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GA-GAGA-RIN-RAGE

12. Januar 2019

Die Garage wird mobil und ist unterwegs…

Diesen Sonntag, 13. noch nichts vor?
Bist du einsam und sehnst dich nach anderen Menschen?
Scheint dir das Leben Gurke?
Kennst du die Dysfunktionalität des heimatlichen Konzepts und fragst dich, ob du aus strukturellen Gründen dort bist, wo du bist, oder ist es der Fahrplan, der dich im Matsch stehen lässt?
Dann komm mit uns nach Basel (wir hauen auf die Kunstkacke). Lesung, Spaziergang, Perfomance, Bla-Bla, Bier? Bier (nein, nicht schon wieder, ich habe Neujahrsvorsätze!).
Sonntag, 13. Januar – Konverter: GA-GAGA-RIN-RAGE (KUNST VS KACKE)
Konverter kommt wieder einmal nach Basel. Im garstigen Regenwetter spazieren wir gemeinsam mit Ulla M.Brella. Es geht um Entschleunigung, Schildkröten und Umherschweifen im urbanen Raum. Im Kaskadenkondensator erzählt Molotov surreale Märchen und ein rasierter Bernhadiner erzählt vom Programm der Dilettantistischen Internationale. Die Garage wird mobil und ist unterwegs.
14.30 Kannenfeldplatz, dann Kannenfeldpark: Spaziergang mit Ulla M.Brella
16.00 Kaskadenkondensator: Molotovs Märchen und der rasierte Bernhadiner (Burgweg 7)
18.00 Überleitung zum Abendprogramm.
Für die Leute aus Zürich: Wir treffen uns beim HB Gleis 15, 13.00 Uhr Zug nach Basel.
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Theo und Max

21. Dezember 2018

 

Entwurf für einen nie vollendeten Pinup-Kalender für Menschen, die Fans der Frankfurter Schule sind und denen man vorwirft, sie betreiben geistige Masturbation…

Oder: Wie auch ein Geisteswissenschaftler Theorie zur Praxis treiben kann.

Fragebogen, nach Moritz Rancid

17. Dezember 2018

Wem würden Sie eher trauen?

– Glauben Sie, man kann mit einer Waffe Leben retten? Wenn ja, wie?

– Kann man mit einer grösseren Waffe mehr Leben retten?

– Wenn es zum Krieg käme, warum würden Sie kämpfen wollen?

– Wenn ein Einbrecher bei Ihnen im Haus wäre, was würde Ihnen mehr Freude bereiten: Ihn zu erschiessen oder mit ihm zu reden?

– Wenn Sie selbst ein Einbrecher wären, hätten Sie grössere Angst davor, dass auf sie geschossen würde oder dass man sich mit Ihnen unterhielte?

– Glauben Sie, Einbrecher haben Angst?

– Wem würden Sie eher trauen: Einem Mann mit Waffe oder einem mit einem Buch?

– Wem trauen Sie eher: Einem Mann in Uniform oder einem nackten Mann?

– Vor welchem würden Sie sich mehr fürchten?

– Sie müssten wählen, welches sich ereignet: Ein Überfall bei Ihnen zuhause – oder ein Krieg in einem weit entfernten Land. Wofür entscheiden Sie sich?

– Was würden Sie mehr bedauern: Den Tod Ihres Kindes oder den Tod des Präsidenten?

– Wer sollte an der Front stehen: Ihr Kind oder der Präsident?

– Wenn Krieg wäre, wovor würden Sie sich mehr fürchten: Vor der Zerstörung Ihres Hauses oder vor der Schmach einer Niederlage?

– Was wäre Ihnen lieber: Ein Sieg des Vaterlandes, erkauft mit hunderttausenden von Toten (inklusive Angehörige Ihrer Familie) und der Zerstörung von Städten (inklusive Ihres Daheim) – oder eine Kapitulation des Vaterlandes, ohne einen Toten oder Zerstörung.

 

Vom Kunstkenner für den Kunstkenner II: Die Whiskeyprobe

15. Dezember 2018

Wein ist nicht immer Wein – in diesem Fall ist der Wein Whiskey.
Da sich die Kultur oben in ihrer beflissenen Manie gegenüber jenem zeigt, das nach unten gleichzeitig als Alkoholismus der Massen denunziert wird, ist nicht weiter erstaunlich. Während das Proletariat seine Entschuldigung fürs Saufen zähnefletschend und bissig (und manchmal humorvoll) hervor bringt, differenziert sich der Connaisseur euphemistisch von solchem Pack. Saufen wird hier nicht entschuldigt: Es wird umgedeutet und umbenannt. Zur Degustation.

