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Gegen das Nicht-Leben

30. November 2017

Die Zeitschrift „Anarquía y Comunismo“, erscheint seit dem Jahr 2014 in Chile und ist Online unter https://anarquiaycomunismo.noblogs.org/ als Pdf erhältlich. Die folgende Übersetzung stammt aus der Herbstausgabe dieses Jahres.

Der Wunsch unser aktuelles Leben zu verwerfen, um es gegen ein anderes umzutauschen ist heutzutage Teil unseres Alltagsverstandes. Egal ob wir uns dabei das Leben anderer Menschen wünschen oder eine vollkommen neue Lebensform anstreben, die passive Akzeptanz des Bestehenden prallt meistens gegen die verallgemeinerte Unzufriedenheit die die durch-kommerzialisierte Menschheit bedrückt. Der tägliche Verkehr innerhalb dessen unser Leben stattfindet, kann als ein Kommen und Gehen zwischen unserem Zuhause und den Zentren der Produktion und des Konsums zusammengefasst werden. Diese verschiedenen Orte innerhalb derer sich der proletarisierte Mensch bewegt, verkörpern die Zerteilung seines Lebens: Die Haushalte wurden für immer mehr Schichten innerhalb der Bevölkerung zu Nischen der Ruhe und der Gefangenschaft… wahre Haftanstalten für die Erholung des Menschen. Wenn der Mensch arbeitet, tut er dies nicht im Einklang mit seinen Bedürfnissen, sondern im Einklang mit den Bedürfnissen der Warenproduktion. Die Arbeit ist nur ein Mittel, um einen Teil der menschlichen Bedürfnisse zu decken. Letztere gehören ebenfalls zu den Sphären des Marktes. Die Zeit zur Erholung und Entspannung, in denen der Mensch endlich Zeit für sich und andere hat (von denen er aufgrund der bestehenden Verpflichtungen und Entbehrungen getrennt wird) verbringt er meist vor dem Bildschirm oder mit dem sonstigen Konsum von anderen Waren. Somit bewegt sich auch die Gestaltung der Freizeit innerhalb derselben Mechanismen wie der Rest der sozialen Verpflichtungen des Menschen: Auf die Pflicht zur Unterhaltung folgt, anhand der Pflicht zur Produktion, die Beschränkung der eigenen Zeit und Energie.

Die Zeit zwischen diesen verschiedenen Orte, sprich neben den Orte der Produktion und denen der Freizeit, verbringt der Mensch innerhalb von Transportmitteln, also innerhalb von Maschinen die der Zirkulation von Arbeitskräfte und Ware dienen. Diese Strecken der Zirkulation werden vom Kapital selbst zur Verfügung gestellt. Die physische Nähe der zusammengepferchten Menschen, steht im Gegensatz zu ihrer tatsächlichen Isolation. Die Menschen sind dazu gezwungen sich zu begegnen, aber dennoch meiden sie sich gegenseitig, was die gemeinsame Isolation nur noch augenfälliger macht. Die Bedingungen die sie zu dieser Zusammenpferchung zwingen, sind dieselben die sie isoliert halten. All dies ist das Ergebnis einer einzigen Tatsache: Der Mensch wird auf die Rolle des Trägers von Arbeitskraft reduziert. Die fehlende Selbstbestimmung im Leben zeigt sich auch auf emotionaler Ebene in zwischenmenschlichen Beziehungen z. B. in der Apathie und der fehlenden Kommunikation mit denjenigen Menschen mit denen wir einen Wohnraum teilen; in der Konkurrenz und dem Streit auf der Arbeit, wo jede/r Mitarbeiter*in als potentielle Denunziant*in im Dienste der Bosse gilt; in der Neurose und der Abhängigkeit die unsere romantischen Beziehungen durchziehen und in den endlosen und gescheiterten Versuche unsere Isolation zu durchbrechen. Versuche denen es nicht gelingt echte kameradschaftliche (im Spanischen wird das Wort „Kameradschaft“ oft von Linken und Anarchst*innen verwendet, Anm. d. Ü.) Beziehungen aufzubauen. Was die modernen Sklaven eint, ist die Trennung und diese widerspiegelt sich auch auf emotionaler Ebene, in dem anhand der Reproduktion der Trennung, die zwischenmenschlichen Beziehungen verkümmern. In unserer Epoche schmücken die Apathie, die Langeweile und die Frustration die Gefühle all derer, die in befriedeten Komfortzonen leben. Der Rest der Welt lebt im Elend, lebt unter den schlimmsten Bedingungen wo Ausbeutung, Hunger und Krieg den Alltag bestimmten.

