Die Ungeduld, die da drinnen steckt: Jung zu sein. Doch, bei näherem Besehen: Der Drang zur Freiheit tränkt die Verzweiflung gegenüber der Welt. Es ist nicht Egoismus, der da sagt: „Ich will!“ – sondern die nachvollziehbare Verweigerung des noch jungen, angesichts des Alten, des Errichteten, des Monumentalen, das sich erdreist, sich über alles zu erheben mit seinem Anspruch, es ist der Widerspruch, der Anspruch auf ein eigenes, selbst bestimmtes Leben, das schreit: „Ich will nicht – so – ich will: Anderes!“
Wer will das verurteilen? Mir waren die Jungen immer schon ein Graus, die behaupten, das sich Biegen nicht zum Brechen führt, dass das Alte wohl Ehrfurcht verdiene, da es ja schliesslich auch alt geworden ist. Mir war seit je her Jugend suspekt, welche die Schwelle zum Leben kriechend überschreitet. Ich weiss, das Altern wird uns alle biegen und bücken machen, doch dafür muss man einst stolz, uneinsichtig, ja sagen wir: radikal wie es nur Jugend sein kann, gewesen sein. Was schon in der Blüte seines Lebens kriecht, kennt den Boden bereits zu gut. Hütet euch vor den altgeborenen Jungen, die staatsmännische Vernunft mit sich tragen und jeder Leidenschaft mit Einsicht und Argumenten den gefühlten Nährgrund austrocknen.
Es schreit eine Stimme in der Nacht, sie klingt jung: Es ist alles zum Kotzen. Ihr könnt mich mal.
Es flüstert in einem Hauseingang: Darf ich noch reinkommen, ich will auch nicht stören. Und du hörst kein Türe zuschlagen und keine Worte von wegen dass morgen frühaufstehen angesagt ist.
Es weint auf einem Balkon, verhalten und spröde und niemand sagt: Morgen hat sich das wieder gelegt.
Stell dir die Stadt vor, wo alle morgens die Luft einsaugen, als wäre es der letzte Atemzug.


