loler gschichtn

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sonntagsbichl

Heute bin ich auf dem Sonntagsbichl gewesen. Ein idylisches kleines Hochplateau auf 2030 Metern. Umgeben von den wunderschönen Felswänden und Bergen ob der Kemater Alm. Der Bichl liegt an der vorderen Spitze eines Hügels, der aus einem grossen, zwei kleine Täler macht. Jetzt ist im Herbst ist die kleine Fläche Gras gelb gefärbt, und alles heurm was nicht stein ist in orange, rot oder dunkelgrün. Der Platz wird geprägt durch ein grosses Kreuz an Stahlseilen befestigt, mit Gipfelbuch für was fragt man sich ein wenig, weil Sonntagsbichl sagt schon der Name, leichte Übung, Wanderung. Im Buch drin, fragt der eine ob der andere das Geschenk gefunden habe, dass er ihm vergraben habe und da ist ein Quadrätchen, dass dann doch tatsächlich abgehackelt wurde und geschrieben, vielen dank peter!

 

Neben dem Kreuz hat es einen weiteren Steinhaufen ebenfalls, und früher Gebaut für die Gefallenen der Weltkriege. Für die Bauern der Umgebung, die blöd oder arm genug waren, sich noch einmal für den Untergang des Kaiserreichs zu opfern. Sie sind in einer Stahlplatte eingossen aufgeschrieben und wohl grösstenteils in zwischen vergessen. Daneben gibt es aber interessanterweise, seitlich eine Tafel, welche erst 20-30 Jahre später angebracht wurde. Auf dieser Tafel lässt der Akademische Alpenverein Innsbruck seine Gefallenen, und zwar nicht beim Bergsteigen, sondern beim Juden tod hauen, ebenfalls verewigen. Jetzt warum sag ich Juden tod hauen? Weil diese Leute alle einen akademischen Grad haben, und es steht auch da, Oberste, verdammt was ist die Vielzahl von Oberst, und in diesem Sinne, historische gesehen, Verantwortung für diese Zeit hatten. Auf die näheren Details der Verstrickung der Uni Innsbruck in die theoretische Unterlegung der Hatz gegen Menschen muss hier nicht weiter eingegangen werden. Als Beispiel sei nur die Psychaterin Frau Dr. Nowak Vogel genannt, die noch bis in die 80er Jahre hinein, behinderte und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu ihrem eigenen Vergnügen wissenschaftlich quälen durfte.

Um davon abzulenken, steht daneben, so merke ich also, das Stahlkreuz, welches, das sagt eine kleine Inschrift oben, für die einfachen Soldaten, aus den Dörfern der Umgebung aufgestellt wurde. Jene des 2. Weltkriegs versteht sich. Dieses Schild ist eine einfach Messisngplatte und jetzt nicht so prächtig. Schwierige Aufgabe also. Anderseits gute Hänge. Man müsste also mal im Winter hier hoch eine Skitour machen. Etwas Dynamit und eine gute Kneifzange mitnehmen. Vielleicht biwakieren und ein Feuer machen. Man müsste eine gute schnelle Abfahrt kennen und sich dann klug im Wald verstecken. Das wäre nett.

Wir legen uns hin. Es ist Nachmittag. Die Sonne scheint. Kuscheln uns ins Gras und hören Nichts. Vielleicht etwas Tinitus. Der jetzt heilend ausklingt. Wir schlafen eine Weile und kurz bevor wir vom Dösen übergehen, hat es zugezogen, doch Wolken, doch Anfangs Oktober, uns wird etwas kalt. Ich schaue verschlafen herum und suche kurz einen Feuerplatz. Um uns die Sträucher voller Preisel- und Blaubeeren. Die wir sammeln oder essen. Wir trinken von dem Wasser, das wir am Brunnen unten an der Alm aufgefüllt haben, und es ist keine Romantik, dass es von herausragender Qualität ist. Mal wieder sitz ich in einem Gemälde das sich Alpen nennt. Fern von mir und darum abstrakt schön. Als wir aufstehen pfeifft ein Murmeltier, aber von sehr weit weg, und es war ein Adler welches es weit drüben, am anderen Hang, aufgeschreckt hat, nicht wir zwei. Wir verlieren den Adler schnell aus den Augen.

