Protokoll Gründungskongress der DI (Dilettantistischen Internationale)

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Und hiermit – im Namen des Father Ted – erfolgt die Gründung der DI, am Abend des 28. März 2016, welcher ein Ostermontag ist, und welches 100 Jahre nach der gescheiterten und erfolglosen bewaffneten Besetzung Dublins durch Jene geschieht, die sich bewaffnet hatten um nicht schutzlos ihren Herren und Chefen und deren Staat ausgeliefert zu sein. Or in the name of the holy father jack:  „Drink! Arse! Feck!“

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Der Gründungskongress der DI an den Irischen Ostern 2016

In dem Sinne ist hier das Protokoll zum Gründungskongress nachgeliefert.

Die Sitzung wird eröffnet mit einer Zusammenfassung der Irischen Ostern. Der Konverter hat in den Tagen zuvor anhand des 100jährigen Jubiläums des irischen Osteraufstandes Beispiele von dilettantischer Praxis in diesem gesucht, sowie an verschiedenen Abenden selbst und mit seinem Publikum dilettantische Praktiken erprobt. Die voran gegangenen Abende funktionierten damit gewissermassen als veranschaulichende Vorbereitung für das Thema des Dilettantismus.

Rückblick auf die Irischen Ostern

Der Donnerstag bot einen Einstieg in das Thema des Easter Rising – im Vortrag sowie dem gemeinsamen Gespräch wurde auf die Hintergründe des Aufstands eingegangen. In militärischer und organisatorischer Hinsicht wurde der Aufstand einstimmig als dilettantisch identifiziert. Gleichzeitig haben wir die Rolle der irischen Arbeiterbewegung für den Aufstand erläutert.
Der Freitag bot einen kulturellen Querverweis. Ausgehend von der Irish Renaissance des 19. Jahrhunderts verwiesen wir auf die enge (und auch problematische) Verflechtung von kultureller Betätigung und politischem Widerstand. Durch die künstliche und künstlerische Behauptung einer irischen oder gälischen Identität gegenüber dem Britischen wurde gleichermassen revolutionärer Gesinnung wie auch nationalem Bewusstsein Vorschub geleistet. Solches ist nicht nur auf „schöngeistige“ Volksliteratur eingeschränkt, sondern fand in Irland einen Ausdruck in Sportarten wie Gaelic Football und Hurling. Interessanterweise sind dies Sportarten, welche strikt Amateuren vorbehalten sind; eine Professionalisierung derselben ist verpönt. Der Abend wurde beschlossen mit einer live Übertragung des Fussballspiels Irland-Schweiz, zu welcher wir parallel die Transfermarktsummen dieser modernen Gladiatoren verlasen.
Der Samstag bot einen musikalischen Abend, der als Konzert begann, aber bis zum Ende die Schwelle zwischen Zuhören und Mitmachen aufgehoben hatte. Die Musik bot ein spontanes Programm, das auf das Publikum einging, und bot gleichzeitig die Möglichkeit, selbst etwas vorzutragen. Hierbei war nicht das Können oder die Qualität Masstab, sondern die Bereitschaft, sich mit etwas eigenem einzubringen. Die Grenze zwischen Performance und privatem Anlass verschmolz dadurch und veranschaulichte das Prinzip, dass Jede/r aktiv werden kann; das Publikum (das sich nicht mehr als solches fühlte) war sehr dankbar für diesen Abend.
Der Sonntag bot einen Filmabend, der mager besucht war. Wir beschäftigten uns mit dem Stereotyp des Iren im Film und schauten trashige Horrorkomödien, in welcher dieser vorkommt. Gleichzeitig verwiesen wir auf die historische Herkunft dieser stereotypen Zeichen, nämlich die grosse Emigrationswelle von Iren und die Wahrnehmung dieser (insbesondere in den USA des 19. Jahrhunderts) als unerwünschte Migranten.
Täglich wurde zudem eine „Father Ted“-Messe durchgeführt, bei welcher Laienpriester nicht ganz ernst zum Gebet aufriefen und mit der Gemeinde jeweils eine Folge „Father Ted“ schauten. Father Ted und seine Mit-Fathers wurden als Vorbilder vorgestellt, die dem Geiste des Dilettantismus nahe stehen.

