Sowjetische Ostern: Programm

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Sowjetische Ostern:

Idee und Programm

100 Jahre ist es her, seit Lenin seine April-Thesen in Petrograd verkündete, nachdem er von Zürich abgereist war. Als Reaktion auf die Februarrevolution in Russland, in deren Zuge der Zar abdankte und eine provisorische Regierung gebildet wurde, gingen diese Thesen weit über das hinaus, was die Bolschewiki für politisch machbar hielten. Die radikalste der Forderungen – „Alle Macht den Sowjets!“ – wurde als gefährliches Abgleiten Lenins in einen anarchistischen Wahn interpretiert. Die weiteren Entwicklungen in Russland aber bestätigten Lenins Haltung. Vier Jahre später verkündeten die rebellischen Matrosen von Kronstadt erneut die selbe Parole mit einer wesentlichen Erweiterung: „Alle Macht den Sowjets – keine Macht der Partei!“

Wir nehmen diese Sachen zum Anlass um zu lachen, nachzudenken, zu musizieren, zu diskutieren und laden euch ein, vorbei zu kommen.

– Eröffnung jeden Tag ab 17.30

– Permanente Fotoausstellung

– Gulaschkanone, solange es hat

– Freier Eintritt

Täglich:

Punkt 18 Uhr: Leninistischer Gottesdienst

Tote Worte von einem Totgesagten lebendig werden lassen. Lenin gibt sich die Ehre und euch allen: Täglich verkündet er sein avantgardistisches Wort von der Kanzel, reckt den Kinnbart frech nach Petrograd und interpretiert eine Passage aus der Bibel auf seine nachahmliche Weise. „Wladimirs Saure-Gurkenpredigt“ nimmt den Gedanken der dilettantischen Messe vom letzten Jahr wieder auf (Father Ted lässt grüssen) und führt ihn als absurde Performance durch.

Donnerstag, 13. April – Eröffnung

Vermicellisaussisage/Fotoausstellung

Die Welt ist nicht nur schwarz-weiss! (Sie ist auch Kontrast und Komposition)

Die S/W-Fotographien aus dem Alltag Zürichs sind Momentaufnahmen von Arbeit, über das Warten und Verharren, inmitten einer Architektur, die mal bedrohlich, mal irre, dann wieder dem Untergang geweiht wirkt.

Die Vermicellisaussisage schliesst an den Gottesdienst an, da Vernissagen grundsätzlich gleich wie die Kirche verlaufen. Alles flüstert, ist andächtig, vorne steht ein Typ im schwarzen Gewand und es gibt kostenlos Wein.

Nicht so bei uns, da gibt es allenfalls kostenloses Bier. Und Lenin referiert über Kunst.

Ab 20 Uhr: Referat 100 Jahre Aprilthesen

Ausgehend von Lenins Aprilthesen geben wir einen kurzen historischen Einstieg in die Situation Russlands 1917. Wir geben einen chronologischen Überblick, gehen die wichtigsten Protagonisten und Ereignisse durch, versuchen die chaotische Zeit der Febrauarrevolution fühlbar zu machen und beschäftigen uns mit der Dynamik zwischen den Parteien und der revolutionären Bewegung. Ein dynamischer Vortrag zum Einstieg, für alle, die neugierig sind. Oder: „Alles was Sie schon immer über die Febrauarrevolution wissen wollten, sich aber nie zu fragen getraut haben.“

Ab 21 Uhr: Kurzfilm und Diskussion

Lenin in Zürich“

Ein dilettantischer Kurzfilm. Keine Mittel, wenig Zeit: Schnell und Schmutzig gemacht. Lenin präsentiert seine Thesen vor dem Grossmünster. Wo gibt es den besten Kebap? Sightseeingtour mit Wladimir. Wo kauft Kamenew seine Hüte? Zu welcher Musik tanzt Lenin? Was hält die Krupskaja davon? Werden die Enten die Signale hören…?

Der Kurzfilm ist ein alberner und anarchischer Versuch, Lenin und seine Aprilthesen gegenwärtig werden zu lassen. Im Anschluss Diskussion inklusive aller wichtigen Fragen: Was ist das, ein Sowjet? – Lenin, war der nicht bei den Beatles? – Was interessiert mich 1917, pft? Was können wir aus den Aprilthesen lernen für das Verhältnis von Avantgarde und revolutionärer Bewegung?

Freitag, 14. April – Erlösung

Ab 20 Uhr: Kurzfilm

Die Passionsfrucht Christi“

Grigori Rasputin, aka „Lover of the Russian Queen“ schenkt uns einen Kurzfilm. Man nehme Mel Gibson’s Sado-Maso Liebeserklärung an die Katholische Kirche und lasse anständiges Detournement drüber laufen. Da wird gestrichen, da wird ergänzt, da wird verfremdet und angeeignet. Das Resultat: Ein unanständiger Veitstanz in Bildern, das einzige wahre Programm für besinnliche Ostern. Jesus Christ Superstar. Aramäisch mit deutschen Untertiteln, Soundeffekten aus der Wundertüte und schmissigem Sound.

