Pierre Clastres, anarchistischer Ethnologe.

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Pierre Clastres (1934-1977) war ein anarchistischer Ethnologe aus Frankreich. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit indigenen Völker aus Südamerika wie z.B den Guayaki aus Paraguay, den Chulupi aus dem Gran Chaco (eine Region die Gebiete aus Argentinien,Bolivien,Paraguay und Brasilien umfasst), den Yanomami (eine Region innerhalb Venezuela und Brasilien) und den Guarani aus Brasilien. Clastres betreibt politische Anthropologie und ist leider in vielen Kreisen (selbst viele Ethnologie Studenten haben sich kaum mit ihm befasst) relativ unbekannt. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören „Die Gesellschaft gegen den Staat“, „Archäologie der Gewalt“ und „Über französische Marxisten und ihre Anthropologie“. Letzterer Text zeigt Clastres kritische Einstellung gegenüber dem wissenschaftlichen Opportunismus vieler Marxisten (nicht gegen die Marxsche Kritik per se), er versucht aufzuzeigen wieso Begriffe wie Produktion oder Produktionsverhältnisse nicht auf primitive, indigene, nicht-gespaltene Völker anwendbar sind. Mit viel Humor und einer sehr direkten Art greift er die zentralen Thesen von marxistischen, als auch von strukturalistischen Anthropologen an. Dieser Text konnte Clastres jedoch nie überarbeiten und er ist einer seiner letzten Schriften.

Der hier aufgeführte Text „Über was lachen Indianer?“, ist ein Auszug aus seinem Hauptwerk „Die Gesellschaft gegen den Staat“. In diesem Werk kritisiert er die zentrale Stellung vom Staat innerhalb der politischen Anthropologie seiner Zeit, er versucht aufzuzeigen, dass der Staat nicht eine allgegenwärtige natürliche Entwicklung innerhalb von menschlichen Gesellschaften ist, sondern dass die Geschichte vieler indigener Völker aus dem Amazonas Gebiet, die Geschichte von Völkern ist, die mit ihren Strukturen und Normen versuchten den Staat zu verhindern. „Über was lachen Indianer?“, sind Mythen der Chulupi Indianer die Clastres während seiner Feldforschungen aufgenommen hat. Wie er selbst sagt: „Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.“

Kapitel 6 Worüber lachen die Indianer?

Die strukturale Analyse, die die Erzählungen der »Wilden« endlich ernst nimmt, lehrt uns seit einigen Jahren, dass derlei Erzählungen tatsächlich äusserst ernst sind und dass sich in ihnen ein System von Fragen artikuliert, die das mythische Denken auf die Ebene des Denkens schlechthin erheben. Da wir dank den Mythologica von Claude Lévi-Strauss nunmehr wissen, dass die Mythen nicht reden, um nichts zu sagen, erwerben sie in unseren Augen ein neues Prestige: und man erweist ihnen gewiss nicht zuviel Ehre, wenn man ihnen Gewicht beimisst. Vielleicht aber birgt das jüngst erwachte Interesse an den Mythen auch die Gefahr, dass wir sie diesmal allzu »ernst« nehmen, wenn man so sagen darf, und ihre gedankliche Dimension nicht richtig beurteilen. Kurz, wenn man ihre weniger gespannten Aspekte im Dunkel liesse, würde sich eine Art Mythomanie breit machen, die einen Zug vergässe, der vielen Mythen gemeinsam ist und ihren Ernst nicht ausschliesst: nämlich ihren Humor. Nicht weniger ernst für die, die sie erzählen (die Indianer z. B.), als für die, die sie sammeln oder lesen, können die Mythen dennoch eine ausgeprägte Vorliebe für das Komische entwickeln und zuweilen die ausdrückliche Funktion erfüllen, die Zuhörer zu vergnügen, ihr Gelächter auszulösen. Wenn man bemüht ist, die Wahrheit der Mythen vollständig zu bewahren, darf man die reale Bedeutung des Lachens, das sie verursachen, nicht unterschätzen und muss berücksichtigen, dass ein Mythos von ernsten Dingen reden und gleichzeitig diejenigen zum Lachen bringen kann, die ihm lauschen. Der Alltag der »Primitiven« steht trotz seiner Härte nicht immer im Zeichen der Mühsal und Sorge; auch sie verstehen es, sich Augenblicke der Entspannung zu verschaffen, und ihr ausgeprägter Sinn für das Lächerliche bringt sie häufig dazu, sich über ihre eigenen Ängste lustig zu machen. Und nicht selten betrauen diese Kulturen ihre Mythen mit der Aufgabe, die Menschen zu zerstreuen, indem sie ihr Dasein gewissermassen entdramatisieren. Die beiden Mythen, die wir vorstellen wollen, gehören zu dieser Kategorie. Sie wurden im letzten Jahr bei den Chulupi-Indianern gesammelt, die im Süden des paraguayschen Chaco leben. Diese teils burlesken, teils unzüchtigen Geschichten, denen es trotzdem nicht an einer gewissen Poesie mangelt, sind allen Mitgliedern des Stammes, ob jung oder alt, wohlbekannt: doch wenn sie wirklich Lust zum Lachen haben, bitten sie einen im traditionellen Wissen bewanderten Greis, sie ihnen ein weiteres Mal zu erzählen. Die Wirkung bleibt nie aus: das anfängliche Schmunzeln weicht schnell einem kaum unterdrückten Glucksen, dann schallendem Gelächter, bis am Schluss nur noch Freudengeheul erschallt. Während das Tonbandgerät diese Mythen aufnahm, übertönte der Lärm der etwa zehn zuhörenden Indianer zuweilen die Stimme des Erzählers, der selbst jeden Augenblick im Begriff stand, seine Fassung zu verlieren. Wir sind keine Indianer, doch vielleicht finden wir, wenn wir ihren Mythen lauschen, einen Grund, uns mit ihnen zu freuen.