Nach dem Rückblick: Diskussion

Der Konverter erläutert zum Anfang nochmals, dass der Begriff des Dilettantismus als ein Angebot gedacht ist, und dass die Definition dessen, was Dilettantismus bedeutet, noch nicht abgeschlossen ist. Was Dilettantismus meint, müsse durch Jene, die sich dem Dilettantismus zugehörig fühlen, definiert werden.

Zuerst wird das Manifest des Dilettantismus nochmals verlesen und zur Diskussion freigegeben. Als erstes wird die durchgängige Verwendung der ausschliesslich männlichen Form („der Dilettant“) kritisiert. Der Verfasser bekennt sich zum Generischen Maskulinum und dass sprachrhythmische und nicht etwa sexistische Überlegungen dafür verantwortlich sind; desweiteren sei das Manifest öffentlich, und Jede/r, der/die sich als Dilettant/in empfindet, dürfe selbstverständlich eine gendergerechte Version des Manifestes schreiben, wenn ihr/ihm das wichtig ist.

Auf inhaltlicher Ebene entzündet sich eine Diskussion über die Definition des Dilettanten als demjenigen, der es „nicht kann“ in einer der Passagen. Ist – im Umkehrschluss – demfall das „Können“ Ausschlusskriterium für die Zugehörigkeit zum Dilettantismus? Die Gruppe Konverter verneint dies und verweist darauf, dass die Kategorie des „Könnens“ nicht im Zentrum der Überlegungen des Dilettantismus steht. Eher wäre die Frage nach dem Können abzulehnen, da sie relativ ist: Wo hört Nicht-Können auf, wo fängt Können an? Die Unschärfe dieser Grenze führt es mit sich, dass die Frage nach der Könnerschaft immer auch eine Hierarchie mit sich bringt.
Es wird ausgeführt, dass die Frage nach dem Können oder Nicht-Können nur indirekt für den Dilettantismus von Bedeutung ist, als diffuses Gefühl, aus welchem heraus man aktiv wird. Auch wenn man es nicht kann, und sich trotzdem dazu entscheidet, es zu machen – dadurch tritt man als Dilettant hervor. Die Kategorie des „Trotzdem“ ist hierbei die zentralere, denn es geht um eine Selbstermächtigung im Dilettantismus.
Es wird erwähnt, dass in diesem Sinne nicht von Bedeutung ist, was der Dilettant macht, sondern DASS er es macht.

Als nächstes wird auf den Unterschied zwischen Dilettanten, Amateur und Laien eingegangen. Während auf inhaltlicher Definition die Grenze nicht eindeutig zu ziehen ist, so hingegen auf Gefühlsebene. Das Dilettantische als Synonym für das Stümperhafte bringt mit sich eine Ablehnung, die der Dilettantismus bekräftigt und umzudrehen versucht. Desweiteren wird auf die historische Herkunft des Begriffs verwiesen, welcher im italienischen „dilettare“, „sich erfreuen“ liegt, und die Praxis des Adels mitmeint, sich nebenher und ohne entsprechende Ausbildung kreativ zu betätigen. Die Gruppe Konverter führt aus, dass es nicht um eine Affirmation eines überholten Feudalbegriff geht, sondern um eine klare Abgrenzung zum bürgerlichen Verständnis von Kreativität geht, deren Trennung in Spezialisten und passiven Konsumenten sich mittels des autonomen Systems der Kunst (bzw der Kunstschulen und der Vorstellung von Kunst als Beruf) vollzogen hat. Desweiteren wird auf eine Tradition dieses Begriffes jenseits der etablierten Kultur verwiesen, nämlich auf das „Festival genialer Dilletanten“ von 1981.
Der Begriff „Dilettant“ erscheint des weiteren neben den anderen beiden Begriffen der plausiblere. Denn während die Begriffe Amateur und Laie Synonym für eine kleine und armere Ausprägung dessen stehen, was die Spezialisten und der Markt beruflich vollziehen, operiert der Dilettantismus ausserhalb dieses Systems von wenigen Spezialisten und vielen Reservisten. Während dem Amateur oder Laien Sympathie und Wohlwollen entgegen gebracht wird, da sie im Kleinen das reproduzieren, was im Grossen verkauft wird, wird der Dilettant als Stümper denunziert. Es schwingt im Vorwurf, etwas sei dilettantisch, eine Verachtung mit. Da der Dilettantismus sowohl dieses Spiel wie auch die Regeln dieses Spiels zwischen Experten und jenen Amateuren und Laien, die ebenfalls gerne zu den Experten gehören möchten, ablehnt, bzw sogar verachtet, erscheint der Begriff als logische Konsequenz. Die Verachtung, die dem Dilettantischen entgegen schlägt, wird lachend umarmt, und durch das Dilettantistische ins Gesicht der Verachtenden zurückgeschlagen.

