Archiv für die Kategorie ‘Kurzgeschichten’
Der Klang
Februar 28, 2009Letzter Halt
Juli 31, 2008Leise schwebt der Engel über den Köpfen der Vorbeieilenden. Er wacht über seine Herde und beschützt sie, schaut, dass jeder auch seinen Zug nicht verpasse und tröstet, falls es doch passiert ist. Die Skulptur schwebt über der riesigen Halle und manch einer, der eigentlich gar keine Zeit hätte, hält an und betrachtet den fliegenden Koloss. Geräusche bilden zusammen eine Symphonie der Disharmonie, ein Konzert, in dem heute der Kontrabass ein abfahrender Zug ist und das Horn diesmal ein am Bahnhof vorbeifahrendes hupendes Auto. Ab und an hört man einen schrillen Schrei, der die skurrile Musik übertönt, der sich durch die Halle drängt, an den Wänden abprallt und dann durch das Geräusch eines einfahrenden Zuges verdrängt wird, um in den Köpfen der Reisenden noch einige Sekunden zu verweilen. (mehr…)
Der Klavierkünstler
Mai 22, 2008Der Saal war riesig, aber bis hin zu den hintersten Rängen besetzt. Ausverkauft! Die Leute flüsterten und tuschelten miteinander und man hätte wohl ein gewaltiges Gemurmel hören können, wäre der Raum akustisch nicht so konstruiert gewesen, dass er jedes Geräusch aus dem Publikum schluckt, bevor es die Vorführung stören kann; allerdings würde jeder einzelne Zuhörer, auch wenn er ganz hinten in der letzten Reihe neben dem Eingang sässe, selbst den leisesten Ton mitbekommen, der von der Bühne käme. Aber der Vorhang war noch immer unten, das Publikum wurde zunehmend unruhig. Die Verspätung von inzwischen einer Viertelstunde war doch etwas ungewöhnlich, in diesen Hallen ging es ansonsten pünktlicher zu Werke.
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The Pickening
April 27, 2008Der Wind trieb nebst gelbem und braunem Laub einen geöffneten, herrenlosen Schirm über den kleinen Markplatz; Klaus liess ihn vorbeiziehen, ehe er an den Stand für gebratene Kastanien heran trat.
„Scheisswetter heute, was?“, grüsste Bruno, um daraufhin lautstark in sein Taschentuch zu schnäuzen, während Klaus die Auslage prüfenden Blicken unterzog. Eine weitere Böe wehte über den Platz. Leute zogen die Köpfe ein und vergruben ihre Hände in den Taschen. Wenigstens kein Nieselregen mehr. Klaus liess sich eine Tüte Kastanien geben.
Er kopfnickte zu einem leeren Verkaufsstand neben dem von Bruno. „Sag mal, wo ist Sepp abgeblieben?“
„Weiss nicht, war gestern schon nicht hier.“
„Ja, hab ich geseh’n. Ich wollte eigentlich Eier fürs Frühstück…“
Die beiden wurden von der fetten Hilda unterbrochen. Während Bruno ihr eine Tüte gab und sie daraufhin wieder von dannen wankte, meinte Klaus: „Wir sollten vielleicht mal vorbeischauen bei ihm. Ich hab gestern Abend bei ihm angerufen, wegen dem Pokerspiel; hat sich keiner nicht gemeldet.“
„Hm, komisch. Naja. Um fünf ist hier Schluss, dann fahren wir mal raus. Kann ich gleich meinen Rasenmäher wieder mitnehmen.“
„Oh, okay.“
„Gut.“