1968: Sexuelle Revolution. Ein Diskussionsprotokoll

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Das Protokoll der Diskussion zur Sexuellen Revolution, sowie zur Geschichte der Drogenprävention. Man trug zusammen, was man weiss und fragte, was man nicht weiss. Deswegen sind das Halbweisheiten, die in sich die Fragen tragen, die auch heute noch aktuell sind, jenseits einer Geschichtsverbrämung. Der Gedankenfluss folgt der Schreibmaschine. Was getippt wird, ist getippt. Was auf Papier ist, lässt sich nicht löschen.

„Es ist wie wenn ich meiner Mutter das smartphone erkläre. Du musst ja nicht drücken wie ein Elephant. Dort nimmt es auf und dann dreht es sich. Wer fängt an, du oder du? Ich möchte zuerst die Schreibperformance sehen. Ich stehe in meiner gender-identität zu meiner weiblichen Seite. Neue Zeile, bitte.
Die Idee ist ja auch, dass wir zusammen tragen. Ich weiss nicht, ob wir damit anfangen wollen, was ihr wissen wollt. Ich weiss auch nicht, was die gescheiteste Reihenfolge wäre. War 1968 wirklich der Höhepunkt? Hö-hö, er hat Höhepunkt gesagt.
Es war mehr der Kulminationspunkt, nicht die Ursache. Im WWII waren die Männer im Krieg und die Frauen arbeiteten. Da merkten sie, dass sie diese Arbeit auch machen können. Nach dem Krieg wollten die Männer in den 50ern die alten Verhältnisse restaurieren. Wichtig war auch die Entdeckung des Penicilins. Damit konnte die Syphilis behandelt werden, die bis dahin noch eine gefährliche Krankheit war. Nachher konnte rumgevögelt werden, ohne Angst vor Syphilis. Mit Elvis Presley wurde quasi der Teenager erfunden, v.a. der sexuell aktive Teenager. Mit der Erfindung der Pille schliesslich wurden Sex und Fortpflanzung getrennt. Recreational sex. Nebenwirkung aber stark, bringt Hormonhaushalt durcheinander. Kirche wehrt sich gegen alles, beginnt die Kontrolle zu verlieren.
Pille wurde teilweise gar nicht als Verhütungsmittel beworben, sondern als Hormonregulierungspräparat. Die Frau brauchte auch die Bewilligung des Mannes – war also nur für die Ehefrau gedacht.
Haha, der Philippe tippt nervös in die Tasten, haha.
Kuppelei- und Sittlichkeitsparagraphen.
Gesetzlich ist es illegal den Betreibungsauszug einzureichen, bei einer Wohnungsbewerbung.
Das Radikale ist, dass Sex nicht mehr an Fortpflanzung gekoppelt ist. Sex zum Spass und nach Lust. Damit sind wir aufgewachsen, mit dieser Vorstellung. Die Vorstellung ist noch nicht einmal zwei Generationen alt. Damit löst man sich aus all den Kontrolmechanismen heraus. Wer liest die AGBs, wer liest die Packungsbeilagen? Spannend, dass eine Skepsis gegenüber hormonellen Mitteln entsteht, weil sie die weibliche Libido kaputt machen.
Freud – alles droht sich um Sex. Die Idee der Sexualität ist erst hundert Jahre alt. Reich und Co. – Sexuelle Unterdrückung führt zu Faschismus, breite Rezeption in der Generation nach dem WWII.
Was Gregor sonst noch sagen wollte: Bei Freud hat man dennoch viele Sachen, die aus heutiger Sicht rückständig sind. Konversionstherapie Homosexueller z.B. Die Elterngeneration ist in einem Klima aufgewachsen, in dem es nicht verständlich war, was für uns heute selbstverständlich ist. Es ist auch schockierend, wenn man bedenkt, dass die Jugendlichen eine Sexualität reklamierten und die Sexualität des Kindes entdeckt wurde, und die Grünen in ihrer Anfangszeit von Pädophilen unterlaufen waren. Jedenfalls war die Verbindung von sexueller Befreiung und gesellschaftlichem Umbruch so wichtig. Entneurotisierung und Neugestaltung der Gesellschaft, Entstehung von WGs und Kommunen. Make love – not war. Freie Liebe und freie Gesellschaft hängen zusammen.
Sind die Hippies gescheitert? Revolution auf der gesellschaftlichen Ebene ist gescheitert, aber nicht auf der Beziehungsebene? Charles Fourier, Vordenker des Anarchismus und des Sozialismus, betonte die Bedeutung der freien Liebe. Auch bei deSade, Libertin, findet man schon diesen Impuls. Es geht nicht nur ums Vögeln, sondern ums Vögeln in gesellschaftlich-politischer Hinsicht.
Make love – not war. Sponti Sprüche. Fickt euch frei. Lieber niederträchtig als hochschwanger. Petting statt Pershing. Wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment.
Die weibliche Form als Problem: Weil vor allem die Männer von der sexuellen Revolution profitierten. Sekten-Gurus. Dennoch stecke ein Stück Revolution drin, auch wenn man den Spruch heute nicht mehr bringen kann. Differenz zwischen dem, was man erreichen wollte und dem, was erreicht wurde.
Diese 68er sind heute alle in festen Zweierbeziehungen.
Otto Mühl – Modell der Kommune über ganz Deutschland verbreitet. Man konnte dort nicht bloss freie Liebe praktizieren, man musste. In seiner Kommune mussten alle Männer mit einer anderen Frau schlafen. Man wusste keine Grenzen zu setzen. Otto Mühl kam dann auch wegen Pädophilie ins Gefängnis.
Übergang zur Frauenrechtsbewegung. K-Gruppen stark maskulin geprägt. In der 68er Generation waren viele mit grossem Dachschaden unterwegs. Ihre Mütter waren in herzlosen Beziehungen und machten ihre Söhne zu Ersatzmännern. Wenn sich die Männer nicht um uns kümmern, machen wir uns eine eigene Bewegung. Entstehung des militanten Feminismusflügels. In den 70er, 80er Jahren entstanden Männergruppen, welche über die schlechte Männlichkeit reflektierten und davon Abstand zu nehmen versuchten.
68, vorher und nacher – haben die Gesellschaft durchaus weitergebracht, aber es gab Sachen darin, die grundsätzlich falsch waren. Wie bspw. der Machismo-Anteil der 68er. Letztes Thema, bezüglich sexueller Revolution: Die Einverleibung der Sexuellen Revolution in die Kulturindustrie und das kapitalistische System. Gregor: Jetzt hatten wir Sex. Die Protokollantin meint: Naja, war a bisserl kurz.“

