet, in Camden College studiert zu haben – diese fiktive Institution hat nie ausserhalb des Romans „Less Than Zero“ existiert. Vollends erfunden sind dann die berühmte Schauspielerin Jayne Dennis und die Beziehung des Autors zur selbigen; das Gleiche gilt für den gemeinsamen Sohn Robby. Die Vermischung von Biographie und Werk (immer schon ein Merkmal von Ellis’ Büchern) derart auf die Spitze getrieben, wird der allzu nahe liegende Drang, aus dem Buch Rückschlüsse auf den Autor zu ziehen (etwas, das Ellis mehrfach erlebte), lächerlich gemacht. Der Erzähler im Roman sagt dann auch beispielsweise zu „Less Than Zero“: „Das Buch wurde als Autobiografie missverstanden […], und die reisserischen Szenen darin […] basierten auf blutrünstigen Gerüchten […], nicht auf eigenen Erfahrungen“ (S. 15f.). Der Leser ist gewarnt, vorschnelle Schlüsse zu ziehen.
In Zeiten der Krise…
war alles schon mal da…
zieht eure Lehren…
verschont mich mit schwurbeligen Analysen.

Den Kritischen wird häufig empfohlen, das Land doch zu verlassen, „wenn es dir hier nicht gefällt.“ Als ob es so einfach wäre.
Hier mal wieder was von Ernest Riebe. In Zeiten der Krise heisst es: Bloss nicht hetzen lassen! Wer jetzt zu schnell arbeitet, kriegt von der IWW was auf die Mütze. Hehe.
Zersetzt, zerfetzt, für sich gelassen. Dunkelheit beisst in ihn von hinten rein.
Der Narr lacht darüber. „Keine Sorge, keine Sorge, Kinder. Diese Worte werden niemanden verletzen. Es schaden euch, diese Worte: Nicht. – Hört, hört zu, eurer Verwirrung werde ich mächtig und werde sie zu Brei verwandeln.“
Er spuckte aus und seine Spucke war grüner Eiter.
Allem was da kriecht erklingt nur eines: Mit den kriechenden Gliedern können die oben nicht zittern. Die wunden Kniescheiben reiben sich ab, doch die Macht wird grösser wo sie gross ist.
Allem was da rennt erklingt nur eines: Das Rennen ist sinnlos.
Tief verhangen ist der Nebel. Er frisst uns auf. Im Dunst. Unser eigener Atem atmet. Wir atmen uns aus. Wir atmen Seele, der Nebel holt sie heraus. Wir atmen den letzten Funken aus.
Es überstehen: Sich selbst verleugnen. Aber nicht glücklich dabei. Am Ende sein. Am Ende: Am Ende sein.
Gleichgültigkeit gilt nicht mehr, dann rettet auch Gemütlichkeit nicht mehr.
In der grünen Spucke nur eines: Eure Gefühle sind nicht mehr wichtig, denn ihr fühlt noch nach dem alten Muster. Retortenentstammte Liebe, eure Leidenschaft in Konserven.
Das Affengleichnis fande ich immer stark. Selbstverständlich existiert es bereits in verschiedentlicher Form und kursiert auch im Netz. Aber seine Stärke hat es noch nicht verloren.