Ab 21 Uhr: Einführung und Film

Panzerkreuzer Potemkin“

Sergei Eisensteins Film von 1925 über die (gescheiterte) Revolution von 1905 gilt als filmisches Meisterwerk. Wir zeigen ihn. Ist das was Spezielles? Nee… Muss man den gesehen haben? Bloss die blasierten Kunststudenten, die immer davon faseln, ihn aber nie gesehen haben. Lohnt er sich? Ja, doch, immer.

Panzerkreuzer Potemkin: Der Revolutionsfilm, der den Film revolutioniert hat.

Wildcard: Spontanreferate

Abhängig vom Interesse und eurer Beteiligung kommt es im Anschluss zu spontanen Vorträgen. (meldet euch bei Interesse direkt bei uns)

Samstag, 15. April – Erbauung

ab 19 Uhr: Musikabend und Offene Bühne

Wie schon im letzten Jahr führen wir unseren dilettantischen Festabend durch. Es wird gespielt: Revolutionslieder, Arbeiterlieder, Sonstiges. Zum Zuhören, zum Mitsingen. Dazwischen steht die nicht vorhandene Bühne frei und offen für Jede/n. Bringt eure Lieder, eure Instrumente, eure Gedichte; auf der Ersatzbank sitzen Majakovskij und Mühsam.

Sonntag, 16. April – Erlen vor die Säue

ab 19 Uhr: Trash Film Abend

Wir haben 3 Schmankerl aus der sowjetischen Filmkiste. Die Reihenfolge der Präsentation wird durch die Anwesenden selbst bestimmt.

„Viy“ (1967)

Eine Gruselkomödie nach der Novelle von Gogol: Ein junger Theologiestudent begegnet einer Hexe und durchlebt übernatürliche Strapazen. Die Mosfilm-Produktion gilt offiziell als erster Horrorfilm der Sowjetunion.

„Der Autovampir“ (1981)

Ein Notfallarzt kommt einem blutsaugenden Auto auf die Spur. Tschechoslowakischer Horrorfilm mit kapitalismuskritischen Untertönen. Beim Vampirauto handelt es sich um ein umgespritztes Konzeptauto des Autoherstellers Skoda.

„Battle Beyond the Sun“ (1959)

Im fernen Jahr 1997: Nach einem Atomkrieg ist die Erde in einen nördlichen und in einen südlichen Block geteilt. Nun liefern sich Astronautenteams der beiden Blöcke ein Wettrennen im All — und kriegen es dabei mit ausserirdischen Ungeheuern zu tun. Der amerikanische Billigfilmer Roger Corman kaufte 1962 die Rechte am sowjetischen Science-Fiction-Film und beauftragte einen damals noch unbekannten Francis Ford Coppola („The Godfather“), Monsterszenen nachzudrehen.

Montag, 17. April – Erwachet,

Enten der Welt!

Ab 14 Uhr: Workshop Dilettantismus

Für Alle, die mit dem Dilettantismus Kontakt aufnehmen möchten: Seine Methoden, seine Ausrichtung, seine Verfahren. Wir erzählen von den verschiedenen Formen, mit denen wir experimentieren und inwiefern sie funktionieren oder nicht. Abhängig vom Interesse der Teilnehmenden unternehmen wir spontan eigene Versuche.

Ab 19 Uhr: Kongress der

Dilettantistischen Internationale (DI)

Die DI tagt, blickt auf ein Jahr zurück und diskutiert über die eigenen politischen Positionen. Verfassen einer verstörenden Protestnote zum Abschluss.

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2 Antworten to “Sowjetische Ostern: Programm”

  1. April, April — Der Sowjet macht, was er will! | Gruppe Konverter Says:

    […] Es ist wieder so weit: Ostern lümmelt vor der Türe und wir führen erneut thematische Ostern durch. Nach dem letzten Jahr und unserer Ausrichtung auf den Irischen Osteraufstand von 1916 geht es dieses Jahr um Lenins Aprilthesen, die Februarrevolution und die Dynamik zwischen Avantgarde und revolutionärer Bewegung. Zusammengebündelt als „Sowjetische Ostern“. Das ausführliche Programm findet ihr hier. […]

  2. Kurzfilm: Lenin in Zürich – zu den Aprilthesen | Gruppe Konverter Says:

    […] nachfolgenden Film haben wir für unsere Sowjetischen Ostern dieses Jahr gedreht, viel Spass. Der nachfolgende Text soll nochmals einige Gedanken, die wir dabei […]

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