Trotz der verallgemeinerten Sinnlosigkeit die unsere Epoche kennzeichnet, gibt es im Alltagsverstand der Menschen ein Gespür für diese allgemeine Unzufriedenheit: jedes Mal wenn sich Menschen über die Stumpfsinnigkeit des Arbeitsalltags beschweren, jedes Mal wenn mensch sich fragt wie schnell eine weitere Woche oder sogar die gesamte Jugend vorbeizieht, die so schnell vorbeigeht, dass lediglich ein Paar wenige wirklich gelebte Momente in Erinnerung bleiben. Das Problem liegt darin, dass die Menschen ihr Elend und dass all der anderen, auf das persönliche Versagen reduzieren, oder auf eine ungerechte und zufällige Chancenverteilung. So verharrt mensch in der Logik des Erfolgs und des Komforts und interpretiert das Bestehende als unausweichliche Konstante der menschlichen Existenz.

Wir denken jedoch, dass das bestehende Elend nichts ewiges ist und dass das was uns diese Gesellschaft als „das Beste“ verkaufen will (Erfolg, Glück, „Liebe“ usw.), das existenzielle Elend lediglich zementiert. Mehr noch: Wir verstehen die Lohnarbeit, das Geld, die Polizei, die Waren, die Klassen, der Statt usw. als zentrale Ursachen des ganzen Elends. Wir denken, dass die inhaltliche Armut unseres Lebens das direkte Ergebnis der aktuellen Existenzbedingungen ist, die die Selbstbestimmung des Lebens verunmöglichen. Wenn wir folglich unser Leben zurückfordern wollen, um das Elend zu überwinden, müssen wir die materiellen Wurzeln des Bestehenden zerstören, sprich die Totalität der bestehenden Ordnung.

An diesem Punkt ist die Erwägung unseres Verständnisses über das Gegebene und über die Art und Weise wie die Revolution mit ebendiesem brechen kann essenziell. Die nicht Beachtung dieser Reflexion führte die letzte Generation der Kämpfe dazu, den zentralen Kern des Kapitals nicht zu kritisieren. Vielmehr tendierten die Kämpfe dazu, lediglich die Verwaltung der Gesellschaft verändern zu wollen. Solch eine Perspektive beherrscht bis heute die Ambitionen vieler Leute die sich für die soziale Revolution aussprechen. Wir möchten den guten Willen solch einer Perspektive nicht bestreiten, doch wir denken, dass das Verständnis des Kapitals und dessen Überwindung in vielen Kreisen beschränkt und oberflächlich ist, denn die revolutionären Ansprüche dieser Perspektiven berühren kaum die fundamentalen Säulen der kapitalistischen Zivilisation.