(Der Potcheen übrigens ist ein alter Freund, um den es schon einmal in diesem Beitrag über die Sauferei im Kapitalismus ging)

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Wonderwoman / die Zeit findet

3. Dezember 2018

(Anmerkung: Dieses Gedicht ist eine Umformulierung eines Textes, der für 25Karat geschrieben wurde. Der ursprüngliche Text war politische Kritik, wie man sie kennt, ein bisschen polemisch, ein bisschen theoretisch. Ehrlich, richtig – und ohne Würze. Das Experiment war, aufzuzeigen, dass man jeden beliebigen Text nehmen kann und – durch Wiederholung und Rhythmisierung – eine andere Ebene anschlagen kann. Merci auch an St. Gregor, Schutzpatron der Comiczeichner…)

Frau tagtäglich reduziert / Wonderwoman

hat Arbeitstag

hat Muttersein

hat geputzt

die Zeit findet die Zeit findet

noch Zeit hat,

wenn sie nur will.

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Der Kunstkenner: Tempo-Spatiale Intervention

27. Mai 2018

Urbanismus von Zeit und Raum, finde den Fehler

„Die Libyer!“ schreit Doc MacBrown, kurz bevor es im gleichnamigen Film „Zurück in die Zukunft“ geht.
In dem aufgehängten Slogan parallelisiert sich realiter jener Bruch mit dem Raum-Zeit-Kontinuum, den Filme wie der erwähnte fiktionalisieren. Der Rückgriff in die Zeit wird hier zum Runterhängen – und die Parole, die durch ihre Zeit der 68er definiert ist, erfährt ihre Neudefinition als Hülse, als Plakat, das mit dem Wind flattert. Ähnlich dem Landart findet hier ein Eingreifen in die Umwelt statt, gleichzeitig als Verweis auf einen urbanen Aktionismus, der sich an unzähligen Demonstrationen totgelaufen hat. So verkehrt sich der „Aufstand“ ins „Abhängen“, physisch manifestiert – sans manifestation – in der stofflichen Haptik. Es flattert eben nicht nur der Stoff, sondern auch die Ideen sind flatterhaft. Der radikale Entscheid, das oberste Stockwerk als Ort des Raumeingriffes zu nehmen, führt die Hierarchie ad absurdum: Was von unten kommen sollte, kommt hier von oben. Ähnlich dem historischen Balkon (sic!), von welchem sowohl die Revolution ausgerufen werden kann, als auch autokratische Herrschaft sich zelebrieren lässt, ist der Ort für das Spruchbanner ambivalent. Die äussere Erbärmlichkeit solcher Hochbauten fügt sich in die fragmentierte Pseudo-Metropolität der vielen Botschaften, die französischsprachig sind. Bern als Stadt der Botschaft wird hier zum Kondensat in einer einzelnen mondänen Botschaft.

Nach Benjamin: das Transparent ist Erscheinung einer Nähe, so fern das sein mag, was sie hinterließ.

Das Faktische der Aussage verkehrt sich in die Faktizität der Inklusion, oder wie es Beaudrillard eben nicht gesagt hatte (um Zizek zu paraphrasieren): Ich bin hier alleine ohne dich. Dies seine berüchtigten Worte, als er in der Usine von Renault einmal auf dem Scheisshaus sass und dort sein Opus Magnum in die Toilettenwand kritzte, weil aller Literatur a.) der Geruch der Bourgeoisie anhaftet und b.) nach Kerouac sowieso alles für den Abfall geschrieben ist. Das ist das postmoderne Bekenntnis des Gerouacs (des amerikanischen Toilettendünkels), welcher zwischen Pro Letteris, Pro Latrinis und Pro Letariat pendelt. Nichts anderes als das Rollenspiel McFlys, wenn er in pinken Stiefeln sich das Insignum des Namenlosen gibt, auf die Frage, wie er heisse, und sich den Namen Clint Eastwoods aneignet (und zugleich seinem Gegenüber anbietet).
DAS ist eben das MUTIGE solcher Aktion, die vor Kunst nicht zurück schreckt. Das Öffentliche kann nunmehr nur noch aus dem Privaten geboren werden. Dies die sowohl ohnmächtig machende wie auch Hoffnung befeuernde Kernaussage des Gesamtwerks Hegels, auf den hier mittels des leichten (und eigentlich nicht mehr erkennbaren) Glitzers neben der Fabrik verwiesen wird. Wir sind nicht alle, es fehlen die Transvestiten. An diesem Punkt wird es freilich düster (man denke an Gary Glitter, dessen Name schon immer eine Travestie war, als seine öffentliche Person mit seiner privaten Sexualität verschmolz).
Wahrlich: Kunst ist noch von Bedeutung. Es reicht ein einfacher Blick, in diesem Fall nach Bern! (in der Nachbarschaft der libyschen Botschaft)

