Archiv für Oktober 2009

Herr Kühne

Oktober 28, 2009

er fegte die letzten

hausgeister und wetterhexen

mit einem alten besen

von der steinernen türschwelle

und murmelte dabei etwas von

„scheissplage“

und setzte sich danach

teewasser auf.

 

er nahm den

mokkabraunen citroen ami 8

mit viel krach aus der garage

und stotterte im nebeldunst

des flötendünnen auspuffs

lotternd blau davon.

 

er kämmte

das schütter gefärbte strähnenhaar

nach hinten

und den walrossschnurrbart

zum rahmen um den mund

verpackte den eiermannbauch

im beigen pullunder

und schüttelte im garten

irgendwelche bäume.

 

er schonte seine hüften

pantoffel schlurfend im pinguingang

und blitzte mit der hornbrille in die sonne

das letzte mal, das ich herr kühne sah

krächzte er mit einer fehlzündung knatternd

etwas von

„scheissplage“

und schloss dann die knarrende tür

zu seiner garage.

Beton, 8. Szene (Unmöglichkeit der Liebe)

Oktober 25, 2009

Garantiert frisches Gemüse. Sie werden es lieben. Wirst du mich lieben? Mit Garantie.

(mehr…)

Tan-Tram

Oktober 14, 2009

Er sass und fühlte die Sonne. Die Wärme ging durch die Kleidung und er schloss die Augen. In seinem Kopf sah er sich als ein Tier, das in der Sonne lag. Er vergass seinen Hunger: Sein Bauch war warm und lag nackt der Welt gegenüber. Ein Messerstreich eines zornigen Vorbeigehenden oder eines Jägers, der in ihm eine Trophäe erblicken mochte, wäre ausreichend gewesen, ihn glücklich alleine zu lassen. Mit geschlossenen Augen, einem warmen Gefühl und ausströmendem Blut wäre das alles ruhig zu Ende gegangen.

Das Tram hielt, er öffnete die Augen und einer der Sitze wurde frei. Er setzte sich. Geschundene Gesichter blickten an ihm vorbei, durch ihn hindurch. Er tat das selbe. In den Gesichtern meinte er die Zeichen der Fäuste zu sehen: Die Schläge von Ehrenmännern und freundlichen Nachbarn. Die eitlen Fäuste, so vermutete er, fürchteten wohl, auch ihn zu schlagen. Er trug eine Brille und die Fäuste fürchteten wohl das zersplitterte Glas, das sich dann in sie gebohrt hätte.

Buchkritik: Lunar Park von Bret Easton Ellis

Oktober 13, 2009

LUNAR PARK

Autor: Bret Easton Ellis
Übersetzung: Clara Drechsler, Harald Hellmann
Herausgegeben (im Original): 2005
Verlag: Heyne

Bret Easton Ellis dürfte den meisten dank „American Psycho“ ein Begriff sein, ein der Gewaltverherrlichung und Frauenfeindlichkeit angeklagter Skandalroman, der schon vor seinem Erscheinen einen gewaltigen Rummel auslöste, es in Deutschland zur (inzwischen auch schon länger wieder aufgehobenen) Indizierung brachte und 2000 mit einem gewissen Christian Bale in der Hauptrolle (*leicht* entschärft) verfilmt wurde. Vorher schon nicht ganz unbekannt und gefeiert als Mitglied des sogenannten literarischen Brat Pack, stieg Ellis durch den überragenden Erfolg des Buches (und die heftige Kontroverse um dasselbige) endgültig zum Kultautor auf.

Genau darum geht es dann unter anderem auch in „Lunar Park“, dem vierzehn Jahre später veröffentlichten, jüngsten Werk des Schriftstellers: Dieses handelt von einem Schreiberling namens Bret Easton Ellis, der durch den Roman „American Psycho“ zum literarischen Megastar aufsteigt. Aber schneller, als man „Autobiographie!“ schreien kann, relativiert sich das auch schon wieder: Zwar beginnt das Buch mit einem Karriereüberblick, der sich recht nahe an das Leben des echten Ellis hält, doch schleichen sich von Beginn weg Irritationen ein, wenn zum Beispiel der Ich-Erzähler behauptet, in Camden College studiert zu haben – diese fiktive Institution hat nie ausserhalb des Romans „Less Than Zero“ existiert. Vollends erfunden sind dann die berühmte Schauspielerin Jayne Dennis und die Beziehung des Autors zur selbigen; das Gleiche gilt für den gemeinsamen Sohn Robby. Die Vermischung von Biographie und Werk (immer schon ein Merkmal von Ellis’ Büchern) derart auf die Spitze getrieben, wird der allzu nahe liegende Drang, aus dem Buch Rückschlüsse auf den Autor zu ziehen (etwas, das Ellis mehrfach erlebte), lächerlich gemacht. Der Erzähler im Roman sagt dann auch beispielsweise zu „Less Than Zero“: „Das Buch wurde als Autobiografie missverstanden […], und die reisserischen Szenen darin […] basierten auf blutrünstigen Gerüchten […], nicht auf eigenen Erfahrungen“ (S. 15f.). Der Leser ist gewarnt, vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

(mehr…)

Mr. Block traut der Bank (selber Schuld)

Oktober 5, 2009

In Zeiten der Krise…

war alles schon mal da…

zieht eure Lehren…

verschont mich mit schwurbeligen Analysen.

trustthebanksD