Manus Migros Geschichten: Schaffhauserplatz

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Eine neue Reihe…

Die Idee: Bis Ende Jahr alle Migros in der Stadt Zürich abzuklappern. Und zu jedem einen kurzen Text schreiben.

Den Anfang macht der Text zur Migros Schaffhauserplatz:


Unterwegs zu einem Kumpel, was zu Trinken kaufen. Sonst geh ich nie in diese Migros.
Oder doch, auf dem Heimweg, wenn mir was fehlt – dann mache ich noch nen Zwischenstopp.

Kleiner Migros, jahrelang hatte es dort keine Einkaufswagen. Aber heute schon.Aber du kommst gar nicht durch die Gänge, zwischen den Gestellen durch. Du musst immer „Entschuldigung, darf ich – kann ich, sorry“ sagen.
Zu Stosszeiten nicht zu empfehlen.

Frau an der Kasse schon älter. Sie sagt immer so „ja, ja, ja“ – jedesmal, wenn sie was über den Scanner zieht. Bei jedem einzelnen Artikel. Ja. Die Kasse piepst. Ja. Pieps. Sie macht das beiläufig, merkt es selber gar nicht mehr.
„Ja, ja, ja, ja.“

Lustiges ist mir vor kurzem in Wipkingen passiert. Der an der Kasse, ein junger. Ich gerade aus dem Urlaub zurück gekommen.
Ich ging hin, Einkauf auf dem Band, nichts überlegt.
„Zurück aus den Ferien. War gut?“ fragte er mich grinsend.
Ich war erstaunt, dass er sich an mich erinnert hatte. „Ja, gerade zurück gekommen.“

Beim Kumpel gibts nur Wasser oder Kaffee. Deswegen geh ich noch kurz am Schaffhauserplatz was holen. Kaffee am Morgen finde ich okay, aber sonst nicht. Wobei in der letzten Zeit hat das mit dem Kaffee angefangen, auch seit ich in der Toskana war. Italienischer Kaffee halt.

Betrag. Ja danke. Ja, ja, ja. Adieu, schöne Tag.
Die Kassiererin ist mir aufgefallen.
Ich hab ja immer das Gefühl, ich muss die Leute ein bisschen kitzeln. So mit Fragen wie „haben Sie bald Pause“, „dauerts noch lange“ oder ähnlich. Sie zurück ins Leben reissen. Wobei das bei mir schon ein Automatismus ist. Leute anschauen. Im HB z.B. schaue ich mich um, und merke ich speichere die Köpfe. Warum muss ich immer die Leute anschauen? Das kommt von der Arbeit am Kiosk. Da erkennst du die Leute von weitem, siehst ihn, kennst seine Zigarettenmarke, machst ne Handgeste – ein oder zwei Päckchen? – ziehst seine Marke raus, noch ehe er vor dir steht.
Ich sag ja gerne „grüezi“ und „adieu“. Wenn nichts zurück kommt, sag ich zurück: „Häsch keis Muul?“
Ja, ja, ja, ja.

Was steht auf der Stirn? Grüezi, Adieu.
Sie haben eben ein interessantes Gesicht, meinte sie.
Interessant, wie?
Na, interessant, halt.
Ja, ja, ja.

Meine Mutter ist ja eigentlich aus Algerien. Sie ist hier aufgewachsen. Ich weiss nicht viel davon, nur dass da mal Bürgerkrieg war.
Früher hat man hungernde Ausländer in die Schweiz geholt, sie durchgefüttert und dann wieder zurück geschickt, hat man mir so erzählt. Als Frau hatte man es nicht einfach, damals. Schon krass. Wirste aufgepäppelt und so und dann wieder zurück geschickt. „Machs guet.“ – „Grüezi, adieu.“
Ja, ja, ja.

Ich würde jetzt keine Sternchen verteilen, nichts so von wegen 4 von 5 Sterne.

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