Titel: Tannöd
Autorin: Andrea Maria Schenkel
Erstmals herausgegeben: 2006
Verlag: btb
„Tannöd“, der Debütroman der Arzt-Gattin, Hausfrau und Mutter Andrea Maria Schenkel, lag eigentlich schon eine ganze Weile in den Läden, als sich das Büchlein plötzlich zu einem veritablen Hit entwickelte, wochenlang auf den Bestsellerlisten zu finden war und diverse Preise einheimste; inzwischen gibt es auch eine Hörspiel- sowie Bühnenfassung und läuft bekanntlich gar eine Verfilmung im Kino (weswegen ich überhaupt erst darauf aufmerksam wurde, hüstel).
Bei ihrem kleinen Überraschungshit liess sich Schenkel von einem wahren Fall von 1922 inspirieren, der sich im oberbayerischen Hinterkaifeck zutrug – sechs Leute wurden auf einem Bauernhof umgebracht, der Mörder ward nie gefasst. Dieser Mehrfachmord war schon öfters Gegenstand fiktionaler und dokumentarischer Bücher oder Filme (ein gewisser Peter Leuschner strengte übrigens eine Anklage wegen Plagiats an, habe sich die Autorin von „Tannöd“ doch bei seinem 1978 erschienenen Sachbuch „Hinterkaifeck – Deutschlands geheimnisvollster Mordfall“ bedient – die Klage wurde abgewiesen). Im vorliegenden Roman jedoch werden die Geschehnisse in eine andere Zeit und eine fiktive Ortschaft versetzt, was die Möglichkeit bietet, nach Belieben umzugestalten und Lücken zu füllen (so wird hier beispielsweise doch noch ein Mörder präsentiert, wäre sonst auch ein bisschen frustrierend gewesen).
Das Buch spielt immer noch in der bayerischen Provinz, aber im fiktiven Ort Tannöd und Mitte der Fünfzigerjahre: Die Danners, Bauern von Beruf, sind etwas eigenbrötlerisch und seltsam. Der Familienvater ist ein herrischer alter Tyrann, der den Mägden nachsteigt, seine Frau flüchtet sich ins Frömmlerische. Barbara Spangler, die erwachsene Tochter, hat zwei Kinder; das erste stammt von ihrem nach nur einem Jahr davongelaufenen Ehemann, das zweite vom Bauern Georg Hauer, welcher der jungen Dannerin nach dem Tod seiner eigenen Frau den Hof gemacht hat. Freilich geht die Gerüchteküche, dass in Wirklichkeit beide Sprösslinge vom alten Danner stammen.
Eines Morgens fehlt plötzlich Marianne, Barbaras Tochter, unentschuldigt in der Schule – und bleibt fort. In den nächsten Tagen sieht keiner, weder der Postbote, noch ein Monteur, der draussen war, noch die Nachbarn einen der Danners oder deren Magd. Schliesslich wagt sich jemand auf deren Hof, um nachzuschauen, was eigentlich los ist…
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