Innerhalb dieses Panoramas das von Passivität und Verwirrung beherrscht wird, bestehen wir darauf, dass die Reflexion über dass was den Kapitalismus ausmacht und die Art und Weise wie eine Revolution diesen beenden kann, kein Spezialgebiet einer Gruppe Theoretiker*innen ist. Wer dies nicht so sieht, legt lediglich seine eigene Demagogie offen zu Tage und versteht die Praxis und das Denken als getrennte Momente. Wir wollen die Ausbeutung beenden die unser Leben durchdringt und denken dass zu diesem Zwecke unsere Kritiken und unsere Praxen verschärft werden müssen. Wenn wir in diesem Sinne Fensterscheiben zerstören in denen die Waren zur Schau gestellt werden und wir zugleich versuchen den Ursprung derselben zu verstehen, dann tun wir dies aus derselben Notwendigkeit heraus: Die Notwendigkeit die Diktatur der Waren und des Staates zu negieren, um die Dringlichkeit einer menschlichen Gemeinschaft zu bestärken, d. h. um einen Anfang einer echten und bewussten Geschichte der Menschheit zu bestärken.

Wenn wir uns organisieren suchen wir keine Nischen, um vor dem täglichen Elend zu flüchten. Wenn wir handeln dann, weil wir zwei Optionen sehen: entweder wir organisieren uns, um das bestehende Elend der Menschheit zu überwinden oder wir fügen uns demselben mitsamt der ganzen Misere und der Resignation die damit einhergehen.

Wird denken, dass der Kapitalismus das Reich der Trennungen ist das uns vom Leben spaltet. Der Kommunismus und die Anarchie hingegen, müssen die Überwindung dieser Trennungen sein, sie müssen die Übernahme des eigenen Lebens sein, sie müssen die kollektive Verwirklichung der Individuen sein. Wir sehen keine andere Möglichkeiten:

Kommunisierung oder Misere!

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29. Juli 2017

‚Mundus vult decipi‘! WORTHÜLSEN GEGEN DAS LEBEN IM FALSCHEN. Zürich 2017.

15. Juli 2017

jesuisauto

Pierre Clastres, anarchistischer Ethnologe.

18. Juni 2017

Pierre Clastres (1934-1977) war ein anarchistischer Ethnologe aus Frankreich. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit indigenen Völker aus Südamerika wie z.B den Guayaki aus Paraguay, den Chulupi aus dem Gran Chaco (eine Region die Gebiete aus Argentinien,Bolivien,Paraguay und Brasilien umfasst), den Yanomami (eine Region innerhalb Venezuela und Brasilien) und den Guarani aus Brasilien. Clastres betreibt politische Anthropologie und ist leider in vielen Kreisen (selbst viele Ethnologie Studenten haben sich kaum mit ihm befasst) relativ unbekannt. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören „Die Gesellschaft gegen den Staat“, „Archäologie der Gewalt“ und „Über französische Marxisten und ihre Anthropologie“. Letzterer Text zeigt Clastres kritische Einstellung gegenüber dem wissenschaftlichen Opportunismus vieler Marxisten (nicht gegen die Marxsche Kritik per se), er versucht aufzuzeigen wieso Begriffe wie Produktion oder Produktionsverhältnisse nicht auf primitive, indigene, nicht-gespaltene Völker anwendbar sind. Mit viel Humor und einer sehr direkten Art greift er die zentralen Thesen von marxistischen, als auch von strukturalistischen Anthropologen an. Dieser Text konnte Clastres jedoch nie überarbeiten und er ist einer seiner letzten Schriften.

Der hier aufgeführte Text „Über was lachen Indianer?“, ist ein Auszug aus seinem Hauptwerk „Die Gesellschaft gegen den Staat“. In diesem Werk kritisiert er die zentrale Stellung vom Staat innerhalb der politischen Anthropologie seiner Zeit, er versucht aufzuzeigen, dass der Staat nicht eine allgegenwärtige natürliche Entwicklung innerhalb von menschlichen Gesellschaften ist, sondern dass die Geschichte vieler indigener Völker aus dem Amazonas Gebiet, die Geschichte von Völkern ist, die mit ihren Strukturen und Normen versuchten den Staat zu verhindern. „Über was lachen Indianer?“, sind Mythen der Chulupi Indianer die Clastres während seiner Feldforschungen aufgenommen hat. Wie er selbst sagt: „Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.“

Kapitel 6 Worüber lachen die Indianer?

