Irische Ostern: Programm

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Das Programm für unsere Irische Ostern, im Detail, steht endlich fest.

Zum Runterladen hier: Das Programm im Detail zu den Irischen Ostern

 

Irische Ostern: Idee und Programm

100 Jahre ist es her…

Dada? Nein, wir meinen nicht diese Tourismuskampagne zur Aufwertung der Stadt Zürich.

100 Jahre ist es her seit dem Irischen Osteraufstand, dem „Easter Rising“. Wir nehmen das als Anlass, um über Ostern ein Programm anzubieten. Ausgehend vom Easter Rising und dessen Geschichte werden wir uns im weitesten Sinne mit Irland beschäftigen. Wir setzen den Schwerpunkt hierbei auf das dilettantische Element, das im Irischen nicht nur häufig vorkommt, sondern kultiviert wird.

In Vorträgen und Referaten, sowie mit Film und Lesungen begeben wir uns auf die Spuren dieses Aufstandes und in Diskussionen, Performances, Gesprächen und in lockerer Atmosphäre mit dem Publikum selber aktiv werden.

Abgeschlossen wird das Osterwochenende mit dem Gründungskongress der Dilettantistischen Internationale.

Türöffnung täglich ab 17.30, Messe ab 18 Uhr; freier Eintritt und Kollekte.

Jeden Tag Punkt 18 Uhr: „Father Ted“-Messe:

„lettuce pray!“

Die irische Comedyserie aus den 90ern handelt von drei unfähigen Priestern, die auf „Craggy Island“ strafversetzt wurden. Neben dem Protagonisten Ted sind es Father Jack (Ein einsilbiger Trunkenbold) und Father Dougal (ein junger Priester von ausnehmend dümmlicher Naivität).

Die Serie hat schnell Kultstatus erlangt, da sie viele umstrittene Themen satirisch präsentierte und sich über die Katholische Kirche lustig machte.

Jeden Tag werden wir um 18 Uhr eine dilettantische Messe durchführen und als Teil des Gottesdienstes eine Folge Father Ted zeigen.

Gründonnerstag, 24. März: Easter Rising

19.30: Vortrag und Crashkurs zum Easter Rising

Was ist das, das „Easter Rising“? Was für eine Bedeutung hatte dieser Aufstand für den weiteren Verlauf der Geschichte Irlands und seine heutige politische Landschaft? Welches sind die Hintergründe, wer war an dem Aufstand beteiligt und wie ging es nach dem Aufstand weiter?

Diese und weitere Fragen werden wir mit einem Vortrag zu beantworten versuchen für all jene, die nichts darüber wissen. Thesenartig versuchen wir die Rolle der Arbeiterbewegung zu skizzieren und die Bedeutung dieses zweifelhaften – ja eigentlich stümperhaften – Aufstands im Kontext des 1. Weltkrieges, der anti-kolonialen Bewegung sowie der revolutionären Welle, die durch Europa ging zu ergründen.

20.30: „Henry der Held“ – Kollektive Lesung

„Have you been reading those Roddy Doyle Books again, Dougal?“

„I have yeah, Ted, you big gobshite.“

Roddy Doyle (*1958), irischer Autor, der in den 90ern bekannt wurde durch seine Romane, die im irischen Arbeitermilieu angesiedelt sind, und die sich durch schnelle Erzählweisen und Alltagssprache auszeichneten.

Der titelgebende Henry ist ein lumpenproletarischer, irischer „Jedermann“. Der Roman erzählt die Geschichte dieser Figur aus der Ichperspektive. Henry erzählt in der Sprache seines Milieus: Wütend, trotzig, frech. Er wächst in den Slums Dublins auf, beteiligt sich am Osteraufstand und wird im Freiheitskampf zum Auftragsmörder.

Gemeinsam werden wir aus dem Kapitel zum Osteraufstand lesen und die Stimmung und Spannungen jener Tage vor dem inneren Auge lebendig werden lassen.