Erster Mythos

Der Mann, dem man nichts sagen konnte

Die Familie dieses alten Mannes besass nur eine kleine Menge gekochter Kürbisse, als man ihn eines Tages bat, ein paar Freunde einzuladen, diese Kürbisse zu essen. Er aber holte mit grossem Geschrei alle Leute aus den Häusern des Dorfs. Laut rief er ihnen zu: »Kommt alle essen! Alle Welt soll zum Essen kommen! « »Nichts wie hin! Alle werden kommen!« antworteten die Leute. Und dabei gab es kaum eine Schüssel voll Kürbisse. Und so assen die zwei oder drei ersten, die kamen, alles auf, und für die, die später herbeiströmten, blieb nichts mehr übrig. Alle waren im Haus des Alten versammelt, und es gab überhaupt nichts mehr zu essen. »Wie ist das möglich?« wunderte er sich. »Warum zum Teufel hat man mich gebeten, die Leute zum Essen einzuladen? Ich habe getan, was man mir gesagt hat. Ich glaubte, dass es einen Haufen Kürbisse gäbe. Es ist nicht meine Schuld! Immer sind es die anderen, die mich zum Lügen verleiten! Und dann sind sie mir böse, weil man mich hat sagen lassen, was nicht ist!« Da erklärte ihm seine Frau: »Du musst leise sprechen! Du musst ganz leise sagen: Kommt Kürbisse essen! « »Aber warum hast du mir gesagt, ich soll die Leute da unten einladen? Ich habe laut gerufen, damit sie es hören können!« Die Alte fluchte: »Was für ein alter Idiot, diese vielen Leute einzuladen! « Einige Zeit später ging er fort, um seine Verwandten aufzufordern, seine Erdnusspflanzungen zu ernten. Auch hier stellte sich alle Welt ein, während es doch nur drei Fuss Land gab. »Wir wollen meine Erdnussernte einbringen! Es gibt sehr viele davon!« hatte er mit sehr lauter Stimme verkündet. Und da standen nun alle Leute mit ihren Körben vor der drei Fuss grossen Pflanzung. »Ich glaubte, dass es viele gäbe!« entschuldigte sich der Alte. »Aber es gibt Kürbisse und Andai2 : nehmt sie!« Die Leute füllten also ihre Körbe mit Kürbissen und Andai statt mit Erdnüssen. Nach der Ernte ging der Alte nach Hause. Dort traf er seine Enkelin an: sie brachte ihm ihr krankes Kind, damit er es heile, denn er war ein t’ôoie’éh, ein Schamane. »Grossvater! Heile deinen Urenkel, der Fieber hat! Spucke!« »Ja! Ich werde ihn sofort heilen!«