Die strukturale Analyse, die die Erzählungen der »Wilden« endlich ernst nimmt, lehrt uns seit einigen Jahren, dass derlei Erzählungen tatsächlich äusserst ernst sind und dass sich in ihnen ein System von Fragen artikuliert, die das mythische Denken auf die Ebene des Denkens schlechthin erheben. Da wir dank den Mythologica von Claude Lévi-Strauss nunmehr wissen, dass die Mythen nicht reden, um nichts zu sagen, erwerben sie in unseren Augen ein neues Prestige: und man erweist ihnen gewiss nicht zuviel Ehre, wenn man ihnen Gewicht beimisst. Vielleicht aber birgt das jüngst erwachte Interesse an den Mythen auch die Gefahr, dass wir sie diesmal allzu »ernst« nehmen, wenn man so sagen darf, und ihre gedankliche Dimension nicht richtig beurteilen. Kurz, wenn man ihre weniger gespannten Aspekte im Dunkel liesse, würde sich eine Art Mythomanie breit machen, die einen Zug vergässe, der vielen Mythen gemeinsam ist und ihren Ernst nicht ausschliesst: nämlich ihren Humor. Nicht weniger ernst für die, die sie erzählen (die Indianer z. B.), als für die, die sie sammeln oder lesen, können die Mythen dennoch eine ausgeprägte Vorliebe für das Komische entwickeln und zuweilen die ausdrückliche Funktion erfüllen, die Zuhörer zu vergnügen, ihr Gelächter auszulösen. Wenn man bemüht ist, die Wahrheit der Mythen vollständig zu bewahren, darf man die reale Bedeutung des Lachens, das sie verursachen, nicht unterschätzen und muss berücksichtigen, dass ein Mythos von ernsten Dingen reden und gleichzeitig diejenigen zum Lachen bringen kann, die ihm lauschen. Der Alltag der »Primitiven« steht trotz seiner Härte nicht immer im Zeichen der Mühsal und Sorge; auch sie verstehen es, sich Augenblicke der Entspannung zu verschaffen, und ihr ausgeprägter Sinn für das Lächerliche bringt sie häufig dazu, sich über ihre eigenen Ängste lustig zu machen. Und nicht selten betrauen diese Kulturen ihre Mythen mit der Aufgabe, die Menschen zu zerstreuen, indem sie ihr Dasein gewissermassen entdramatisieren. Die beiden Mythen, die wir vorstellen wollen, gehören zu dieser Kategorie. Sie wurden im letzten Jahr bei den Chulupi-Indianern gesammelt, die im Süden des paraguayschen Chaco leben. Diese teils burlesken, teils unzüchtigen Geschichten, denen es trotzdem nicht an einer gewissen Poesie mangelt, sind allen Mitgliedern des Stammes, ob jung oder alt, wohlbekannt: doch wenn sie wirklich Lust zum Lachen haben, bitten sie einen im traditionellen Wissen bewanderten Greis, sie ihnen ein weiteres Mal zu erzählen. Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.

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Auszüge aus: Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft. Theodore Kaczynski.

12. Juni 2017

Über die „Linken“

..Ein Linker ist normalerweise nicht die Art von Person, deren Unterlegenheitsgefühle sie zu einem Angeber, einem Egoisten, einem Schläger, einem Streber oder einem rücksichtslosen Ellenbogenmenschen machen. Derartige Personen haben noch nicht ganz den Glauben an sich verloren. Sie spüren ein Defizit an ihrer persönlichen Macht und an ihrem Selbstwert, doch sie können sich noch als mit der Fähigkeit ausgestattet wahrnehmen, stark zu sein, und ihre Anstrengungen, sich stark zu machen, erzeugen ihr unerfreuliches Verhalten. Doch ein Linker ist über diesen Punkt schon weit hinaus. Seine Unterlegenheitsgefühle sind so sehr Teil seiner Persönlichkeit, dass er sich selbst nicht als individuell stark und wertvoll begreifen kann. Daher der Kollektivismus der Linken. Er kann sich nur als Mitglied einer großen Organisation oder Massenbewegung, mit der er sich identifiziert, stark fühlen.