Vollgeld? Schmommgeld! – Wenn nicht das Kapital, sondern das Sparschwein des Kleinbürgers vor Angst zittert…

23. Mai 2018

Vorweg: Die Vollgeld-Initiative geht sowieso verloren und nichts liegt hier ferner, als in das spektakuläre Abstimmungs-Tatütata einzustimmen. So verwirrend, wie die Initiative daher kommt, mit ihrem Ansinnen, eine finanzpolitische Reform durchzusetzen, die sie selber wechselhaft mal als revolutionär bewirbt, dann wieder als liberal und den Wettbewerb förderlich, zuletzt als systemstabilisierend – diese Verwirrung bereitet ihr Scheitern vor. Mit diesen verwirrenden Ansagen ködert sie aber auch einige, die meinen, hier würde es um Antikapitalismus gehen. Schliesslich handle die Initiative vom Geld und möchte die Macht der Banken einschränken, heisst es verkürzt.

Nun lag der WoZ vor fast zwei Wochen wieder einmal die antidot-inclu-Beilage bei, die sich selbst als „Format für die widerständige Linke“ bezeichnet. Diese Ausgabe wurde einzig und allein durch die „Allianz für Vollgeld und Gerechtigkeit“ bestritten und kann ohne Scham als plumpe Abstimmungspropaganda bezeichnet werden. Es ist doch relativ haarsträubend und zum Haareausraufen, wie an dieser Schnittstelle von kritischem Journalismus im Stile einer WoZ, einer Ergänzung um politische Kampagnen und aktivistischen Inhalten wie sie sich antidot einst auf die Fahne geschrieben hatte, so ein inhaltlicher Müll eine Leserschaft von mehreren zehntausend erreichen durfte.

Irgendjemand hat es hier versäumt, drauf zu schauen – und man spürt die Verlegenheit der WoZ in der letztwöchigen Ausgabe, in welcher sie sich des Themas der Initiative annimmt, sowie einen langen Artikel von Stefan Howald abdruckte, in welcher er genau jenen Standpunkt vertritt, dass es keine Kapitalismuskritik geben kann ohne Kritik der Profitrate und damit der Arbeit.

Das ajour-Magazin hat sich dem Ganzen vor wenigen Tagen gewidmet und auf viele Sachen hingewiesen, die uns auch aufgefallen sind. Einige Punkte wiederholen sich, andere ergänzen und schweifen da noch ein bisschen weiter ab. Wir sind da offenbar parallel darüber gestolpert und sie waren schneller. Lest ihren Text, er ist besser als unserer, hehe…

Mehrere Punkte sind in dieser Angelegenheit peinlich:

1. Dass jede Organisation, die sich irgendwas mit „Gerechtigkeit“ im Namen nennt, offenbar eine antidot-inclu-Ausgabe kaufen und dort ihren Müll ausbreiten darf. Die Messlatte dafür, was „widerständige Linke“ sein soll, ist tief gesunken…

2. Dass die WoZ solchen Ausgaben eine Plattform anbietet. Auch wenn sie inhaltlich nicht dafür verantwortlich ist, wird sie kaum blind sein, was in ihre eigene Zeitung als Beilage reingesteckt wird. Dies ist umso peinlicher, als die WoZ selber bei diesem Thema sich schon häufig mit kritischeren und detaillierteren Analysen hervor getan hat. Wir erinnern nur an diesen Text des kürzlich verstorbenen Elmar Altvaters, in welchem er das ideologisch verquere der Kapitalismuskritik bei den Vollgeld-Apologeten heraus streicht. Immerhin hat sich die WoZ bereits distanziert.

3. Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll über das Finanzsystem die Klappe halten. Und umgekehrt: Wenn esoterische Querfront-Grüppchen, die AfD-Sympis und Antisemiten in ihren Reihen haben oder zu ihren Unterstützern zählen, mit solchen nationalistischen Fronten gegen internationales Kapital Stimmung machen und hierzu als Wolf im Schafspelz bei linken Strukturen antanzen, dann widerspricht man ihnen in den Punkten, in denen sie falsch liegen. Oder wie es das ajour schreibt: „[…] weil aus diesem Sumpf eine Menge reaktionäre Ideologien ihren Weg in die Linke suchen und finden. Eine klare Abgrenzung wäre also dringend angezeigt.“

