[Gastbeitrag Franco Bellettini] Es war einmal in Europa

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[Etwas Kurzes, das uns Franco Bellettini geschickt hat… Ein Rundumschlag, ein Zürnen. Damit nicht vergessen geht, was man sich vornimmt, zu erinnern… Auf die Frage, ob wir es publizieren sollen, die Antwort: „Nur wenn ihr jedem Leser eine Kalschnikow spendiert…“ – das können wir nicht, aber wir lassen das mal so stehen.]

Es war mal in Europa
in ganz Europa
normal nach
Tränengas statt nach Deo
zu riechen

und den Müll in
Barrikaden zu verwandeln
so normal
wie Konzerte zu stürmen

es war auch einmal undenkbar
dieses Europa der Konzerne
mit Internationalismus
zu verwechseln

damals, als Oekologie Teil
einer sozialen Bewegung
war und der Feminismus
hunderttausende
auf die Strassen spühlte
und nicht nur ein paar
in die Chefetagen

sicher, manches lief schief
und fühlte sich irreal an
aber auch phantastisch
wie ein kleines Land,
Vietnam zum Beispiel, das

die grosse USA vorführte
damals als man KP und
Gewerkschaftsbonzen vor sich
her trieb

was phantastischer war als
Willy Brandts Notstandsgesetze
die er wieder einführte
und die in den dreissiger

Jahren Hitler an die Macht
brachten
so phantastisch wie die
Songs von leonard Cohen

Songs of Love and Hate
als man sich noch Gefühle
wie Wut erlaubte und
es völlig uncool war
cool zu sein

ausser den üblichen
Verdächtigen
die sich um einen Satz
in einem Fugblatt stritten
das eh Niemand las

und wenn,
niemand verstand

es gab auch einmal eine linke
Presse
die heute zu Beliebigkeits-
postilien
der Generation
Cüplitrinker/innen
geschrumpft ist
die „kulturalisiert“ und
die so engagiert sind
wie “ unsere “ Demokratie
um sich resignativ darauf zu
beziehen
natürlich ausgewählt
akademisch
als Klasse an und für sich

noch reicht ja das Kleingeld
für ein paar Spenden
und ein weiches Kissen
nach einem
Kabarettabend, einer
Lesung einer Vernisage

ob das ein Gedicht ist?
beginnst du dich
zu fragen, ja klar
was denn sonst
es ist keine Anleitung

für Wheinachts
dekoration, es ist
polemisch wie eine Rede
Fidel Castros und breit
wie Marlon Brandos

Grinsen
es ist in der Gosse
entstanden und es ist
undankbar, respektlos
tradierten Formen

gegenüber
es verzichtet auf
avangardistische
Mätzchen, es will nur
Spucke

loswerden
die im Magen zuviel
sauere
aufstossende
Perspektivlosigkeit
also unendliche
Langeweile produziert
die jeden
guten Tropfen verdirbt

die Voraussetzung
für ein gelungenes
Gedicht

nicht wie dieses hier
das nicht einmal
wie ein Lied gereimt
ist
und auch nicht in
die Hosen des Rappers
passt
es ist zu wenig weit
heruntergerutscht
um den Arschspalt freizulegen

es kümmert sich einen
Scheiss
also noch weniger
um Formales
wie Slam
den sie für Poetry nennen
es ist nur Atem
Geräusche
durch eine Mundharmonika
gestossen

ein wenig postmodern und
melancholisch wie
ein zerdrückter Hut
eingearbeitet in eine
leicht  manieristische
Schreibweise, die
lieber Pinien
Duft verwenden würde, den
meiner Jugend

statt zerfallene
Fabrikgebäude mit ihrem
Geruch nach brennendem
Plastik und Abfall
der weite Teile des
Südens parfümiert

oder lieber die
vergangen Rundungen
gewisser Frauen
in den Sand der Zeit
nachzeichnen möchte
der heute nur noch aus
Treibsand besteht

ein Sandkasten voller
„Lieberalsozialisten“
und „Anarchisten“
sinnlos wie
Grünliberal und
Rotgrün angemaltes
Wortkompost
der einem entgegenblüht
wenn man nicht
aufpasst, einer

ohne die eigenartige
Poetik agitatorischer
Rhethorik
(die ich in einer
andalusischen
Kleinstadt erlebte,
in einer Podemos
Versammlung)

aber die liegt am ende des
Universums
am ende zivilisatorischer
Errungenschaften
sozialdemokratischer
Provenienz wie Hartz 4

oder Renzis
versuchten „kalten“
Staatsstreich
zum „Wohle“ Italiens
nicht zu vergessen die französisch
kulinarische Ueberraschung
die Sauce Hollandaise
aus Sondergesetzen und
Neoliberalem zusammengerührt

(ja verdammt, ich
weiss, Kalauer ,ich liebe
Kalauer wie die plötzliche
Liebe Zypras zu Merkel
und die Spuren seiner
Küsschen
in ihrem Make up,
die sie dann an Erdogan
weitergeben kann, um auch
einmal etwas zu reimen)

aber ich, altmodisch
und vorbei
nehme dann lieber die
Sternchen des Politclowns
Beppe Grillo
für meine Wheinachtsdeko
immerhin beleuchten
sie jetzt Sizilien
römische Ruinen
und die Ueberreste
Turins

nicht übel für einen
Kabarettisten und ja…

Sinn Fein wäre auch
noch erwähnenswert
aber Irland ist noch
nicht entdeckt worden
von der hiesigen
„Linken“

und alle die, die sich
zusammengerauft haben

aber das ist zuviel
verlangt
über den Tellerrand
ihrer Buchstabensuppe
einen Blick zu riskieren

lieber am
üblich medial versalzenen
parlamentarischen
Wortsalat
herumdoktern

der nicht einmal mehr
Veganern schmeckt

Pause…..

was solls,
ich muss zurück zur
Poesie
meine Muse bleckt
bereits die Zähne

die gute hat noch nicht
realisiert
dass es sich um ein
Gebiss handelt

ich werde ihr dieses
Gedicht und
ein Wasserglas
hinterlassen
damit sie sich nicht
verschluckt
wenn sie
beim träumen, nein
nicht von mir

von Poesie
von Wahrheit
ein Funken davon
und sei es auch nur
abgefallener

der,
einer kurz aufglimmenden
Cigarette

(verdammt, ich habe
wieder angefangen zu
rauchen)

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