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Badeferien-Leseliste 2011

20. Juli 2011

 
Die Mediokren:
 
 
John Griesemer: „Niemand denkt an Grönland“

1959: Rudy, zum Militärdienst verknackt, landet in einem streng geheimen Lazarett in Grönland, wo menschliche Wracks aus dem Koreakrieg (man denke an „Johnny Got His Gun“), offiziell als vermisst gemeldet, bis zu ihrem Tod gepflegt werden. Er freundet sich mit einem der Patienten an, verliebt sich in die Schnalle des (latent psychopathischen) Kommandanten, gibt auf Befehl des besagten Kommandanten eine Lagerzeitung heraus und erlebt mit, wie der Stützpunkt mit Ankunft der arktischen Nacht zunehmend im Chaos versinkt. Als er schliesslich erfährt, dass das Lazarett aufgelöst wird, wird’s *richtig* kitzlig …

Militärsatire, die Propaganda, Geheimniskrämerei und bürokratischen Irrwitz auf die Schippe nimmt. Zwar nicht ganz so lustig oder schockierend, wie Griesemer sich das gedacht haben mag, aber doch recht unterhaltsam (jedenfalls musste ich zwei- oder dreimal laut auflachen). Die fortgeschrittene Idiotie der Hauptfigur (Rudy unternimmt wirklich alles Menschenmögliche, um sich so tief in die Scheisse zu reiten, wie’s nur geht) nervt mit der Zeit ein wenig.

Fun Fact 1: Der Klappentext versucht verzweifelt, aus der tragikomischen Satire einen reisserischen Thriller zu machen.
Fun Fact 2: John Griesemer ist auch als Schauspieler unterwegs; den meisten dürfte er als imaginärer Vater des herumbrüllenden Psychos in „Langoliers“ bekannt sein.
 
 
Robert Lamont: „Professor Zamorra Bd. 83: Als die Knochenreiter kamen…” & „Professor Zamorra Bd. 85: Der Feuergötze“

Im ersten Band wird Dschingis Khan zu einem Dämon verteufelt (die Mongolen bedanken sich) und sucht die Erde heim; im anderen lässt ein reicher Tunesier Zamorra sein magisches Amulett klauen, um damit einen Baal-Tempel wiederzuerwecken.

Falls diese gerade mal zwei Hefte repräsentativ sind, so war PZ im Jahre 1977 nur halb so infantil wie heute (sowohl was den Schreibstil als auch Story und Charaktere betrifft). Es macht zudem einen ganz anderen Eindruck, wenn Zamorra und Co. nicht dreissig Jahre an Hintergrundgeschichte mit sich herumschleppen, die immer wieder rekapituliert werden muss, und es hilft, dass das Konzept noch relativ frisch ist (man sich also nicht irgendwelchen wirren Strunz aus den Fingern saugen musste, um noch Seiten füllen zu können). Und: Damals hatte man noch richtige Titelbilder, keine talentlos hingeschissene Digitalkacke.
Nicht, dass das alte Zeug grosse Kunst wäre; „Der Feuergötze“ leidet zum Beispiel darunter, dass die Hälfte der „Laufzeit“ mit zwei Nebenfiguren vertrödelt wird, die für die Handlung keinerlei Bedeutung haben. Aber als hirnlose Unterhaltung funktionieren die „Klassiker“ weitaus besser als das aktuelle Gerumpel, scheint mir.

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