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[Montagsgedanken] Hohl die Erde, flach der Mensch

8. Juli 2019

Man kann sich nicht aussuchen, auf welcher Seite der Erde man steht, ausser man behauptet sie als Scheibe. Wie jenes wohl aussähe, was befände sich auf der anderen Seite – solche Fragen sollte man den Flacherdlern bevorzugt nicht stellen. Es gibt ein Oben und ein Unten, und bezeichnend für den Sprecher ist, dass er sich immer für den oben und nie für den unten hält (das ist weniger dem Narziss geschuldet als hundsfotziger Mittelschichtsideologie). Für den Alltag ist die Frage nach der Form der Welt freilich unwichtig. Einigen läuft es halt rund, die Anderen haben es glatt.
„Which side are you on?“, fragte Pete Seeger – und das frage man auch hier.

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[Montagsgedanken] Schweine, Würstchen: Männlichkeit

24. Juni 2019

Schwein, Würstchen oder doch vegan? Konsumierbare Männlichkeit

Der 14. Juni und der Frauenstreik haben vor kurzem stattgefunden. Allein in Zürich sind bis zu 140’000 auf den Strassen gewesen. Es gab und gibt viele Möglichkeiten, sich als Mann dabei einzubringen. Direkte Solidarität, organisatorische Mithilfe, Zurückstehen in den bedeutenden Momenten. Aber Männer müssen auch mal dringend die eigenen Zerrbilder von Männlichkeit hinterfragen.

Das soll hier mal versucht werden, ein bisschen glossenhaft, ohne Anspruch auf Tiefgründigkeit.

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[Montagsgedanken] Digitales, Reales und Repräsentation

27. Mai 2019

Alles zieht ins Internet – wer zieht mit?

Virtualität und Digitalität sind unsere permanenten Begleiter. Mit dem smartphone in der Hand ist es uns möglich, überall und jederzeit darauf zu zugreifen. Was in den Kanälen, Plattformen und Chatgruppen geschrieben wird, bestimmt darüber, wie wir uns fühlen, manchmal stärker als unser reales Gegenüber. Die Realität des Virtuellen, hat sie die tatsächliche Realität in ihrer Bedeutung für uns überflügelt?

Bei diesem Text handelt es sich um eine – längst überfällige – Antwort auf diesen Text von Pepe. Darin beschäftigt er sich zwar stärker mit den politischen Aktionsformen und den spektakularistischen Zurschaudarstellungen eigenen Revoluzzertums – nichtsdestotrotz möchte ich jenem Text noch einige eigene Gedanken hinzufügen.

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Friedell: Über den Dilettanten

7. Mai 2019

„Nur der Dilettant, der mit Recht auch Liebhaber, Amateur genannt wird, hat eine wirklich menschliche Beziehung zu seinen Gegenständen, nur beim Dilettanten decken sich Mensch und Beruf; und darum strömt bei ihm der ganze Mensch in seine Tätigkeit und sättigt sie mit seinem ganzen Wesen, während umgekehrt allen Dingen, die berufsmäßig betrieben werden, etwas im üblen Sinne Dilettantisches anhaftet: irgendeine Einseitigkeit, Beschränktheit, Subjektivität, ein zu enger Gesichtswinkel.“

Mise-en-Tropisch

25. April 2019

Anlässlich unserer Kubanischen Ostern hat uns Maurice einige seiner Bilder zur Verfügung gestellt. In ihnen fanden wir das Thema des „Verlorenen Pardieses“, das uns parallel an Ostern beschäftigte, wieder. Die Bilder wurden wie gesagt während Ostern bei uns in der Garage aufgehängt. Im Moment hängen sie noch dort, wie lange das der Fall sein wird, können wir nicht sagen…

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Böses Blau

12. Februar 2019

Kaltes Licht und trockne Wut
blick‘ rauf, rauf
Fahrleitungen singen.
Kalter Stein, zitternde Hand
den Jackenaufschlag im Nacken
blinzelt Steingestalt.
Das Laub raschelt böse.
Im Vorbeigehen: Augen, die glitzern.
Blick‘ rauf, rauf
erwarte, dass Schnee in die Pupille greift.
Der Fuss im Takt, er wippt auf Stein
so kauert dieser Säulenstein
und blickt rauf.
Böser Stein und böses Blau.
„Blau,“ murmelt der Verkehr
„Blau,“ singen die Fahrleitungen.
Er weiss es nicht,
doch ehe die Nacht durch ist,
wird er tot sein.

Gesicht wie Backpapier, dünn die Schichten
eine Papierhülle, ein Tosen von Blau.
Er weiss es nicht,
denkt nicht,
sieht nicht,
aber schmeckt:
Das Licht, die Wut, den Stein
schmeckt mit Augen
und antwortet sich selbst, mit „blau“.

