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Mai 68: La chinoise, Barbarella, Erotissimo

21. Mai 2018

Zum dritten Mal hat die Gruppe Konverter dieses Jahr Thementage zu Ostern veranstaltet — nach dem Irischen Osteraufstand 1916 und der Russischen Revolution 1917 ging es diesmal um den französischen Mai 1968. Dafür habe ich einen Kinoabend organisiert, mit drei Filmen, die das politische und gesellschaftliche Klima von damals ausschnittsweise wiedergeben sollen.

 
La chinoise
Von Jean-Luc Godard, Frankreich 1967, 96 min.

Fünf Studierende verbringen den Sommer gemeinsam in einer Wohnung und diskutieren. Sie begeistern sich für den Maoismus oder streiten darum, ob man zum Ziel der Revolution auch Gewalt einsetzen soll.
Godard war 1966 bereits ein Star-Regisseur (seit À bout de souffle 1960 und dem internationalen Durchbruch der Nouvelle Vague) sowie ein Endedreissiger (= alter Sack), als er die Studentin Anne Wiazemsky (damals 19) kennenlernte (Wiazemsky und Godard waren verheiratet von 1967 bis 1979). Über sie fand er Zugang zu den Studentenkreisen in Nanterre, wo im Frühling 1968 jene Unruhen ihren Anfang nehmen sollten (Bewegungen 22. März), die ganz Frankreich und schliesslich Europa packten. Godard begeisterte sich für die Studentenkreise und radikalisierte sich sowohl politisch als auch filmisch. La chinoise ist ein Ergebnis davon.
(Über diese Hintergründe gehts übrigens auch in Michel Hazanavicius‘ Biopic Le redoutable, das auf einem Buch Wiazemskys über ihre Beziehung mit Godard basiert. Ganz lustig und lehrreich, der Film, wenn auch ein bisschen flach — und natürlich vollständig unpolitisch.)
Die Ausgangslage mit den fünf Studierenden ist inspiriert von Dostojewskis Die Dämonen von 1873 (in anderen Übersetzungen Die Besessenen, Böse Geister oder Die Teufel), der von fünf revolutionären Verschwörern im zaristischen Russland handelte. Im Buch wie im Film verkörpern die fünf Hauptfiguren verschiedene Fraktionen, die sich ihre verschiedenen Positionen um die Ohren hauen. So besteht La chinoise denn auch zu 90% aus ausführlichen Dialogszenen, was die Geduld mitunter arg strapaziert. (Die Leute in der Konverter-Garage waren kurz davor, gegen meine Filmauswahl zu rebellieren.)
Aber der Film hat auch seine spielerischen Seiten. Da wird zum Beispiel das Elend der vietnamesischen Bevölkerung dargestellt, indem eine der Studentinnen, auf dem Kopf ein chinesischer Strohhut, von Modell-Flugzeugen angegriffen wird. Oder da wird ein Spielzeugpanzer mit Mao-Bibeln beworfen: Der Kampf kommunistischer Gruppen gegen die reaktionären.
Aus heutiger Sicht läuft es einem bei der allgemeinen Beigeisterung für Mao und dessen Kulturrevolution (die ja 1966 angefangen hatte) mitunter kalt über den Rücken. Wenn eine der Studentinnen (gespielt von Wiazemsky) sagt, wenn sie im Sommer Pfirsiche pflücken gehe, so sei das so, wie wenn in China ein Professor aufs Feld geschickt werde, so würde man ihr am liebsten eine runterhauen.
Aber bei aller Begeisterung Godards für die politische Jugendbewegung scheint auch eine kritische Distanz durch. Der Pfirsich-Spruch kommt, als die Studentin von ihrem Professor (Francis Jeanson, im echten Leben tatsächlich auch ein Professor von Wiazemsky) argumentativ auseinandergenommen wird und sie ihm nur hohle Phrasen entgegenhalten kann. (Freilich hat die Szene auch ein bisschen was von mansplaining. Überhaupt scheint im Film eine gewisse Altväterlichkeit Godards durch.) Überhaupt sind die fünf Studierenden bald völlig untereinander zerstritten. Es kommt zwar zu einem Anschlagversuch, der geht aber komplett in die Binsen. Am Ende räumen die Studenten die Wohnung (die sie von den Eltern einer Freundin für die Sommerferien bekommen haben) und kehren zurück in ihre gutbürgerliche Existenz. Die Revolution zerfällt an inneren Streitereien, an der Realität und an der Bequemlichkeit der Studierenden. Also hat La chinoise vieles an der 68er-Bewegung (und ihrem Scheitern) vorweggenommen.
(Ob es wohl daran liegt, dass Godards Filme in den Studentenkreisen nicht nur begeistert aufgenommen wurden?)
(more…)