Und er begann, auf den kleinen Knaben zu spucken, ohne Unterlass, bis er ganz voll Spucke war. Die Mutter des Kindes rief: »Aber nein! Du musst auch blasen! Blase! Heile ihn besser!« »Ja, ja! Warum hast du mir das nicht früher gesagt? Du hast mich gebeten, auf meinen Urenkel zu spucken, aber nicht, auf ihn zu blasen. Also habe ich gespuckt!« Er gehorchte seiner Enkelin und begann, auf das Kind zu blasen und zu blasen, ohne Unterlass. Nach einer Weile unterbrach ihn die Frau und erinnerte ihn daran, dass er auch den Geist des Kranken suchen müsse. Der Grossvater stand sofort auf und begann mit der Suche, indem er die Gegenstände in allen Ecken und Winkeln des Hauses hochhob. »Aber nein, Grossvater! Setz dich hin! Blase! Und sing doch endlich!« »Warum sagst du mir das erst jetzt? Du bittest mich, meinen Urenkel zu suchen: also bin ich auf gestanden, um ihn zu suchen! « Er setzte sich also wieder und schickte nach den anderen Zauberern, damit sie ihm bei der Kur beistehen und ihm helfen, den Geist seines Urenkels zu finden. Sie versammelten sich alle in dem Haus. Der Alte sprach zu ihnen: »Unser Urenkel ist krank. Wir müssen also versuchen, die Ursache seiner Krankheit zu finden.« Als Haustier seines Geistes hatte der Alte eine Eselin. Die Geister der Schamanen machten sich auf die Reise. Der Alte kletterte auf seine Eselin und stimmte seinen Gesang an: »Kuvo’ uitaché! kuvo’uitaché! kuvo’uitaché!… E-selin ! E-selin ! E-selin ! … « Sie waren ziemlich lange unterwegs. Plötzlich blieb die Eselin mit einem Bein in weicher Erde stekken: hier gab es Kürbiskerne. Die Eselin blieb stehen. Der alte Schamane unterrichtete seine Gefährten: »Die Eselin ist stehengeblieben. Es muss hier irgend etwas geben!« Sie sahen aufmerksam nach und entdeckten eine grosse Menge gekochter Kürbisse: sie assen sie. Als sie fertig waren, erklärte der Alte »Gut! Jetzt können wir unsere Reise fortsetzen.« Sie zogen wieder los, immer im Rhythmus desselben Gesangs Kuvo’uitaché! kuvo’uitaché! kuvo’uitaché!… Eselin! E-selin ! E-selin ! … « Plötzlich zuckte das Ohr des Tieres »Tschuuuk«, sagte der Alte. In diesem Augenblick erinnerte er sich daran, dass sich ganz in der Nähe ein Bienenstock befand, den er einst wieder zugestopft hatte, damit von neuem die Bienen kämen und hier ihren Honig herstellten. Um es der Eselin zu ermöglichen, zu diesem Ort zu gelangen, schlugen die Schamanen einen Weg durch den Wald. Als sie zu dem Bienenstock kamen, stellten sie die Eselin mit dem Hinterteil gegen den Baum, und sie begann, mit ihrem Schwanz den Honig herauszuziehen. Der Alte sagte: »Leckt den Honig ab! Leckt den ganzen Honig ab, der in den Schwanzhaaren klebt! Wir werden noch mehr herausholen.« Das Tier wiederholte die Operation, und es kam noch viel Honig zum Vorschein: »Los, los!«, sagte der Alte. »Esst allen Honig, Männer mit der gleichen Nase! Wollt ihr noch mehr oder habt ihr genug?« Die anderen Schamanen hatten keinen Hunger mehr. »Sehr gut! Gehen wir also weiter! « Sie zogen wieder los und sangen: »E-selin! E-selin! Eselin! … « Sie wanderten eine Zeitlang. Plötzlich rief der Alte: »Tschuuuk ! Da vorne ist was! Was mag das wohl sein? Sicher ein ts’ich’é, ein böser Geist!« Sie näherten sich, und der Alte versicherte: »O! das ist ein sehr schnelles Wesen! Das können wir nicht erwischen!« Dabei war es nur eine Schildkröte. »Ich bleibe in der Mitte, um es zu fangen«, sagte er, »denn ich bin älter und erfahrener als ihr.« Er liess sie im Kreis antreten, und auf sein Zeichen hin griffen alle gemeinsam die Schildkröte an » E-selin! E-selin! E-selin! … « Doch das Tier machte nicht die geringste Bewegung, denn es war eine Schildkröte. Sie besiegten sie. Der Alte rief aus: »Wie hübsch! Was für eine schöne Zeichnung! Das soll mein Haustier sein!« Er nahm sie mit, und sie zogen wieder los und sangen: »E-selin! . . .« Doch bald, »Tschuuuk!«, blieben sie wieder stehen. »Die Eselin geht nicht mehr weiter! Da vorne ist was!« Sie sahen nach und entdeckten ein Stinktier: »Das soll unser Hund sein!«, beschloss der Alte. »Er ist sehr hübsch, es ist ein wilder Hund.« Sie bildeten einen Kreis um das Tier, und er selbst stellte sich in die Mitte und verkündete: »Ich bin älter und geschickter als ihr!« Und unter den Klängen von »E-selin! E-selin ! E-selin ! « schritten sie zum Angriff. Doch das Stinktier verschwand in seinem Bau. »Da ist es reingeschlüpft! Ich will versuchen, es rauszuholen!« Der alte Zauberer steckte seine Hand in die Öffnung, er beugte sich tief hinunter, und das Stinktier pisste ihm ins Gesicht.3 »Miaaa ! « brüllte er. Er wäre fast ohnmächtig geworden vor lauter Gestank. Die anderen Schamanen rannten davon und schrien: »Es stinkt! Es stinkt fürchterlich!« Sie setzten ihre Reise fort, alle im Chor singend, und bald bekamen sie Lust, zu rauchen. Das Ohr der Eselin zuckte, und das Tier blieb wieder einmal stehen. »Also gut! Jetzt wollen wir ein bisschen rauchen«, beschloss der Alte. Er trug sein Rauchgerät in einem kleinen Beutel; er suchte nach seiner Pfeife und seinem Tabak. »Ach! Ich dachte nicht, dass ich meine Pfeife vergessen hätte!« Er suchte sie überall, ohne etwas zu finden. »Bleibt hier sitzen!« befahl er den anderen. »Ich gehe ganz schnell meine Pfeife und meinen Tabak holen.« Und er zog los mit dem Lied auf den Lippen: »E-selin! E-selin! E-selin!… « Als das Lied zu Ende ging, war er schon wieder bei ihnen. »Da bin ich wieder!« »Also da bist du wieder? Dann können wir jetzt ein bisschen rauchen. Und sie begannen zu rauchen. Als sie gut geraucht hatten, machten sie sich wieder auf den Weg; immer noch sangen sie. Plötzlich zuckte das Ohr des Tieres, und der Alte alarmierte seine Gefährten: »Tschuuuk ! Es sieht so aus, als wäre da unten ein Tanz!« In der Tat hörte man Trommeln. Die Schamanen begaben sich zum Ort des Festsund begannen zu tanzen. Jeder von ihnen gesellte sich einem tanzenden Paar zu.

