Buchkritik: Superhero von Anthony McCarten

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Originaltitel: Death of a Superhero
Übersetzung: Manfred & Gabriele Kempf-Allié
Verlag: Diogenes, 2007

Der 14jährige Donald leidet an Leukämie und hat die Schnauze voll von seinen Eltern, seinem Bruder, seinen Freunden und vor allem von seinen aufwallenden Hormonen und verbringt seine Zeit damit, einen Comic über Miracle Man zu zeichnen, einen furzenden und unsterblichen Superhelden, der es ständig mit rattenscharfen Weibern treibt.

Der kunstliebende Psychotherapeut Adrian, der hartnäckig versucht, Donald wieder zu Lebensfreude zu verhelfen (auch wenn der griesgrämige kleine Krebskrüppel den verweichlichten Therapeuten-Fettsack anfangs genau so wenig leiden kann wie sonst irgendwen), setzt sich schliesslich ein Ziel: Ausgehend von Donalds Wunsch, nicht als Jungfrau zu sterben, will er den Jungen heimlich einer Prostituierten zuführen …

Einem Krebspatienten die Jungfräulichkeit nehmen, bevor es zu Ende geht? Ich bin sicher, das hab ich schon irgendwo mal gehört, aber es will mir partout nicht einfallen, wo. Egal: McCartens Roman ist so oder so nicht wahnsinnig originell, aber unterhaltsam und schnell durchgelesen. Es braucht nicht viel, um die Themen des Romans zu durchschauen: Donald verarbeitet über seinen Comic zum einen seine Biographie, erfüllt sich aber über diesen auch seine Wünsche und Fantasien, besonders in sexueller Hinsicht – wobei eine Wende festzustellen ist: Zeichnet er vor der Begegnung mit der Prostituierten offensiv sexualisierte Comic-Superweiber mit ausladenden Körperformen, so dient ihm besagte Prostituierte als Modell für eine realistische, zurückhaltende Zeichnung. Damit sind ein paar eher platte Aussagen über das Verhältnis von Kunst und Leben sowie über die Darstellung von Frauen in Superheldencomics gemacht.

Apropos Kunst und Leben: Therapeut Adrian, Liebhaber von klassischer Musik und Ölmalerei, lernt dann in seiner Auseinandersetzung mit Donald, dass man nicht bloss in schönere Sphären exkapieren kann, sondern auch mal richtig leben soll. Sonderlich tiefsinnig ist das ebenfalls nicht.

Aber der Roman bindet einem das nicht allzu aufdringlich auf die Nase und bleibt schön leichtfüssig. Dies auch deshalb, weil die Geschichte nicht in handelsüblicher Prosa aufgeschrieben ist, sondern in einer Mischform aus Prosa und Drehbuch, in die man als Leser erstaunlich gut reinfindet und die aufgrund ihrer knackig-knappen Effizienz für hohes Lesetempo sorgt. Auch die Comics werden in Skript-Form nacherzählt – wobei sich dringlich die Frage stellt, weshalb McCarten nicht konsequent den letzten Schritt auch noch gegangen ist und die Comic-Parts tatsächlich als Comics präsentiert (im Zweifelsfalle hätte er doch einen Zeichner engagieren können). Eine übel verpasste Chance. Ansonsten nicht allzu furchtbar, das Buch.

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