Beim Abstieg kürzen wir unter der Adolf-Pichler-Hütte ab, ein ganz kleiner See liegt an der Stelle, wo wir auf die Schotterstraße kommen die zurück zur Alm führt. Sein Wasser ist glasklar. Und nicht dieses Klischee glasklar. Grösse und Tiefe des Sees, kaum 5 Quadratmeter, keine 40 cm, die spätsommerlichste Kälte, das Liegen der Wasserfläche etwas unter der Erde, lassen einen nicht erkennen, ob es Glas ist, oder man weiss es ja, Wasser. Unten auf der Alm setzen wir uns noch etwas hin und entspannen. Wir beobachten wie der Bordercollie des Gasthauses an einer Herde Ziegen übt. Die Ziegen sind zu eigensinnig und er versucht wirklich zu lernen, versteckt sich auch mal hinter einem Zaun. Ein Bock grefit den Hund manchmal, an doch der springt leicht hoch, macht den Kopf seitlich, weiss wie in dessen Hörner zu beissen.

V.I.P.

Ganz gegen den Zeitgeist eines vernünftigen Menschen lerne ich mit über 30 noch Autofahren. Ich frage mich manchmal ob es wohl viele Menschen gibt, die wie ich, als Beifahrer, natürlich vorne, weil hinten sitzt ja eh niemand, soviele Kilometer gemacht haben. Charmant. Diese Zeiten sind vorbei, da es in Tirol keine vernünftigen öffentlichen Verkehrsmittel gibt, zumindest nicht in den Tälern, werde ich jetzt auf Rindfleisch verzichten, aber nicht auf Käse und mir dafür in etwa 7 Jahren ein Elektroauto kaufen, bis wir den Diesel-Volvo tot gefahren haben, also lernen zu driven. Peinliche Pause alle schweigen.

Dafür muss ich jetzt eine Woche lang jeden Abend 3 Stunden in die Fahrschule um Theorie zu lernen für die Prüfung. Das ist fruchtbar langweilig für mich, ich bin ja genug schwarz gefahren und kenne die Verkehrsregeln. Gerade als Fahrradfahrer in Städten ist es sehr wichtig die Regeln zu kennen, um zu wissen, wie man sie bricht, da man sich auf Autofahrer nie verlassen kann. Es gibt Zukunftstheorien darüber, dass dies der letzte Mensch in irgendeiner Höhle verkrochen an die Wand schreiben wird. „Auf Autofahrer kannst du dich nicht verlassen!“ Für die nächste Generation in ein paar Millionen Jahren.

Ich überlebe die Fahrstunden nur, weil ich mich entschlossen hab, in die Theorielehrerin verknallt zu sein. Jetzt ich bin nicht Single. Aber ich flirte trotzdem ständig mit ihr. Wenn sie sagt, hier schalten wir den Blinker ein, schau ich ihr in die Augen. Wenn sie fragt, warum darfst du da nicht rechts abbiegen, sage ich, wegen der Ampel. Ich würde gerne mit ihr auf einer karibischen Insel darüber reden warum rot halten bedeutet, grün fahren, und orange, oh oh, eigentlich halten. Ich glaub sie mag mich auch. Sie hat zwar ein paar Mandalatatoos auf dem Arm die mir nicht gefallen, aber ich glauben einen guten Arsch und schöne Titten sowie ein nices Gesicht.

Vielleicht habe ich auch zuviele Pornos mit Milfs gesehen und bin davon blöd geworden. Andererseits auch eine gesunde Reaktion, die Lehrerin ist etwa 40, meine Mitschülerinnen knapp 18. Und die Mädels in diesem Alter fand ich schon nicht scharf als ich selbst 18 war. Ich frage mich wie sie das psychisch aushält, weil sie scheint doch mittelinteligent zu sein, jede Wochen jungen Menschen, und ein paar Hängers die Verkehrsregeln zu erklären. Und ich muss sagen sie macht das ganz witzig. Ausser den Geisterfahrerwitz den hat sie nicht drauf. Obwohl man den immer wieder erzählen kann. Jemand fährt auf der Autobahn. Im Radio kommt: „Vorsichtig Geisterfahrer auf der A13“ und er sagt empört „Was einer?! Hunderte!“ Vielleicht kann sie den Witz auch nicht erzählen und hält ihn deshalb zurück.

Mit in der Gruppe ist Alois ein 68 Jähriger Renter aus dem Hinterletzental der 50 Jahre lang mit seinem Moped rumgefahren ist, ohne kontrolliert zu werden. Er ist mit 20 kmh einen Hügel hochgefahren und von der Polizei angehalten worden, weil er so langsam war. Sie haben dann das mit dem fehlenden Führerschein gemerkt. Und Alois sagte ihnen freimütig, dass er schon immer ohne einen solchen fahre. Alois erzählt die Geschichte sehr oft. Es ist wahrscheinlich das einzige was in seinem Leben in den letzen 10 Jahren passiert ist.