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Mai 68: Packpapier

7. April 2018

Da klebte also Kamerad A. L. eine Rolle Packpapier an die Wand, legte ein paar Filzstifte daneben und sagte: „Während die französischen Ostern laufen, können hier die Leute Stichworte aus den Diskussionen notieren.“
Das hier ist dabei herausgekommen (jeweils anklicken für die volle Grösse):

Mai 68: Nachlese

5. April 2018

Einladung | nieder mit 68! | 68 als Chiffre | Pamphlet | ne travaillez jamais! | Packpapier | Sexuelle Revolution | 1968, eine Hitparade |Konsum und Klasse | Filmabend: La chinoise, Barbarella, Erotissimo

ne travaillez jamais!

5. April 2018

Mai 68: Pamphlet

3. April 2018

Dies ist ein Pamphlet. Geschrieben in der Garage Konverter, anlässlich des Osterfestes zum Mai 198668.
Alors. Wir Bier Tapetenbelag. Soufflieren zusammen Unheimlichkeiten.
Rot. Rot weiss blau, verkehrtes Frankreich. Kritisiert nicht die Kultur, ihr Spasten. Geht fasten.
Aber wir sind alle schon dünn.
Trotzdem.
Es ist schliesslich Ostern. Fastenfest.
Irgendwa fackelt. Oh, das ist mein Schuh.
Ist eswirklich der Schuh, der brennt? Oder die Strasse?
Oder die Uni?! j s e staat desto besserhaerter schneller. ich dacht ihr wollt e i Pamphlet schreiben. dafür muss man doch etwas wollen.wollen wir nichts oder warum können wir ke i pamphelt schreiben. wir siid z betru nken, ich ic hassen joghh D ie Jugendist eii Joghuert bei welcher dee pilz noch niit an die Obe flächegetreten ist. Der Joghrut ist dieJugendbe welche die Jugendnich n n an dieOberfläce getreten ist. Supertripper kommt noct als Kondom durcc. Is it a Crab? No its a super tripper.Immer noch ke i Pamphlet
Schnauze voll von Pornografie. Schnauze voll voll dem Zwang n ch Glück.
Ic duze men n Chef. Dom n k geht nachHause. Wollen wir de 6 8 zurück.

wer will die revolution. abstimmung. 3 dafür 4 entha ltungen. braucht es e s eiie Rveolutin
WENNSBING macht m esch Ent r r ge. Ein gesel schaftlicher Wandel vollzieht sich nicht ohne ge Revol tion. Sie wollen keinen gesellschaftlichen Wandel sonderneiie neue Mode. Es bra cct eine Revolutioon ohne gesellschaftliche Mode. Es ist keinVorwurf, es ist ein Label. Gibt es eine Revolution, die nicht als Mode daher kommt ?Du muusst nicht lang draufbleiben, Du musst festbleiben. Das Pamphlet ist tot. Lang lebe das Pamphlet!
LAng lebe das Pamplet wieso einfach weil es hald so ist.
Wer die Revolution nicht als Kunst versteht hat von Kunst keine Ahnung‘.
Klammere Postovjestky Klammer zu.
Hva faen den er jo ikke sa kult at alle bare starte a snakke po en mate jeg ikke forstor!
Men som du ken jeg gjöre det ogsa
Und nun muss ich nach Hause so ha be ich oder die nde ees ja auch oben verkündet. Vollgeldinitiative JA weil Systemwechsel zu wenig Beachtungfinden in u nsere Welt. Und revolutionierte Ideen kein Chancen haben.
Demokratie ist in derKrise wenn die STimme ve- undgekauft werden.
I mu eze go imfall enart ist es überhauptncith sp dass es dien andeeen nicht so gefällt wie die ll——– EGAL!Benedikt out microp
Moment ich habe noch Zeit ihrseid mich noch übe haupt nicht los.
Auf der Schribmasschine hat jeder Buchstabe ein Gewicht.
Sobald der Journalist die Tastatur hat, sagt keiner mehr was.
Der Strom fällt häufiger aus als die Schreibmaschine.
Ach, wir sind so alt. Wie die 698er.
Sovilel zur Eishocke y-Saison.
Doie Schribmas hine z n dich, weitezu hrrb n,bisd r die Finge wehtun.
ich will auch mal en jungfert werden2! ein ausrufezeichen ist echt eine herausforderung! also du hast ja sehr viel recherchiert, was fühlst du, denkst du denn, vorallem der, der das beste adorno zitat bringt‘.?
der kurze sommer der theorie…
aber da unterstellst du mir etwas!
nein.
also ich finde s sehr toll dass du meinen film trash mit Adorno vergleichst
Test Testokay ich muss einfach gewalt anwenden!
also wie war das mit adorno?
Klischees. hippies, anti vietnam, ich hab immernoch ein recht oberflächliches bild. zombies abknallen.