..Der Linke des übersozialisierten Typus versucht von seiner psychologischen Leine loszukommen, indem er rebelliert. Doch für gewöhnlich ist er nicht stark genug, um gegen die wirklich grundlegenden Werte der Gesellschaft zu rebellieren. Allgemein gesprochen stehen die Ziele der heutigen Linken nicht in Konflikt mit der geltenden Moral. Im Gegenteil: Der Linke nimmt ein geltendes moralisches Prinzip, nimmt es als eigenes an, und klagt dann den Rest der Gesellschaft an, dass sie dieses Prinzip verletzt. Beispiele wären die Gleichberechtigung der Rassen und Geschlechter, Hilfe für Arme, Friede statt Krieg, Gewaltlosigkeit allgemein, Meinungsfreiheit, freundlicher Umgang mit Tieren. Auf einer grundlegenderen Ebene die Pflicht des Individuums, der Gesellschaft zu dienen und die Pflicht der Gesellschaft, für das Individuum zu sorgen. Alles dies sind seit langem tief verwurzelte Werte unserer Gesellschaft (oder zumindest ihrer mittleren und oberen Schichten gewesen.)

…Ein Linker ist auf einen weit gehenden Kollektivismus hin orientiert. Er betont die Pflicht des Individuums, der Gesellschaft zu dienen, und die Pflicht der Gesellschaft, für das Individuum zu sorgen. Er hat eine negative Einstellung zum Individualismus. Er schlägt häufig einen moralistischen Ton an. Er ist oft für die Beschränkung des Waffenbesitzes, für Sexualerziehung und andere psychologisch „aufklärerische“ Erziehungsmethoden, für Planung, für Quotenregelungen, für Multikultur. Er neigt dazu, sich mit Opfern zu identifizieren. Er tendiert dazu, gegen Wettbewerb und gegen Gewalt zu sein, aber er findet oft Entschuldigungen für diejenigen Linken, die Gewaltakte verüben. Er benutzt gern die bekannten Schlagwörter der Linken wie „Rassismus“, „Sexismus“, „Homophobie“, „Kapitalismus“, „Imperialismus“, „Neokolonialismus“, „Völkermord“, „gesellschaftlicher Wandel“, „soziale Gerechtigkeit“, „soziale Verantwortung“. Vielleicht das beste diagnostische Merkmal eines Linken ist seine Neigung, mit den folgenden Bewegungen zu sympathisieren: Feminismus, Schwulenbewegung, Minderheitenbewegungen, Behindertenbewegungen, Tierrechtsbewegungen, „political correctness“. Jemand, der starke Sympathien für alle diese Bewegungen empfindet, ist beinahe sicher ein Linker.

 

Fick dich und deine Fahne.

