Ein Pamphlet für den Beton

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Wir leben in einer Stadt namens Zürich. Diese Stadt galoppiert einer goldenen Zukunft entgegen. Als Zugpferd Europas glänzt Sie am Fusse des Albis. Aber die wirtschaftlichen Entwicklungen in nahezu allen Bereichen stellt die Stadtplaner vor grosse Fragen. Wie viele Menschen können in dieser Stadt leben und arbeiten? Wie leben sie und in welcher Umgebung? Man ist sich eigentlich einig, dass eine Umwelt geschaffen werden muss in der die Produktivität steigt. Kurze Wege zur Arbeitsstelle, gute Einkaufsmöglichkeiten, eine Kneipe an der Ecke.

Wir versuchen in diesem Pamphlet eine Neue Stadt zu zeichnen, weil wir mit der Politik, die im Zusammenhang mit der Aufwertung praktiziert wird, nicht einverstanden sind. Wir denken, dass die Stadt in ihrer Gentrifizierungspolitik eher einen beschönigenden als einen praktischen Weg eingeschlagen hat.

Die Stadt ist der stärkste Knotenpunkt eines Landes und wer in ihr, heute, etwas anderes als eine pragmatische, funktionale, wirtschaftsorientierte Wohn- und Arbeitsstätte sieht, der verleugnet alle Zeichen unserer Zeit. Flächen werden begrünt, Spielplätze und Tummelstätten für Freizeitaktivitäten gebaut, schönes, luxuriöses Wohnen propagiert. Es wird versucht die Illusion einer Gemeinschaft zu kreieren, die sich selbst verwirklicht und sich den Pflichten einer Stadtbevölkerung zu entziehen versucht. Mitten in der stetig steigenden Produktivität versucht die Stadt diese Illusion greifbar zu machen. Sehr schön ist diese Problematik in verschiedensten Projekten, die die Stadt jüngst verwirklicht hat zu beobachten. So wurden z.B. in der neuen Kunstfabrik Toni-Areal mehrheitlich luxuriöse Lofts gebaut anstelle von praktischen Arbeiterwohnungen. Der Strassenstrich, ein Mikrokosmos zwischen Illegalität und Tradition wurde zum sterilen Drive-In Kontroll-Strich mit städtischem Gütesiegel. Da wurde ein florierender Zeig der hiesigen Wirtschaft, aus kosmetischen Gründen, verschmälert und an den vermeintlichen Rand der Stadt verlegt. Die Sexboxen sind farbig und hip und durch den neuen Anstrich erscheinen sie human und nett. Dieser Ansatz wirkt, der realen Situation, in der sich die arbeitende Masse befindet und bereit sein muss Opfer zu bringen, entgegen Es braucht keine vermeintlich soziale Projekte in denen man einigen wenigen ihre Selbstverwirklichung ermöglicht und andere nicht ihre volle Arbeitskraft ausschöpfen lässt. Die Stadt muss dichter werden, enger bebaut, kein Platz für D.I.Y Shops mit veganen Sandwiches à la Berlin oder sonst wo, den diese Trends sind höchst vergänglich und haben keine Substanz. Diese Praxis zerstört die wirtschaftliche Moral und begünstigt das Faulenzerleben und die Arbeitsscheu. Auch ein gutes Beispiel für dieses Handeln, ist der Umgang mit den diversen Hausbesetzungen die es immer wieder in der Stadt Zürich zu beobachten gibt. Da gibt es diese undefinierte Masse sogenannter Autonomer, Hippies, alt 68er und jungen Utopisten, die immer wieder versuchen sich „Freiräume“ in der Stadt anzueignen. Diese Menschen scheinen sich der Zeit in der sie Leben, nicht bewusst zu sein, denn ein solches Verhalten duldet null Toleranz. Freiräume sollen heute und auch in Zukunft in einer kleinen Stadt wie Zürich, die auf ihr ökonomisches Wachstum achten muss, keinen Platz mehr finden. Wieso nicht an all diesen Orten einfache Betonunterkünfte bauen in denen Menschen, deren tägliche Arbeit dringend gebraucht wird untergebracht werden können.

So stellen wir uns gegen die heuchlerische Gentrifizierungspraxis mit ihren Ideen von Gemeinschaft, Kreativität und urbanem Wohnen. Wir positionieren uns auf der Seite der Realität. Die Realität, das heisst sich mit den komplexen Mechanismen des Kapitals und seiner Akkumulation zu identifizieren und in Ihnen zu Leben. Wenn man die Zeit in der wir leben begreift, ist völlig offensichtlich, dass wir die Stadtplanung neu denken müssen.

Wir leben in einem System das den Menschen braucht wie das Feuer Holz. Wenn wir eine Stadt wollen die auch in Zukunft dem wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, muss eine Situation geschaffen werden in der die Stadt ihre Ressourcen (den Menschen) optimal ausnutzt. In dieser Ausnützungsziffer sehen wir Heute grosse Defizite. Es muss radikal umgesattelt werden. Wer sich in dieser Situation erkennt braucht nicht viel Intellekt zu besitzen um zu sehen, dass es wenig Sinn macht, wen man den Menschen möglichst frei und platzverschwendend zu lagern versucht. Wir wollen einen klaren Sachverhalt schaffen. Das ganze Gefasel von Ästhetik und Wohnkonzepten ist doch nur ein Versuch die starre Logik des Marktes zu verschleiern. Was eignet sich denn besser als Beton? Die Stadt so zu bauen, dass die Menschen auf kleinstem Raum in hoher Dichte angesiedelt werden. Grosse Einkaufszentren könnten anstelle der tausend kleinen Spezialisten entstehen. Mehr Sicherheit dank einer klaren überschaubaren Architektur, kurze Bauzeiten, weniger lange Planungsphasen, der Unterhaltungsapparat würde drastisch verschmälert werden. Auch das Konzept der Altstadt muss neu gedacht werden. Macht es wirklich Sinn diese verwinkelten Mittelalterlichen Strukturen weiter zu pflegen. Ist es doch einem älteren, noch arbeitsfähigen Menschen viel schwerer über steiles Kopfsteinpflaster zu gehen als über eine neue Teerstrasse. Lasst uns die Grünflächen überbauen. Tausende Wohnungen, Parkplätze, etc. könnten entstehen, wo jetzt potentielle Produktionskräfte auf Wiesen liegen, spielen und dem Leben frönen.

Wir wollen aber auf keinen Fall vergessen das wir auch auf den Besitzenden Teil der Gesellschaft angewiesen sind, welcher Arbeitsplätze schafft und das dieser Teil lieber etwas luxuriös und ruhig wohnt, ist natürlich verständlich. Diese Tatsache wollen auch wir auf keinen Fall untergraben eher gilt es klarere Trennlinien zu ziehen.Die Arbeitenden müssen nicht wissen wie die reicheren wohnen auch ein sozialer Austausch zwischen diesen Gruppen ist nicht nötig und führt nur zu gegenseitiger Kränkung und Verelendung. Wir sind bestrebt und voller Enthusiasmus für dieses neue Zürich, das Zürich der Zukunft zu kämpfen. Der Finanzplatz Zürich muss erhalten werden und dies soll im Interesse aller seiner Bewohner sein. Dieses Pamphlet für den Beton, dieser Entwurf soll als Modell für viele andere Städte gelten, die den Weg in die wirtschaftliche Zukunft genauso konsequent beschreiten wollen, wie wir.

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