„Jetzt: Drogenprävention in den 60er Jahren. Heroin wurde als Hustenmittel erfunden und wurde so genannt, weil es praktisch keine Nebenwirkungen hatte. Damals gab es kaum Abhängige. Später wurde es anders konsumiert und man merkte, dass es stärkere Wirkungen hat als Morphium.
Es wurden v.a. leichte Drogen konsumiert 1968.
Turn on, tune in, drop out. Turn on – Nervensystem öffnen. Tune in – aus der inneren Perspektive die Welt sehen und mit ihren einen harmonischen Tanz tanzen. Drop out – Austritt aus der Gesellschaft. Drogenkonsum stark verbunden mit der Assoziation fremder Kulturen, Esoterik, Orientalismus (ab nach Indien!). Abgrenzung von der alten Alkoholiker-Generation (Nazi am Stammtisch). Freilich fanden den Drogenkonsum nicht alle Gesellschaftsschichten doll.
Anti-Heroin-Film. Verbindung von gruseliger Musik mit gruseligen Bildern. Musik eines Horrorfilms? Die Botschaft kommt recht spät. Harmonisches Ambiente. Angst des Ich-Erzählers vor Nadeln und Einfluss des Gruppendrucks. Marihuana als Einstiegsdroge.
Fear and Loathing in Las Vegas – über Drogenprävention. Woran erkennen Sie einen Konsumenten? An den Masturbationsflecken auf seiner Jeans. Verwendung von Drogen – Künstler konsumieren zur Befreiung des Geistes. Konsum bei Polizisten? Piloten im WWII wurden vollgedröhnt.
Zürcher Anti-Marihuana-Kampagne wurde als Anti-Heroin-Kampagne aufgefasst. Man muss bedenken, dass die Bevölkerung solche krassen Bilder nicht gewohnt war. Die Prävention verwendet Avantgarde-Ästhetik, um eben jene Avantgarde zu schocken. Das Plakat war ein Riesenerfolg, wurde in den USA bekannt, hing in WGs und Leute meldeten sich bei der Polizei, ob sie nach der Kampagne ein Plakat haben könnten (höflich). Solche Kampagnen führten dazu, dass man ab den 70er Jahren einen anderen Kurs fuhr“

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