22.30: Dokumentation:

The Rubberbandits‘ Guide to 1916

„The Rubberbandits“ sind ein Komiker-/Hip-Hop-Duo aus Limerick. Ihr Markenzeichen sind die Plastiktüten, die sie als Vermummung und Maske tragen. Bekannt wurden sie mit dem Lied „horse outside“. Für den staatlichen Fernsehsender RTE haben sie auf ihre Art eine satirische Dokumentation zum Aufstand von 1916 gemacht, in welcher sie den historischen Ablauf rekonstruieren. Die Dokumentation spielt mit den gängigen Narrativen, die innerhalb Irlands dazu existieren, gleichzeitig präsentieren die Rubberbandits auf eine gekünstelt prollige Weise ein dilettantisches Bild vom Aufstand, so dass dadurch jede Glorifizierung des selben im Keim erstickt wird.

Karfreitag, 25. März: Sportabend

19.00: Vortrag und Diskussion: Irish Renaissance, GAA und Hurling – Amateursport in Irland

Ende des 19. Jahrhunderts entsteht eine vielfältige Bewegung in Irland, welche auf kulturellem Gebiet das Irisch-Gälische behauptet. Dies geschieht in Literatur, in der Kunst, in der Sprache und schliesslich im Sport. Nicht ganz unproblematisch finden sich hier verklärende Romantik neben klassenkämpferischen Tönen, die Behauptung einer nationalistischen Identität neben anti-kolonialer Befreiung sowie konservative Tradition neben politischem Aufbruch. Nach einem kurzen Einstieg in das Feld beschäftigen wir uns mit dem Amateursport Hurling, dessen heutige Form aus dieser Renaissance hervor gegangen ist, und ergründen das Verhältnis von Kultur, deren Ideologisierung sowie ihrer alltäglichen Praxis vom Standpunkt einer proletarischen Aneignung her.

20.30: Liveübertragung des Fussballspiels Irland-Schweiz: „Public Booing“

Es wäre untertrieben, zu behaupten, der Fussball sei durch die riesigen Geldsummen korrumpiert worden. Als Paradigma kapitalistischer Kommodifizierung ist der Fussball so weit von dem kindlichen Spiel zweier Mannschaften um einen Ball entfernt wie nur möglich. Er übernimmt eine Funktion wie die Gladiatorenspiele des alten Roms. Die Fussballspieler selbst sind auf Millionen bezifferte Wertanlagen.

Parallel zur Übertragung des Spiels verlesen wir die Summen der Spieler – und was man mit dem Geld sonst alles machen könnte.

Samstag, 26. März: Musikabend

14.00: Diskussionszyklus „Kunst/Revolution“: Walter Benjamin, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“

Vor einem Jahr begannen wir mit unserem Diskussionszyklus „Kunst/Revolution“, in welchem wir verschiedene kritische Texte zum Themenkomplex der Kunst versammelten. Im Rückgriff auf das Kulturverständnis und die kreative Praxis anarchistischer, proletarischer und marxistischer Ansätze, sowie in der kritischen Analyse des Begriffes der „Kunst“ und seiner bürgerlichen Ideologie treffen wir uns einmal im Monat, um ausgewählte Texte zu diskutieren. Auch während der Irischen Ostern führen wir den Zyklus durch. Interessierte können den Reader mit den Texten entweder über unseren Blog runter laden, oder direkt bei uns beziehen. Neueinsteiger sind willkommen, auch ohne Vorwissen kann man sich am Zyklus beteiligen. Wir helfen immer gerne.

Ab 20.00: Konzert und Offene Bühne

Gerne und häufig wird von der irischen Musik geschwärmt und erzählt, dass die Musik ein zentrales Element im Alltag sei. Häufig übersehen wird aber, dass neben dieser Musikalität vor allem das Verhältnis zwischen Musikern und Zuhörern ein anderes ist als bei einem eintrittpflichtigen Konzert. Gerade in den kleinen Pubs sitzen Woche für Woche Laienmusiker und proben, als „Bezahlung“ erhalten sie ein paar Pints kostenlos. Sie unterhalten die anderen Pubbesucher, welcher ihrerseits selber im Verlauf des Abends sich vielleicht musikalisch beteiligen, ein Lied vorsingen oder ein Gedicht zum Besten geben.