Erkaltet und zermalt
die Augen blaue Kristalle
Noch vor dem Morgen kommt ein Tod
er kommt als Besuch
ein böses Blau.
Die Fahrleitungen singen
zwei trockne Lippen summen mit
ein Reklameschild scheppert leise
das Neonlicht hüllt ein
ein böses Blau.
Hände starr, erstarrt
der Blick: Er starrt auf seine Finger
die wie Zapfen farblos hängen
nur ein Schimmer, gläsern,
ein böses Blau.

GA-GAGA-RIN-RAGE

12. Januar 2019

Die Garage wird mobil und ist unterwegs…

Diesen Sonntag, 13. noch nichts vor?
Bist du einsam und sehnst dich nach anderen Menschen?
Scheint dir das Leben Gurke?
Kennst du die Dysfunktionalität des heimatlichen Konzepts und fragst dich, ob du aus strukturellen Gründen dort bist, wo du bist, oder ist es der Fahrplan, der dich im Matsch stehen lässt?
Dann komm mit uns nach Basel (wir hauen auf die Kunstkacke). Lesung, Spaziergang, Perfomance, Bla-Bla, Bier? Bier (nein, nicht schon wieder, ich habe Neujahrsvorsätze!).
Sonntag, 13. Januar – Konverter: GA-GAGA-RIN-RAGE (KUNST VS KACKE)
Konverter kommt wieder einmal nach Basel. Im garstigen Regenwetter spazieren wir gemeinsam mit Ulla M.Brella. Es geht um Entschleunigung, Schildkröten und Umherschweifen im urbanen Raum. Im Kaskadenkondensator erzählt Molotov surreale Märchen und ein rasierter Bernhadiner erzählt vom Programm der Dilettantistischen Internationale. Die Garage wird mobil und ist unterwegs.
14.30 Kannenfeldplatz, dann Kannenfeldpark: Spaziergang mit Ulla M.Brella
16.00 Kaskadenkondensator: Molotovs Märchen und der rasierte Bernhadiner (Burgweg 7)
18.00 Überleitung zum Abendprogramm.
Für die Leute aus Zürich: Wir treffen uns beim HB Gleis 15, 13.00 Uhr Zug nach Basel.

Theo und Max

21. Dezember 2018

 

Entwurf für einen nie vollendeten Pinup-Kalender für Menschen, die Fans der Frankfurter Schule sind und denen man vorwirft, sie betreiben geistige Masturbation…

Oder: Wie auch ein Geisteswissenschaftler Theorie zur Praxis treiben kann.

Fragebogen, nach Moritz Rancid

17. Dezember 2018

Wem würden Sie eher trauen?

– Glauben Sie, man kann mit einer Waffe Leben retten? Wenn ja, wie?

– Kann man mit einer grösseren Waffe mehr Leben retten?

– Wenn es zum Krieg käme, warum würden Sie kämpfen wollen?

– Wenn ein Einbrecher bei Ihnen im Haus wäre, was würde Ihnen mehr Freude bereiten: Ihn zu erschiessen oder mit ihm zu reden?

– Wenn Sie selbst ein Einbrecher wären, hätten Sie grössere Angst davor, dass auf sie geschossen würde oder dass man sich mit Ihnen unterhielte?

– Glauben Sie, Einbrecher haben Angst?

– Wem würden Sie eher trauen: Einem Mann mit Waffe oder einem mit einem Buch?

– Wem trauen Sie eher: Einem Mann in Uniform oder einem nackten Mann?

– Vor welchem würden Sie sich mehr fürchten?

– Sie müssten wählen, welches sich ereignet: Ein Überfall bei Ihnen zuhause – oder ein Krieg in einem weit entfernten Land. Wofür entscheiden Sie sich?

– Was würden Sie mehr bedauern: Den Tod Ihres Kindes oder den Tod des Präsidenten?

– Wer sollte an der Front stehen: Ihr Kind oder der Präsident?

– Wenn Krieg wäre, wovor würden Sie sich mehr fürchten: Vor der Zerstörung Ihres Hauses oder vor der Schmach einer Niederlage?

– Was wäre Ihnen lieber: Ein Sieg des Vaterlandes, erkauft mit hunderttausenden von Toten (inklusive Angehörige Ihrer Familie) und der Zerstörung von Städten (inklusive Ihres Daheim) – oder eine Kapitulation des Vaterlandes, ohne einen Toten oder Zerstörung.

 

Vom Kunstkenner für den Kunstkenner II: Die Whiskeyprobe

15. Dezember 2018

Wein ist nicht immer Wein – in diesem Fall ist der Wein Whiskey.
Da sich die Kultur oben in ihrer beflissenen Manie gegenüber jenem zeigt, das nach unten gleichzeitig als Alkoholismus der Massen denunziert wird, ist nicht weiter erstaunlich. Während das Proletariat seine Entschuldigung fürs Saufen zähnefletschend und bissig (und manchmal humorvoll) hervor bringt, differenziert sich der Connaisseur euphemistisch von solchem Pack. Saufen wird hier nicht entschuldigt: Es wird umgedeutet und umbenannt. Zur Degustation.

(Der Potcheen übrigens ist ein alter Freund, um den es schon einmal in diesem Beitrag über die Sauferei im Kapitalismus ging)

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