Gebrochen/Gnade- Fingerzeig

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Ideen fallen nicht von den Bäumen.
Dieser Pathos. Ehrlich, aber unanständig. Eklig.

Der Tag zerrieselt. Wachsein, aber permanente Dämmerung. Musik als Weckruf – Töne wie Eis: klar, kalt, im Inneren zieht es sich dabei warm zusammen. Man denkt noch – und schon beginnen Träume. Der Tag ist so verwirbelt, Wachen und Träumen verkehren sich. Wach träume ich und im Traum gelange ich zur Wachheit…
Solches sind die Tage, die sich ohne Gefühl erheben.
Das Lachen ist Kläffen,
das Sehnen nur ein Hunger,
der Durst des eigenen Verstandes…
Es pflanzt sich fort,
das denkende Unkraut ohne Bewusstsein.
Die Fingernägel sind fettig und es ekelt,
zu greifen.

Ich lese Gespräche von interessanten Leuten, die mich nicht interessieren. Ich halte mich für interessanter, glaube es aber nicht ernsthaft.
Ich suche im Winter die Wärme des Sommers,
im Frühling das sterbende Laub.
Ich fliehe die Jahreszeiten,
ich fliehe die eigene Zeit,
ich fliehe mich selber und suche
den Anderen, Vergessen, Umarmung.
Trost ohne traurig zu sein.
Ich will leben – und lebe ohne Willen…
eine Spirale ohne
Tiefe, ein
Niedergang, ein
Fallen. Haltlos,
unaufhörlich: Ohne
Halt.

Ein schwereloses
Sterben,
vakuumisierte
Gefühle,
portioniert,
verpackt.
Ein Leben mit gereinigten Emotionen, putzig, bereit zum Verschlucken, Verdauen und Ausscheissen und Wegspülen. Im Kreislauf des Lebens ist dieser Körper bloss noch aufnehmender und von sich lassender, loslassender.
Reinigung des dreckigen Geistes, der fetten Gedanken.
Eigener Körper.
Die Finger sind bleich und eklig, möchten sich in fremden Leib verkrallen, kennen nur:
Stift. Papier. Tabak. Glas. Dose. Tastatur. Kaffeetasse.

Die Fingernägel in eine Beute schlagen, den ausgemergelten Verstand zu Kraft peitschen…
Doch wie?
Es ist nur Verständnis dort, wo Zorn sein könnte.
Ein Karrussel voller Beschaulichkeit, ein lächelndes Dienen, ein Seufzen gegenüber im Spiegel der Toilette, wenn gerade sonst keiner da ist, wenn der Blick nur sich selbst Rechenschaft schuldet…

So schulde ich dem Leben das wenige, das ich bin.
(Als ob das Brot es der Marmelade schuldet für seine Klebrigkeit herzuhalten)

Ich kenne keine Götter, aber diese Woche wurde mir die Wohnung gekündigt.
Ich kenne keine Gnade, aber die Dame auf dem Arbeitsamt war dieses mal nicht unzufrieden.
Ich kenne keine Sünde, aber höfliche Verabschiedungen beim Bewerbungsgespräch, Hände und Augen, die eine Absage versticken. Taschenspielertricks.
Es riecht nicht mehr nach Leben, die Gerüche sind verpackt. Akkurat und adrett breitet sich der Boulevard aus und hinter Glasfronten ist
lautloses Lachen,
Gemurmel ohne Verschwörung,
mein Spiegelbild glotzt mich durstig an
den kalten Kopf
den warmen Bauch
die Wangenknochen ungeschliffen
die Stoppeln schmiergelig.

Ich habe nie Jemandem die Knoche gebrochen und kenne auch Niemanden, der solches getan.
Und dennoch sind so viele Leiber gebrochene, wankende Gestalten.
Es heisst, Arbeit wäre leicht, weil es keine schwere Arbeit mehr gibt.
In den Fabriken stehen Lounges: Parkett und Leder, hohe Räume, weite Räume.
Wie grösser doch der Horizont wirkt, wie froh man darum ist…

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