Archiv für November 2008
Debilator #2
November 26, 2008Debilator #1
November 19, 2008Aphorismus 2.0
November 13, 2008Von allen Verkehrsmitteln ist das Fahrrad das sinngemässe unserer Zeit: Nach unten trampeln, nach oben buckeln.
Asche im Schnaps, 11. Szene
November 8, 2008Unlust am Abend
November 1, 2008Unlust am Abend. Draussen regnet es, und der Blick folgt den Regentropfen, die an der Fensterscheibe kleben, so aufdringlich kleben. Als wollten sie reinkriechen ins Warme, als lauerten sie auf den richtigen Moment, da niemand hinschaut; als wären sie Feinde wie alles, das sich da draussen grau, nass und kalt präsentiert. Aber selbst in der Wärme der Kneipe ist das Bier schal und die Luft stickig und abgestanden vom Rauch. Die Trinkenden zu später Stunde sind alte Männer mit tiefen, verfurchteten Gesichter, ohne Ausdruck, ohne Leidenschaft, ohne Trauer. Sie verziehen sich nur kurz, die Minen, wenn das Bier im Maul gespühlt wird, gedreht und gewendet mit der Zunge, geprüft auf seinen ekligen, säuerlichen, bitteren Geschmack. Überhaupt wirkt alles bitter: Die Gäste, der Raum, das Holz der Tische und Bänke und das fahle Licht. Bitter wie alles vor dem Fenster, es lässt Niemanden lost, dieses ewige erinnert werden an die Bitterkeit. Was kann man denn noch an Bildern mit sich tragen unter solchen Umständen? Verbitterung ist eine häufige Lösung, der innerlich geballte Zorn, den der Säufer an der Theke in einem Schrei loslässt. Ein Schrei, von einem gehetzten Tier, einer verletzten Bestie und doch eher an das Jaulen eines abgemagerten Köters erinnernd. Den Rest des Abends ist er dann stumm. Diesen Schrei hat ihm die Bedienung noch gegönnt. Man hat es ihm schon mehrmals gesagt und ihm gedroht. Aber nach seinem Schrei oder Jaulen oder Kläffen, seinem Aufheulen, das er ritualisiert einmal pro Abend sich gönnt, wird es ruhig um ihn und er versinkt mit den Augen in seinem bitteren Bier.