12. Juni 2017

Mit gesunkenem Kopf und gelähmten Geist marschieren die, die nur im Aufgehen in einer anonymen Masse ihre eigene Stärke erkennen. Was für ein Theater, was für ein Karneval, für jeden Geschmack ist ein Diskurs dabei, für jeden gibt es einen Platz im Schatten der Fahnen. Denn genau dort wo gesellschaftliche Probleme auf Parolen reduziert werden, werden Mitläufer geboren und dressiert. Die so ersehnte Revolution braucht anscheinend neue disziplinierte Anhänger, die den vorgeschriebenen Kampf konsumieren. Der Widerstand sucht Bestätigung und keinen Widerspruch, der Widerstand ist gefangen in seinen eigenen Strukturen und ist seit langem zu einer Ware mutiert. Genau wie sonst im grauen Alltag, gilt es sich für einen Weg, für einen Handelsgut zu entscheiden. Solange wir uns mit diesen passiven Rollen begnügen, werden wir ununterbrochen die gleichen Fehler begehen und somit bleibt jegliche politische Aktivität nichts weiter als ein Propagandaritual. Je moderner die Welt wird, desto mehr wird das soziale Leben der Städte ausradiert und desto mehr suchen die Menschen diese Wiederholungsstrukturen, vielleicht um wenigstens einen kleinen Moment aus der Isolation auszubrechen? Ich weiß es nicht, doch umso beängstigender ist es, wenn überall neue professionelle Gutmenschen und Aktivisten die Straßen und besetzten Häuser belagern. Alle übernehmen die Rolle die von ihnen als Dissidenten erwartet wird. Im Schauspiel der Gesellschaft, führt die Selbstdarstellung Regie.

Heute ist freier Eintritt, viel Spaß!

Ein Pamphlet für den Beton

22. Mai 2017

Wir leben in einer Stadt namens Zürich. Diese Stadt galoppiert einer goldenen Zukunft entgegen. Als Zugpferd Europas glänzt Sie am Fusse des Albis. Aber die wirtschaftlichen Entwicklungen in nahezu allen Bereichen stellt die Stadtplaner vor grosse Fragen. Wie viele Menschen können in dieser Stadt leben und arbeiten? Wie leben sie und in welcher Umgebung? Man ist sich eigentlich einig, dass eine Umwelt geschaffen werden muss in der die Produktivität steigt. Kurze Wege zur Arbeitsstelle, gute Einkaufsmöglichkeiten, eine Kneipe an der Ecke.

Wir versuchen in diesem Pamphlet eine Neue Stadt zu zeichnen, weil wir mit der Politik, die im Zusammenhang mit der Aufwertung praktiziert wird, nicht einverstanden sind. Wir denken, dass die Stadt in ihrer Gentrifizierungspolitik eher einen beschönigenden als einen praktischen Weg eingeschlagen hat.

Die Stadt ist der stärkste Knotenpunkt eines Landes und wer in ihr, heute, etwas anderes als eine pragmatische, funktionale, wirtschaftsorientierte Wohn- und Arbeitsstätte sieht, der verleugnet alle Zeichen unserer Zeit. Flächen werden begrünt, Spielplätze und Tummelstätten für Freizeitaktivitäten gebaut, schönes, luxuriöses Wohnen propagiert. Es wird versucht die Illusion einer Gemeinschaft zu kreieren, die sich selbst verwirklicht und sich den Pflichten einer Stadtbevölkerung zu entziehen versucht. Mitten in der stetig steigenden Produktivität versucht die Stadt diese Illusion greifbar zu machen. Sehr schön ist diese Problematik in verschiedensten Projekten, die die Stadt jüngst verwirklicht hat zu beobachten. So wurden z.B. in der neuen Kunstfabrik Toni-Areal mehrheitlich luxuriöse Lofts gebaut anstelle von praktischen Arbeiterwohnungen. Der Strassenstrich, ein Mikrokosmos zwischen Illegalität und Tradition wurde zum sterilen Drive-In Kontroll-Strich mit städtischem Gütesiegel. Da wurde ein florierender Zeig der hiesigen Wirtschaft, aus kosmetischen Gründen, verschmälert und an den vermeintlichen Rand der Stadt verlegt. Die Sexboxen sind farbig und hip und durch den neuen Anstrich erscheinen sie human und nett. Dieser Ansatz wirkt, der realen Situation, in der sich die arbeitende Masse befindet und bereit sein muss Opfer zu bringen, entgegen Es braucht keine vermeintlich soziale Projekte in denen man einigen wenigen ihre Selbstverwirklichung ermöglicht und andere nicht ihre volle Arbeitskraft ausschöpfen lässt. Die Stadt muss dichter werden, enger bebaut, kein Platz für D.I.Y Shops mit veganen Sandwiches à la Berlin oder sonst wo, den diese Trends sind höchst vergänglich und haben keine Substanz. Diese Praxis zerstört die wirtschaftliche Moral und begünstigt das Faulenzerleben und die Arbeitsscheu. Auch ein gutes Beispiel für dieses Handeln, ist der Umgang mit den diversen Hausbesetzungen die es immer wieder in der Stadt Zürich zu beobachten gibt. Da gibt es diese undefinierte Masse sogenannter Autonomer, Hippies, alt 68er und jungen Utopisten, die immer wieder versuchen sich „Freiräume“ in der Stadt anzueignen. Diese Menschen scheinen sich der Zeit in der sie Leben, nicht bewusst zu sein, denn ein solches Verhalten duldet null Toleranz. Freiräume sollen heute und auch in Zukunft in einer kleinen Stadt wie Zürich, die auf ihr ökonomisches Wachstum achten muss, keinen Platz mehr finden. Wieso nicht an all diesen Orten einfache Betonunterkünfte bauen in denen Menschen, deren tägliche Arbeit dringend gebraucht wird untergebracht werden können.