Manus Migros-Geschichten: Hauptbahnhof (Untergeschoss)

22. März 2018

Albi: Die ist doch immer so voll. Für mich ist das die schlimmste Migros von Zürich.

Manu: Also, mit dieser Migros ist das so: Am Morgen ist sie leer. Du kannst rein und überall rumlaufen und alles ist leer, so bis halb neun. Um zehn bis zwölf ist sie sicher gefüllt. Und von halb drei bis halb fünf kannst du auch rein und sie ist leer.
Womit ich schon reingefallen bin: Ich suche zum Beispiel M-Budget-Feuchttüchli, aber M-Budget-Sachen haben sie dort nicht wirklich. Ich nehme meist was zu Trinken und geh dann weiter zur Bushaltestelle.
Normalerweise stell ich mich dort an, wo vier Kassiererinnen sind, weil es dort am schnellsten geht. Ich stelle mich mal in der Mitte vom Weg an und lasse keinen mehr durch, bis ich drankomme.
Es ist unterschiedlich, wann ich reingehe, aber selbst wenn es viele Leute hat — mehr als fünf Minuten brauch ich nie.
Und egal, wann ich dort bin, bring ich so als Kommentar an der Kasse: „Jetzt isch no friedlich, gell.“ „Ja, jetzt isch no friedlich, aber nümme lang.“ (lacht)
Aber immer noch jedes Mal: „Händ Sie Cumulus?“ Und ich: „Nei, ich han kei Cumulus.“

Albi: Ich schaue mir ja gerne das Gewusel von draussen an. Wenn ich mit S. hingehe, sagt sie so: „Ich weiss, dass du das nicht verträgst. Wart hier draussen.“ Und sie stürzt sich hinein und ich schaue mir die Leute an. Die zum Beispiel, die zum Ausgang hineinwollen, weil sie den mit dem Eingang verwechseln. Jedes Mal!

D: Ja, gell.

Manu: Es hat nicht mehr so viele Securitas, denke ich, wie früher. Es steht einfach immer einer beim Haupteingang, ein bisschen versteckt. Der checkt jeden schnell, der reinkommt, und schaut, ob einer verdächtig ist.
Wenn du reingehst, musst du dich mit dem Fluss treiben lassen. Bei der Getränkeabteilung ist es sehr eng; wenn es gerade viele Leute hat, kommst du kaum durch, dann musst du einfach warten. Du musst langsam vorwärts, warten, dann wieder gehen, dann kommt wieder einer entgegen, oder du musst gleich um das Gestell herum, um an dein Ziel zu kommen. Bei der Fleischabteilung ist es auch so eine Katastrophe.

Albi: Ich sags ja, die schlimmste Migros!

D: Aber früher war es schlimmer, vor dem Umbau. Da gabs jeweils eine lange Schlange durch den ganzen Laden. Es war mega eng und es hatte nur zwei Kassiererinnen.

Manu: Am Sonntag ab zehn Uhr ist es fast immer katastrophal. Am Sonntag ists fast immer vollgepackt.

Albi: Ich bin immer am Sonntag hin, bevor ich zur Arbeit im Hotel bin. Ich hab jeweils Extrazeit eingerechnet, weil ich wusste, es geht so lang.

Donnerstagsgeflüster: Fleischburritos

26. Januar 2018

„Er ist zwar Veganer, aber er macht auch Fleisch-Burritos. Nur bei der Pizza mit vier verschiedenen Fleischsorten spuckt er vorher drauf.“
R. H. aus Z.

Up Against! Workshop-Collage

13. Oktober 2017

6. September 2017

Recyclinggut

1. Mai 2017

Gefötelet beim Coop am Albisriederplatz.