Er kommt aus demselben Tal wie die Lehrerin, aber sie erzählt uns das erst, als der alte Mann, er darf um 8 schon gehen der glückliche! von seiner Frau abgeholt worden ist. Sie möchte nicht das er weiss, wer sie ist. Oder sein könnte. Es sind so kleine Dörferlein, dass die soziale Kontrolle total ist. Wen man mit jemandem von dort was trinken gehen will, macht man ausserorts ab. Hier gibt’s es noch die vorsinflutliche Kommunikation ohne Handy, das gute alte Lästern, welches wie ein Echo durchs Tal hallt.

Es gibt da eine lustige Geschichte. Da haben zwei alte Jungerfern zusammengewohnt. Und dann hat die eine, Dtanni eines Tages zum Beil gegriffen, den die Beiden haben mit Holz geheizt, und hat die Hanni erschlagen. Weil wohl die Suppe mal wieder zu wenig oder zu viel gesalzen war, was, so erzählt man sich im Dorf, zwar öfter vorkam, aber bestimmt von der Hani, kritisiert worden sei, worauf wohl die Dtanni zum Beil gegriffen hat, weil nach 60 Jahren Demütigung durch die ältere Schwester, sie das einfach einmal zu oft gehört hatte. Ob es auch darum ging, ob die Rüben in der Suppe mal wieder nicht richtig durchgegart waren, oder zu wenig Rahm verwendet worden ist, wird nur gemunkelt. Und allgemein, das war ja bekannt, war die Dtanni eben auch immer die freundlichere gewesen von den zwei. Nicht so arrogant wie die Hanni. Und so war die allgemeine Meinung nicht, grosse Trauer um die arme tote alte Frau, obwohl natürlich die ganze Familie und ihre Freunde an der Beerdigung teilnahmen, sondern eher Mitleid mit der armen Dtanni, muss ins Gefängnis, in diesem Alter.

Die grosse Strasse durchs Tal ist im Moment gesperrt, weil während der klimatischen Sommerunruhen, ein Mure abgegangen ist. Zum Glück gibt’s eine Autobahn, die durch dieses Tal führt, sonst wäre man jetzt eingesperrt. Das Tal liegt an einer Grenze. In einem reichen Land, wo Menschen ihre Zeit damit verbringen, zu Arbeiten, Auto zu fahren, und Sachen zu kaufen, und über die anderen zu schimpfen, weil einem die eingen Ambitionslosigkeit dumm gemacht hat. Ich selbst zum Beispiel habe mich grad etwas in diesem Text verfahren. Einbahn. Ich kam über die Autolehrerin ins wippende Tal, und dann auf die Zombieschwestern, weil? Keine Ahnung. Ganz ehrlich.

Ich frage ob beim runden weissen Schild, dass von einem Schwarzen Strich durchzogen wird, alle vorhergehenden, Regeln, also nicht nur die Geschwindigkeitsbegrenzung, sondern auch das Überholverbot, sei es nun ein oder zweispurigen bzw. nur für Lastwagen, aufgehoben werden würde. Sie meint das dies eine gute Frage sei. Jemand will noch mal wissen, wie man die die Verkehrstafeln bei Schnee erkennen kann. Ich schaue nach draussen, wo eine an Drähten befestigte Strassenlampe im Wind wackelt.