So stellen wir uns gegen die heuchlerische Gentrifizierungspraxis mit ihren Ideen von Gemeinschaft, Kreativität und urbanem Wohnen. Wir positionieren uns auf der Seite der Realität. Die Realität, das heisst sich mit den komplexen Mechanismen des Kapitals und seiner Akkumulation zu identifizieren und in Ihnen zu Leben. Wenn man die Zeit in der wir leben begreift, ist völlig offensichtlich, dass wir die Stadtplanung neu denken müssen.

Wir leben in einem System das den Menschen braucht wie das Feuer Holz. Wenn wir eine Stadt wollen die auch in Zukunft dem wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, muss eine Situation geschaffen werden in der die Stadt ihre Ressourcen (den Menschen) optimal ausnutzt. In dieser Ausnützungsziffer sehen wir Heute grosse Defizite. Es muss radikal umgesattelt werden. Wer sich in dieser Situation erkennt braucht nicht viel Intellekt zu besitzen um zu sehen, dass es wenig Sinn macht, wen man den Menschen möglichst frei und platzverschwendend zu lagern versucht. Wir wollen einen klaren Sachverhalt schaffen. Das ganze Gefasel von Ästhetik und Wohnkonzepten ist doch nur ein Versuch die starre Logik des Marktes zu verschleiern. Was eignet sich denn besser als Beton? Die Stadt so zu bauen, dass die Menschen auf kleinstem Raum in hoher Dichte angesiedelt werden. Grosse Einkaufszentren könnten anstelle der tausend kleinen Spezialisten entstehen. Mehr Sicherheit dank einer klaren überschaubaren Architektur, kurze Bauzeiten, weniger lange Planungsphasen, der Unterhaltungsapparat würde drastisch verschmälert werden. Auch das Konzept der Altstadt muss neu gedacht werden. Macht es wirklich Sinn diese verwinkelten Mittelalterlichen Strukturen weiter zu pflegen. Ist es doch einem älteren, noch arbeitsfähigen Menschen viel schwerer über steiles Kopfsteinpflaster zu gehen als über eine neue Teerstrasse. Lasst uns die Grünflächen überbauen. Tausende Wohnungen, Parkplätze, etc. könnten entstehen, wo jetzt potentielle Produktionskräfte auf Wiesen liegen, spielen und dem Leben frönen.