Sie tanzten eine Weile, verabredeten sich dann mit den Frauen zu einem kleinen Spaziergang. Sie verliessen den Tanzplatz, und alle Schamanen vögelten mit den Frauen. Auch ihr alter Häuptling kopulierte. Doch kaum war er fertig, fiel er in Ohnmacht, denn er war sehr alt. »Ach! Ach! Ach!« Er keuchte immer stärker, und auf dem Höhepunkt der Anstrengung baute er schliesslich ab. Nach einer Weile kam er wieder zu sich: »Äch! Ach! Ach!« stöhnte er, schon viel ruhiger. Er erholte sich langsam, rief seine Gefährten zusammen und fragte sie »Na? Habt ihr euch auch erleichtert?« »O ja! Jetzt sind wir frei. Wir können weggehen, und sehr viel leichter! « Singend zogen sie weiter. Nach einer Weile wurde der Weg sehr schmal. »Wir müssen diesen Pfad sauber machen, damit die Eselin sich keine Dornen in die Füsse jagt.« Es waren nur Kaktusse. Sie machten also sauber und gelangten zu der Stelle, wo der Weg wieder breiter wurde. Immer noch sangen sie: »E-selin ! E-selin ! E-selin ! …« Ein Ohrzucken des Tiers liess sie innehalten. »Da vorne ist was! Schauen wir nach, was es ist!« Sie gingen hin, und der alte Schamane bemerkte, dass es seine Hilfsgeister waren. Er hatte sie schon davon unterrichtet, was er suchte. Er trat näher, und sie verkündeten: »Es ist Faiho’ai, der Geist der Kohle, der die Seele deines Urenkels zurückhält. Er lässt sich auch von Op’etsukfai helfen, dem Geist des Kaktus. « »Ja! Ja! Genau! So ist es! Ich kenne sie sehr gut, diese Geister! « Es waren noch andere da, aber die kannte er nicht. Von seinen Hilfsgeistern informiert, wusste er nun, wo sein kleiner Urenkel steckte: in einer Scheune.4 Auf seiner Eselin hockend, ritt er singend zum angegebenen Ort. Doch dort hielten ihn die dornigen Zweige des Bauwerks gefangen. Er bekam es mit der Angst und rief die anderen Zauberer zu Hilfe. Doch als er sah, dass sie nicht reagierten, stiess er einen Schrei aus. Erst jetzt eilten seine Hilfsschamanen herbei, und so konnte er den Geist des Kranken holen. Er brachte ihn nach Hause und führte ihn wieder in den Körper des Kindes ein. Da stand seine Enkelin auf, nahm ihr geheiltes Kind und ging fort. Dieser alte Schamane hatte noch zwei andere Enkelinnen. Sie gingen sehr gerne die Früchte des schwarzen algarrobo sammeln. Am nächsten Tag bei Morgengrauen suchten sie ihn auf: »Ist unser Grossvater schon aufgestanden?« »O ja! Er ist schon lange wach!« »Gut! Gehen wir also!« Und er ging den schwarzen algarrobo suchen mit einer seiner Enkelinnen, die noch unverheiratet war. Er führte sie zu einer Stelle, wo viele Bäume wuchsen, und das junge Mädchen begann, die Früchte zu pflücken. Er selbst setzte sich hin, um zu rauchen. Doch schon bekam er langsam Lust, etwas mit seiner kleinen Enkelin anzustellen, denn die Sitzung vorn Vorabend mit den Frauen, die sie während der Reise getroffen hatten, hatte ihn sehr animiert. Er überlegte also, wie er seine Enkelin herumkriegen könnte.