Wir definieren: Dilettant sind Viele, dilettantisch ist vieles. Der Dilettantismus ist das Bekenntnis zu solcher Form.

Die Frage kommt auf, wie es mit der gegenseitigen Solidarität zwischen Dilettanten, Amateuren und Laien aussieht? Diese Frage wurde nicht ins Detail ausgeführt, wir fühlen aber, dass uns das noch häufig beschäftigen wird, bei der Frage, mit wem wir zusammen arbeiten möchten und mit wem nicht.

Es wird vorgeschlagen, ein Selbsthilfebuch für Dilettanten herauszubringen. Euphorisch macht man sich daran, dilettantistische Leitsätze zum Dilettantismus zu sammeln.

Die 17 Gebote des Dilettantismus

1. Du sollt dir die Lampe mit Lampenöl füllen.
2. Das haben der so Furz-Ideen.
3. Falls du es tust, sollst du dich nur auf einem zweibeinigen Stuhl zum Experten schwingen.
4. Das Expertli ist nur so lange auf dem Sockel, wie das Dilettantchen auf der Bank sitzt.
5. Ich weiss nicht, warum ich Dilettant bin, aber ich Max.
6. Das Dilettant legt dem Expertli das Handwerkli, indem es es selber aufnimmt.
7. Experten klauen Ideen, Dilettanten klauen im Supermarkt.
8. Der Dilettant lässt sich nicht in ein Schema zwängen.
9. Der Dilettant macht aus Papier Feuereinlagen.
10. Der Dilettant hat ein kurzes Leben, denn er hat seine Lampe selbst verkabelt.
11. Wir sind tätlich, täglich: Dilettanten.
12. Dilettantismus ist vererbbar. Aber vorallem ist es sexuell übertragbar. Sonst würde es keinen Spass machen.
13. Der Dilettant macht jamón aus uns.
14. Der Dilettant ist kein Statist.
15. Der Dilettant hat nur einen Herrn: Die Dilettantin.
16. Wir sind keine Flaschen, wir sind Dosen.
17. Schreib dir selber was hier rein. Dilettanten aller Länder – beteiligt euch!
Dieses Protokoll ist von Dilettanten und Dilettantinnen geschrieben. Es ist zwingend unvollständig.

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3 Antworten to “Protokoll Gründungskongress der DI (Dilettantistischen Internationale)”

  1. Fabian Schwitter Says:

    https://delirium-magazin.ch/2016/04/10/dilettantismus-wirklich-wirklich/

    • Albrecht Says:

      Zitat:
      „Etwas mehr als ein nostalgischer Saufabend mit dem grossspurigen Titel ‚Gründungskongress‘, der wehmütig vergangenen Bewegungen hinterhertrauert, wäre auf jeden Fall zu erwarten.“
      Da liegt wohl ein Missverständnis vor: Der Dilettantismus lädt nicht dazu ein, dass man sich zurück lehnt, und ‚etwas erwartet‘. Das wäre ansonten gerade die klassische Konsumentenhaltung, die der Dilettantismus zu überwinden versucht. Vom Dilettantismus kann man nicht mehr erwarten, als man selbst reingibt; in dem Sinne ist er ein Spiegel. 😉

  2. Fabian Schwitter Says:

    Leider wurde mehr reingekippt als reingegeben. Das ist schon einmal das erste Missverständnis. Im Grunde genommen müsste das Reinkippen von Alkohol proportional zum Reingeben in eine Diskussion stehen.

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