Wir wollen aber auf keinen Fall vergessen das wir auch auf den Besitzenden Teil der Gesellschaft angewiesen sind, welcher Arbeitsplätze schafft und das dieser Teil lieber etwas luxuriös und ruhig wohnt, ist natürlich verständlich. Diese Tatsache wollen auch wir auf keinen Fall untergraben eher gilt es klarere Trennlinien zu ziehen.Die Arbeitenden müssen nicht wissen wie die reicheren wohnen auch ein sozialer Austausch zwischen diesen Gruppen ist nicht nötig und führt nur zu gegenseitiger Kränkung und Verelendung. Wir sind bestrebt und voller Enthusiasmus für dieses neue Zürich, das Zürich der Zukunft zu kämpfen. Der Finanzplatz Zürich muss erhalten werden und dies soll im Interesse aller seiner Bewohner sein. Dieses Pamphlet für den Beton, dieser Entwurf soll als Modell für viele andere Städte gelten, die den Weg in die wirtschaftliche Zukunft genauso konsequent beschreiten wollen, wie wir.

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Der Dilettantismus des Geistes

9. Mai 2017

Die dilettantische Praxis und die Gewissheit ihrer selbst

In den bisherigen Weisen der Kreativität ist dem Bewußtsein der Dilettantismus etwas anderes als es selbst. Die Auffassung dieses Dilettantismus verschwindet aber in der Erfahrung von ihm; wie das Bier unmittelbar verschwand, der Lohn zwei Wochen nach Zahltag, der Inhalt aus anarchistischen Zeitungen, die Revolution aus dem Verstand, so erweist er sich vielmehr, nicht in Wahrheit eine Rolle zu sein, sondern akzentuiert sich als Negation dessen was er für ein Anderes ist; der Begriff von ihm hebt sich an dem wirklichen Leben auf: Das unmittelbare Festhalten an der Spezialisierung, und dass was sie hervorbringt, geht in der Praxis des Dilettantismus verloren. Nunmehr aber ist etwas entstanden, was in diesen früheren Verhältnissen nicht zustande kam, nämlich eine Kreativität, welche dem Dilettantismus gleich ist; denn die Kreativität ist sich selbst ihr Gegenstand, und die Praxis ist selbst dilettantisch. Es ist darin zwar auch ein Anderssein; der Dilettantismus unterscheidet nämlich, aber ein solches, das für es zugleich ein nicht Unterschiedenes ist. Nennen wir Kunst die sich selbst erhaltende zirkuläre Bewegung der kreativen Entfremdung, den Dilettantismus aber die Praxis als ruhige Einheit oder als kollektive Negation, so sehen wir, daß nicht nur für uns, sondern für die Kreativität selbst der Gegenstand der Praxis entspricht. – Oder auf die andere Weise, die Praxis das genannt, was der Dilettantismus an sich ist, die Kunst aber das, was er als Identität oder Gegenstand für ein Anderes ist, so erhellt, daß das Ansichsein und das Für-ein-Anderes-Sein nicht dasselbe ist; denn das Ansich ist der Dilletantismus; es ist nicht dasjenige, was für ein Anderes ist. Dilettantismus ist die Form der Beziehung zur Kreativität und es ist selbst die Praxis; es ist es selbst gegen ein Anderes, und greift zugleich über dies Andere über, das für es selbst nicht sich ist.

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Nihilistisches Tagebuch

3. Mai 2017

Kurzer Monolog gehalten von einem Unbekannten an einem Wochenende, 6 Uhr Morgens, nach einem Hardcore Konzert in einem besetzten Haus.

„Ich hett derä wo mich agfeindet hät sölle säge ich ha nüt gäge Frauerächt, sondern gäg Feminismus, gäg Feminazis, will ich hasse Nazis, ich hasse Hitler, ich hasse Goebbels und… ich hasse Hitler. Weisch Feminismus, Mänscheracht und Frauerächt sind komplett anderi Sache, aber das checked vill nöd, drum bruuchts Bildig. Ohni scheiss, was de Mänschheit fehlt isch Bildig, und drum scheissi uf Feminismus, drum hass ich dä Feminismus (schreit):

Scheiss Nekane, scheiss free Willy, scheiss free Aleppo!“