In diesem Sinne wollen wir einen Abend verbringen, bei dem jeder Zuschauer auch Spieler, Sänger, Performer ist. Aber keine Angst: Niemand muss. Es beginnt mit irischer Musik und Traditionals (Gitarre, Geige, Tin Whistle) und hört als Offene Bühne auf.

Ostersonntag, 27. März: Filmabend

19.30: Vortrag sowie Double-Feature zu Irland im Spiegel des Trashfilms

Es gibt Filme, die sich ernsthaft mit Geschichte und Kultur Irlands auseinandersetzen — und es gibt Filme, die sich in Stereotypen suhlen.

Wir zeigen „Leprechaun“, ein amerikanisches B-Movie von 1993, in dem der irische Kobold zur Hauptfigur einer abstrusen (aber auch unterhaltsamen) Horrorstory wird. Ein Impulsreferat weist auf irische Stereotypen in der Populärkultur hin.

Anschliessend stellen wir die Sehgewohnheiten des Publikums auf die Probe: „Fatal Deviation“ (1998) ist ein legendärer Amateurfilm von der Insel. Der irische Regisseur und Hauptdarsteller Jimmy Bennett hatte keinerlei Erfahrungen mit dem Filmemachen, wollte als grosser Martial-Arts-Fan aber Jean-Claude Van Damme

und Co. die Referenz erweisen. So streiten im Film die Teilnehmer eines Untergrund-Kung-Fu-Rings um die Macht in einem irischen Dorf.

Ostermontag, 28. März: Kongress

19.00: Gründungskongress der Dilettantistischen Internationale

Die Gruppe Konverter besteht seit über 8 Jahren: Ursprünglich als freizeitliche Diskussionsgruppe über eigene „Schubladen“-Kunst gegründet, suchen wir seither die kritische Diskussion über die Rolle der Kunst. Jenseits des bürgerlichen Verständnis von Ästhetik probieren wir durch Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Lesungen und Theater die Auseinandersetzung um die Rolle kreativer Betätigung voran zu treiben. Wir beziehen uns in Theorie und Praxis auf die historischen Arbeiterbewegungen und versuchen, diesen vernachlässigten Part wieder in Erinnerung zu rufen.

Mit dem „Manifest des Dilettantismus“ wollten wir einen Schritt weiter gehen, und versuchten, auf den Punkt zu bringen, woran wir seit Jahren arbeiten. Das amateurhafte oder laienhafte einer massenhaften Aneignung künstlerischer Verfahren ist für uns nicht nur ein Nebenschauplatz, sondern integraler Teil politischer Auseinandersetzung. Erst recht heute, da wir in einer Massenkultur leben, aber diese Kultur nicht durch die Masse selbst definiert wird.

Wir laden unsere Freunde und Genossen und alle Interessierten ein, mit uns den Dilettantismus zu diskutieren. Was ist der Dilettantismus? Was kann er für mich machen? Wie viel kostet der Dilettantismus? – sind nur die Einstiegsfragen.

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2 Antworten to “Irische Ostern: Programm”

  1. Irische Ostern | Gruppe Konverter Says:

    […] Es ist wieder so weit, Veranstaltung in der Garage! (Das genaue Programm ist mittlerweile online) […]

  2. „Die Revolte der Pinguine 2“ – Thementag | Gruppe Konverter Says:

    […] der im Nonnenmilieu angesiedelt ist. Wir haben das Format der „Father Ted“-Messe schon mehrmals während unserer Irischen Ostern durchgeführt und jene, die es kennen, sind bekennende Gläubige (oder waren es […]

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