Merkur

An der Supermarktkasse bildet sich eine lange Schlange. Auch der Self Check Out ist verstopft. Ein grosser Markt in Innsbruck. Ich denke über einen Artikel nach der Nietsches Übermenschen in Bezug zur russischen Avantgarde, falsches Wort progessiven russischsprachigen Künstlern, am Übergang ins 20. Jahrhundert setzt. Und darüber das er eben doch in einem Magazin erschienen ist, welches mir, auf Grund eines guten, rein geistigen Freundes, etwas zu selbstzufrieden, ja sich selbst genügend, also bürgerlich, obwohl mit linkem Flair verkleidet erscheint. Ethische Standards ja bitte aber frag mich nicht wie! Futurismus als Tradition gefährlich.Die Maschine stockt. Jetzt ist schon mehr als 5 Minuten keine neue Kasse geöffnet worden. Ein als Mitarbeiter verkleideter Mitte Dreissiger mit blondem Haar wie Schnauz trägt eine Kiste voller Red Bull und Monster Drinks an uns Wartenden vorbei und lässt sie fallen, als er am Süssigkeitenregal ankommt. Der Mann weiter hinten an der Fleischtheke schaut, nicht genervt, eher mitleidig wissend weg und wünscht sich ganz dringend einen anspruchsvollen Kunden. Ein der Dose rollt auf mich zu. Ich nehme sie auf und bringe sie dem Mann. Das Frischfleisch flüstert ein „Nicht nötig gewesen“ und verbeugt sich, oder beugt sich nach Dosen, irgendwie beides. Alle schauen mich komisch an. Ich bin hier jemand der einkauft und nicht beim aufräumen hilft. Auch und gerade nicht, wenn viele schon auf die Uhr schauen, weil es gegen Mittag geht. Man also murrenden kollektiven Protest möchte, der sich vor allem durch böse Blicke auf alles versucht zu äussern. Das fallen Lassen der Dosen des unfähigen Mitarbeiters, der offensichtlich nicht mal eine Kasse bedienen kann, wäre ideal dafür gewesen. Als Projektion. Niemand erscheint an der Kasse. Andere Leute drehen sich um und kaufen noch etwas ein was sie nicht brauchen. Ein einzelner älterer Herr ist etwas besonders gekleidet, hat eine coole Jeansjacke. Ansonsten das übliche einerlei aus Trainingsklamotten bis zu Jeans mit Hemd. Ein junger Mann mit Glatze redet auf einen Studenten ein der am Self-Checkout seine Fertiprodukte und eine Flasche Wein, was die Alterskontrolle auslöst, zum Kauf abfertigen will. Die Glatze stottert unverständliche Bruchstücke von Sprache aus. Bhe. Bhe. Buh. Da. Nahm. Nahm. Bah. Und wird dabei merklich immer aggressiver. Der Student errötet. Die Frau der Glatze, Baby im Arm, geht dazwischen und kann im Gegensatz zum ihm mit dem Studenten eine Sprache sprechen. Dieser zieht sich nun wohlgemeint etwas zurück, schaut dabei aber ernst, während die Frau den Kassenzettel, von der Maschine abzieht, welchen die beiden, zu faul sich ihre Kreditkartenrechnung anzusehen, vergessen hatten. Ein junger Verkäufer an Kasse 9, streckt auf wie in der Schule, was ich super finde, weil wir ihn damit, zwischen allen Regalen, sehen können. Als ich meinen Einkauf, ich wurde dritter, schon fast auf das Band aufgeladen hab, wird mir klar, für die Kürbissuppe, hab ich den Ingwer vergessen, ich drängle mich also zurück, was die Hausfrau mit Kind im Wagen hinter mir nicht so toll findet. Als ich zurück kommen streiten der junge Kassier, die Hausfrau, eine ältere Dame mit viel Schminke, und eine ergraute Mittefünfzigerin, darüber, ob zuerst geklärt werden soll, ob die 25% Rabattmarken, für das Backwarenset der Midlifetussie zählen, oder die zu viel gerechnete Stumpfhose auf dem Kassenzettell der Tränsensacklady neben ihr zurückbezahlt werden soll. Der junge Kassier, er hat eine etwas dunklere Hautfarbe als zum Beispiel ich, Gel Frisur und Metallbrille mit ganz dünnem Rahmen, so das man sie kaum sieht, löst diese administrativen Probleme ziemlich gut. Und ich kriege, weil nämlich die Backform nicht zählt, die Rabattmarken geschenkt, welche die alte Dame als Zeichen des Protests, a la wenn ihr sie sie mir nicht gebt, dann schenk ich sie dem letzen Penner, ausgerechnet bei mir deponiert hat, und fluchend davon geht, während die Hausfrau, welche inzwischen wütend mit ihrem Mann telefoniert, mein Angebot ablehnt, die Marken zu nehmen, das es aber nun endlich weitergeht, das Telefonat beendet und nun doch, nach einigen Produkten, eifersüchtig meint, sie hätte die Frau ja eigentlich vorgelassen, stimmt denke ich, da war ich auf dem weg zum Ingwer, löse dann aber die Rabattmarken auf meine Lindtschoggi ein, weil ich die eh immer zu teuer finde. Die Hausfrau schlägt seltsamerweise mit mir ein als ich ihr meine leere Hand hinhalte um mich zu verabschieden.

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