Er las einen algarrobo-Dorn auf und steckte ihn sich in den Fuss. Dann tat er so, als würde er versuchen, ihn herauszuziehen. Er stöhnte: »Au! Au! Au! « »Oh! Mein armer Grossvater! Was ist dir passiert?« »Ein Unglück! Ich habe einen Dorn im Fuss! Und ich habe ganz das Gefühl, dass er mir ins Herz wandern wird!« Das junge Mädchen war gerührt und kam näher, und der Grossvater sagte zu ihr: »zieh deinen Gürtel aus, damit wir die Wunde abbinden können! Denn ich halte es nicht mehr aus!« Sie tat, wie er gesagt hatte, und der Grossvater veranlasste sie, sich zu setzen. »Zieh doch deinen Schurz ein wenig hoch, damit ich meinen Fuss auf deine Schenkel setzen kann! Au! Au! Aua! Aua!« Ein schreckliches Gestöhn! Er litt grosse Schmerzen »Lass mich meinen Fuss auf deine Schenkel setzen! Au! Au Au! Wie ich leide! Ich kann es nicht mehr aushalten! Mach deine Schenkel ein bisschen auseinander! Aua! Aua!« Und das mitleidige Mädchen gehorchte. Der Alte war ganz aufgeregt, denn sie war jetzt ganz nackt: »Hm! Was hat sie für schöne Beine, meine Enkelin! Kannst du meinen Fuss nicht ein bisschen höher legen, liebe Enkelin?« Da warf er sich auf sie und rief: »Ah, ah! Jetzt wollen wir deinen künftigen Gatten vergessen!« »Ach! Grossvater!« rief das junge Mädchen, das nicht wollte. »Ich bin nicht dein Grossvater!« »Grossvater, ich werde alles erzählen!« »Na, und! Ich werde auch alles erzählen!« Er warf sie zu Boden und steckte ihr seinen Penis rein. Und als er auf ihr lag, rief er: »Tsü ! Siehst du! Jetzt bist du dabei, von meinen Resten zu profitieren! Wirklich, den letzten!« Dann kehrten sie ins Dorf zurück. Sie erzählte nichts, weil sie sich so sehr schämte. Der alte Schamane hatte noch eine andere Enkelin, die auch noch nicht verheiratet war. Auch diese hätte er gerne vernascht. Er lud sie also ein, algarrobo-Früchte zu pflücken, und als sie an Ort und Stelle waren, spielte er dieselbe Komödie mit dem Dorn. Doch diesmal hatte er es eiliger, er zeigte seiner Enkelin den Dorn und warf sie ohne Umschweife auf die Erde und legte sich auf sie. Er begann, in sie einzudringen. Doch das junge Mädchen zuckte heftig zusammen, und der Penis des Alten fuhr in ein Grasbüschel; ein Halm stach ihn und verletzte ihn ein wenig: »Aua! Meine Enkelin hat mir in die Nase gestochen! «5 Abermals warf er sich auf sie. Sie kämpften auf dem Boden. Im geeigneten Moment nahm der Grossvater seinen Anlauf, verfehlte wiederum sein ziel, und sein Penis riss in seiner Wucht den ganzen Grasbüschel aus. Er begann zu bluten, beschmierte den Bauch seiner Enkelin mit Blut. Diese machte eine grosse Anstrengung, und es gelang ihr, sich unter ihrem Grossvater herauszuwinden. Sie packte ihn an den Haaren, schleifte ihn zu einem Kaktus und rieb sein Gesicht an den Stacheln. Er flehte: »Hab Mitleid mit deinem Grossvater!« »Ich will nichts wissen von meinem Grossvater!«