Dem möchten wir hier ein bisschen was zu geben…

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1968 – Konsum und Klasse

17. Mai 2018

Hier noch zwei Beiträge, auf die wir verlinken möchten, weil wir auf sie hingewiesen wurden und sie sehr spannend finden. Sie ergänzen unsere eigenen Beiträge und sind ein bisschen eloquenter als unser eigenes Gesabbel:

„Konsum und Verweigerung – Jugend in Westdeutschland“, ein Interview von Radio Corax mit Wolfgang Seidel, Drummer damals bei Ton-Steine-Scherben. O-Ton:

„Jugendlicher zu sein war ähnlich einem Strafbestand… höchst misstrauisch beäugt von Polizei und Erwachsenen…“

„In bester keynesianischer Manier beantwortete man die Frage ‚Wer soll das alles kaufen?‘ damit, dass man aus den Produzenten zugleich Konsumenten machte.“

„Purzelbäume im Handgemenge. Die 68er-Bewegung und ein sehr moderner Professor“, eine Entgegnung von Klaus Klamm im ajour Magazin auf Philipp Sarasins wackelige Thesen zu 1968 und dem Verschwinden der Arbeiterklasse. Mit Nachsicht zu geniessen, denn „der Mann ist schliesslich auch nur Professor. Als solcher kann er nicht alles wissen, auch wenn er zu allem was zu sagen hat.“

[Montagsgedanken] 1968, eine Hitparade

30. April 2018

Dilettantismus heisst: Wer es selber macht, stösst auf Widerstand.

Wie immer zu unserem Osterprogramm machten wir uns für den Musikabend auf die Suche nach Liedern.
In der Musik wiederspiegelten sich die Zugänge und Schwierigkeiten jenes Jahres. Bei der Recherche zur Musik jener Zeit: irritierend. Was waren die Hits 1968 in Frankreich? Die Lieder aus der Hitparade sind z.T. schwülstig und bis zum Erbrechen sentimental. Das führte zur lakonischen Erkenntnis:
Bei solcher Hitparade/
stürmte auch ich die Barrikade…

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[Montagsgedanken] Kunst, Kultur und Warenform – Rote Fabrik und Reitschule.

16. April 2018

„Kultur hat einen Wert.“/“Kunst ist Arbeit.“/“Künstler sollen bezahlt werden.“

Solches sind die Töne, die gerne gespuckt werden. Auch jetzt erst wieder im Zusammenhang mit der Besetzung der Grossen Halle in der Reitschule, welche die Gruppe der „Wohlstandsverwahrlosten“ durchführte. Die Kritik lautet, dass die Kommerzialisierung der (eigenen, widerständischen) Kultur rückgängig gemacht werden sollte, dass ein Ort wie die Reitschule sich auf ihre Wurzeln besinnen sollet anstatt sich zu einem Konsumtempel mit linkem (Grafitti)-Anstrich zu entwickeln.

In Zürich lässt sich diese Entwicklung eines ehemals widerständischen und von einer Bewegung getragenen Ortes zu einem Ausgehtipp anhand der Roten Fabrik beispielhaft in Erinnerung rufen.
Die Rote Fabrik ist heute nur ein Angebot neben anderen auf einem Markt. Der Entscheid in die Rote Fabrik zu gehen, ist so revolutionär wie ins Opernhaus zu gehen. Es ist eine Wahl, wo man sein Geld liegen lassen möchte. Eine Wahl, die man vergleichen kann mit der Wahl zwischen billigen sauren Gurken und teuren sauren Gurken, also ähnlich wie die Wahl zwischen einer sozialdemokratischen und einer liberalen Partei.

In diesen Auseinandersetzungen ist immer wieder vom Ausverkauf, oder der Kommerzialisierung die Rede, gegen die man sich wehrt. Gleichzeitig verteidigen jene, die jahrelang an den Strukturen mitgeholfen haben, die Notwendigkeit von Einnahmen zur Aufrechterhaltung jener Strukturen.
Bei solchen Prozessen gerät man immer auch in einen Gewissenskonflikt. Denn schliesslich reiben sich konservative Kreise genüsslich die Hände. (Hähä, höhö, jetzt streiten sich die noch untereinander…) Und auf der anderen Seite rufen die sich selbst besonnen nennenden wie damals das ZK der KPdSU zur Einheitsfront auf (oder waren es die Sozialdemokraten?). Jeder Streit untereinander schwäche das eigene Projekt und spiele dem Gegner in die Hand, und wer das nicht einsehe, verstünde nichts von der Ernsthaftigkeit der Lage und betreibe anarchistisches Brigantentum. (Oder wie es bei Monty Python so schön heisst: „Spalter!“)

Wir wollen das anhand der Hybris der Kunst ein wenig vertiefen…

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