»Du wirst deinen Grossvater verlieren!« »Das ist mir Wurscht!« Und sie fuhr fort, seinen Kopf in den Kaktus zu stossen. Dann packte sie ihn wieder an den Haaren und schleifte ihn mitten in ein caraguata-Gestrüpp. Der Alte hielt einige Augenblicke stand, dann versuchte er aufzustehen. Doch sie hinderte ihn daran. Die Dornen des caraguata zerkratzten ihm den Bauch, die Hoden und den Penis: »Meine Hoden! Meine Hoden werden zerreissen!« klagte der Grossvater. Krr! Krr! machten die Dornen, als sie ihn zerkratzten. Schliesslich liess ihn das Mädchen auf dem caraguata-Haufen liegen. Der Alte hatte schon einen ganz geschwollenen Kopf von all den Dornen, die in ihn gedrungen waren. Das junge Mädchen hob seinen Beutel auf, ging nach Hause und erzählte ihrer Grossmutter, was ihr Grossvater ihr hatte antun wollen. Dieser konnte fast nichts mehr sehen vor lauter Dornen, die ihm in die Augen stachen, und er schleppte sich stolpernd nach Hause. Dort zog seine Frau ihren Schurz aus und schlug ihm damit ins Gesicht: » Fass doch mal an, was ich hier habe!« schrie sie. Und sie packte seine Hand und führte sie an ihren blasu, ihre Vagina.Wütend schrie sie: »Ja! Du liebst die Sachen der anderen! Aber was dir gehört, willst du nicht!« »Deinen blasu will ich nicht! Er ist zu alt! Alte Sachen mag keiner mehr benutzen!«

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